Erfolgstagebuch schreiben Beispiel Vorlage Tipps
Viele Menschen schreiben Erlebnisse, Gedanken und Gefühle in einem Tagebuch auf. Aber mal ehrlich: Können Sie spontan Ihre letzten zehn Erfolge nennen? Die meisten können es nicht. Eher können sie zehn letzten Fehlschläge nennen. Ein Erfolgstagebuch (auch Erfolgsjournal genannt) arbeitet dieser Tendenz entgegen. Mit Erfolg! Denn das Aufschreiben der eigenen Leistungen und Erfolge bringt noch weitere positive psychologische Effekte mit sich. Wir zeigen Ihnen daher, wie ein Erfolgstagebuch funktioniert, wie Sie davon profitieren und geben Tipps mit denen Sie Ihr persönliches Erfolgstagebuch optimal nutzen können...

Erfolgstagebuch Definition: Aufschreiben von Erfolgen

Erfolgstagebuch schreiben Definition Beispiel Vorlage TippsIm einem Tagebuch verarbeiten wir gewöhnlich die Geschehnisse des Tages, Gedanken und Gefühle - sowohl positive wie negative. Das Erfolgstagebuch ist eine spezielle Form des Klassikers und konzentriert sich - wie der Name vermuten lässt - nur auf die Leistungen, Erfolge, Errungenschaften, Triumphe und Volltreffer des Verfassers.

Kurz: Es geht um...

  • Erreichte Ziele
  • Konstruktive Ergebnisse
  • Positive Erlebnisse

Ob nun große Erfolge wie eine satte Gehaltserhöhung beziehungsweise eine Beförderung oder kleinere wie ein gelungener Projektabschluss oder ein privater Erfolg wie beispielsweise ein toller Abend mit Freunden oder Familie: Alles davon wird im Erfolgstagebuch notiert.

Das können Sie mehr oder weniger wahllos tun, indem Sie die einzelnen Erfolge der Reihe nach notieren wie Sie Ihnen in den Sinn kommen. Oder aber Sie notieren sich die Ereignisse chronologisch oder geben dem Tagebuch sogar eine Struktur, indem Sie den einzelnen Tag zum Beispiel in zwei Spalten unterteilen:

  • Berufliche Erfolge
  • Private Erfolge

Ob Sie die Erfolge im Tagebuch nur tabellarisch und stichpunktartig aufschreiben oder prosaisch in ganzen Sätzen nptieren oder gar in kleinen Anekdoten und Geschichten ist wiederum Geschmackssache.

Erfolgstagebuch Beispiel

Erfolgstagebuch Beispiel

Entscheidend ist lediglich, dass Sie sich wirklich JEDEN (!) Tag (am Abend oder am Morgen) einige Minuten Zeit nehmen, um Bilanz zu ziehen und die Dinge aufzuschreiben, die Ihnen am vergangenen Tag wirklich gut gelungen sind, über die Sie sich gefreut haben, auf die Sie stolz sind oder von denen Sie gerne mehr erleben möchten. Zweifel bekommen so erst gar keine Chance.

Zum Schluss können Sie zudem die Höhepunkte des Tages - also jene Erfolge, die Ihnen besonders wichtig sind - noch einmal hervorheben, indem Sie diese deutlich unterstreichen oder mit einem Textmarker markieren. So stechen sie später bei der erneuten Lektüre sofort ins Auge.

Erfolgstagebuch führen: morgens oder abends?

Erfolgstagebuch führen: morgens oder abendsBei der Frage, ob Sie Ihr Erfolgstagebuch lieber morgens oder abends führen, gehen die Meinungen auseinander. Ein Richtig oder Falsch gibt es dabei auch nicht. Letztlich muss es zu Ihrem Tagesrhythmus passen und wann Sie am ehesten die Muße dazu finden. Es aber durchaus ein paar Argumente, die Ihnen bei der Entscheidung helfen können:

  • Erfolgstagebuch morgens schreiben:

    Abends sind Sie vielleicht noch zu aufgewühlt vom Tag, grübeln, die Sorgen überwiegen und die Erfolge wollen partout nicht einfallen. Am Morgen sieht die Welt dagegen schon ganz anders aus und unser Gehirn hat im Schlaf die wichtigsten Eindrücke sortiert und verarbeitet. Mit dem geklärten Blick sehen wir auch die gestrigen Erfolge deutlicher - und starten direkt positiv in den Tag. Allerdings müssten Sie dazu auch etwas eher aufstehen.

  • Erfolgstagebuch abends schreiben:

    Wer abends noch mal den Tag Revue passiert lässt, verarbeitet diesen nicht nur und schließt ihn mental ab. Sie gehen gerade im Fall des Erfolgstagebuchs auch mit einem ausgeglichenen und positiven Eindruck zu Bett - jeden Tag mindestens ein Erfolg. Ein enormer Motivationskick und Selbstvertrauensbooster. Zudem haben manche Sorgen und Kleinigkeiten so keine Chance mehr, dass wir uns über die Nacht hineinsteigern oder diese uns den Schlaf rauben. Die Erfolge überschatten alles und lassen uns zufrieden einschlafen - nicht zuletzt, wenn wir ein paar Seiten zurückblättern und lesen.

Jetzt liegt es ganz bei Ihnen...

Erfolgstagebuch schreiben: Gute Gründe, die eigenen Erfolge aufzuschreiben

Zugegeben, so ein Erfolgstagebuch zu schreiben, macht zunächst einmal Arbeit. Viel Arbeit - und das auch noch regelmäßig, jeden Tag. Nicht wenige schreckt das ab: Was soll das schon bringen, die eigenen Erfolge aufzuschreiben?, lautet die Kernfrage der Erfolgstagebuch-Kritiker. Eigentlich weiß man doch sowieso genau, was man geleistet und erlebt hat. Ist es da nicht Zeitverschwendung, das alles noch einmal aufzuschreiben, obwohl es vielleicht gerade erst passiert ist?

Ganz und gar nicht! Inzwischen ist es sogar wissenschaftlich belegt, dass es eine Vielzahl positiver Effekte mitbringt, wenn Sie positive Erlebnisse und Erfolge eines Tages schriftlich festhalten.

Joyce E. Bono von der Warrington Universität in Florida zum Beispiel konnte einige Effekte nachweisen. Allein die Probanden ihrer Studie, die jeden Abend nur drei Erfolge und positive Geschehnisse des Tages schriftlich festgehalten hatten, waren schon nach kurzer Zeit glücklicher und zufriedener mit sich und der eigenen Arbeit.

Zudem wurden die Verfasser eines Erfolgstagebuchs...

Und das ist nicht die einzige Studie über die Effekte des reflektierten Schreibens. Entsprechend gibt es noch weitere gute Gründe, die eigenen Erfolge in einem Erfolgstagebuch aufzuschreiben:

  1. Sie steigern Ihr Selbstbewusstsein.

    Immer wieder gibt es Situationen, in denen wir die eigenen Grenzen aufgezeigt bekommen, Kritik erfahren oder unsere Schwächen erkennen. Das Selbstbewusstsein kann unter dieser Belastung leiden, wenn es keinen entsprechenden Ausgleich gibt.

    Das Erfolgstagebuch kann genau diesen Ausgleich liefern, indem Sie den Rückschlägen bewusst Ihre Erfolge gegenüberstellen und diese noch einmal Revue passieren lassen. Viele Menschen sind sich gar nicht bewusst, was alles in ihnen steckt und was sie schon erreicht haben. Sich diese Teilschritte oder gar Meilensteine noch einmal vor Augen zu führen, gibt Selbstsicherheit, schmeichelt dem Ego und bekämpft Selbstzweifel.


  2. Sie lernen die positiven Dinge zu sehen.

    Unabhängig davon, welche Aspekte im Leben überwiegen: Die meisten Menschen neigen dazu, sich hauptsächlich auf das Negative zu konzentrieren. Wenn etwas schief läuft, wird es gleich verallgemeinert ("Immer passiert mir das!") und die durchaus vorhandenen positiven Erlebnisse bleiben unbeachtet oder geraten in den Hintergrund.

    Mit einem Erfolgstagebuch richten Sie bewusst den Blick auf das Gute, können eine positivere Grundeinstellung entwickeln und mehr Dankbarkeit lernen.


  3. Sie verarbeiten Stress und Rückschläge.

    Stress lässt sich weder im Beruf noch im Privatleben vermeiden. Manchmal geht es einfach drunter und drüber, die Zeit wird knapp oder es stehen wichtige Entscheidungen an, die nicht immer optimal verlaufen. Entscheidend ist dann, wie Sie damit umgehen.

    Wer sich nicht nur auf die Rückschläge konzentriert, sondern vielmehr betrachtet, was gut läuft und worin er überzeugen konnte, verarbeitet den Stress und negativen Erlebnissen besser. Mehr noch: Im Zeitverlauf erkennen Sie im Erfolgstagebuch sogar, wie Sie diese Rückschläge überwunden haben. Und haben Sie gleich mehrere Beispiele und Belege dafür notiert, wirft Sie so schnell nichts mehr aus der Bahn - Sie haben es ja Schwarz auf Weiß: Am Ende wird alles gut.


  4. Sie arbeiten auf Ihre Ziele hin.

    Besonders bei langfristigen Zielen kann die Motivation schnell verschwinden, wenn es nicht rasch genug voran geht. Irgendwie fühlen wir uns, als würden wir auf der Stelle treten, und das Ziel bleibt in weiter Ferne. So manche gibt deshalb auf oder setzt seine Prioritäten neu - auf kurzfristige Erfolge und verliert dabei sein großes Ziel aus den Augen.

    Durch ein Erfolgsjournal können Sie auch kleine Schritte in die richtige Richtung sichtbar machen und somit Ihren Antrieb behalten und fördern. Nicht immer müssen es die großen Karrieresprünge sein, die Sie Ihrem Ziel näher bringen. Es reicht schon, sich daran zu erinnern, dass es weiter geht.


  5. Sie können sich an Gutes erinnern.

    Spätestens bei einer Bewerbung oder im Vorstellungsgespräch zeigt sich immer wieder, dass sich viele Kandidaten schwer damit tun, die eigenen Stärken und Erfolge zu benennen. Oft flüchten sich Bewerber dann in allgemeine Formulierungen und ungenaue Beschreibungen.

    Führten Sie hingegen regelmäßig ein Erfolgstagebuch, bräuchten Sie dieses vor dem Jobinterview nur aufzuschlagen, um sich Ihre bisherigen Leistungen und Errungenschaften noch einmal vor Augen zu führen (etwa die unterstrichenen). Einfach nachlesen, was man schon alles erreicht hat - psychologisch hilft das aber auch, wenn Sie gerade ein Tief durchlaufen und einen kleinen Motivationsschub brauchen.

Hier noch einmal die wichtigsten Argumente für ein Erfolgstagebuch:

Erfolgstagebuch führen Tipps und Gründe

Erfolgstagebuch führen: Tipps für Aufbau und Inhalt

Ein Erfolgstagebuch zu führen, ist denkbar einfach: Sie brauchen sich dazu nicht an komplizierte Regeln zu halten, auch bei der Gestaltung haben Sie freie Hand.

Weiter oben in der Grafik haben wir Ihnen ja schon einige Anregungen für das Verfassen eines solchen Tagebuchs gegeben, jetzt gehen wir noch etwas mehr ins Detail. Das sind aber natürlich nur Vorschläge! Letztlich muss das Erfolgstagebuch Ihnen gefallen und Ihre Zwecke erfüllen.

Sie können sich dazu eine Vorlage aus dem Internet herunterladen oder einfach mit einem leeren Schreibblock beginnen - entscheidend ist, dass Sie sich einige Gedanken über Ihre Erfolge machen und diese schriftlich festhalten.

Damit Sie das Maximum aus Ihrem persönlichen Erfolgstagebuch herausholen, haben wir noch einige Tipps zusammengestellt, die immer wieder in dem Zusammenhang empfohlen werden:

  • Finden Sie Ihr bevorzugtes Medium.

    Für die meisten kommt von Anfang an nur die handschriftliche Form eines Erfolgstagebuchs in Frage. Es spricht in der Tat auch einiges dafür, solche Dinge buchstäblich aufzuschreiben: Wir merken sie uns einfach besser. Es ist aber genauso legitim, moderne Technik zu nutzen und seine Leistungen in einem digitalen Tagebuch festzuhalten - etwa per App auf einem iPad oder Tablet-PC. Auch dabei gibt es inszwischen sogar Apps, die Ihnen das handschriftliche Notieren mit einem speziellen Stift erlauben. Ein Tagebuch-Hybrid sozusagen.


  • Nehmen Sie sich täglich Zeit.

    Manchmal ist es nur eine Sache von wenigen Minuten, ein Erfolgsjournal zu führen. Zum Beispiel auch, weil es an dem Tag nicht so viele Erfolge gab. Nehmen Sie sich trotzdem die Zeit dafür - wirklich jeden Tag. Die Kunst liegt darin, auch an jenen Tagen, an denen Sie das Gefühl haben, keine großen Leistungen vollbracht zu haben, einige Aspekte zu finden, die Sie in Ihrem Erfolgstagebuch festhalten können. Und glauben Sie hier der biblischen Weisheit: Wer suchet, der findet.

    PS: Schon die Abwesenheit von Misserfolgen kann ein Erfolg sein.


  • Formulieren Sie Ihre Erfolge nachvollziehbar.

    Stichpunkte können dazu völlig ausreichen. Entscheidend ist aber, dass auch noch nach einigen Wochen oder Monaten Ihre Gedanken nachvollziehen können. Kurz gesagt: Es zählt nicht nur das Ergebnis ("Beförderung", "Gehaltserhöhung", "Projektabschluss"), sondern vor allem der Weg dorthin.

    Der tiefere Sinn des Erfolgstagebuchs besteht darin, dass Sie aus der Lektüre auch Jahre später noch lernen können. Sie dient damit der wichtigen Selbstreflexion. Womöglich entdecken Sie so bestimmte (Verhaltens-)Muster bei sich, die schneller zum Erfolg führen als andere. Nur wenn Sie sich in die Situation von einst wieder hineinversetzen können, verstärkt das die positiven Effekte des Tagebuchs.


  • Werden Sie möglichst konkret.

    In einem Erfolgstagebuch sollten möglichst viele Details vorhanden sein: Wann ist es passiert? Was genau war der Erfolg? Wer war dabei? Wie haben Sie sich dabei gefühlt? Was haben Sie für den Erfolg getan? Solche Details helfen ebenfalls bei der Selbstreflexion und steigern den Lerneffekt - meist schon beim Aufschreiben.


  • Machen Sie sich keinen Druck.

    Ein wichtiger Aspekt zum Schluss: Bauen Sie keinen Erfolgsdruck um das Erfolgstagebuch auf. Niemand erwartet von Ihnen, dass Sie jeden Tag Großartiges leisten oder eine Delle ins Universum schlagen. Sie selbst sollten das auch nicht. Sonst schüren Sie nur Erwartungen, die Sie nicht erfüllen können - und damit Frust.

    Gerade die kleinen Dinge, die Sie sonst vielleicht viel zu wenig schätzen, bilden den Kern eines solchen Tagebuchs. Schreiben Sie also beispielsweise auf, dass Sie sich über das Lob des Chefs gefreut haben oder viel Spaß beim Abendessen mit guten Freunden hatten. Auch das sind Erfolge, an die Sie sich beim Aufschreiben erinnern sollten. Das Leben besteht hauptsächlich aus diesen wertvollen (!) Kleinigkeiten.

[Bildnachweis: Monkey Business Images by Shutterstock.com]