Ein Gastbeitrag von Jens Jochen Martin

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Auch wenn die erste Steuererklärung für Berufsanfänger, Azubis und Studenten eine Hürde ist, lohnt es sich häufig, eine Steuererklärung abzugeben. Der überschaubare Mehraufwand hat sich schnell ausbezahlt, da bei Berufsanfängern die Rückerstattung durchschnittlich höher ist als bei langjährigen Angestellten. Steuern können sogar dann gespart werden, wenn es gar keine Einkünfte gibt...

Wann es sich lohnt eine Steuererklärung abzugeben

Es hört sich komisch an, aber auch ohne Einkünfte können Steuern gespart werden. Bei beruflichen Auszeiten und für die Dauer der Kindererziehung, sollte in diesem Jahr in jedem Fall eine Steuererklärung einreicht werden. Durch die Festlegung der vorweggenommen Werbungskosten für Fortbildungen und Bewerbungen für die Jobsuche im Verlustfreistellungsbescheid. Dieser Verlust kann entweder mit Einkünften des Vorjahres oder mit Einkünften in späteren Jahren verrechnet werden.

Auch aus anderen Gründen lohnt es sich eine erste Steuererklärung abzugeben:

  • Maximal von der Werbekostenpauschale profitieren: Arbeitnehmern steht ohne Nachweise eine Werbekostenpauschale von 1000 Euro zu. Dieser Jahres-Pauschbetrag wird auch dann angesetzt, wenn nicht das komplette Jahr gearbeitet wurde. Je weniger Monate gearbeitet wurden, desto größer die Rückerstattung durch das Finanzamt.
  • Steuerklassenwechsel bei Heirat: Die größte Steuerersparnis wird erreicht, wenn ein Ehepartner Alleinverdiener ist. Oder ein Ehepartner bringt mindestens 60 Prozent des gemeinsamen Einkommens ein. Die Heirat ermöglicht den Wechsel in eine steuerlich günstigere Steuerklasse. Verdienen beide Partner gleich viel ist die Steuerersparnis durch eine Heirat nicht höher.

Absetzbare Kosten in der ersten Steuererklärung

Darüber hinaus lassen sich diverse Kosten in der Steuererklärung absetzen:

  • Werbungskosten: Das sind alle Kosten, die dem Beruf oder einer Ausbildung zugeordnet werden können. Angefangen bei der Bewerbung über Fahrtkosten bis hin zu Fortbildungen.
  • Sonderausgaben: Kosten, die für die Altersvorsorge, gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung, Rentenversicherung, aber auch Spenden aufgewendet werden. Werden keine genauen Angaben gemacht, ist der Pauschalbetrag pro Jahr 36 Euro.
  • Außergewöhnliche Belastungen: alle Aufwendungen für Krankheitskosten. Darunter fallen Arztrechnungen, Zuzahlungen für Medikamente und Brillen. Aber auch Unterhaltskosten und Katastrophenschäden.
  • Weitere absetzbare Kosten: Hierunter fallen Handwerkerrechnungen und Dienstleistungen für den Haushalt. In der ersten Steuererklärung ist diese Art von Kosten selten relevant, da Berufsanfänger und Studenten eher wenige Ausgaben dieses Typs haben.

Zugegeben, das Thema Steuererklärung kann etwas verwirrend sein. Neben der eigentlichen Erklärung kommen dazu laufend neue Beschlüsse und Gesetze. Da ist es nicht immer einfach den Durchblick zu behalten. Wer die folgenden Sachverhalte kennt, braucht aber keine Angst vor der ersten Steuererklärung zu haben.

Durchschnittliche Dauer der Steuerrückerstattung

Die Bearbeitungsdauer ist abhängig von zwei Faktoren:

  • dem Übermittlungszeitpunkt der Steuererklärung an das Finanzamt und
  • ob sich Rückfragen aus den Angaben ergeben.

Im Regelfall dauert die Antragsbearbeitung zwischen zwei Wochen und einem Monat.

Aufbewahrungspflicht für Rechnungen und Belege

Beachten Sie bitte: Bei Privatpersonen gibt es keine vorgeschriebenen Aufbewahrungspflichten. Sinnvoll ist es trotzdem, Steuerbelege bis zum Ablauf der einmonatigen Einspruchsfrist nach dem Erhalt des Steuerbescheids aufzubewahren. So bleibt ein Einspruch auch später möglich, falls sich in die abgegebene Erklärung Fehler eingeschlichen haben.

Als Azubi eine Steuererklärung einreichen

Als Azubi eine Steuererklärung einzureichen, hat im Normalfall keinen Sinn. Da vom Arbeitslohn nur die Sozialabgaben einbehalten werden. Wenn keine Steuern gezahlt wurden, können auch keine erstattet werden.

Aber keine Regel ohne Ausnahme: Sind die Werbungskosten höher als die Einnahmen, kann sich die Steuererklärung lohnen. Das Finanzamt stellt in diesem Fall einen Verlust fest und verrechnet diesen steuersparend mit den Einkünften künftiger Jahre.

Welche Unterlagen sind für die Steuererklärung unverzichtbar

Um den Aufwand für die Erstellung der ersten Steuererklärung so gering wie möglich zu halten, empfiehlt es sich, alle nötigen Unterlagen schon vor dem Ausfüllen bereit zu halten. Unverzichtbar sind die folgenden Nachweise und Unterlagen:

  • Allgemeine persönliche Daten: Steuernummer, Steueridentifikationsnummer, Name, aktuelle Adresse, Geburtsort und Geburtsdatum
  • Einkommensnachweise: Lohnsteuerbescheinigung, Bescheinigungen für erhaltenes Arbeitslosengeld, Krankengeld, Elterngeld, Abfindungen und Insolvenzausfallgeld
  • Bescheinigungen für Anlage Kind: Kinderbetreuungskosten, Schulgeld, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, Ausbildungs- oder Studienbescheinigung und Bafög-Bescheid
  • Belege für Werbungskosten: Fortbildung, Arbeitsmittel, Reise- und Umzugskosten, Beiträge für Berufsverbände und Bewerbungskosten
  • Belege für Sonderausgaben: Kranken- und Pflegeversicherung, aber auch Unfall-, Haftpflicht-, Lebens- und Rentenversicherungsbeiträge sowie Spendennachweise
  • Belege für außergewöhnliche Belastungen: Arzt-Rechnungen, Unterstützung im Haushalt oder Heilpraktiker-Rechnungen

Über den Autor

Jens Jochen MartinJens Jochen Martin, Jahrgang 1978, betreut die Website meine-erste-steuererklaerung.de. Einem Ratgeber-Portal rund um das Thema Steuererklärung. Weiterhin ist er Produktmanager bei der Haufe Gruppe – einer digitalen Mediengruppe, die sich auf die Zielgruppen Steuerberater, HR- und Finanzspezialisten, sowie KMU spezialisiert hat.

[Bildnachweis: Lisa S. by Shutterstock.com, Jens Jochen Martin]