Expat TippsNiemals geht man so ganz. Das gilt auch für sogenannte Expats. Doch wer zurückkehrt, den erwartet mitunter ein heftiger Schock: Der Traum von dem Karriereturbo Ausland – zerplatzt. Der Posten daheim: wegstrukturiert; das persönliche Netzwerk: zerschlissen. Die Zeiten, in denen Auslandsentsandte – sogenannte Expatriates – nach ihrer Rückkehr in die Zentrale praktisch en passant Karriere machen, sind vorbei. Die zwei, drei Jahre in der Ferne – immer öfter entpuppen Sie sich als Risiko für die Laufbahn und den Job. Zwar gilt in vielen Unternehmen ein Auslandsaufenthalt als Voraussetzung für einen beruflichen Aufstieg. Doch wer bei Abschluss eines solchen Arbeitsvertrages nicht ganz genau aufpasst, kann hinterher statt einer Beförderung eine böse Überraschung erleben…

Expat Risiko: Auslandsaufenthalte behindern Karriere

ShanghaiAm häufigsten verschlägt es deutsche Mitarbeiter laut einer Mercer-Studie in die Länder:

  • Australien
  • Brasilien
  • China
  • Großbittannien
  • USA

Das Durchschnittsalter der Expatriates beträgt dabei zwischen 35 und 55 Jahren. Die Mehrheit steht also eher noch am Anfang oder mitten in der beruflichen Karriere. Der Schritt sollte daher gut überlegt sein.

Monika Hamori, Professorin an der spanischen Business School IE in Madrid, hat dazu eine bemerkenswerte Studie veröffentlicht, wonach Expats deutlich langsamer Karriere machen als ihre Kollegen, die derweil in der Firmenzentrale bleiben.

Bei dem Vergleich der Lebensläufe von Geschäftsführern der Unternehmen aus den S&P 500 und Financial Times Europe 500 Indizes kam heraus:

  • Führungskräfte, die daheim bleiben, steigen rund zwei Jahre schneller auf als die temporären Auswanderer.
  • Je länger einer im Ausland blieb, desto langsamer verlief sogar sein beruflicher Aufstieg.
  • Und der oft als Sozialkompetenz steigernd gepriesene Auslandsaufenthalt hatte de facto keinerlei messbaren Einfluss auf die Persönlichkeit und Sozialkompetenzen der Expatriates.

Kein Wunder, dass da der Schritt ins Ausland immer unattraktiver wird. Mobilität? Nein, danke!, sagen sich immer mehr Arbeitnehmer und bleiben lieber daheim. Laut einer Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers wollten vor drei Jahren noch rund ein Viertel der befragten Nachwuchskräfte ins Ausland, inzwischen sind es nur noch sieben Prozent.

Im Ausland arbeiten, ohne ins Fettnäpfchen zu treten

  1. Lösen Sie sich von Stereotypen. Chinesen sind so… Brasilianer so… und Amerikaner erst… All das sind Klischees und Vorurteile. Die spüren andere unterschwellig. Versuchen Sie sich davon zu befreien, unvoreingenommen fremden Kulturen zu begegnen und sich bewusst zu machen: Nicht nur Kulturen – jeder Mensch ist anders!
  2. Seien Sie neugierig. Sie sind fremd und Gast in einem Land? Dann fragen Sie Ihre Gastgeber nach kulturellen Eigenheiten, interessieren Sie sich für Land und Leute, zeigen Sie Bewunderung und Wertschätzung. Nichts erfüllt einen Gastgeber mehr mit Stolz, als wenn er Ihnen die Größe seiner Heimat erklären kann. Steigern lässt sich das noch, indem Sie gleich beginnen, ein paar Worte in seiner Sprache zu lernen. Fehler dabei machen nur menschlicher.
  3. Finden Sie Gemeinsamkeiten. Nicht nur Unterschiede! Genau das bildet das, worauf Ihre künftige Zusammenarbeit hauptsächlich basieren wird: gegenseitiges Vertrauen. Natürlich ist es wichtig, die schlimmsten Fauxpas’ zu kennen und zu vermeiden, auch die körpersprachlichen. Am Ende aber geht es darum, Fremdes willkommen zu heißen und so seinen Horizont zu erweitern.

Rückkehr von Expats: Hier lauern die Gefahren

Expat RückkehrTatsächlich treten bei der Rückkehr ins Heimatland – auch Relocation genannt – immer wieder dieselben Probleme auf, die sich aber zum Teil lösen lassen.

So sollten Expats etwa schon im Vorfeld ihrer Entsendevereinbarung bereits wichtige Fragen der Rückkehr klären, wie zum Beispiel steuerliche Fragen ihres Gehalts oder die sozialversicherungsrechtliche Gestaltung des Auslandsaufenthaltes.

Anderen Risiken kann nicht wirklich vorgebeugt werden. Dazu gehören etwa…

  • Risiko: Kulturschock

    Nicht nur im Ausland tritt dieses Phänomen auf, auch bei der Rückkehr nach Deutschland. Von vielen Expats hört man den Spruch: Im Ausland ein Fürstchen, zu Hause ein Würstchen. Das heisst: Daheim haben sie keine Haushälterin mehr, kein Kindermädchen und auch keinen Chauffeur. An diesen Luxusverlust muss sich mancher Heimkehrer erst wieder gewöhnen, ebenso an die deutschen Preise oder die typische Ideenbremse der Bürokratie.

    Lösung: Die Heimkehr von einem zwei- bis dreijährigen Auslandsaufenthalt kann man zwar nur bedingt mit der Rückkehr aus dem Urlaub vergleichen, aber der Kern dieser Tipps gilt auch hierbei. Zudem sollte das entsendende Unternehmen versuchen, den Mitarbeiter zu gelegentlichen Besuchen am Stammsitz zu ermutigen oder zu Zwischenpräsentationen in Deutschland einzuladen, um dem völligen Verlust der deutschen Realität vorzubeugen.

  • Risiko: Netzwerk

    Die Unternehmen predigen zwar, den Auslandtrip als Karrierebedingung, doch verlieren sie ihre Entsandten danach häufig aus dem Auge. Während der Mitarbeiter im Ausland verweilt, gerät er am Stammsitz zunehmend in Vergessenheit und bei wichtigen Personalentscheidung wird er leichter übersehen als die Kollegen in der Zentrale. Das Kernproblem: Die Entsende-Abteilung organisiert zwar meist den Auslandsaufenthalt. Sobald der Expat aber dort ist, fühlt sich die hiesige Personalabteilung für seine weitere Karriere vorerst nicht mehr zuständig. Kein Wunder, wenn der Mitarbeiter dann noch bei der Rückkehr hinten runterfällt, seine alte Position längst besetzt und adäquate neue Stellen nicht geschaffen wurden.

    Lösung: Zunächst einmal sollte jeder Expat auch im Ausland versuchen, Kontakt zur Zentrale und seinem Netzwerk zu halten. Das Selbstmarketing sollte in dieser Zeit nicht vernachlässigt werden. Darüber hinaus kann aber auch das entsendende Unternehmen dem Mitarbeiter einen Mentor zur Seite stellen. Dieser übernimmt dann eine wichtige Kontaktfunktion und hält seinen Schützling über wichtige Entwicklungen in der Heimat auf dem Laufenden. Ebenso hilfreich sind regelmäßige Workshops oder ein Intranet zum Austausch mit anderen Expats.

  • Risiko: Partner

    Nicht nur die Frage, ob der Lebenspartner mitzieht und den Expat ins Ausland begleitet, ist für den Erfolg der Mission relevant (79 Prozent der Expats werden von ihrem Partner begleitet). Wenn beide berufstätig sind, spielt freilich auch die Laufbahn und die berufliche Entwicklung des Partners eine entscheidende Rolle. Ein Großteil der Mitarbeiter verzichtet genau deshalb auf die Entsendung, weil der Partner dafür einen Karrierestopp in Kauf nehmen müsste. Im Blick haben die meisten hier aber nur die Reise ins Ausland.

    Lösung: Unternehmen sollten versuchen, den jeweiligen Partner zu unterstützen. Bisher geschieht dies meist nur auf dem Weg ins Ausland, nicht aber bei der Rückkehr. Entsprechend sollten diese Punkte rechtzeitig vor der Rückkehr geklärt werden: Unterstützt der Arbeitgeber des Expats auch den Partner bei einer Wiedereingliederung in den deutschen Arbeitsmarkt, bei der Jobsuche, eventuell auch Wohnungssuche (zum Beispiel bei Unverheirateten)?

  • Risiko: Job

    Es ist der vielleicht wichtigste Punkt überhaupt: Expats, die zurückkehren, berichten häufig, dass sie sich in der Heimat nicht genug geschätzt fühlen und dass sich in Deutschland scheinbar niemand für ihre zugewonnenen Kenntnisse interessiert. Andere werden in unpassende Positionen verfrachtet, die kaum etwas mit dem erlangten Status und dem Know-how aus dem Ausland gemein haben. Kein Wunder also, dass viele ehemalige Expats ihr Unternehmen bereits im ersten Jahr nach ihrer Rückkehr verlassen und sich einen neuen Arbeitgeber suchen.

    Lösung: Schon vor der Entsendung sollte Klarheit darüber herrschen, wie es nach der Rückkehr weitergeht. Falsche Versprechungen sorgen nur für Frust. Abmachungen über eine neue adäquate oder bessere Position sollten kommuniziert und schriftlich fixiert werden. Zudem können im Unternehmen sogar gemeinsam mit anderen Expats Richtlinien und Maßnahmenkataloge entworfen werden, um künftig für mehr Sicherheit und Transparenz zu sorgen.

Expats dürfen Steuerberater frei wählen

Wer zum Beispiel in Saudi Arabien das ganze Jahr über arbeitet, ist in Deutschland nicht steuerpflichtig. Der Steuerhinterziehung wird aber dennoch ein Riegel vorgeschoben: Damit wenigstens irgendwo ordnungsgemäß Steuern abgeführt werden, haben entsandte Arbeitnehmer häufig Klauseln in den Arbeitsverträgen stehen, nach denen sie ihre Steuererklärung durch eine vom Arbeitgeber beauftragte Steuerberatungsgesellschaft erstellen lassen müssen.

Dem schob das BAG (Az.: 8 AZR 804/11) jetzt jedoch einen Riegel vor. Grund: unangemessene Benachteiligung durch Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Steuerdaten haben eben hochsensiblen Inhalt. Und bei gemeinsamer Veranlagung müsste der Ehepartner entweder auf sein Recht auf Selbstbestimmung bei der Wahl des Steuerberaters oder auf die gemeinsame Veranlagung vollständig verzichten. Der Arbeitnehmer kann daher selbst entscheiden, wer von diesen Daten Kenntnis erhält.

Hilfe für Expats

Zugegeben, die genannten Risiken sind nicht unbekannt – sie werden nur leider häufig ignoriert oder übersehen – aus Naivität oder Unwissen.

Deshalb hat sich rund um dieses Thema inzwischen eine Dienstleistungsbranche etabliert, die Unternehmen wie Expats bei der Entsendung wie Rückkehr unterstützen. Aber Achtung: Die Berufsbezeichnung des sogenannten Relocation-Scouts ist rechtlich nicht geschützt. Jeder kann sich so nennen, entsprechend stark kann auch die Qualität der Dienstleistung variieren.

Erste wichtige Anlaufstellen finden Sie hier:

  • bdae.de – Bund Deutscher Auslanderwerbstätigen e.V., ein Netzwerk für alle, die im Ausland leben und arbeiten.
  • arbeitsamt.de – Koordinierungsstelle des Arbeitsamtes für Rückkehrer aus dem Ausland.
  • germanexpats.com – Die Seite listet Foren und Links für Entsendete.
  • goingglobal.de – Das Unternehmen betreut Expats im Auftrag von Unternehmen.
  • eura-relocation.com – Der europäische Verband listet zertifizierte Relocation Services, das internationale Pendant zum EuRA ist tiranetwork.org.
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