Für Israel gibt es wohl keinen berühmteren Feldherrn als König David. Seine Karriere beginnt er als Hirtenjunge, er besiegt den Riesen Goliath, wird König und aus seinen zahlreichen Schlachten geht er immer wieder als Sieger hervor. Er unterwirft die Philister, holt die Bundeslade nach Jerusalem, bezwingt die Moabiter, besiegt den König von Syrien, unterjocht die Ammoniter, schlägt die Amalekiter und setzt in seinem Reich Recht und Gesetz ein. Als sein Sohn Salomo viele Jahre später gekrönt wird, hat er es nicht leicht, in diese Fußstapfen zu treten. Als Kriegsherr kann er allenfalls eine Kopie abgeben. Darum wählt er eine andere Strategie, um sich zu profilieren: Weisheit. Er wird der König des Friedens und der Gerechtigkeit, baut für seinen Gott einen gigantischen Tempel und geht damit ebenfalls in die Geschichte ein. Die Bibel sagt, dass es vor und auch nach ihm keinen Menschen auf Erden gab, der weiser gewesen wäre.
Alexander der Große wählte einen anderen Weg. Er hasste seinen Vater, König Philipp von Makedonien. Der war vorsichtig, hielt große Reden, liebte Ringkämpfe, den Wein und die Huren. Allerdings hatte er einen Großteil Griechenlands erobert. Um über dessen Schatten hinauszuwachsen, imitierte Alexander seinen Vater nicht – er wollte ihn übertreffen und wurde mutiger, brutaler, rücksichtsloser. Wer sich ihm in den Weg stellte, wurde niedergemetzelt – selbst getreue Weggefährten. So schuf er ein Reich, dessen Ausmaße bis heute legendär sind und die Visionen seines Vaters weit überstiegen.
Beide Männer, Alexander wie Salomo, wählten instinktiv die richtige Strategie: Sie versuchten erst gar nicht, großen Männern nachzufolgen. Kopien genießen nie dieselbe Verehrung wie Originale. Wer seinem Vorgänger nacheifert, muss doppelt so viel leisten, um sich einen eigenen Namen zu schaffen. Größere Schritte gelingen nur auf dem eigenen Weg.
Nicht selten steckt hinter diesem Verhalten ein Vater-Sohn-Komplex. Väter, die Großes erreicht haben, sind stolz darauf und beginnen, je älter sie werden, ihre Söhne durch Ratschläge zu dominieren. Kinder solcher Väter oder Nachfolger solcher Chefs haben nur zwei Alternativen: Entweder, sie werden vorsichtige, unterwürfige Genussmenschen, die das angehäufte Vermögen durchbringen – oder sie gründen ein eigenes Reich.
Das heißt nicht, dass jeder Spross vollends zum Rebell mutieren müsste, um glücklich zu werden. Alle Fehler selbst begehen zu wollen, wäre töricht. Umgekehrt schützt aber der eigene Weg vor dem naiven Rat, jeder Erfolg ließe sich wiederholen. Weil sich Umstände nie gleichen, gelingt das ohnehin nie.







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Felix Herzbach
“Um über dessen Schatten hinauszuwachsen, imitierte Alexander seinen Vater nicht – er wollte ihn übertreffen und wurde mutiger, brutaler, rücksichtsloser. Wer sich ihm in den Weg stellte, wurde niedergemetzelt – selbst getreue Weggefährten..”
….
“Beide Männer, Alexander wie Salomo, wählten instinktiv die richtige Strategie: ”
;-)
Jochen Mai
Sie reißen da gerade Zitate aus dem Zusammenhang und schaffen einen neuen Sinn. Nicht meinen.
S. Bauer
Dieser Blogeintrag hat sehr große Relevanz für ein schon langem stark drängendes Problem gerade der deutschen Wirtschaft. Viele Klein- und Mittelständische Betriebe die in den Wirtschaftswunderjahren gegründet wurden suchen verzweifelt nach Nachfolgern. Häufig ist es ja so, daß der Vater seinen Sohn als Nachfolger aussucht, der aber lieber etwas anderes machen möchte.
In vielen Fällen wohl auch wirklich zu Recht. Ich selbst kenne genügend Beispiele aus verschiedenen Kleinbetrieben, wo nach der Übergabe an den Sohn die wirtschaftlichen Probleme anfingen. Die Gründe sind zahlreich: Daß der Senior immer noch glaubt, über die Geschäftsentscheidungen dominieren zu können (“Ich habe das alles hier aufgebaut!”). Daß die Rahmenbedingungen sich geändert haben (Senior: “ISO 9000? So einen Blödsinn brauchen wir hier nicht!”) Und nicht zuletzt, daß der Junior immer noch als “Junior” behandelt wird, daß ihm also nicht die volle Entscheidungskompetenz zugetraut wird.
Deshalb ist es in vielen Fällen wirklich das beste, wenn die potentiellen Nachfolger sich ernsthaft überlegen, ob sie nicht lieber sich selbst wieder etwas ganz eigenes aufbauen, egal ob mit dem alten Betrieb nun Infrastruktur, Kundenstamm usw. etabliert sind. Und für die, die den alten Betrieb doch übernehmen, ist es von entscheidender Bedeutung, daß sie vom ersten Tag an ganz klare Grenzen ziehen, wenn sie nicht vom Senior unterbuttert werden möchten (der mitunter gar nicht mitkriegt, was er anrichtet. Und bei wirtschaftlichem Mißlingen dann gerne die Verantwortung an den Junior abschiebt, der angeblich ‘zu faul’ o.ä. war…)
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