Einladung beim Chef-Regeln
Es ist ein großes Kompliment: Sie und Ihr Partner oder Ihre Partnerin haben eine Einladung beim Chef zum Abendessen bekommen: Wie verhalten Sie sich? Gut: Sie sind nicht mit dem Düsenjet durch die Kinderstube gebraust, daher sind Ihnen die Grundregeln vertraut. Aber wie war das nochmal mit der richtigen Garderobe? Muss ich Dinge essen, die ich nicht mag oder nicht vertrage? Wer sagt wann was? Eigentlich kann man da nicht viel verkehrt machen, oder? Hier bekommen Sie einen Überblick über die wichtigsten Knigge-Regeln, auf die Sie achten müssen. Denn was im (Büro-)Alltag funktioniert, lässt sich in dem Fall leider nicht eins zu eins übernehmen...

Ein Leitfaden für einen gelungenen Abend

Zunächst einmal ist eine Einladung beim Chef ein Vertrauensbeweis, der Ihnen ausgesprochen wurde. Offenbar schätzt er Sie und Ihre Arbeit. Eine Einladung zum Essen kann für ihn eine Gelegenheit sein, das in Sie gesetzte Vertrauen zu prüfen und zu stärken.

Das ist eine positive Nachricht!

In dem folgenden Schritt-für-Schritt-Leitfaden zeigen wir Ihnen die klassischen Stolperfallen im Umgang mit Vorgesetzten. Auch wenn der Rahmen bei einer Einladung zum Chef nachhause eher privater Natur ist, gilt es einige Dinge zu beachten. Vieles davon lässt sich leicht umsetzen, wenn es erst einmal verinnerlicht ist. Das fängt bereits mit der Einladung vom Chef an und hört mit dem erfolgreichen Abschluss des Abends auf.

Aber der Reihe nach...

  1. Die angemessene Reaktion auf die Einladung vom Chef

    Wie Sie auf eine Einladung reagieren, kann bereits Folgen haben. Das hängt davon ab, wie die Einladung ausgesprochen wurde: Ist sie mündlich oder gar schriftlich erfolgt?

    Um sich von Beginn an zu bewähren, gilt es eine angemessene Reaktion auf eine Einladung zu zeigen. Wenn Sie zum Beispiel mündlich erfolgt ist, antworten Sie logischerweise direkt und bedanken sich dafür. Zudem können Sie sich gleich nach dem Dresscode für den Abend erkundigen. Sind Sie zum Beispiel Vegetarier, ist das ebenfalls eine wichtige Information - diesmal für den Gastgeber, sofern Sie nicht mit Sicherheit wissen, dass Ihr Chef ebenfalls einer ist.

    Erfolgt die Einladung schriftlich, reagieren Sie bitte ebenfalls schriftlich darauf. Sie bedanken sich in Ihrer Antwort für die Einladung und das Vertrauen und haben nun die Gelegenheit, kurz Hinweise zu Allergien oder ernährungsspezifischen Besonderheiten anzugeben, damit sich Ihr Gastgeber darauf einstellen kann.

    Achtung Fettnapf: Hier lauern Gefahren

    • Der größte Fauxpas wäre, die Einladung lediglich hinzunehmen und gar keine Reaktion zu zeigen. Ein Feedback und Dankeschön zu geben, ist absolute Pflicht.
    • Sie vergessen zu erwähnen, dass Sie überzeugter Veganer sind und Ihr Chef wartet mit dem Sonntagsbraten auf. In dem Fall wäre der Koch beziehungsweise die Köchin zurecht schwer beleidigt.
    • Sie haben eine Laktoseintoleranz, vergessen das zu erwähnen und nehmen dann nicht einmal Ihre Laktase-Tabletten mit.
  2. Einladung beim Chef: Was ziehe ich an?

    Wie heißt es so schön: Kleider machen Leute. Die Kleidung sollte dem Anlass angemessen sein. Die Uhrzeit der Einladung spielt dabei allerdings eine entscheidende Rolle.

    Sind Sie nur zum Nachmittags-Kaffee eingeladen, wäre es natürlich übertrieben in Abendgarderobe zu erscheinen. Umgekehrt gilt: Ab 18 Uhr erscheinen Sie im feineren Abendoutfit. Schwarze Schuhe sind dann zum Beispiel ein Muss.

    • Für Männer gilt, dass die Farbwahl des Sakkos etwas großzügiger gehandhabt werden kann. Schwarz wäre theoretisch möglich, ist aber unter Umständen zu elegant für ein einfaches Abendessen. Es empfiehlt sich daher eher auf dunklere Farben wie Blau oder Grau zurückzugreifen. Für das Hemd wählt man(n) am Abend lieber die Farbe weiß.
    • Für Frauen gilt ebenfalls der Business-Dresscode, sprich klassischer Mix aus Twinset oder Bluse und Hose oder Shirt und Blazer.

    Achtung Fettnapf: Hier lauern Gefahren

    • Sie greifen auf Ihre Lieblingsjeans zurück, weil die so schön bequem ist, und schließlich ist man ja nicht mehr auf der Arbeit... Fehler! Sie dürfen abends zwar die Krawatte weglassen, aber zu leger sollte es nicht zugehen. Da es eine Einladung beim Chef ist, gelten zumindest noch ein paar Business-Regeln.
    • Wenn Sie die Krawatte zuvor umbinden, muss sie beim Essen auch unbedingt um bleiben – es wird keine Kleidung mehr abgelegt, daher sollten Sie insgesamt eher auf leichte Kleidung zurückgreifen.
    • Löcher, Falten, Flusen und Fettflecken sind absolute No-Gos. Daher kontrollieren Sie Ihre Kleidung zuvor.
  3. Welche Gastgeschenke eignen zur Einladung beim Chef?

    Ein Gastgebergeschenk ist immer eine nette Geste und honoriert den Aufwand, den ein Gastgeber hat. Überreicht wird es bei der Begrüßung.

    Je nachdem, ob Sie eine Frau oder einen Mann als Vorgesetzten haben, sollten Sie sich für ein entsprechendes Geschenk entscheiden. Mit einem Blumenstrauß oder Pralinen im Falle einer Chefin und einem guten Wein, wenn Ihr Chef ein Mann ist, machen Sie prinzipiell nichts verkehrt. Das gilt auch für die Frau des Gastgebers. Die Tücke liegt hier allerdings wieder mal im Detail. Achten Sie auf folgende Dinge:

    Beim Geschenk für die Frau:

    • Wählen Sie unverfängliche, stilvolle Schnittblumen.
    • Bei zwei verschiedenen Sorten Schnittblumen nehmen Sie am besten eine ungerade Zahl.
    • Sollte der Strauß in eine Manschette gefasst sein, bleibt diese um den Strauß herum.
  4. Beim Geschenk für den Mann:

    • Wählen Sie einen hochwertigen Wein, am besten aus einer Weinhandlung.
    • Sollten Sie bestimmte Hobbys oder Vorlieben Ihres Chef besser kennen, können Sie auch einen schönen Bildband über ein favorisiertes Urlaubsland oder ähnliches mitbringen.

    Achtung Fettnapf: Hier lauern Gefahren

    • Die falschen Blumen: Rote Kavaliersrosen, aber auch weiße Lilien werden im Allgemeinen als unpassend empfunden – Erstere, weil sie Verehrern vorbehalten sind; Letztere, weil sie mit Grabschmuck assoziiert werden.
    • Nehmen Sie nicht genau 13 Blumen – die Menge wird als Unglückszahl empfunden.
    • Blumen werden stets unverpackt übergeben - also unbedingt vorher Papier oder Folie entfernen.
    • Investieren Sie ruhig ein paar Euros mehr in den Wein. Für etwa zehn Euro bekommt man bereits einen guten Wein. Zwar können auch günstigere Weine qualitativ einwandfrei sein, dennoch macht sich eine Flasche aus dem nächsten Discounter nicht besonders gut. Ein Qualitätswein aus einer Weinhandlung spricht für ein gewisses Maß an Wertschätzung.
  5. Einladung beim Chef: Die richtige Begrüßung

    Wenn Sie der Einladung Ihres Chefs folgen, versteht es sich von selbst, dass Sie pünktlich kommen. Es gibt einige wenige Ausnahmen, wann man nicht exakt zur angegebenen Zeit kommen sollte – etwa wenn eine Uhrzeit mit "ab 21 Uhr" angegeben ist. Dann handelt es sich allerdings eher um eine größere Feierlichkeit. Bei einem Abendessen müssen Sie davon ausgehen, dass die Speisen entsprechend vorbereitet werden und nicht beliebig warm gehalten werden können.

    Am Ziel angelangt, hängt es davon ab, wer Ihnen die Tür öffnet: Üblicherweise gibt man der Person zuerst die Hand, die einem zuerst entgegen tritt. Sollte also die Frau des Chefs die Tür öffnen und der Chef selbst nicht zu sehen sein, ist klar, dass sie als erste begrüßt wird. Auch wenn beide Partner gleichzeitig an der Tür erscheinen, gilt "Ladies first". Dies steht im Widerspruch zu Begrüßungen im Businessalltag: Dort wird der Ranghöchste zuerst begrüßt.

    Achtung Fettnapf: Hier lauern Gefahren

    • Sie schaffen es nicht pünktlich zu sein. Dann sollten Sie unbedingt anrufen und Bescheid geben – eine Viertelstunde ist noch im Rahmen des Tolerierbaren.
    • Bei der Begrüßung kreuzen sich die Arme. Das lässt sich vermeiden, indem man einfach die Reihenfolge einhält: Der Gast begrüßt die Frau des Chefs oder die Chefin zuerst, dann den Chef oder den Mann der Chefin, dann folgt die Partnerin des Gastes in der Begrüßung.
  6. Smalltalk: Welche Gesprächsthemen eigenen sich?

    Hier zeigt sich, wer die Kunst des Smalltalks beherrscht. Angenommen, Sie sind zum ersten Mal bei Ihrem Chef eingeladen, dann bieten sich Themen wie...

    • die schöne Lage des Hauses,
    • die Würdigung von Möbeln und Kunst an.

    Im Laufe des Abends eignen sich auch unverfängliche Themen wie...

    • Urlaubsorte,
    • Erfahrungen im Ausland,
    • Gespräche über Künstler und Musik gut als Gesprächsstoff.

    Achtung Fettnapf: Hier lauern Gefahren

    Gerade mit Blick auf die Arbeit gilt es einige Themen gedanklich auszusortieren. Dazu gehören:

    • Komplimente über das Äußere, beispielsweise die Figur oder das Kleid der Chefin oder der Frau des Gastgebers.
    • Gehaltsverhandlungen und ähnliche Themen, die sich rund um das Geld oder geldwerte Leistungen wie zum Beispiel Boni und mehr Urlaub drehen.
    • Ebenfalls schlecht kommt abfälliges Reden über Arbeitskollegen an.
    • Klassische Fallen lauern bei Reizthemen wie Religion und Politik. Hier können die persönlichen Vorstellungen stark voneinander abweichen und zu Missstimmung führen. Auch Krankheiten sollte man besser ausklammern.
  7. Die richtige Handhabung von Besteck und Gläsern

    Vielleicht haben Sie einmal Pretty Woman gesehen? Da wird die richtige Reihenfolge des Bestecks anschaulich erklärt: von außen nach innen. Spezielles Fischbesteck gibt es für Grätenfische. Hier ist es von Vorteil, den Aufbau eines Fisches zu kennen, damit sich der Fisch möglichst grätenfrei genießen lässt. Sollten Sie dennoch beim Kauen eine Fischgräte bemerken, bringen Sie sie wieder auf die Gabel und legen Sie die Gräte am Tellerrand ab.

    Bei praktisch grätenfreien Fischsorten wie Scholle ist die Gefahr einer Gräte kaum gegeben, ähnlich sieht es bei Knorpelfisch aus. Der wird daher mit dem üblichen Besteck gegessen.

    Einmal benutztes Besteck wird niemals auf dem Tisch oder der Tischdecke abgelegt, sondern auf dem Teller. Sollten Sie lediglich eine kleine Pause machen, dann liegt das Besteck in Form eines Spitzdaches auf dem Teller. Das heißt, die Zinken der Gabel sind oben und die Schneide des Messers zeigt dazu. Wenn Sie das Essen komplett beendet haben, werden Messer und Gabel parallel zueinander schräg rechts auf dem Teller abgelegt - die sogenannte 20-nach-4-Stellung.

    Sehr wahrscheinlich wird Ihnen ein alkoholisches Getränk in Form eines Aperitifs vor dem Essen angeboten werden. Grundsätzlich können Sie natürlich auch ohne Angabe von Gründen Alkohol ablehnen. Falls Sie jedoch zu einem Aperitif greifen, wird das Glas anschließend nicht mit zum Tisch genommen.

    Wenn Sie Wein trinken, halten Sie das Weinglas immer am Stiel. So vermeiden Sie nicht nur eine Erwärmung des Inhaltes, sondern auch Fingerabdrücke auf dem Glas.

    Achtung Fettnapf: Hier lauern Gefahren

    • Sie bemerken bei Ihrem Vorgesetzten einige irritierende Angewohnheiten und orientieren sich daran: Das ist gefährlich, denn es könnte sich beim Verhalten Ihres Chefs um einen Test handeln. Also: Niemals die Ellenbogen auf dem Tisch absetzen, auch gehören die Hände beim Essen nicht unter den Tisch.
    • Sie ziehen sich die Gräte mit den Fingern aus dem Mund. Richtig: Sie benutzen wie oben beschrieben auch hier die Gabel. Gleiches gilt für Olivensteine.
  8. Einladung beim Chef: Der Umgang mit Speisen

    Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass im Bereich der Tischsitten der kulturelle Background durchaus eine Rolle spielt: Andere Länder, andere Sitten. Wir fokussieren hier die Normen, die für Deutschland gelten.

    Begonnen wird mit dem Essen, wenn der Gastgeber oder die Gastgeberin am Tisch sitzen und dazu auffordern. Ebenso verhält es sich mit den Getränken bei Tisch: Der Gastgeber fordert dazu auf, dann wird getrunken.

    Es gibt zu viele Speisen, die einen speziellen Umgang erfordern, als dass man hier alle aufführen könnte. Daher geht es um die wichtigsten Regeln für die gängigsten Speisen. Es sind tatsächlich auch vermeintlich simple Speisen, deren Handhabung sich plötzlich als tricky entpuppt – etwa die Unterschiede zwischen einer Bouillon oder einer Suppe. Andere wie zum Beispiel das Hähnchen wirken wesentlich komplizierter.

    • Suppe: Wird mit der Löffelspitze zum Mund geführt. Der Teller wird ausgelöffelt.
    • Bouillon: Darf ausgetrunken werden, sofern sie in einer Tasse serviert wird und die Einlagen zuvor mit dem Löffel gegessen wurden.
    • Salat: Wird niemals mit dem Messer geschnitten. Falls einzelne Bestandteile zu groß sind, darf man sich mit einem Stückchen Brot behelfen.
    • Brot: Wird nicht geschnitten oder bestrichen, sondern in kleine Stücke gebrochen.

    Achtung Fettnapf: Hier lauern Gefahren

    • Nach dem Essen sollte man den Teller niemals von sich weg zur Tischmitte schieben, um darauf aufmerksam zu machen, dass man den Gang beendet hat.
    • Allgemein verbieten sich Essgeräusche wie schlürfen und schmatzen, aber auch das Ablecken des Messers.
    • Trinken Sie nicht durcheinander. Sie sollten Ihre Grenzen kennen und maßvoll im Alkoholkonsum sein.
    • Heiße Suppe wird weder gepustet, noch sollte Brot hineingetunkt werden.
    • Schminke wird nicht bei Tisch nachgebessert, ebenso werden Essensreste nicht mit dem Zahnstocher bei Tisch entfernt. Für beides wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit der Waschraum aufgesucht.


Malheurs wie ein umgekipptes Weinglas sind zwar unangenehm, aber letztlich kein Weltuntergang – bei Rotwein auf der weißen Tischdecke oder heller Kleidung hilft immer noch ein altes Hausmittel: Mineralwasser. Es verdünnt den Fleck und die Kohlensäure löst Rückstände. Wichtig dann: nicht reiben, sondern tupfen!

Haben Sie sich an dieser Stelle bis zum Digestif, dem Verdauungsschnaps, durchgearbeitet, kann Ihnen eigentlich kaum noch etwas passieren. Mit den wichtigsten Regeln hier sollte eine Einladung beim Chef zu bewältigen sein.

Und wenn Sie erst einmal wieder im Auto auf dem Nachhauseweg sind, darf auch die Krawatte entfernt und der Gürtel ein Loch weiter gestellt werden...

[Bildnachweis: Kzenon by Shutterstock.com]