Facebook-Freunde helfen: Likes gegen Prüfungsangst
Facebook-Freunde sind gar keine richtigen Freunde, heißt es. Und trotzdem verstärken sie Übellaune und Missmut, helfen aber auch gegen Kummer und Sorgen. Wer im Facebook-Freundeskreis ein paar Tricks anwendet, kann sogar Prüfungsangst effektiv bekämpfen. Karrierebibel sagt Ihnen, was Sie dafür tun müssen...

Facebook-Freunde helfen: Gut oder schlecht?

Facebook hat in den vergangenen Jahren einen regelrechten Tsunami an wissenschaftlichen Veröffentlichungen an Land gespült. Viele davon mit dem Tenor: Facebook mache einsam, unglücklich, depressiv.

Mein Haus, mein Auto, meine Yacht - wer das idealisierte Leben seiner Facebook-Freunde bestaunt, kommt demnach aus dem Trauertal nicht mehr heraus.

So verdoppeln User, die mehr als zwei Stunden am Tag Social Media nutzen, laut einer Studie der Universität Pittsburgh die Wahrscheinlichkeit von sozialer Isolation. Facebook führt demnach zu Einsamkeit und Neid. Allerdings sei nicht unbedingt das, was man bei Facebook sieht, der Grund für die schlechte Stimmung - es kann sie aber maßgeblich verstärken.

"Es ist möglich, dass sich junge Erwachsene, die sich isoliert fühlen, Social Media zugewandt haben", so Studienautorin Elizabeth Miller von der Uni Pittsburgh. "Oder dass ihre verstärkte Nutzung von Social Media dazu führte, dass sie sich von der Außenwelt abgeschnitten fühlen."

"Wir sind von Natur aus soziale Wesen, aber das moderne Leben spaltet uns mehr voneinander ab als dass es uns zusammenbringt“, resümiert ihr Kollege Brian Primack.

Facebook: So holen Sie das Optimum heraus

facebook freunde beachtenMit Facebook zum Erfolg - hier sind weitere Tipps:

Facebook-Freunde: Sie können auch helfen

Doch das ist nur die eine Seite der Facebook-Medaille.

Das Social Network kann den emotionalen Status auch verbessern, das Glücksgefühl in neue Sphären aufsteigen lassen. Angeblich kann Facebook sogar so großen Einfluss auf unsere Zufriedenheit nehmen wie eine Heirat oder ein Baby. Das behaupten Wissenschaftler der renommierten Carnegie Mellon University.

Wenn Freunde etwas posten oder persönliche Nachrichten hinterlassen, hebe das die Stimmung. "Wir reden nicht über etwas, das besonders arbeitsaufwändig wäre", sagt Moira Burke, Spezialistin für Mensch-Computer-Interaktion.

"Das kann ein Kommentar mit einem Satz oder zweien sein. Der entscheidende Punkt ist, dass sich ein enger Freund die Zeit nimmt, ihn zu personalisieren. Der Inhalt mag erhebend sein, aber der bloße Vorgang der Kommunikation erinnert den Empfänger an die bedeutsamen Beziehungen in seinem Leben."

Facebook-Freunde: Sie mildern Prüfungsangst

Nun haben Forscher der University of Illinois im April 2017 noch ein weiteres Pro-Facebook-Argument gefunden: Facebook hilft gegen Prüfungsangst!

Ihre Studie kam zu diesem Ergebnis: Studenten mit hoher Prüfungsangst, die kurz vor einer Uni-Klausur stehen, können ihre Nervosität signifikant verringern und bessere Ergebnisse erzielen, wenn sie kurz vorher aufmunternde Kommentare, Likes oder private Nachrichten auf Facebook lesen.

Die Forscher simulierten dafür eigens einen Test, der aus zwei umfrangreichen Programmieraufgaben am Computer bestand (die Versuchsteilnehmer waren zum Großteil Informatiker). Dabei hätten die hypernervösen Probanden, die ihre Facebook-Freunde um Unterstützung gebeten hatten, ihre Angstpegel im Schnitt um 21 Prozent reduziert.

Insgesamt schnitten die prüfungsphobischen Studenten genauso gut ab wie ihre Vergleichspersonen, die nur unter geringer Prüfungsangst leiden.

Facebook-Freunde: Sie helfen sogar Katzen!

Facebook-Freunde: Sie helfen sogar KatzenDass ein großer Freundeskreis auf Facebook hilfreich sein kann, bewies auch die Geschichte um Kater Sheldon, die im Dezember 2016 durchs Social Web geisterte.

Schlosskatze Sheldon aus Rheinsberg hat seine eigene Facebook-Seite und dort über 6.000 Freunde, die sein edles Äußeres - eine helles, langes, glänzendes Fell - schätzen.

Bis das Fell des Katers eines Tages merkwürdig matt und struppig schien. Offenbar hatte er Hilfe dringend nötig. Die Facebook-Gemeinde reagierte prompt. Sie stellte die Ferndiagnose: Nierenschwäche. Ein Tierarzt wurde hinzugezogen, der den Befund bestätigte und eine Futterumstellung anordnete.

Konsequenz: Sheldon geht es wieder gut, der Kater ist topfit - Facebook sei Dank!

Am Tag vor der Prüfung hatten die ängstlichen Studenten auf ihrer Facebook-Seite Postings an ihre virtuellen Freunde gerichtet - mit der Bitte um Aufmunterung in Form von Likes, Kommentaren oder privaten Nachrichten.

Exakt sieben Minuten vor Testbeginn lasen sie sich die Reaktionen im sozialen Netz durch. Die Teilnehmer der Vergleichsgruppen schrieben sich derweil ihre Gefühlslage vom Leib oder recherchierten im Netz nach Lernstoff. Danach hatten alle 40 Minuten Zeit, um die Aufgaben zu bewältigen.

"Wir fanden heraus, dass nur die Studenten, die aufmunternde Nachrichten aus ihrem Facebook-Netzerk erhalten hatten, ihre Angst signifikant verringern und ihre Leistung in unserem simulierten Test steigern konnten", so Studienautor Robert Deloatch.

Der Haken: Die Studenten empfanden die Aufmunterung via Facebook zwar als hilfreich, aber gleichzeitig auch als unangenehm. Ihre eigenen Postings kämen ihnen selbst aufmerksamkeitsheischend und unangebracht vor, so Deloatch.

Die Postings haben also ihren Preis - wie so viele auf Facebook ...

Facebook-Freunde: So helfen sie bei der Jobsuche

Facebook-Freunde JobsucheNetzwerke erleichtern auch die Jobsuche enorm. Facebook kann in diesem Mensch-Job-Geflecht ein wichtiges Element sein. Aber welcher Facebook-Freund verhilft mir zum Job?

US-Wisenschaftler geben diese überraschende Antwort: Meist sind es schwache Verbindungen - die weak ties - die einen geradwegs an den neuen Schreibtisch führen. Ihrer Studie, die im Journal of Labor Economics veröffentlicht wurde, ließen sie noch eine zweite folgen. Dabei analysierten sie über 17 Millionen Verbindungen in 55 Ländern und kamen zu einem ähnlichen Ergebnis.

Schon in den 70ern hatte der Soziologe Mark Granovetter die Hypothese aufgstellt, dass es eher die flüchtigen Bekanntschaften seien, die die berufliche Mobilität fördern. Das scheint auch im sozialen Netz des 21. Jahrhunderts weiterhin der Fall zu sein.

Der ganz profane Grund: Schwache Beziehungen sind wirkungsmächtiger, weil sie zahlreicher sind. Im Eins-zu-eins-Vergleich sei eine starke Verbindung - ein guter Freund - noch immer hilfreicher als eine schwache. Aber letztlich schlage in diesem Zusammenhang Quantität Qualität: Viele weak ties helfen bei der Jobsuche effektiver als wenige strong ties.

Dehalb raten die Forscher Arbeitssuchenden zu folgendem Vorgehen: Man solle den Jobstatus auf Facebook breitflächig kommunizieren, um die weak ties anzusprechen, durch ein Status-Update zum Beispiel. Persönlich um Hilfe bitten solle man aber lieber die guten (Facebook-)Freunde.

Denn gute Freunde würden noch immer den größten Aufwand betreiben, sich am stärksten ins Zeug legen. Nur leider hat man von ihnen nicht so wahnsinnig viele ...

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