Existenzgründer Firmenname: Fantasie ist nicht alles
Viele Existenzgründer geben sich - vor allem bei der ersten Gründung - viel Mühe, um ihrem Unternehmen einen fantasievollen und wohlklingenden Namen zu geben. Dabei vergessen sie nicht selten, dass der potenzielle Kunde damit gleichzeitig erfahren muss, was er unter der originellen Bezeichnung bekommen kann. Ein Fantasiename, und sei er auch noch so ausgefallen, braucht also eine Ergänzung, um die Geschäftstätigkeit der Firma möglichst klar zu beschreiben...

Welche Rolle spielt die Fantasie?

"Kalter Kaffee", sagen Sie vielleicht, "das ist doch klar!" Dann brauchen Sie nicht weiterzulesen. Wenn Sie allerdings zum ersten Mal eine Firmengründung planen und bisher zum Thema Firmenname hauptsächlich juristische oder markenrechtliche Informationen erhalten haben, dann lesen Sie ruhig weiter: Hier geht es nicht um Recht, sondern um ganz praktische Aspekte wie die Frage...

Woher weiß der Kunde, was ich anbiete?

Ein junger Existenzgründer nannte seine Firma zum Beispiel "Butterfly" und ließ dazu ein passendes Logo entwickeln. Ein Gewerbeschein war bereits ausgestellt, Briefbögen und Visitenkarten waren gedruckt, ein Van angeschafft und mit "Butterfly"-Folien beklebt. In einem Existenzgründer-Seminar wollte er nun lernen, Kunden zu gewinnen.

Als er gefragt wurde, woher die Kunden denn wissen sollten, dass er IT-Beratung anböte, wurde er nachdenklich. Ein paar Wochen später war die Firma wieder abgemeldet und der geleaste Van zurückgegeben. Der Gründer hatte sich entschlossen, doch wieder nach einer Anstellung Ausschau zu halten.

Ein hübscher Firmenname reicht zumindest am Anfang nicht aus, wenn die konkrete Bezeichnung der Geschäftstätigkeit fehlt. Ihre potenziellen Kunden sollten nicht rätseln müssen, was Ihre Firma eigentlich macht. Um beim Beispiel zu bleiben:

  • Züchtet man bei "Butterfly" Schmetterlinge?
  • Oder wird dort Butter produziert?

Mag es noch so langweilig klingen, aber für die Neugründung wäre "IT-Service Musterstadt" vielleicht doch besser gewesen.

Was muss ein Firmenname aussagen?

Für sich genommen, spielt der Firmenname keine besondere Rolle für den Erfolg des Unternehmens. Der Name Google beispielsweise stammt von "Googol", das ist eine Eins mit hundert Nullen. Das Wort Googol wiederum hat der neunjährige Neffe eines Mathematikers erfunden. Heute braucht man nur "Google" zu sagen, und nahezu jeder weiß, was gemeint ist. Der Name Google wird sogar als Synonym für Suchmaschinen im Allgemeinen benutzt.

So etwas zu erreichen, erfordert viel Mühe, Geld und einen langen Atem. Wer sich einen Markennamen schützen lassen will, muss bereits bei der Namensfindung viele Faktoren berücksichtigen. Für Newcomer ist es einfacher, den (möglichen) Fantasienamen Ihres neuen Unternehmens durch die präzise Bezeichnung des Geschäftsgegenstands und gegebenenfalls Ihres Namens zu ergänzen.

Machen Sie es sich dabei nicht zu leicht, sondern überlegen Sie genau, welche Zielgruppe Sie ansprechen und welche Erwartungshaltung Sie wecken möchten.

  • Eine IT-Beratung würde man beispielsweise konsultieren, wenn man wissen möchte, welche EDV-Geräte oder IT-Systeme man sich anschaffen soll.
  • Bei IT-Service denkt man eher an eine technische Dienstleistung; der Inhaber sollte Geräte und Systeme installieren oder reparieren können.
  • IT-Service und Schulung lässt vermuten, dass der Firmeninhaber einem auch beibringen kann, wie man die Hard- und Software bedient.

Von dem Begriff IT wiederum werden sich generell eher Firmen angesprochen fühlen. Wenn Sie als Gründer lieber für Privatpersonen, Freiberufler und Einzelunternehmen tätig sein wollen, empfehlen sich wiederum Firmenbezeichnungen wie...

  • PC-Doktor oder
  • PC-Kümmerer.

Am besten verbunden mit Ihrem Namen. Oder eben als Ergänzung Ihres Fantasienamens, etwa: Mustermann PC-Klinik.

Auch im handwerklichen Bereich ist die Firmenbezeichnung nicht gleichgültig. Elektro Meier beispielsweise sollten Sie Ihre Firma nur dann nennen, wenn es sich um ein alteingesessenes Geschäft handelt, dessen Angebot jeder Einheimische kennt. Wenn Sie neu am Markt sind, lohnt sich eine Differenzierung wie...

  • Elektrofachgeschäft
  • Elektroinstallationen
  • Elektroanlagenbau
  • Starkstromtechnik

Auch hier in Verbindung mit Ihrem Namen oder einem Fantasienamen.

Welche Vorteile hat Ihr eigener Name?

Bei vielen Rechtsformen brauchen Sie Ihren eigenen Namen nicht im Firmennamen zu führen. Es kann jedoch von Vorteil sein, dies dennoch zu tun. Oft gilt:

Kunden vertrauen Personen mehr als irgendwelchen Fantasienamen.

Das wissen auch große Markenhersteller und lassen daher in einem Fernsehspot den Firmengründer erscheinen, der die Vorzüge seines Produkts preist und dann dazu sagt:

Dafür stehe ich mit meinem Namen.

Scheuen Sie sich also nicht, Ihr neues Unternehmen nach sich selbst zu benennen.

Wie erfährt der Kunde, was Sie machen?

Als Existenzgründer sollten Sie sich Ihren neuen Firmennamen sehr gut überlegen, und zwar bevor Sie Briefbögen und Visitenkarten drucken lassen. Stellen Sie sich bei der Wahl Ihres neuen Firmennamens nicht nur die üblichen Fragen, wie...

  • Erfüllt der Name die rechtlichen Erfordernisse?
  • Ist er originell?
  • Kann man ihn sich gut merken?
  • Hat er einen hohen Wiedererkennungswert?
  • Lässt er sich als Marke schützen?
  • Gibt es eine freie Internet-Domain zu dem Namen?

Sondern auch die ganz wichtige Frage: Erkennt der Kunde, was ich mache?

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