Erholungsbeihilfe
In den Sommermonaten freuen sich manche Arbeitnehmer besonders über ihre Gehaltsabrechnung: Es gibt Urlaubsgeld. Allerdings sind das - laut Umfragen - gerade mal rund 41 Prozent der Beschäftigten. Und selbst davon bleibt nach Abzug der Steuer erschreckend wenig übrig. Anders bei der sogenannten Erholungsbeihilfe: Hier fallen weder Steuern noch Sozialabgaben an...

Erholungsbeihilfe: Was ist das?

Die Erholungsbeihilfe ist eine freiwillige Zahlung des Arbeitgebers. Das hat für beide Seiten Vorteile:

  • Der Mitarbeiter muss das die Sonderzahlung nicht versteuern.
  • Der Arbeitgeber wiederum zahlt darauf nur eine pauschale Steuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.
  • Zudem entfallen für die Erholungsbeihilfe sämtliche Sozialabgaben.

Insgesamt darf der Arbeitgeber einem Mitarbeiter bis zu 156 Euro im Jahr als Erholungsbeihilfe zahlen. Hinzu kommen 104 Euro für den Lebens- beziehungsweise Ehepartner sowie weitere 52 Euro pro Kind.

Für einen verheirateten Mitarbeiter mit zwei Kindern sind das 364 Euro im Jahr - steuerfrei.

Wichtig: Die Erholungsbeihilfe muss zusätzlich zum Arbeitslohn gezahlt werden. Es ist nicht zulässig, das vertraglich vereinbarte Urlaubsgeld in eine Erholungsbeihilfe umzuwandeln.

Erholungsbeihilfe: Die Vorteile

Die Erholungsbeihilfe ist eine beliebte Alternative zum Urlaubsgeld - sie kann aber auch zusätzlich zum Urlaubsgeld gezahlt werden. Kein Arbeitgeber muss sich für eine von beiden Optionen entscheiden.

Darum bietet sie klare Vorteile, von denen aber längst nicht jeder Arbeitgeber Gebrauch macht. Vor allem diese:

  • Sie ist eine Alternative zum Urlaubsgeld.
  • Sie kann auch eine Ergänzung zum Urlaubsgeld sein.
  • Sie eignet sich als Mitarbeiterbindungsmaßnahme.
  • Sie reduziert die unsichtbaren Lohnnebenkosten.
  • Sie fördert die Regeneration des Arbeitnehmers.

Erholungsbeihilfe: Nur für Erholungszwecke!

Die Erholungsbeihilfe kann als Zuschuss zum Strandurlaub am Meer, zur Wandertour in den Bergen oder zum Vergnügungsparkbesuch vor der Haustür gezahlt werden. Wichtig ist lediglich, dass die Erholungsbeihilfe für Erholungszwecke genutzt wird.

Deshalb muss die Zahlung der Erholungsbeihilfe in einem zeitlichen Zusammenhang mit dem Urlaub des Mitarbeiters stehen und sollte nicht länger als drei Monate vor oder nach dem Erholungsurlaub liegen.

Mitarbeiter, die eine Erholungsbeihilfe erhalten, müssen anschließend ihrem Arbeitgeber Nachweise über den Erholungsurlaub bringen:

  • Wer seinen Urlaub zu Hause verbringt, kann zum Beispiel die Quittungen für den Vergnügungspark, das Schwimmbad oder den Ausflugsdampfer aufbewahren.
  • Für Urlaubsreisen in die Ferne lassen sich die Rechnung des Reiseveranstalters oder Hotels einreichen.

Erholungsmaßnahmen: Welche fallen darunter?

Gesetzlich definiert ist der Begriff der Erholungsmaßnahme im Übrigen nicht. Daher wird er in der Regel sehr weit gefasst.

Erholungsbeihilfe kann man zum Beispiel geltend machen für:

  • Flugreise
  • Pauschalreise
  • Ausflug mit der Bahn
  • Ausflugsschiff
  • Fahrt mit Seilbahn
  • Eintritt für Spaßbad
  • Eintritt für Freizeitpark
  • Eintritt für Zoo
  • Wellness-Tag

Aber noch mal: Sie müssen die Erholungsbeihilfe komplett für Erholungszwecke aufbringen. Ein Beispiel: Sie kassieren gemeinsam mit Ihrem Lebenspartner eine Erholungsbeihilfe in Höhe von 260 Euro und gönnen sich davon einen schönen Wochenendausflug mit Hotel-Übernachtung. Kostenpunkt: 180 Euro. Die restlichen 80 Euro packen Sie auf die hohe Kante. Nicht zulässig!

In der Praxis bedeutet das zweierlei: Ihr Arbeitgeber könnte etwa einem Reiseveranstalter oder Hotel die Erholungsbeihilfe in Höhe der angefallenen Rechnung direkt überweisen.

Oder aber Sie reichen erst Ihre Rechnungen und Belege ein und lassen sich dann vom Arbeitgeber exakt diese Summe als Erholungsbeihilfe auszahlen - sofern sie den Höchstbetrag nicht überschreitet.

Erholungsbeihilfe: Vorsicht Arbeitgeber!

erholungsbeihilfe-arbeitgeberDie Erholungsbeihilfe ist zweckgebunden - und dieser Zweck sollte auch ausreichend dokumentiert sein. Das machte der Bundesfinanzhof in einem Urteil im Jahr 2012 noch einmal unmissverständlich klar.

Damals hatte die Klägerin, die Betreiberin eines Ingenieurbüros, neue Arbeitsverträge mit ihren Mitarbeitern aufgesetzt. Die Beschäftigten erhielten seit 2006 diverse Zusatzleistungen, zum Beispiel eine Internetpauschale von 50 Euro im Monat, Zuschüsse für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, Kindergartenzuschüsse und eben Erholungsbeihilfen in Höhe von 156 Euro pro Jahr für den Arbeitnehmer, 104 Euro für dessen Ehegatten sowie 52 Euro Jahr pro Kind des Arbeitnehmers.

Diese Zusatzleistungen versteuerte die Ingenieurin nach den gesetzlich festgeschriebenen Pauschalsteuersätzen, die Erholungsbeihilfe also mit 25 Prozent. Das Finanzamt aber erkannte die Pauschalbesteuerung nicht an, woraufhin die Frau klagte.

Der Bundesfinanzhof wies die Klage im Wesentlichen mit der Begründung ab, dass die übrigen Zusatzleistungen nicht, wie von den gesetzlichen Vorschriften im Einzelnen vorausgesetzt, zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbracht würden, weil auch auf diese Zusatzleistungen jeweils ein arbeitsvertraglicher Anspruch bestanden habe.

Die Erholungsbeihilfen habe die Klägerin voraussetzungslos monatlich ausbezahlt, so dass entgegen der gesetzlichen Voraussetzungen die Verwendung dieser Geldmittel zu Erholungszwecken nicht sichergestellt gewesen sei.

Die am Jahresende von den Arbeitnehmern der Klägerin vordruckmäßig jeweils abgegebene Erklärung, die erhaltenen Beihilfen für Erholungszwecke verwendet zu haben, entspreche nicht der durch das Gesetz geforderten Sicherstellung der Verwendung; insbesondere hätten die Arbeitnehmer nicht belegt, zu welchem Zweck die Beträge jeweils verwendet worden seien.

Darum: Sammeln Sie unbedingt die entsprechenden Belege!

Erholungsbeihilfe Voraussetzungen: Was muss ich beachten?

Die Erholungsbeihilfe ist nicht nur zweck-, sondern auch personen- und kalenderjahrbezogen.

Bei den entsprechenden Beträgen handelt es sich zunächst um Jahreshöchstbeträge. Sie dürfen im Jahr nicht überschritten, können aber sehr wohl unterschritten werden. Ihr Arbeitgeber muss Ihnen also nicht exakt 156 Euro, sondern kann Ihnen auch nur 80 Euro an Erholungsbeihilfe zahlen.

Dabei ist das Kalenderjahr maßgebend. Was also nicht geht: Erholungsbeihilfe ansparen, also zum Beispiel zwei Jahren lang gar keine beantragen, um dann im dritten Jahr drei Beihilfen auf einmal zu kassieren.

Was Sie ebenfalls nicht können: Über das Jahr verteilt Quittungen für Ausflüge oder Freibadbesuche ansammeln, am Jahresende zusammen einreichen und dafür die Erholungsbeihilfe kassieren. Denn wie schon erwähnt: Die Erholungsbeihilfe muss zeitnah - drei Monate vor oder nach der Reise etwa - ausgezahlt werden.

Was Sie hingegen tun können: Die Erholungsbeihilfe anteilig auf den Sommer- und Winterurlaub aufteilen.

Erholungsbeihilfe für Kinder

Ferner ist die Erholungsbeihilfe personenbezogen. Sie bekommen maximal 156 Euro, Ihr Lebenspartner maximal 104 Euro, zusammen wären das 260 Euro. Ihr Arbeitgeber kann nun aber nicht Ihnen 130 Euro und Ihrem Mann oder Ihrer Frau ebenfalls 130 Euro zahlen. Oder Ihnen 220 Euro und Ihrem Partner 40 Euro gewähren. Unzulässig!

Hier bitte auch den Nachwuchs beachten: Denn für Kinder gibt es die Erholungsbeihilfe nur dann, wenn sie auch steuerlich noch als Kinder gelten. Das sind sie in der Regel generell bis zum 18. Lebensjahr und bis zum 25. Lebensjahr, sofern sie sich noch in einer beruflichen Ausbildung befinden.

Für ihren 24-jährigen Sohn mit abgeschlossener Berufsausbildung haben Sie demzufolge KEINEN Anspruch auf Erholungsbeihilfe. Andererseits bekommen Sie die Erholungsbeihilfe auch für "halbe" Kinder, darunter fallen zum Beispiel Kinder von getrennt lebenden Elternteilen.

Erholungsbeihilfe: Beispiel

erholungsbeihilfe-beispielEin Arbeitgeber möchte der fünfköpfigen Familie eines Angestellten (Ehepaar mit drei Kindern) ein Ferienhaus für einen einwöchigen Urlaub zur Verfügung stellen. Kostenpunkt: 450 Euro.

Der Höchstbetrag an Erholungsbeihilfe für die zwei Erwachsenen plus drei Kinder beträgt aber nur 416 Euro (156+104+52+52+52). Eine Pauschalbesteuerung ist damit nicht möglich.

Vermietet der Arbeitgeber das Häuschen aber einen anderen Arbeitnehmer mit vier (minderjährigen) Kindern, dann käme diese Familie auf einen Höchstbetrag von 468 Euro (156+104+52+52+52+52). Die Kosten könnten in diesem Fall als Erholungsbeihilfe vom Arbeitgeber übernommen werden - zum Pauschalsteuersatz von 25 Prozent.

Erholungsbeihilfe für geringfügig Beschäftigte

Die Erholungsbeihilfe kann auch an Mini-Jobber gezahlt werden. Sie wird nicht auf den Lohn von 450 Euro angerechnet. Ein Mini-Jobber könnte so zu seinen 450 Euro noch 156 Euro Erholungsbeihilfe kassieren und käme so auf insgesamt 606 Euro in einem Monat, wäre aber noch immer geringfügig und sozialversicherungsfrei beschäftigt.

Anderes Beispiel: Eine verheiratete Mini-Jobberin mit zwei Kindern könnte mit Erholungsbeihilfe in einem Monat auf 814 Euro kommen, ohne ihren Status als geringfügig Beschäftigte zu verlieren.

Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn statt der Erholungsbeihilfe ein Urlaubsgeld gezahlt würde. Damit würde ein Mini-Jobber die Geringfügigkeitsgrenze überschreiten und müsste Sozialabgaben entrichten.

Lohnnebenkosten senken: Welche Möglichkeiten gibt es noch?

Erholungsbeihilfe Lohnnebenkosten Für den Arbeitgeber ist die Erholungsbeihilfe ein Mittel, um die sogenannten unsichtbaren Lohnnebenkosten zu drücken. Daneben gibt es noch weitere Möglichkeiten, wie Sie dem Arbeitnehmer mehr netto vom brutto lassen.

Hier eine Übersicht steuerfreier Extras:

  • Essenszuschuss
  • Fahrtkostenzuschuss
  • Reisekostenerstattung
  • Direktversicherung
  • Betriebsrente
  • Kinderbetreuungskosten
  • Dienstwagen
  • Warengutscheine (z.B. Tankgutscheine)
  • Nutzung von Handys oder Computer
  • Internet
  • Gesundheitsleistungen

Und wie sieht das bei Ihnen aus? Schon Urlaubsgeld erhalten?


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