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Alles, was wir tagtäglich tun, verfolgt ein Ziel: Wir möchten möglichst viele positive Emotionen und möglichst wenig negative erleben. Darauf ist unser gesamtes Handeln ausgerichtet. Deshalb sei es auch so wichtig, den Schlüssel zu diesen Gefühlen zu kennen, um ihn bewusst und gleichzeitig verantwortungsvoll einsetzen zu können. Das ist die These des Psychologen Denis Mourlane, der darüber ein Buch geschrieben hat - "Emotional Leading - Wie Führung wirklich gelingt" (dtv). Angesprochen sind damit aber keinesfalls nur Manager. In dem Buch geht es vor allem um emotionale Selbstführung und wie diese überhaupt funktioniert...

Emotional Leading: Was ist das überhaupt?

Der Begriff "Emotional Leader" oder "Emotionale Führer" ist in Deutschland vor allem durch den Mannschaftssport, insbesondere den Fußball, geprägt worden. Spieler wie Stefan Effenberg oder Sebastian Schweinsteiger wurden so bezeichnet.

Das hat drei Gründe:

  1. Erstens tragen diese Spieler ihre Emotionen offen nach außen. Anders als beispielsweise ein Philipp Lahm, der zwar Mannschaftskapitän seines Vereins ist und es in der Nationalmannschaft war, aber niemals der emotionale Anführer wurde, weil es einfach nicht seine Art ist, seine Emotionen offen zu zeigen. Er wirkt immer beherrscht und damit auch häufig glatt und wenig authentisch.
  2. Zweitens sind emotionale Führer auch in schwierigen Situationen, bei Rückschlägen etwa, in der Lage, ihre Frustrationen und Ängste zu überwinden und in positive Emotionen umzuwandeln (Resilienz). So sind sie durch diese Externalisierung und Steuerung ihrer Emotionen in der Lage, das Team mitzureißen.
  3. Drittens sind sie ein Vorbild für die Mannschaft. Bricht ein solcher emotionaler Leader ein, tut dies in der Regel auch der Rest der Mannschaft.

Beim Emotional Leading geht es also um die Fähigkeit, seine eigenen Emotionen und die anderer Menschen bewusst wahrzunehmen, ihre Sprache zu verstehen und Emotionen danach zu beurteilen, ob ihre Stärke der Situation angemessen ist und sie uns, so wie es eigentlich sein sollte, gute oder doch eher schlechte Ratgeber sind.

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Zudem geht es um die Fähigkeit, unsere eigenen Emotionen und die anderer Menschen beeinflussen zu können. Aber eben nicht, indem wir unsere Emotionen nach außen tragen und zu einem charismatischen Anführer werden. Sondern indem wir begreifen, was gerade in unserem Gegenüber vor sich geht. Emotional Leading ist daher ein Teil der emotionalen Intelligenz.

Die 5 psychologischen Grundbedürfnisse

Das wissenschaftliche Fundament in Mourlanes Buchs sind fünf psychologische Grundbedürfnisse, die seiner Ansicht nach zugleich den entscheidenden Schlüssel zu einer gelungenen Selbst- und Mitarbeiterführung darstellen.

Es sind das Bedürfnis nach...

  • Bindung

    Wir Menschen sind soziale Wesen, Herdentiere. Wir benötigen enge Kontakte zu anderen, zu unseren Freunden, unseren Familien, Partnern und Kindern. Wer als Säugling und Kleinkind verlässliche und empathische Bezugspersonen hatte, die ihm Liebe und Unterstützung gaben, hat beste Startbedingungen für ein glückliches Leben. Sein Bedürfnis nach Bindung wurde von Anfang an befriedigt, und so wird er als Erwachsener wahrscheinlich Vertrauen in andere Menschen haben und tragfähige Bindungen aufbauen können. Man nennt das ein sicheres Bindungsverhalten.

  • Orientierung und Kontrolle

    Menschen möchten Orientierung haben und Kontrolle über sich und ihr Leben ausüben. Bei einer Naturkatastrophe, einem Todesfall, bei einer Kündigung, aber auch kleinen Ereignissen, wird genau dieses menschliche Bedürfnis verletzt und es kommt zu den seelischen Schmerzen, die wir dann empfinden. Haben Betroffene jedoch die Erfahrung gemacht, dass sie sich selbst aus diesem Sumpf ziehen können, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie ähnliche Situationen immer wieder bewältigen können. Fehlt ihnen diese Erfahrung, bleibt das empfundene Stressniveau hoch und es kommt zum Phänomen der erlernten Hilflosigkeit. Sie sind gefangen in einer Opferrolle und nehmen auch die offensichtlichste Möglichkeit, ihr Wohlergehen zu verbessern, nicht wahr.

  • Lustgewinn und Unlustvermeidung

    Dieses Bedürfnis ist das offensichtlichste von allen. Man wird kaum jemanden finden, der daran zweifelt, dass es schön ist, Spaß und Freude zu erleben, und dass Menschen versuchen, Unlust, wie sie zum Beispiel bei Langeweile oder einem Zahnarztbesuch entsteht, nach Möglichkeit zu vermeiden. Positive Gefühle erfüllen allerdings keinen Selbstzweck. Wer das Empfinden von Lust zur Lebensmaxime erhebt, ist meist anfällig für Drogen und versucht, Frustration um jeden Preis zu vermeiden. Das sorgt zwar für ein schönes Gefühl, ist vielleicht auch mittelfristig angenehm, führt aber langfristig in eine Sackgasse.

  • Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz

    Zahlreiche Studien zeigen, dass wir ein grundlegendes Bedürfnis haben, uns kompetent und wertvoll zu fühlen. Wir möchten gut über uns selbst denken und mögen es nicht, wenn andere schlecht über uns denken. Häufig glauben wir auch, dass wir besser sind als andere und neigen dazu, unseren eigenen Wert und unsere Fähigkeiten zu überschätzen. Je niedriger das eigene Selbstwertgefühl, desto stärker ist dieser Effekt zu beobachten.

  • Kohärenz und Stimmigkeit

    Wenn ein Ungleichgewicht herrscht und Dinge einfach nicht zusammenpassen, möchten wir das möglichst rasch beenden, wir bevorzugen den Zustand der Kohärenz, des Gleichgewichts, und streben danach. Auf psychologischer Ebene entsteht ein Ungleichgewicht dann, wenn unsere psychologischen Bedürfnisse nicht befriedigt oder angegriffen werden. Dies kann durch einen Einfluss von außen geschehen (zum Beispiel eine Kündigung) oder wenn man selbst es versäumt, ein Bedürfnis zu befriedigen. Allerdings werden die meisten dann versuchen, das unangenehme Gefühl der Inkohärenz möglichst rasch zu beenden und wieder einen ausbalancierten Zustand herzustellen.

Mourlane listet noch weitere Bedürfnisse in seinem Buch auf. Diese Bedürfnisse aber sind, so der Autor, zentral dafür, dass wir wirklich glücklich und zufrieden sind.

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Emotional Leading: Die Zügel in die Hand nehmen

Wie aber lassen sich diese fünf Grundbedürfnisse befriedigen und zugleich steuern? Hierzu liefert der Autor eine Reihe von Tools, Fragebögen und Selbsttests, die im ersten Teil des Buches vor allem dem Selbstcoaching dienen, im zweiten Teil dann der Mitarbeiterführung.

Im Kern aber geht es dabei stets um eine zunächst schonungslos ehrliche Selbstreflexion und darum, sich seinen Emotionen beziehungsweise eigenen Ängsten immer wieder zu stellen, um sie so besser beherrschen (Kontrollbedürfnis) zu können. Die Wissenschaft spricht dabei auch von der sogenannten Habituation.

Der Habituationseffekt

Der physiologische Effekt führt dazu, dass der Körper die Angstreaktion irgendwann abstellt. Weil er ganz einfach nicht mehr kann und sich zudem an die Situation gewöhnt hat. Der Patient erlebt sich dann vollkommen angstfrei in einer Situation, vor der er zuvor vielleicht richtige Todesangst hatte.

Ob Sie nun sich selbst oder Mitarbeiter führen - immer sind es diese beiden Handlungsprinzipien, die zu emotionaler Führung führen:

  • Emotionen wahrnehmen

    Emotional Leading bedeutet nicht nur, unsere psychologischen Grundbedürfnisse ernst zu nehmen, sondern auch, dass wir mehr Herr über unsere Gefühle werden und uns nur dann von ihnen treiben lassen, wenn wir es für richtig halten. Inakkurate und dadurch nicht zielführende Gefühle bringen uns dazu, Dinge zu tun, die wir eigentlich so nicht machen wollten. Das heiße allerdings nicht, zu einem gefühllosen, sich ständig selbst beobachtenden und sich selbst steuernden Wesen zu werden. Dazu erfüllen diese Emotionen zu wichtige Funktionen. Emotional Leading meint vielmehr Achtsamkeit zu praktizieren. Also selbst darüber zu entscheiden, ob wir eine Emotion für angemessen halten und wir uns von dieser leiten lassen, oder ob sie uns unangemessen scheint und wir auf dieser Basis einen anderen Weg einschlagen als den, den uns unsere Emotion gerade zeigt.

  • Haltung entwickeln

    Hierbei geht es darum, für sich zu entscheiden, ob man in einer bestimmten, immer wiederkehrenden Situation anders, positiver fühlen, sich also emotional führen möchte, und das funktioniert eben sehr häufig darüber, dass man eine andere Haltung zu der Situation, den darin involvierten Personen und/oder zu sich selbst einnimmt.

Emotionale Führung heißt, die Zügel in die Hand zu nehmen, um selbst darüber zu entscheiden, ob wir uns in einer Situation von unseren Emotionen leiten lassen wollen oder nicht. Diese Botschaft zieht sich durch das Buch wie ein roter Faden.

Denis-MourlaneEine gute und richtige Botschaft. Denis Mourlane (rechts) gelingt es, diese (bewusst) populärwissenschaftlich und anschaulich zu vermitteln und zugleich durch persönliche Anekdoten, Geschichten und wissenschaftliche Hintergründe anzureichern. Das verleiht dem Buch hohe Praxisrelevanz, führt aber streckenweise auch zu unnötigen Längen.

Insgesamt eine ehrliche und zugleich ebenso mutmachende wie mahnende Lektüre. Denn dies alles kann nur gelingen, wenn wir unser Verhalten konsequent auf unsere psychologischen Grundbedürfnisse ausrichten. Wenn wir versuchen, auch mal etwas anders zu machen und anders über eine Situation und uns selbst zu denken. Das ist ein teils steiniger und von Rückschlägen gesäumter Weg. Denn am Ende, verspricht Mourlane, warte die schönste Belohnung, die man sich für sich selbst und seine Nächsten wünschen kann: positive Emotionen.

Oder wie Mourlane selbst seinen Kollegen Klaus Grawe zitiert:

Die beste Art, das Gehirn gesünder zu machen, ist eine bessere Bedürfnisbefriedigung.

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[Bildnachweis: Jochen Mai, dtv]