Wo immer in der Kommunikation ein Vakuum entsteht, werden Gift, Müll und Unrat hineingeworfen.

[Cyrill N. Parkinson]

Psst. Haben Sie schon gehört, dass Mitarbeiter wesentliche Informationen über ihren Arbeitgeber zu 63 Prozent via Flurfunk beziehen? Vermutlich nicht. Diesen Mittelwert habe nämlich ich errechnet – aus diversen Studien über den Wirkungsgrad von Bürogerüchteküchen. Damit ist er zwar wissenschaftlich kaum haltbar, dafür aber einprägsam. Und wo immer Ihnen dieser Wert künftig begegnet, haben Sie jetzt zugleich ein gutes Beispiel dafür, wie Gerüchte funktionieren.

Die Indiskretion fasziniert. Schon immer. Wir ergötzen uns an dem Wissensvorsprung, an dem kurzfristigen Überlegenheitsgefühl, etwas zu verkünden, was noch keiner weiß. Und meist laben uns zugleich an der unglaublichen Blödheit der anderen. So weit, so alltäglich. Genauso wie das leichtfertige Schwatzen, Anmerken und Kommentieren. In der Regel ist das gar nicht böse gemeint - nur unbedacht. Aber selbst gut gemeint ist schon der kleine Bruder von Arschloch. Manch locker daher gesagte Bemerkung kann anderen richtig weh tun, die Kollegen in Verlegenheiten oder gar echte Karrierekrisen stürzten. Muss ja nicht sein.

Da gilt dann eher das einstige Programm-Motto von Kabarettist Dieter Nuhr: Einfach mal die Fresse halten.

Deshalb an der Stelle fünf Beispiele von Sätzen, die Sie bitte nie, nie, nie zu Kollegen sagen sollten...

Ach, hättest du doch geschwiegen...

Bist du schwanger?

Ganz blöde Frage. Denn falls die Kollegin tatsächlich schwanger ist, möchte sie sicher selbst den Moment wählen, wann sie es im Büro erzählt. Ist sie nicht schwanger, kommt die Frage einem Affront gleich und könnte die Betroffene in eine Diätkrise stürzen. Aus demselben Grund verbieten sich auch alle anderen Anmerkungen zur Figur, selbst die vermeintlich positiven vom Typ: "Du isst immer so wenig. An dir ist doch nichts dran..."

Ich hab auch keine Ahnung. Mir sagt ja keiner was!

Besser kann man nicht dokumentieren, dass man weder zu den Leistungsträgern noch zu den Informationsknotenpunkten im Unternehmen gehört. Denn beide werden oder sind in der Regel gut informiert.

Das ist nicht mein Job.

Selbst wenn das stimmt: Wir alle erledigen immer wieder Aufgaben auf der Arbeit, die nicht zu unseren Kerntätigkeiten gehören - einfach, weil es nett ist, Kollegen entlastet oder weil es eben gerade getan werden muss. Sich in einem solchen Fall auf Paragrafen zu berufen, beweist werder Teamgeist noch Engagement. Und der internen Reputation dient es sicher auch nicht.

Hast du schon gehört: Die Petra schläft mit dem Klaus!

Gewiss, derlei Klatsch und Tratsch ist beliebt. Kleine Sexgeschichten, wer gerade mit wem was laufen hat, heizen die Phantasien der Belegschaft so richtig an. Blöd wenn man selbst eines Tages Thema ist. Und mal ehrlich: Affären gehen keinen etwas an, sie sind Privatsache. Wer an dieser Stelle also zeigt, dass er oder sie die verortete undichte Stelle im Büro ist und vermutlich die Bedeutung des Wortes Diskretion nicht kennt, erzielt mit der Weitergabe solcher Eskapaden nur einen Pyrrhussieg: Erstens, weil immer etwas vom Dreck am Werfer selbst kleben bleibt. Zweitens, weil Lästern nicht gerade von einem noblen Charakter zeugt. Drittens, weil sich die Mitteilung als unwahr herausstellen kann. Dann gilt der Urheber entweder als notorischer Falschmelder oder als ahnungsloser Wichtigtuer.

Oha, du hast dich heute ja richtig rausgeputzt. Hast du etwa noch ein Vorstellungsgespräch?

Die Frage ist hinterhältig, und Freunde macht man sich damit schon gar nicht. Angenommen, die Kollegin hat tatsächlich noch ein Bewerbungsgespräch, dann wird sie das jetzt wohl kaum sagen. Die Frage nötigt also zur Lüge. Angenommen, die Kollegin hat kein Jobinterview, dann muss sie sich spätestens jetzt Sorgen darüber machen, dass Sie denken, sie hätte eins.

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