Man kann Dutzende Biografien über erfolgreiche Menschen lesen. Und auch wenn jede Geschichte wenigstens ein kleines bisschen anders klingt, andere Akteure aufweist und einen anderen Helden hat – ein paar Dinge wiederholen sich eben doch. Und das ist dann der Stoff, aus dem wieder andere Erfolgsrezepte extrahieren. Menschen, wie Marshall Goldsmith zum Beispiel, den das britische Magazin “The Economist” mal “einen der glaubwürdigsten Vordenker der neuen Business-Ära” taufte.

Goldsmith hat schon einiges in seinem Leben gesehen und erfahren. Er berät Top-Manager und Top-Politiker. Der Mann ist wirklich klug. Und jetzt hat er ein Buch geschrieben, das sich mit den wichtigsten Attributen beschäftigt, die erfolgreiche Menschen einen. Er nennt diese Melange Mojo.

Zugegeben, das klingt nicht ganz so klug, sondern eher nach einem populistischen Erfolgsauflauf aus dem Verlagsschnellkochtopf. Ist es aber nicht. Dahinter stecken durchaus tiefsinnigere Gedanken. Allerdings – und das weiß auch Goldsmith – prägt sich Mojo einfach besser ein.

Was also ist Mojo?

YouwinDie simpelste aller Definitionen, die Goldsmith gibt, ist der positive Geist, die Begeisterung, die wir für unsere Arbeit, unser Ziel haben. Sie beginnt irgendwo in uns drin und bricht irgendwann regelrecht aus. Und manchmal stecken wir damit sogar andere an. Das ist dann ganz starkes Mojo.

Mir ist natürlich klar, dass auch das noch nicht allzu tiefsinnig klingt. Es klingt vielmehr nach dem, was andere, Leute wie ich zum Beispiel, als intrinsische Motivation bezeichnen würden. Mit einem Schuss Begeisterungsfähigkeit. Sozusagen virales Momentum. Leidenschaft mit Ansteckungsgefahr. Das alles klingt alles eben nicht so griffig wie Mojo.

Also lassen Sie uns ein wenig tiefer graben und Mojo ausführlicher defininieren. Oder vielmehr nachforschen, wie Marshall Goldsmith Mojo definiert. Laut ihm setzt es sich aus vier Komponenten (und Fragen) zusammen:

  • Identität Wer, denken Sie, sind Sie? Man beachte bei der Frage den kleinen Einschub: Es geht also nicht darum, wie Ihre Freunde, Ihre Familie, Ihr Partner oder Ihre Kollegen Sie sehen, sondern ganz allein Sie selbst – Selbstwahrnehmung pur eben. Ohne dieses Wissen, was uns ausmacht, können wir auch nicht erkennen, ob wir Mojo besitzen oder wie wir mehr davon aus uns herausholen machen.
  • Reputation Was denken andere über Sie? Nachdem Sie Ihr Selbstbild geschärft haben, gilt es dieses mit dem Fremdbild abzugleichen. Mit dem, was Kollegen, Kumpel, Kunden über Sie denken. Auch wenn Sie Ihren Ruf nicht vollständig kontrollieren können, können Sie stark an ihm arbeiten – was sich wiederum enorm auf Ihr Mojo auswirkt.
  • Erfolg Was haben Sie zuletzt erreicht? Die Frage beinhaltet zweierlei: Was andere glauben, was Sie bereits geschafft haben – und was Sie selbst darüber denken. Wenn sich beide Ergebnisse stark unterscheiden, fühlen sich die meisten Menschen unzufrieden. Die eigentliche Herausforderung ist also, in dem, was wir machen, Sinn und Erfüllung zu finden und zu wertschätzen, was wir erreicht haben. Nicht die leichteste Aufgabe, gewiss.
  • Akzeptanz Was können Sie ändern? Und was davon liegt außerhalb Ihres Einflussbereichs? Es gibt nun mal Dinge im Leben, die können wir nicht ändern. Andere schon. Nicht wenige aber machen Ihr Glück von unrealistischen Erwartungen abhängig: “Wenn ich eine Million hätte…, ein eigenes Haus besäße…, weniger wiegen würde…, dann…” Solche Ziele zu haben, ist nicht verkehrt. Aber wer weiß, was er wirklich beeinflussen kann, und dies dann auch macht, wird meist glücklicher und besitzt mehr Mojo. Sagt jedenfalls Goldsmith.

Keine Frage, das sind wichtige Lebensfragen. Und sich darüber im Klaren zu sein, schadet niemand. Wahrscheinlicher ist sogar, dass man über das Sinnieren glücklich und zufrieden wird. Es sei denn, man entdeckt zufällig, dass man tatsächlich eine totale Null ist, die nichts auf die Kette bekommt. Aber solche Typen lesen vermutlich auch keine Bücher über Mojo.

Aber lassen Sie uns kurz hören, was Goldsmith selbst über Mojo zu sagen hat…

Jaja, ich weiß, so ganz tiefsinnig ist auch das nicht. Kommt aber bestimmt noch. Und bis dahin können Sie zwischendurch zumindest selbst herausfinden, ob Sie genug Mojo besitzen. Auch das hat sich Marshall Goldsmith so ausgedacht. Zehn Eigenschaften spielen dabei eine Art Gradmesser. Die Punkte dafür müssen Sie sich aber selber geben – pro Eigenschaft in der Liste zwischen einem (“Kenn ich nicht an mir.”) und zehn (“Hey, darin hab ich den dunkelschwarzen Gürtel!”) Punkte. Also los…

Haben Sie genug Mojo?

    Professionelles Mojo

  1. Motivation Sie haben ein neues Projekt vor der Brust. Wie starten Sie?
  2. Wissen Sie wissen, was Sie tun und wie man es hinbekommt. Aber wissen Sie auch wie man den Job exzellent macht?
  3. Talent Besitzen Sie die alle Kompetenzen und Fertigkeiten für Ihren aktuellen Job?
  4. Gewissenhaftigkeit Wie sorgfältig arbeiten Sie an Ihrem Projekt? Wie wichtig ist Ihnen dabei Top-Qualität beim Ergebnis?
  5. Authentizität Jetzt noch mal Hand aufs Herz: Wie ehrlich sind Sie bei der Begeisterung und der Leidenschaft für dieses Projekt? Oder reden Sie sich die Sache am Ende nur schön?
  6. Persönliches Mojo

  7. Zufriedenheit Teil dieses Projekts, wenn nicht gar dessen Baumeister zu sein, macht Sie glücklich – oder eher nicht?
  8. Anerkennung Wie viel Ruhm und Ehre erwarten Sie für dieses Engagement?
  9. Sinnhaftigkeit Was auch immer am Ende herauskommt: Besitzt das einen Wert für Sie, ist es Ihnen wichtig und gibt es Ihrer Arbeit, Ihrem Leben Sinn?
  10. Lerneffekt Im Grunde kann man aus allem etwas lernen – und sei es nur, wie man es nicht macht. Aber wie groß schätzen Sie die Chance ein, an dieser Aufgabe zu wachsen und Ihre Wissen und Können wirklich zu erweitern?
  11. Dankbarkeit Und am Ende: Sind Sie dankbar dafür, dass Sie diese Aufgabe meistern können? Oder ist sie am Ende doch nur so etwas wie eine halbwegs sinnvolle Art, Zeit zu verbringen?

Jetzt zählen sie bitte all Ihre Punkte zusammen. Mit 100 Punkten sind Sie Mojo-Meister und brauchen das Buch von Goldsmith nicht mehr lesen. Mit weniger als 30 Punkten eigentlich auch nicht. Und dazwischen? Tja, da sind Sie vermutlich Zielgruppe. Und haben gleich zwei Chancen: Entweder, Sie entdecken bei der Lektüre Ihr Mojo.
Oder den Tiefgang.