Entscheidungshilfe
Entscheidungshilfe: Der Kopf kann keinen klaren Gedanken mehr fassen, die Alternativen verschwimmen immer weiter, ein klares Ja oder Nein ist schon lange nicht mehr möglich und es macht sich mehr und mehr das Gefühl bleibt, dass es einfach unmöglich ist, sich festzulegen. So alltäglich und scheinbar simpel Entscheidungen auch sein mögen, jeder stand schon einmal vor dem Problem, dass er nicht mehr vor oder zurück wusste. In dieser Situation steigt nicht nur der Frust, man fühlt sich auch ungemein hilflos. Aber was tun? Sich mit der eigenen Entscheidungsunfähigkeit abfinden ist keine Option, schließlich muss eine Wahl getroffen werden. Zum Glück gibt es zahlreiche Entscheidungshilfen, mit denen Sie der für Sie passenden Alternative einen großen Schritt näher kommen können. Wir erklären, warum Entscheidungen manchmal so unglaublich schwer fallen und stellen verschiedene Methoden vor, die Sie als Entscheidungshilfe nutzen können...

Entscheidungshilfe: Wann brauchen wir sie?

Die gute Nachricht zuerst: Nur für einen Bruchteil der beinahe unzähligen Entscheidungen, denen wir uns Tag für Tag gegenüber sehen, brauchen wir tatsächliche eine Entscheidungshilfe. Bei den vielen kleinen Optionen kommen wir noch ganz gut alleine zurecht.

Ob wir nun die helle oder dunkle Hose anziehen, lieber Cornflakes oder ein Brot frühstücken, mit dem Auto fahren oder doch den Bus nehmen und ob wir uns in der Kaffeepause ein Stück Kuchen gönnen oder doch lieber auf die schlanke Linie achten - das stürzt niemanden in große Entscheidungsnot. Glücklicherweise, denn es wäre schlichtweg unmöglich, sich für jede einzelne Wahl im Alltag so viel Zeit zu lassen. Man wäre 24 Stunden lang nur noch mit Entscheidungen beschäftigt und käme nicht mehr dazu, irgendetwas davon wirklich in die Tat umzusetzen.

Aber es gibt auch die Entscheidungen, die uns wirklich zusetzen, bei denen wir Tage oder auch Wochen und Monate einfach nicht weiter wissen und es immer weiter aufschieben, um uns ja nicht endgültig festlegen zu müssen. An genau diesem Punkt wünscht man sich jemanden, der einem einfach sagt, was richtig ist und welchen Weg man einschlagen soll. Doch was zeichnet diese besonders kniffligen Entscheidungen aus, dir alleine einfach unlösbar erscheinen?

Ausschlaggebend sind dabei gleich mehrere Faktoren, die mal alleine, mal im Zusammenspiel miteinander in die Entscheidungskrise führen:

  • Die Reichweite der Entscheidung.

    Je wichtiger eine Entscheidung ist - oder je wichtiger sie sich anfühlt - desto eher wird Hilfe benötigt. Dahinter steht die große Angst, etwas falsch zu machen. Bei Kleinigkeiten kann man noch darüber hinweg sehen, doch niemand möchte bei den wirklich wichtigen Entscheidungen des Lebens falsch liegen und sich später dafür rechtfertigen müssen.


  • Fehlende Klarheit über die Folgen.

    Die meisten Menschen versuchen Unsicherheit und Risiko zu vermeiden. Sind die Folgen und Konsequenzen einer Entscheidung im Vorfeld nicht abzusehen, verfallen viele deshalb in eine regelrechte Schockstarre, in der sie solange bleiben, bis eine Lösung in Sicht ist oder einfach keine Zeit mehr bleibt und sie so zu einer Entscheidung gezwungen werden.


  • Fehlende Klarheit über die Alternativen.

    Neben den ungewissen Folgen mangelt es manchmal bereits an wichtigen Informationen zu den einzelnen zur Wahl stehenden Optionen. Was macht Alternative A, B und C aus? Worin unterscheiden Sie sich? Was sind die jeweiligen Vor- und Nachteile? Wenn bereits diese grundlegenden Fragen nicht beantwortet werden können, wird es mit der Entscheidung besonders schwer.


  • Fehlende Klarheit über die eigenen Ziele.

    Mit jeder größeren Entscheidung wird auch ein Ziel verfolgt. Studieren oder Ausbildung? Ein Haus finanzieren oder eine Wohnung mieten? Bewerbungen schreiben oder in die Selbstständigkeit gehen? Was so einfach klingt, scheitert oft daran, dass man sich den eigenen Zielen nicht bewusst ist. Oder anders ausgedrückt: Eine Entscheidung ist nicht möglich, wenn Sie nicht wissen, was Sie eigentlich wollen.

Weiß man selbst einfach nicht mehr weiter, muss eine Entscheidungshilfe her. Denn fest steht auch: In den meisten Fällen ist keine Entscheidung treffen auch keine Option. Früher oder später müssen Sie sich auf eine Sache festlegen. Die Entscheidung wird dabei aber weder einfacher noch besser, wenn die Zeit knapp wird und Sie sich am Ende gedrängt fühlen.

Wer zu lange wartet, verspielt damit möglicherweise bereits einige Alternativen, da Türen sich irgendwann auch wieder schließen. Oder noch schlimmer: Treffen Sie keine Entscheidung, übernimmt das einfach jemand anders für Sie - und dann müssen Sie mit dem Ergebnis leben, ob Sie nun wollen oder nicht.

Warum greifen so viele Menschen zu einer Entscheidungshilfe?

Entscheidungshilfe Methoden Tipps Beziehung JobwechselIn erster Linie soll eine Entscheidungshilfe natürlich dabei helfen, endlich eine Wahl zu treffen. Doch es hat noch einen weiteren, psychologischen Grund, warum wir uns so gerne mit unterschiedlichen Methoden der Entscheidungsfindung weiterhelfen: Es nimmt die Last von den eigenen Schultern.

Mit einer Entscheidung geht immer auch die Verantwortung einher. Hier gilt ebenso: Für kleine oder unbedeutende Dinge lässt sich diese Verantwortung noch ohne Probleme tragen, selbst wenn man mal daneben liegt, kann ein Fehler eingestanden werden. Doch vor der Verantwortung, einen falschen Studiengang gewählt zu haben oder sich für den falschen Arbeitgeber entschieden zu haben, möchte man sich lieber drücken.

Entscheidungshilfen vermitteln zumindest die Illusion, dass dies möglich wäre, indem die Entscheidung ein Stück weit aus der Hand gegeben wird. Zwar müssen die Konsequenzen immer noch getragen werden und auch die Verantwortung liegt immer noch bei der Person selbst, doch es lässt sich mit dem eigenen Gewissen ein wenig besser vereinbaren, wenn im Vorfeld verschiedene Entscheidungshilfen zurate gezogen wurden.

So wird gleich der Vorwurf entkräftet, die Entscheidung wäre voreilig oder gar unüberlegt gewesen und falls sich diese tatsächlich als falsch herausstellt, kann die Schuld wenigstens ein Stück weit von sich gewiesen werden, da auf die Aussagekraft der Entscheidungshilfe vertraut wurde.

Entscheidungshilfe: Diese Methoden können helfen

Vorweg: Jede Entscheidungshilfe hat ihre eigenen Vor- und Nachteile. Es lässt sich nicht allgemein sagen, dass eine Methode grundsätzlich besser oder schlechter wäre als andere. Welche besonders empfehlenswert ist, hängt stark von der individuellen Entscheidung, den zur Verfügung stehenden Informationen und nicht zuletzt auch von Ihrer Persönlichkeit ab.

Viele Entscheidungshilfen versuchen durch eine sehr logische Herangehensweise das optimale Ergebnis zu finden, einige legen aber auch einen anderen Fokus. Schauen Sie sich deshalb die unterschiedlichen Entscheidungshilfen an und wählen Sie die aus, die zu Ihrer persönlichen Situation passt und die Ihnen am ehesten zusagt.

Zur Orientierung stellen wir Ihnen verschiedene Entscheidungshilfen vor und gehen auf die jeweiligen Stärken und Schwächen ein:

  1. Fragen Sie Freunde und Familie um Rat.

    Sind Sie mit der eigenen Weisheit am Ende, ist die benötigte Hilfe manchmal viel näher, als Sie vielleicht glauben. Die Menschen in Ihrem Umfeld kennen Sie sehr gut, wollen nur das Beste für Sie und haben einen größeren Abstand, um die Dinge mit der benötigten Weitsicht betrachten zu können, die Ihnen vielleicht gerade fehlt.

    Hören Sie sich unterschiedliche Meinungen an, suchen Sie die Diskussion und bleiben Sie dabei so offen wie möglich für den Input. Sie müssen nicht gleich die Entscheidung übernehmen, die andere Ihnen vorschlagen, doch kann dieser neue Blickwinkel Ihnen dabei helfen, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen.

    Wichtig ist, dass Sie einen Ratgeber finden, der wirklich bereit ist, seine eigene Meinung zu Ihrer Situation zu äußern und nicht nur das sagt, was Sie hören wollen. Und ganz wichtig: Versuchen Sie nicht, die Verantwortung für eine wichtige Entscheidung auf andere abzuladen. Selbst wenn ein guter Freund als Entscheidungshilfe dient und Sie seinem Vorschlag folgen, ist es immer noch Ihre Entscheidung für die Sie gerade stehen müssen - ohne sauer zu sein, falls es sich nicht so entwickelt wie erhofft.


  2. Legen Sie eine Pro und Contra Liste an.

    Bei akutem Entscheidungsstillstand ist es die bekannteste Hilfe: Die Pro-Contra-Liste. Und bekannt ist sie nicht ohne Grund, denn ihr Nutzen ist unumstritten. Schon das Aufschreiben und Vergleichen der verschiedenen Argumente löst manchmal die Blockade im Kopf und sorgt dafür, dass endlich klar wird, was bisher einfach nicht deutlich werden wollte.

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    Dabei haben Sie mehrere Möglichkeiten, um die Liste zu nutzen. Der einfachste Weg ist ein rein quantitativer Vergleich der Alternativen. Soll heißen: Die Option, für die mehr Pro-Argumente sprechen, sollte Ihre endgültige Wahl sein. Ein wenig ausgefeilter ist die zweite Variante: Legen Sie eine Gewichtung fest, die auf Ihren Präferenzen basiert. Was Ihnen besonders wichtig ist wird so stärker in die Entscheidung mit einbezogen.

    Die einfache Durchführung dieser Entscheidungshilfe gelingt allerdings nur so lange es sich um wenige Alternativen handelt. Bei zwei oder drei ist der Vergleich noch problemlos möglich, stehen hingegen neun Alternativen zur Wahl, geht selbst bei der besten Pro-Contra-Liste die Übersicht verloren.


  3. Werfen Sie eine Münze.

    Na super, das ist ja eine tolle Entscheidungshilfe... Ja ist es! Aber auf eine andere Weise, als Sie im ersten Moment glauben. Beim Münzwurf denken die meisten zunächst nur an eine zufällige Entscheidung - wenden Sie diese Methode aber richtig an, ist es vollkommen egal, ob die Münze am Ende Kopf oder Zahl anzeigt.

    So geht's: Anfangs läuft alles wie gehabt: Legen Sie fest, für welche Option Kopf und Zahl jeweils stehen und werfen Sie die Münze hoch. Dann kommt der Knackpunkt: Achten Sie nicht darauf, welches Ergebnis kommt, sondern darauf, was Sie sich wünschen. Noch während die Münze fliegt und sich fröhlich dreht, spüren Sie meist ganz genau, ob Sie lieber Kopf oder Zahl sehen wollen.

    Einziger möglicher Nachteil dieser Entscheidungshilfe ist, dass Sie sich selbst belügen oder nicht zu dem Ergebnis stehen wollen. Denn die Entscheidung, die Sie sich wünschen, ist nicht immer einfach umzusetzen oder anderen gegenüber zu rechtfertigen.


  4. Setzen Sie sich ein zeitliches Limit.

    Die Umstände setzen ein ganz natürliches Zeitlimit. Ob Sie sich auf eine Stelle bewerben, müssen Sie innerhalb der vorgegebenen Frist entscheiden und auch ein Studiengang muss rechtzeitig gewählt werden, wenn Sie kein Semester warten wollen, um sich wieder einschreiben zu können. Dieser Druck hilft meist nicht wirklich, doch können Sie sich ein eigenes Limit setzen, dass in kürzester Zeit zu einer Entscheidung führen soll.

    Das verspricht zumindest der Professor Bernard Roth der den sogenannten Gun Test entwickelt hat, um bei einer Entscheidung zu helfen. Der funktioniert so: Hand zu einer Pistole formen, auf denjenigen richten, der sich einfach nicht festlegen kann und damit drohen, die fiktive Waffe abzufeuern, wenn nicht innerhalb von 15 Sekunden eine Entscheidung getroffen wird.

    Klingt zugegeben etwas verrückt, soll aber helfen, den Druck zu nehmen. Und falls Sie danach immer noch nicht weiter wissen, haben Sie lediglich 15 Sekunden verloren. Ausprobieren kann also nicht schaden.


  5. Setzen Sie Ihre Entscheidung in Relation.

    Manche Entscheidung fühlt sich wie ein weltbewegendes Ereignis an - ist es am Ende aber ganz und gar nicht. Das soll nicht schmälern, wie viel Stress und Druck Sie vor einer anstehenden Entscheidung spüren, doch oftmals sind diese negativen Emotionen selbst auferlegt, da der Wahl ein viel zu großes Gewicht beigemessen wird.

    Nur eine handvoll Entscheidungen im Leben haben wirklich eine solch große Bedeutung, viele kleinere Dinge werden aber auf eine ähnlich hohe Stufe gestellt. Kein Wunder, dass Sie sich nicht entscheiden können, wenn Sie glauben, der Verlauf Ihres gesamten Lebens würde davon beeinflusst. Die passende Entscheidungshilfe: Machen Sie eine gedankliche Zeitreise und setzen Sie so die Auswirkungen in Relation.


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    Was jetzt schwer auf den Schultern wiegt, hat vermutlich viel weniger Einfluss auf Ihre Zukunft, als Sie glauben. Versetzen Sie sich in Ihr zukünftiges Ich und fragen Sie sich ganz ehrlich: Wie wirkt sich die Entscheidung in einigen Monaten oder Jahren aus?

    Sollten Sie bei dieser gedanklichen Zeitreise völlig verschiedene Szenarien erstellen, können Sie gleich die nächste Entscheidungshilfe nutzen: Fragen Sie sich, welche dieser verschiedenen Wege für die Zukunft Ihnen am besten gefällt. Daran können Sie für die Gegenwart erkennen, welche Alternative für Sie zum richtigen Ergebnis führt.


  6. Nutzen Sie den Zufall als Entscheidungshilfe.

    Für all diejenigen, die sich partout nicht entscheiden können, gibt es eine drastische Möglichkeit der Entscheidungshilfe: Überlassen Sie es dem Zufall. Dafür gibt es inzwischen sogar zahlreiche Seiten und Tools im Internet, bei denen Sie Alternativen eingeben und durch einen Zufallsgenerator eine Auswahl treffen lassen können.

    Dies kann funktionieren, wenn sie einfach keine Unterschiede zwischen den Optionen ausmachen können oder sich über Ihre eigenen Präferenzen nicht klar sind. Kurz gesagt: Wenn Sie sich nicht entscheiden können, weil alle Alternativen genau gleich gut erscheinen, kann der Zufall als Entscheidungshilfe dienen.

    Es kostet jedoch einige Überwindung, größere Entscheidungen auf diesem Weg zu treffen. Wer möchte schon sagen, dass er sich zufällig für einen Job entschieden hat?

Eine große Entscheidungshilfe ist auch die richtige Einstellung. Immer wieder ist von der perfekten Entscheidung die Rede und die Erwartungen sind ungemein hoch. Am Ende sind Entscheidungen aber immer Kompromisse. Sie wählen nach Ihren Prioritäten eine Option und entscheiden sich dabei immer auch gegen viele andere Möglichkeiten. Die traumhafte Entscheidung, die nur Vorteile hat, gibt es auch mit Entscheidungshilfe nicht.

Wichtig ist, dass Sie mit Ihrer Entscheidung leben können und diese für Sie passt - selbst dann, wenn andere das nicht immer nachvollziehen können oder mit dem Weg, den Sie eingeschlagen haben, nicht ganz einverstanden sind und zu etwas anderem geraten haben.

Und abschließend: Hören Sie auf, bei Entscheidungen so hart zu sich selbst zu sein. Niemand trifft immer die richtige Wahl und es bringt nichts, sich ewig dafür zu verurteilen. Verzeihen Sie sich stattdessen selbst und versuchen Sie für das nächste Mal daraus zu lernen. Auch das ist eine Entscheidungshilfe, denn anstatt sich unter Druck zu setzen, können Sie auch eine falsche Entscheidung akzeptieren.

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