Haben Sie drei Minuten Zeit? Dann betrachten Sie bitte das Bild rechts und nennen ganz spontan Ihren ersten Eindruck …
… Interpretieren Sie auch, dass die Frau „verklemmt“, „ängstlich“, „sauer“, „unsicher“, „unmöglich“ oder ähnlich ist? Denkt sie in Ihrer Vorstellung: „Ich will nicht!“, „Lass mich in Ruhe!“? Dann haben Sie das gemacht, was viele Menschen tun: Sie werten und projizieren ihre eigenen Wertungen, Erfahrungen und Urteile.
Um Körpersprache angemessen zu übersetzen, sollten Sie zunächst jedoch wertfrei beschreiben, was Sie sehen und Worte wählen, die sowohl auf körperlicher wie auch mentaler Ebene Bedeutung haben, um so Deutungen vorzunehmen.
In diesem Beispiel also eher so:
Ihre Körperhaltung ist zum einen der Ausdruck Ihrer inneren Haltung. Ihre Gedanken und Gefühle werden vom Körper ausgedrückt: nach außen gedrückt und machen dort Eindruck auf andere. So werden Gedanken und Gefühle zur Wirklichkeit – sie wirken. Ebenso wirkt Ihr Körper und seine Sprache auch auf Ihr Denken und Fühlen. Die Form bestimmt die In-form-ation!
Ich möchte Sie bitten, nun selbst die oben beschriebene Haltung einzunehmen und nachzufühlen, welche Gefühle und Gedanken sich dabei einstellen. Dann wechseln Sie bitte in die Haltung auf diesem Bild …
Nehmen Sie einen hüftbreiten, angemessenen Stand(-punkt) ein. Lassen Sie Ihre Arme an den Seiten hängen und heben leicht die Unterarme. Öffnen Sie Ihre Hände. Entspannen Sie Schultern und Hals. Eine leichte Beugung des Kopfes sollte ein leichtes Lächeln auf Ihr Gesicht zaubern.
Die Übersetzung dieser Körper- und inneren Haltung wäre dann:
Dies ist freilich nur ein Beispiel, wie wir ständig mit unserem Körper sprechen. Die Deutungen fallen vielen Menschen jedoch meist schwer, da wertfreie Beschreibungen erst einmal geübt werden müssen. Um seine eigene Körpersprache zu verändern, ist es eben nicht getan, nur die gewünschte Haltung einzunehmen. Fehlt der innere Prozess, wird das Ergebnis unecht und aufgesetzt wirken und nicht von Dauer sein.
Nehmen wir jedoch unsere Körpersignale bewusst wahr und erkennen wir die zugehörigen Gedanken, die entsprechende Gefühle erzeugen, können wir wählen, welchen Gedanken wir Raum und Ausdruck geben wollen und welchen nicht. Die Körpersprache folgt entsprechend.
Voraussetzung dafür ist freilich das Bewusstsein für körperliche, gedankliche und Gefühlsaktionen. Diese Wahrnehmung kann man trainieren – sei es durch kleine Merkzettel, Kameratraining oder Coaching. Seit einiger Zeit gibt es auch die App „BodyLanguage“ für das iPhone, welche wie ein Coach in der Westentasche fungiert. Egal, welche Hilfsmittel Sie am Ende wählen: Wenn Sie sich Ihrer Selbst bewusst zu werden, selbstbewusst im Wortsinn, wird sich Ihr Verhalten und somit Ihre Wirkung/Wirklichkeit verändern. Sie wählen, welche innere und äußere Haltung Sie zu Menschen und Situationen einnehmen wollen.
Über die Autorin
Sabine Mühlisch ist seit 1986 Coach und Trainerin für Körpersprache und Persönlichkeitsentwicklung. Sie trainiert im deutschsprachigen Raum und hat zu diesem Thema bereits mehrere Bücher veröffentlicht.
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