Elternzeit wie lange
Familie und Beruf zusammenzubringen ohne die individuellen Karrierechancen aufs Spiel zu setzen, ist für Arbeitnehmer nach wie vor schwierig. Um (werdenden) Eltern die Verknüpfung beider Lebensbereiche zu ermöglichen, wurde die Leistung der Elternzeit geschaffen. Sie bietet die Möglichkeit, die ersten Lebensmonate des Kindes ganz bewusst zu erleben, ohne die eigenen Karriere- und Jobchancen zu beeinträchtigen. Theoretisch. Was Sie über die Elternzeit wissen müssen: Antrag, Beginn, Gesetz, Gehalt...

Elternzeit für den Vater: Immer beliebter

Eine positive Meldung vorweg: Wenn Männer Elternzeit nehmen, wirkt sich das nicht nachteilig auf ihren Stundenlohn aus - und zwar unabhängig davon, wie lange ihre Auszeit dauert.

Das gelte laut Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung sowohl für den öffentlichen Dienst als auch für die Privatwirtschaft.

Wechseln die frischgebackenen Väter hingegen auf eine Teilzeitstelle, verringert sich ihr Stundenlohn allerdings schon.

Elternzeit Gesetz: Beginn, wie lange, Gehalt

Elternzeit Gesetz: Beginn, wie lange, GehaltTrotz aller Bemühungen: Familienfreundlichkeit ist in deutschen Chefetagen längst noch keine Selbstverständlichkeit. All die Zertifikate, die goldenen Leitlinien, die flotten Sprüche auf den Homepages - was sind Sie wirklich wert? Oft nicht viel.

Als Arbeitnehmer haben Sie nur eine Möglichkeit, sich für die Elternzeit bestmöglich abzusichern: Bereiten Sie Ihre Elternzeit gut und gründlich vor.

Damit Sie das tun können, sind folgende Informationen zur Elternzeit wichtig:

  • Auf Elternzeit, also eine unbezahlte Auszeit vom Job, haben Sie einen Rechtsanspruch - bis zu drei Jahre lang pro Kind.
  • Ihr Arbeitsverhältnis ruht während der Elternzeit.
  • Nach Ablauf der Elternzeit haben Sie Anspruch auf Rückkehr zur früheren Arbeitszeit.
  • Sie dürfen während der Elternzeit nicht gekündigt werden (außer in Härtefällen, wenn Sie zum Beispiel im Betrieb gestohlen haben oder Ihre Firma Pleite geht).
  • Sie haben die Möglichkeit, während Ihrer Elternzeit für bis zu 30 Stunden pro Woche in Teilzeit zu arbeiten. In Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten haben Sie sogar Anspruch auf eine Teilzeitstelle.
  • Sie müssen sich für die ersten zwei Jahre festlegen. Haben Sie sich etwa für eine einjährige Elternzeit entschieden, ist eine anschließende Verlängerung um ein weiteres Jahr nur noch mit Zustimmung des Arbeitgebers möglich.
  • Sie müssen Ihre Elternzeit (spätestens) sieben Wochen vor Antritt schriftlich beim Arbeitgeber beantragen.
  • Elterngeld und Elterngeld plus sollen parallel für finanziellen Ausgleich sorgen.

Elternzeit: Wer hat Anspruch?

Zunächst einmal alle Mütter und Väter, die in einem Arbeitsverhältnis stehen, mit dem Kind im gleichen Haushalt leben und es (überwiegend) selbst betreuen und erziehen.

Daneben git es aber noch andere Konstellationen, in denen Elternzeit möglich ist. Zum Beispiel können sie auch Arbeitnehmer beantragen, die...

  • das Kind eines Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartners
  • Adoptivkinder
  • Schwester, Bruder, Nichte, Neffe oder Enkelkind bei schwerer Krankheit oder Tod der Eltern

betreuen. Ebenfalls wichtig: Die Elternzeit kann unabhängig vom Arbeitsverhältnis genommen werden, also auch bei...

Achtung: Befristete Verträge verlängern sich durch die Elternzeit NICHT. Allerdings gibt es auch hier wieder Ausnahmen, zum Beispiel für wissenschaftliche Mitarbeiter und Auszubildende.

Elternzeit Antrag: So geht es richtig

Sie müssen Ihre Elternzeit (spätestens) sieben Wochen vor Antritt schriftlich beim Arbeitgeber beantragen. Das Bundesfamilienministerium will mit dieser Frist "organisatorischen Schwierigkeiten insbesondere von mittelständischen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern bei der Suche nach Ersatzkräften Rechnung tragen."

Dabei müssen sich Eltern für die ersten zwei Jahre festlegen. Haben Sie sich etwa für eine einjährige Elternzeit entschieden, ist eine anschließende Verlängerung um ein weiteres Jahr (oder eine vorzeitige Beendigung) nur noch mit Zustimmung des Arbeitgebers möglich. Ohnehin ist es ratsam, Elternzeit nur für maximal zwei Jahre anzumelden, um flexibel zu bleiben.

Prinzipiell aber brauchen Sie für die Elternzeit nicht die Zustimmung des Arbeitgebers, sofern das Kind das dritte Lebensjahr noch nicht vollendet hat.

Wichtig: Lassen Sie sich den Elternzeit Antrag beziehungsweise die Anmeldung der Elternzeit vom Arbeitgeber immer schriftlich bestätigen, um spätere Missverständnisse auszuschließen.

Elternzeit: Mutterschutz

Elternzeit: MutterschutzDie Mutter kann erst nach Ablauf der gesetzlichen Mutterschutzfrist ihre Elternzeit beginnen. Denn die Mutterschutzfrist wird auf die Elternzeit angerechnet. Auch kann sie nicht zu einer Verlängerung der Elternzeit über das dritte Lebensjahr hinaus führen.

Der Vater hingegen kann seine Elternzeit ab der Geburt des Kindes schon während der Mutterschutzfrist beginnen.

Elternzeit ab wann: Die Planung

Ihre individuelle Vorbereitung der Elternzeit ist dabei nicht nur für den Arbeitgeber, sondern vor allem für Ihre eigene Sicherheit und Ruhe wichtig. Nur wenn Sie gut vorbereitet in die Auszeit gehen, können Sie sich - zumindest weitgehend - sicher sein, dass Sie nach Ihrer Rückkehr keine unangenehmen Überraschungen erleben und Ihre Kollegen durch Ihre Abwesenheit nicht in Probleme laufen.

Für die Vorbereitung der Elternzeit hat sich ein dreistufiger Prozess bewährt:

  1. Schritt: Plan erstellen

    Klären Sie, unbedingt auch mit Ihrem Partner, wie lange wer von Ihnen in Elternzeit gehen will, wer sich um welche Aufgaben kümmern wird und wer wann wieder in den Job zurückkehrt. Hier spielt natürlich auch die finanzielle Situation eine wichtige Rolle.

  2. Schritt: Arbeitgeber informieren

    Den Antrag auf Elternzeit müssen Sie zwar schriftlich stellen, dennoch sollten Sie das Thema mit Ihrem Arbeitgeber in einem Vier-Augen-Gespräch persönlich klären. Im Vorfeld sollten Sie natürlich einen Blick in Ihren Arbeitsvertrag werfen und auf möglicherweise wichtige Klauseln achten.

    Entscheidend ist, dass Sie sich nicht rechtfertigen, sondern Ihrem Chef über Ihren Wunsch informieren und konstruktive Vorschläge mitbringen. Auch sollten Sie Ihren Arbeitgeber vorab informieren, wenn Sie nach der Elternzeit in Teilzeit weiterarbeiten wollen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass der Arbeitgeber den Teilzeitwunsch später aus betrieblichen Gründen ablehnt.

  3. Schritt: Arbeit übergeben

    Die konstruktiven Vorschläge, die Sie Ihrem Arbeitgeber (hoffentlich) unterbreiten, sollten vor allem Ansätze für die Einarbeitung möglicher Vertreter und die Übergabe Ihrer laufenden Projekte beinhalten. Ihre Abwesenheit wird natürlich einige Veränderungen nötig machen, die Sie bestmöglich vorbereiten und unterstützen sollten.

Elternzeit Gehalt: Teilzeit möglich?

Ihr Gehalt bekommen Sie während der Elternzeit natürlich nicht weitergezahlt. Aber wer sich offiziell in Elternzeit befindet, kann weiterhin einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Diese darf allerdings 30 Wochenstunden nicht überschreiten. Eine Pflicht zur Unterbrechung der Erwerbstätigkeit ist mit der Elternzeit jedenfalls nicht verbunden.

Gehen beide Elternteile in Elternzeit, können sowohl Vater als auch Mutter 30 Wochenstunden arbeiten - zusammen also 60 Stunden pro Woche.

Offensichtlicher Vorteil: Das Familieneinkommen bleibt gesichert, auch im Betrieb halten Sie Anschluss.

Aber auch folgendes Szenario ist realistisch: Sie wollen in Elternzeit weiterhin arbeiten, aber Ihr Betrieb will nicht - und lehnt ab. Er braucht und will Sie in Vollzeit oder gar nicht.

Was nun?

Arbeitnehmer haben - unter bestimmten Voraussetzungen - einen Anspruch auf Verringerung der Arbeitszeit. In allen Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten verfügen Sie über einen Rechtsanspruch auf Reduzierung der Arbeitszeit auf 15 bis 30 Wochenstunden, sofern Sie dort mindestens sechs Monate beschäftigt sind. Es sei denn, dem stehen "dringende betriebliche Gründe" entgegen. Ein Grund: Fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten, wenn also zum Beispiel durch Ihre Teilzeitstelle ein Arbeitskräfteüberhang entstehen würde.

Zudem können Arbeitgeber und Arbeitnehmer eigenhändig - also außerhalb des Rechtsrahmens - eine Teilzeit mit weniger als 15 Wochenstunden vereinbaren.

Und: Sie haben einen Rückkehranspruch, können also nach Ende der Elternzeit wieder zu Ihrer vorherigen Arbeitszeit zurückkehren. Bedeutet: Wer zuvor in Vollzeit gearbeitet hat, darf nach der Elternzeit nicht vom Arbeitgeber auf eine Teilzeitstelle zwangsversetzt werden.

Elternzeit: Tipps für Freiberufler

Elternzeit: Tipps für FreiberuflerTeilzeitarbeit ist während der Elternzeit sowohl für Arbeitnehmer als auch für Freiberufler möglich. Die Voraussetzung: Die Arbeitszeit darf nicht mehr als 30 Stunden pro Woche betragen, Freiberufler und Selbstständige müssen dies entsprechend nachweisen.

Und genau an diesem Punkt wird es oftmals kompliziert. Ein offenbar beliebter Trick ist etwa, Rechnungen so zu verschieben, dass sie nicht in die Elternzeit fallen.

Doch Vorsicht: Beim Finanzamt kann man mit derartigen Spielchen in die Bredouille geraten, bei Kunden womöglich Unverständnis auslösen. Grundsätzlich lässt eine Vielzahl von Erfahrungsberichten den Rückschluss zu, dass gerade Freiberufler einen erheblichen Mehraufwand haben, wenn sie Elternzeit und Elterngeld beantragen.

Klären Sie also im Voraus ab, wie und in welcher Form die Nachweise erfolgen müssen und welche Dokumentation der Arbeitszeit von der Behörde gefordert wird. Lassen Sie sich außerdem idealerweise schriftlich geben, in welchem Rhythmus Sie den Nachweise Ihrer Arbeitszeit erbringen müssen und wer Ihr Ansprechpartner während der Elternzeit ist.

Elternzeit: Kündigung durch Arbeitgeber

Ganz wichtig natürlich: Sie genießen während der Elternzeit Kündigungsschutz. Ihr Arbeitgeber kann Sie ab dem Zeitpunkt, zu dem Sie die Elternzeit anmelden, frühestens jedoch acht Wochen vor Beginn der Elternzeit, nicht kündigen.

Im Umkehrschluss heißt das: Beantragen Sie Elternzeit nicht zu früh! Erst recht nicht, wenn Sie Ihrem Chef nicht so recht über den Weg trauen.

Eine Neuerung: Für Geburten ab dem 1. Juli 2015 beginnt der Kündigungsschutz 14 Wochen vor der Elternzeit - aber nur dann, wenn Sie die Elternzeit zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes nehmen.

Nur in groben Härtefällen sind Kündigungen auch während der Elternzeit möglich. Und mit Ablauf der Elternzeit endet auch wieder Ihr Kündigungsschutz.

Elternzeit Gesetz: Das ist neu

Für Eltern von Kindern, die seit dem 1. Juli 2015 geboren wurden, gibt es noch weitere Flexibilisierungen. So können jetzt insgesamt 24 Monate Elternzeit zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes beantragt werden - auch ohne Zustimmung des Arbeitgebers und unabhängig vom Bezug des Elterngeldes.

Aber Achtung: Wenn Sie mehr als ein Jahr Elternzeit zwischen dem dritten und achten Geburtstag Ihres Kindes nehmen, kann sich das negativ auf Ihre Ansprüche auf Arbeitslosengeld auswirken. Denn das erhält nur, wer in den zwei Jahren vor der Arbeitslosigkeit mindestens zwölf Monate in einem so genannten Versicherungspflichtverhältnis stand - dazu zählt auch die Betreuung von Unter-Dreijährigen, nicht aber die von älteren Kindern.

Und: Es ist nun möglich, die Elternzeit in insgesamt drei statt wie bisher zwei Zeitabschnitte einzuteilen. Der Arbeitgeber kann die dritte Etappe aber ablehnen, wenn dem dringende betriebliche Gründe entgegenstehen.

Außerdem müssen Sie Elternzeit für ein drei- bis achtjähriges Kind 13 Wochen vorher beantragen. An der Anmeldefrist von sieben Wochen für die Elternzeit von Unter-Dreijährigen ändert sich dadurch nichts.

Elternzeit: Elterngeld

Elternzeit: ElterngeldDas Elterngeld soll den Lohnausfall der Eltern in der Zeit der Erziehung des Kindes bis zu einem gewissen Grad kompensieren. Die Höhe des Elterngeldes berechnet sich auf der Grundlage des Nettoeinkommens.

Weitere Tipps und Hintergrund-Informationen zum Elterngeld finden Sie hier:

Rückkehr aus der Elternzeit: Die ersten Tage im Job

Auch wenn Sie bereits während der Elternzeit alle Vorkehrungen getroffen haben, kann die Rückkehr in den alten Job mit gemischten Gefühlen verbunden sein. Auf der einen Seite freuen Sie sich (hoffentlich) darauf, die Kollegen wiederzusehen.

Auf der anderen hat sich Ihr Arbeitsplatz möglicherweise verändert, vielleicht sind neue Kollegen dazu gekommen. Mögliche Folge: Maximale Verunsicherung. Hier einige Tipps für den erfolgreichen Wiedereinstieg:

  • Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Chef.

    Machen Sie sich die eigenen Wünsche klar und sprechen Sie diese Ihrem Chef gegenüber an. Möchten Sie auch weiterhin in Vollzeit arbeiten oder würden Sie gerne erst einmal in Teilzeit einsteigen wollen? Klären Sie auch ab, ob Sie in Ihrer alten Position richtig aufgehoben sind oder in Zukunft eine Veränderung anstreben.

  • Zeigen Sie von Anfang an Engagement.

    Steigen Sie wieder voll ein und bieten Sie von selbst an, Aufgaben zu übernehmen und sich einzubringen. Mit Eigeninitiative zeigen Sie, wie motiviert Sie sind. Haben Sie das Gefühl, dass sich einiges verändert hat, seitdem Sie das letzte Mal da waren, bitten Sie um eine Einarbeitung.

  • Lassen Sie sich Zeit.

    Kommen Sie nach einer längeren Abwesenheit wieder, wird es einige Zeit dauern, bis Sie Ihren Arbeitsrhythmus wiedergefunden und sich erneut ins Team eingefunden haben. Setzen Sie sich nicht gleich in den ersten Tagen zu großem Druck aus. Gönnen Sie sich eine Zeit der Eingewöhnung. Es ist auch keine Schande, den Kollegen gegenüber einzugestehen, dass Sie gerade am Anfang noch Unterstützung brauchen. Nehmen Sie die Hilfsangebote Ihrer Kollegen an.

  • Gehen Sie auf Ihre Kollegen zu.

    Die Kollegen nach der Auszeit wiederzusehen, kann ganz unterschiedlich ablaufen. Mit einigen werden Sie sich auf Anhieb wieder gut verstehen. Bei anderen kann eine befremdliche Distanz entstanden sein. Warten Sie nicht darauf, dass Ihre Kollegen auf Sie zugehen. Machen Sie den ersten Schritt und erkundigen Sie sich, was sich in Ihrer Abwesenheit verändert hat und betreiben Sie ruhig ein bisschen Smalltalk. Nutzen Sie die Mittagspause oder auch mal ein Feierabendbier dafür, alte Kollegen neu kennenzulernen.

  • Sprechen Sie nicht nur über Ihre Kinder.

    Natürlich spielt Ihr Kind die neue Hauptrolle in Ihrem Leben. Doch müssen Sie nicht zwingend erzählen, wer was in der Krabbelgruppe hat fallen lassen. Im Arbeitsumfeld sollte der Nachwuchs nicht Ihr einziges Thema sein. Immer mal wieder eine lustige Geschichte erzählen? Ja, gerne! Doch wer nur noch über seine Sprösslinge spricht, nervt die Kollegen irgendwann.

  • Gehen Sie Selbstbewusst mit Ihrer Entscheidung um.

    In Ihrem Umfeld wird es immer Menschen geben, die Ihre Entscheidung, in den Job zurückzukehren, kritisieren werden. Sie werden Ihnen vorwerfen, viel zu früh, viel zu spät oder überhaupt wieder eingestiegen zu sein. Gehen Sie selbstbewusst mit Ihrer Entscheidung um und lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen einreden.

Jobwechsel nach Elternzeit: Pro und Contra

Zum Ende der Elternzeit können Mütter und Väter ihr Arbeitsverhältnis mit einer Drei-Monats-Frist schriftlich kündigen.

Und ein Jobwechsel kann durchaus angebracht sein: Vielleicht haben sich Ihr Job und Ihre Aufgaben spürbar verändert. Möglicherweise arbeiten Sie mit einem völlig neuen Team zusammen, mit dem Sie nicht mehr wirklich klar kommen.

Was auch immer Ihre Gründe sein mögen: Bevor Sie einen Jobwechsel nach der Elternzeit in Angriff nehmen, sollten Sie Pro und Contra dieser Entscheidung abwägen.

Was spricht für einen Jobwechsel nach Elternzeit?

  1. Kürzerer Arbeitsweg

    Was spricht für einen Jobwechsel nach ElternzeitWar es ohne Kind vielleicht noch keine große Schwierigkeit, jeden Tag zur Arbeit hin und zurück zu pendeln, kann der Standort nach der Geburt durchaus zu einem wichtigen Thema werden. Sie wollen bei bei Problemen möglichst schnell zu Hause sein, den Abend nicht damit verbringen, stundenlang im Zug oder Auto zu sitzen. Ein Jobwechsel nach der Elternzeit kann für Sie die Gelegenheit sein, eine neue Stelle in Ihrem Wohnort anzunehmen, um Job und Familie auch durch die räumliche Nähe besser verbinden zu können.

  2. Mehr Zeit

    Viele Arbeitnehmer wollen nicht nur während, sondern auch nach der Elternzeit weiterhin auf Teilzeitbasis arbeiten. Haben Sie jedoch vor Antritt der Elternzeit auf Vollzeitbasis gearbeitet, steigen Sie theoretisch nach der Elternzeit auch wieder als Vollzeitkraft ein. Eine Verringerung der Arbeitszeit ist zwar unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Aber nicht immer. In dem Fall kann es sinnvoll sein, sich bereits während der Elternzeit nach einer entsprechenden Stelle umzuschauen.

  3. Bessere Arbeitsatmopshäre

    Vielleicht war Ihr Vorgesetzter von Anfang an nicht wirklich begeistert davon, dass Sie Elternzeit beantragt haben. Oder Sie fühlen sich in einem Team voller Single-Kollegen ausgegrenzt und deplatziert. Es kann viele Gründe haben, weshalb Sie nach der Elternzeit lieber in einem neuen Arbeitsumfeld beginnen wollen. Dabei sollten Sie sich jedoch genau überlegen, zu welchem Unternehmen Sie wechseln. Möglicherweise erwartet Sie sonst dort ein ähnliches Arbeitsklima. Informieren Sie sich also ausgiebig über einen möglichen neuen Arbeitgeber.

  4. Berufliche Neuorientierung

    Sie spielen schon länger mit dem Gedanken, sich beruflich neu zu orientieren, haben sich bisher aber nicht getraut? Nach der Geburt Ihres Kindes beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Dies kann ein guter Zeitpunkt sein, um auch den nächsten beruflichen Schritt anzugehen.

So verlockend und nachvollziehbar all diese Argumente auch sein mögen, ein Jobwechsel nach der Elternzeit bringt selbstredend auch Risiken mit sich. Nicht jedes Unternehmen sieht einen solchen Schritt gerne und nicht jeder potenzielle Arbeitgeber hat dafür Verständnis. So mancher (potenzielle) Chef könnte darin beispielsweise ein Zeichen für mangelnde Loyalität sehen.

Was spricht gegen einen Jobwechsel nach Elternzeit?

  1. Das Gefühl der Unsicherheit

    Was spricht gegen einen Jobwechsel nach ElternzeitWenn Sie ein Kind bekommen, werden Sie zwangsläufig über die Zukunft nachdenken. Stimmt Ihre finanzielle Situation? Haben Sie ein gesichertes Einkommen? Bei einem Jobwechsel lassen die Sicherheit Ihrer jetzigen Anstellung hinter sich. In einem neuen Job besteht immer die Gefahr, nach kurzer Zeit festzustellen, dass man die falsche Entscheidung getroffen hat. Rückgängig machen können Sie diese aber nicht mehr. Gerade nach der Geburt eines Kindes ist die Unsicherheit besonders groß.

  2. Der Zwang, sich zu beweisen

    In einer neuen Stelle möchte man dem Team zeigen, dass man ein wertvoller Zuwachs für das Unternehmen ist. Dazu gehört es gerade am Anfang, sich besonders in die Arbeit reinzuhängen, Überstunden zu schieben, die man doch eigentlich vermeiden wollte. In Ihrer alten Stelle kennen Sie hingegen die Abläufe und wissen, wie Sie sich Ihre Zeit einteilen müssen. Außerdem können Sie auf die Hilfe Ihrer Kollegen bauen, die Ihre Situation kennen und möglicherweise dazu bereit sind, Ihnen bei der ein oder anderen Aufgabe unter die Arme zu greifen.

  3. Der Verlust alter Kontakte

    Sie haben sich in Ihrem Job ein Netzwerk aufgebaut, Kollegen kennengelernt und vielleicht auch Freunde gefunden. Gerade nach einer längeren Pause wie der Elternzeit können Sie ein solches Netzwerk gebrauchen, das Ihnen dabei hilft, sich wieder im Berufsalltag einzuleben - oder Sie bei Problemen unterstützt. Auch in einem neuen Job können Sie ein solches Netzwerk aufbauen, das wird aber nicht innerhalb der ersten Woche gelingen.

Ob Pro- oder Contra-Argumente überwiegen, müssen Sie im konkreten Fall selbst entscheiden. Klar ist jedoch, dass ein Jobwechsel nach der Elternzeit gut überlegt und noch besser vorbereitet sein sollte. Erst wenn Sie die Entscheidung guten Gewissens - und ohne Zweifel - treffen können, steht Ihr Weg fest.

Elternzeit im Lebenslauf?

Elternzeit im LebenslaufWas die Angaben im Lebenslauf angeht, haben Bewerber keine allzu große Wahl. Ein lückenhafter Lebenslauf verbietet sich von selbst und jede noch so kreative Umschreibung klingt - zumindest in Bezug auf die Elternzeit - dann doch eher seltsam.

Dazu kommt: Es gibt gar keinen Grund, die Elternzeit zu verschweigen.

Die Erziehung der eigenen Kinder war und ist eine wichtige und gesellschaftlich wertvolle Aufgabe. Das ist als Argumentation in der Bewerbung zwar nicht hilfreich, bedeutet jedoch, dass Sie zu Ihrer Entscheidung stehen sollten.

Im Lebenslauf geben Sie diese Phase einfach als Elternzeit an. Wichtig: Haben Sie während der Elternzeit Fort- oder Weiterbildungen absolviert, tauchen diese - entweder chronologisch oder im entsprechenden Themenblock - natürlich ebenfalls im Lebenslauf auf.

Erklärungen haben im Lebenslauf jedoch nichts zu suchen, diese bleiben dem Anschreiben vorbehalten. Bei der Elternzeit sollten Sie dabei auf folgende Punkte achten:

  • Machen Sie deutlich, dass Sie in der Zeit nicht untätig waren und sich fachlich auf dem Laufenden gehalten haben (wenn es stimmt).
  • Weisen Sie auf die wichtigsten Fortbildungen hin.
  • Führen Sie ruhig Ihre Berufserfahrung vor der Elternzeit an. Auch wenn diese etwas zurückliegt, ist sie dennoch von Bedeutung.
  • Zeigen Sie, dass sich Ihre Soft Skills während der Elternzeit nochmals verbessert haben und machen Sie deutlich, wie Sie diese im Job einsetzen können und werden.
  • Stellen Sie unbedingt dar, warum Sie wieder in den Job einsteigen wollen und dass das von vornherein Ihr Plan war.

Elternzeit sollten Sie im Lebenslauf wie einen ganz normalen Karriereschritt behandeln - denn genau das ist sie auch.

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