Entscheidungsblockade: So lösen Sie den Knoten
Entscheidungsblockade: Nehm' ich das Jobangebot an oder lass ich die Finger davon? Ich kann mich einfach nicht entscheiden. Wenn die Wahl bisweilen zur Qual wird, rückt die richtige in scheinbar unerreichbare Ferne. So viele Aspekte, die gut überlegt sein wollen. Wir haben sechs Tipps, wie Sie ihre Blockade lösen können.

Entscheidungsblockade: Linke Ecke, rechte Ecke

Lionel Messi steht also am Elfmeterpunkt. Er läuft an, schielt dabei nach links, der Torhüter bleibt wie angewurzelt auf der Linie stehen. Messi macht noch einen Schritt, und noch einen, der Torwart fängt plötzlich an zu zappeln. Messi kommt ins Grübeln, will eigentlich nach links schießen, jetzt doch lieber nach rechts. Oder baller ich die Pille einfach Vollspann in die Mitte? Zu spät, vorbei, der Ball fliegt über die Latte in den Nachthimmel.

Das kann passieren, wenn man innerlich hin- und hergerissen ist. Wenn man sich nicht entscheiden kann. Entscheidungsblockaden bei der Arbeit (und nicht nur dort) sind hinderlich, sogar mehr als das. Wer keine Entscheidung trifft, trifft oft automatisch die falsche.

Messi ist das Missgeschick in Wahrheit natürlich gar nicht passiert. Er hat sich am Sonntag schon vor dem Elfmeter zum 4:1 ganz genau überlegt, wie er den Torwart von Celta Vigo überlistet. Indem er den Ball kurioserweise querlegt. Er hat seine Entscheidung schon vorher getroffen.

Entscheidung: Blockiert

Hätte er die falsche getroffen, wäre das im Übrigen halb so schlimm gewesen, der Sieger stand ja bereits fest. Manche Entscheidungen sind einfach nur unbequem, unangenehm, geradezu banal, aber getroffen werden müssen sie trotzdem. Andere können ernsthafte Auswirkungen nach sich ziehen.

Entscheide ich mich für Jobangebot X oder für Jobangebot Y? Schreibe ich dem Abteilungsleiter diese Beschwerde-Mail oder verkneife ich sie mir? Gehe ich hier mitten im Nirgendwo einfach mal bei Rot über die Ampel?

Zum Thema Entscheidungsfindung könnte man sich ein ganzes Konvolut an schlauen Büchern in die Schrankwand stellen. Wir beschränken uns heute auf sechs kleine, aber feine Ratschläge, die Ihre Blockade lösen können ...

Entscheidungsblockade: 6 Tipps für Unentschlossene

  1. Nicht überanalysieren

    Wir wollen meist eine Entscheidung treffen, die auf Grundlage aller verfügbaren Informationen die beste ist. Die perfekte Entscheidung eben. Überanalysieren hat also etwas mit Perfektionismus zu tun. Klingt vernünftig, ist in der Praxis aber schwer umsetzbar. Es gibt oft einfach zu viele Faktoren, als dass man sie alle berücksichtigen könnte. Um noch einmal auf das Messi-Bild zurückzukommen: Wenn der Wunderkicker bei einem Elfmeter auch die Lichtverhältnisse, die Windrichtung und mögliche Laserpointer im Publikum genau mit einkalkulieren wollte, dann fiele die Entscheidung deutlich schwerer - und würde sie höchstwahrscheinlich kein Stück besser machen. Deshalb der Tipp: Nehmen Sie nur die wichtigsten Parameter in die eigene Gleichung auf.

  2. Automatisieren

    Den Terminus der automatisierten Entscheidung kennt man eher aus der Datenverarbeitung, von Kreditbewertungen zum Beispiel. Wenn etwa der Score-Wert die Bonität eines potenziellen Kreditnehmers massiv in Frage stellt, bekommt er keinen Kredit. Fertig. Dieses technokratische Prinzip kann man sich aber auch ganz menschlich zu Nutze machen. Denn nicht jede Entscheidung muss Tag für Tag aufs Neue getroffen werden. Esse ich zum Frühstück das Müsli oder doch zwei Roggenbrötchen? Wann sortiere ich heute meinen Posteingang - um 9 Uhr oder in der Mittagspause? Setze ich mich heute Abend auf den Crosstrainer oder morgen? Derartige Entscheidungen können Sie - wenn Sie wollen - einfach automatisieren. Montags immer Müsli, dienstags immer Brötchen, Ende der Diskussion. Posteingang immer sofort als Erstes leeren, basta. Sport jeden Mittwoch, keine Ausnahmen. Nebeneffekt: Routinen spielen sich ein und geben dem Tag eine geordnete Struktur.

  3. Instinkten vertrauen

    Golf-Profis spielen dann am besten, wenn sie keine Zeit haben, über ihren Schlag nachzudenken. Bei Anfängern ist genau andersherum. Das will die Psychologin Siea Leah Beilock von der Uni Chicago herausgefunden haben. Bedeutet: Das Bauchgefühl ist ein guter Ratgeber. So wie beim Sprung vom Drei-Meter-Brett: Wer hier zu lange hadert, steigt womöglich wieder von der Leiter hinab statt einmal laut "Augen zu und durch" zu rufen - und zu springen. Analyse und Vorbereitung sind gut, Intuition aber auch nicht unwichtig. Vertrauen Sie Ihrem Verstand, aber - im Zweifel - auch Ihrem Bauch.

  4. Worst-Case-Szenario entwerfen

    Von Suzy Welch stammt das 10-10-10-Modell. Welche Auswirkungen hat meine Entscheidung in 10 Tagen? Welche in 10 Monaten? Und welche in 10 Jahren? Vom Ende her denken kann eine Entscheidung erleichtern. Dieser Trick lässt sich aber noch ergänzen - beziehungsweise der Einfachheit halber vollständig ersetzen. Nämlich mit dieser Frage: Welche Auswirkung ist die schlimmste, die ich mit meiner Entscheidung theoretisch hervorrufen könnte? Wem hier ein inakzeptables Szenario droht, kann die Entscheidung entsprechend ausrichten - oder sich alternativ schon einmal vorab überlegen, was im Worst-Case-Fall zu tun ist. Auch das hilft mental, sich mit einer Entscheidung zu arrangieren.

  5. Folgefehler vermeiden

    Dass man Fehler nie zweimal machen darf, haben Sie definitiv schon einmal gehört. Daher sinnvoll: Vor einer Entscheidung noch mal alte Episoden aus seinem Leben Revue passieren lassen. Gab es Parallen? Ähnliche Situationen? Eine Entscheidung, die ich so ähnlich schon einmal treffen musste? Wer eine große Erfahrungsschatztruhe hat, kann hier Verbindungen herstellen - und diesmal eine bessere Entscheidung treffen.

  6. Wählerisch sein

    Auch hilfreich für Entscheidungsunfreudige: Setzen Sie einen Standard fest, der nicht unterschritten werden darf. Beispiel: Sie wohnen im Ruhrgebiet und wollen von dort auch nicht weg. Ein neues Jobangebot, das mehr als 50 Kilometer von Ihrem Wohnort entfernt liegt, kommt für Sie nicht in Frage. Fertig, aus, Entscheidung getroffen, so toll die Stelle in Frankfurt sonst auch sein mag. Nach klaren Kriterien respektive Untergrenzen lässt sich eine Entscheidung gleich viel einfacher ausrichten.

Der Gun-Test

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Wenn es nach Bernard Roth geht, braucht es nicht mehr als 15 Sekunden, um zu einer guten Entscheidung zu kommen. Roth, Professor am Hasso-Plattner-Institute of Design in Stanford, schlägt in seinem Buch "The Achievement Habit" die Anwendung des so genannten Gun-Tests vor.

Und der geht so: Steht jemand vor einer großen, möglicherweise lebensverändernden Entscheidung, richtet Roth einfach seine Finger in Form einer Pistole auf ihn und sagt: "OK, Du hast 15 Sekunden, um dich zu entscheiden oder ich drücke ab." Laut Roth weiß daraufhin nahezu jeder die richtige Antwort.

In dieser Situation falle einfach der riesige Druck vom Entscheider ab, den er zuvor selbst aufgebaut habe. Aber: Nicht die Entscheidung selbst sei dabei wesentlich, sondern die Gewissheit, diese Entscheidung tatsächlich treffen zu können. Ein, so Roth, befreiendes Gefühl.

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