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Erfolgskiller: Wenn die Konjunktur schlecht und der nächste Arbeitsplatz 100 Kilometer entfernt ist, hält man schlechte Karten in der Hand. Viele stehen sich aber auch einfach selbst im Weg. Sie zweifeln, zaudern, zögern - und hätten gerne mehr von dieser mentalen Stärke, von der immer alle reden. Wie löse ich die Blockade in mir, wie schüttele ich die negativen Gedanken ab? Karrierebibel hat fünf Tipps für Sie ...

Erfolgskiller: Pech

Kreuzbandriss, erneuter Kreuzbandriss, Muskelsehnenriss, Muskelriss im Oberschenkel, Bruch des Sprunggelenks - die Krankenakte von Bayern-Profi Holger Badstuber liest sich wie das Skript eines Horror-Movies. Seine Karriere aufgegeben hat der Kicker aber noch immer nicht. Badstuber arbeitet auch mit einem Mentaltrainer zusammen, der ihn bei seinen ständigen Comebacks unterstützt, der ihn mental aufrichten soll. Ohnehin gehören Mentaltrainer in der Fußball-Bundesliga längst zum Inventar der Vereine. Denn, und ohne diese Fünf-Euro-Phrase kommt kein Interview am Spielfeldrand aus: „Fußball ist Kopfsache.“

Gegenfrage: Welcher Job ist eigentlich nicht (auch) Kopfsache? Für welche Herausforderungen im Leben benötigt man die berühmte mentale Stärke denn nicht? Für relativ wenig, könnte man meinen. Die Frage ist nur, wie man mentale Stärke aufbaut, wenn man sie nicht hat. Wie man mit der richtigen Denke Blockaden löst. Schließlich kann und will ja nicht jeder gleich einen Mentaltrainer engagieren.

KISS-Prinzip: Erfolgsbringer?

Laut Ralph Eckhardt hilft für den Anfang schon ein einfacher Grundatz. „Keep it stupid and simple“ - das so genannte KISS-Prinzip, das in ganz verschiedenen Bereichen zum Einsatz kommt. Eckhardt ist ehemaliger Kampfpilot und hat ein Buch geschrieben: "Mentale Stärke - von Kampfpiloten lernen." Natürlich solle man sich auf schwierige Situationen vorbereiten, um mentale Härte aufzubauen, so seine Erfahrung. Wenn man die Lösungssuche aber verkompliziert, zu umständlich denkt, blockiert man sich selbst.

Mögliches Beispiel: Ich bereite mich auf einen Fachvortrag auf der Konferenz vor und bin furchtbar nervös. Was, wenn ich die Zahlen nicht mehr im Kopf habe, einen Aussetzer habe, auf dem Schlauch stehe? Ich könnte mir nun einen kleinen Zettel zurechtlegen, wo alle Zahlen, Daten und Fakten noch mal genau draufstehen. Oder ich könnte einfach eine kurze Pause inszenieren, ein Glas Wasser nehmen und den Punkt überspringen. Wahrscheinlich fahre ich mit Variante 2 besser. Lösung vereinfacht, Sicherheit gewonnen.

Hier sind fünf weitere Tipps, die wir für Sie zusammengetragen haben …

Erfolgskiller: Diese 5 sollten Sie eliminieren

  1. Ausreden suchen

    „Die Prüfung geht definitiv in die Hose, weil der Professor immer so unmögliche Aufgaben stellt.“ „Ich krieg den Job eh nicht, der Abteilungsleiter hat einfach keine Ahnung.“ „Das Projekt können wir mit dieser Besetzung überhaupt nicht wuppen.“ Ausreden tun so verdammt gut, weil sie scheinbar Druck von den Schultern nehmen, die Verantwortung eine Person weiter schieben.

    Aber sie haben zwei Nachteile: Sie verleiten zur Prokrastination. Wenn etwas aussichtslos ist, kann ich die Aufgabe auch auf morgen schieben. Und sie wirken demotivierend: Wenn ohnehin alles für die Katz ist, begnüge ich mich halt mit 80 Prozent Einsatz - und gebe ganz sicher keine 100 Prozent. „Jeder ist seines Glückes Schmied.“ Das ist ein altes Sprichwort, arg ausgelutscht und ausgeleiert - aber es ist allemal besser als eine billige Ausrede.

  2. Schreckensszenarien entwerfen

    Der Pygmalion-Effekt besagt, dass die Erwartungen eines Lehrers an einen Schüler nicht nur seine eigenen Beurteilungen beeinflussen, sondern auch die tatsächlichen Leistungen des Schülers. Bedeutet: Wenn ich dem Schüler zu verstehen gebe, dass ich viel von ihm erwarte, schreibt er hinterher bessere Noten.

    Umgedreht wird aus dem Pygmalion-Effekt schnell eine selbsterfüllende Prophezeiung. Wer vor dem Referat davon ausgeht, grandios zu scheitern, hat den ersten Schritt Richtung Debakel damit schon getan. Deshalb: Die eigenen Erwartungen nicht überziehen, aber einen gewissen Anspruch an sich selbst haben - und sich nicht permanent schlecht reden.

  3. Wunschszenarien entwerfen

    Ein Grundsatz von Kampfpiloten lautet: „Train as you fight“. So schreibt es der eingangs schon erwähnte Ralph Eckhardt. Lebe jeden Flug gewissermaßen so, als ginge es um alles, als ginge es um Leben und Tod. Nur so sei man mental auf Komplikationen vorbereitet, entwickelt ein situatives Bewusstsein und kann schnell reagieren. Selbst wenn ein Problem dann in abgewandelter Form auftaucht, könne man besser damit umgehen.

    Daher: Wer Probleme von vornherein einkalkuliert und sich einen Plan zurechtlegt, wird besser. Wenn mein Chef mir heute das Malheur von gestern wirklich zum Vorwurf machen sollte, dann reagiere ich so und so. Wenn die fertige Website wider Erwarten abschmieren sollte, dann führe ich unverzüglich Schritte A, B und C durch. Das Gegenteil dieses Prinzips lautet: Versuche, den Tag einfach nur rumzukriegen. Lass alles auf dich zukommen und versuche, dich irgendwie durchzumogeln. Ein Erfolgskiller. Ein Erfolgsbringer: Keine rosaroten Ponyhöfe an die Wand projizieren, sondern mental den Ernstfall proben.

  4. Auf Applaus hoffen

    Wenn uns jemand lobt, beklatscht oder auch nur freundlich anlächelt, schütten die Nervenzellen unseres Gehirns den Botenstoff Dopamin in rauen Mengen aus. Und das löst ein Gefühl von Glück und Stärke aus. Wer im Hörsaal ein Referat hält, wartet sehnsüchtig darauf, dass die Kommilitonen anerkennend mit ihren Fingerknöcheln auf die Tische klopfen. Der Drang nach Bestätigung, die Sucht nach Anerkennung ist also in uns. Aber sie benebelt auch die Sinne und macht uns abhängig.

    Beispiel Sales-Pitch: Sie haben einen begeisternden Vortrag gehalten, überzeugende Zahlen präsentiert und tolle Folien an die Wand geworfen. Der (vermeintliche) Kunde setzt trotzdem sein Pokerface auf, guckt mürrisch, spendet statt Applaus nur kritische Blicke. Ein Abtörner, kein Dopaminspender. Dabei kann die Reaktion alles und nichts bedeuten. Reagiert mein Gegenüber nicht euphorisch, war meine Leistung nicht gut - ein klarer Denkfehler, den man sich bewusst machen sollte. Besser: Konzentriert arbeiten, realistisch bleiben und die eigene Leistung hinterher selbstständig bewerten - und sich nicht vom Applaus oder Schweigen der anderen (zu sehr) beeinflussen lassen.

  5. Zu viel grübeln

    Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung war vor einigen Jahren der Frage nachgegangen vor, was eigentlich in Menschen vor sich geht, die zum Grübeln neigen. Ergebnis: Notorische Grübler sprechen mit sich selbst - und aktivieren die Konfliktzentren im Gehirn. Sie trommeln quasi unentwegt auf sich selbst ein, schaukeln sich hoch und verstärken die negativen Gedanken noch. Konsequenz: Es wird nahezu unmöglich, eine Lösung zu finden.

    Nun lassen sich Gedanken nicht auf Knopfdruck ein- und ausstellen wie eine Herdplatte. Aber: Wer sich auf mögliche Lösungen konzentriert, nach vorne blickt, ist auf einem guten Weg. Richtig: Wie kriege ich den Bug wieder aus dem Programm raus? Falsch: Warum ist das schon wieder mir passiert? Was man vermeiden sollte: Über Fehler immer und immer wieder nachdenken. Was man tun sollte: Sich selbst konzentrieren, disziplinieren, nach vorne schauen und lösungsorientiert denken.

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