Die Suche nach dem neuen Job – sie findet heute längst nicht mehr nur in Jobbörsen statt. Auch Facebook-Fanseiten werden dazu zunehmend genutzt, und zwar von Unternehmen genauso wie von Bewerbern. Herausgekommen ist dabei eine ganz spezielle Art von Fanseiten: die Karriere-Fanpages oder Karriereseiten auf Facebook. Für nicht wenige sind sie die ersten Anlaufstellen überhaupt. Was aber finden sie dort? Das war auch die Kernfrage der laut eigenen Aussagen von Atenta größten empirischen Untersuchung, die bisher zum Thema Facebook-Recruiting durchgeführt wurde. Knapp 300 Facebook-Karrierepages wurden dazu ausgewertet und herausgekommen ist die Facebook Recruiting Studie 2012.
Keine Frage, die Jobsuche via Social Media erleichtert die Recherche erheblich und bietet viele Chancen, das Unternehmen vorab kennen zu lernen – sei es durch die dort veröffentlichten Postings, aber auch durch die Reaktionen der Fans und Antworten auf diese Reaktionen. Oder eben durch die Qualität der Interaktion. Oftmals ist das neben den zahlreichen Einblicken in Arbeitsabläufe und wissenswerten Informationen rund um freie Stellen und den Bewerbungsablauf die interessantere Subbotschaft. Und die ist laut Untersuchung eher erschreckend:
Die Studiendetails in der Übersicht:
- 44,8 Prozent besitzen eine Karriereseite mit integrierter Jobbörse auf der sie eigene Stellenangebote einbinden.
- 4,3 Prozent haben zudem eine eigene Gewinnspiel-App auf ihrer Facebook-Karriereseite, die wiederum…
- 4 Prozent dazu nutzen, um neue Fans zu generieren.
- 42,7 Prozent haben auf ihrer Fanpage eine Image-App integriert, um das Unternehmen vorzustellen und die Arbeitgebermarke zu festigen.
- 15,2 Prozent stellen auf der Fanpage explizit das Facebook-Team vor.
- 14,6 Prozent nutzen hierfür eine eigene App.
- 49,8 Prozent setzen bereits auf Videos, die sie auf Facebook einbinden – etwa zur Darstellung des Unternehmens, für Mitarbeiter-Interviews oder Karrieretipps.
- 77,2 Prozent sprechen ihre Fans auf Facebook mit einem “Du” an.
- Mit 11,4 Posts pro Monat ist die durchschnittliche inhaltliche Frequenz auf den Karriereseiten der Unternehmen jedoch vergleichsweise gering.
- 43,9 Prozent der Facebook-Posts werden von hochgeladenen Bildern gestützt.
- Mit 5,5 Prozent ist der durchschnittliche Anteil von begleitenden Videos in diesen Postings jedoch ebenfalls eher gering.
- 46,7 Prozent reagieren auch auf die Fanaktivitäten.
Die eigentlich erschreckende Zahl aber kommt zum Schluss:
Das heißt im Umkehrschluss: Mehr als die Hälfte der Unternehmen reagiert überhaupt nicht auf die Fanaktivitäten. Man könnte auch sagen: Sie haben das Prinzip Social Media nicht verstanden. Denn die Kommunikation in den sozialen Netzwerken zeichnet sich gerade dadurch aus, dass es keine Einbahnstraße ist, kein Monolog, sondern ein Dialog auf Augenhöhe.
Social Media Beratern dürfte das Ergebnis dennoch gut gefallen: Sie haben auch weiterhin gut zu tun…
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Ulrike Zecher I. Emotionsberatung
Ach, wie traurig in deutschen HR-Abteilungen halten 50% einen Social-Media-Dornröschen-Schlaf – wie wäre es da mit mehr Diversity…
Patrick Mollet
Nimmt man die Jobvite-Studie zur Hand, sieht man aber auch, dass die Jobsuchenden eh immer weniger auf Facebook nach Stellen suchen:
http://blog.eqipia.com/2012/10/17/stellensuchende-nutzen-facebook-immer-weniger/
Insofern passt das ja ;-)
Pingback: Facebook Recruiting Studie 2012: Nicht mal die Hälfte reagiert auf Fanaktivitäten | karrierebibel.de | Hotelfachschule Garmisch-Partenkirchen | Scoop.it
Stephan Jäckel, Unternehmensberater
Fans – zumal kritische – sind immer der beste Ansatzpunkt für Verbesserungen in den eigenen Prozessen. Unternehmen geben oft viel Geld für Kunden-Panels und Einladungen zu Fokus-Gruppen aus. Das facebook-Potential wird nicht nur nicht genutzt, oft fühlen sich Beschäftigte von Unternehmen genötigt, kritische Fans im öffentlichen Raum der facebook-Timeline beleidigen oder abkanzeln zu müssen.
Daneben werden kritische Beiträge entgegen öffentlichen Bekundungen sehr wohl zensiert (= gelöscht) und bei offener Kritik daran facebook und “die Technik” für das „unerklärliche verschwinden“ verantwortlich gemacht. Einen größeren Mangel an Professionalität kann man sich im Bereich sozialer Medien schon nicht mehr denken. Die seit zwei Jahrzehnten angeblich so wichtige soziale Kompetenz bei der Auswahl von Bewerbern entpuppt sich in der Realität des Social Web als plakatives Ammenmärchen.
Und eben auch Personalabteilungen, neudeutsch die Manager menschlicher Ressourcen, haben es im vorgeblichen Kampf um qualifizierte und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht verstanden: Social Media heißt selbst aktiv auf einen kritischen Fan zuzugehen, sie oder ihn einzuladen, wenn es schon der von der Kritik betroffene Bereich nicht tut. Beides kann und sollte unabhängig von einer aktuellen Stellenausschreibung möglich sein.
Eine Übernahme in ein festes Anstellungsverhältnis geht aber nur dann gut, wenn im Unternehmen selber auch die Kultur und menschliche Größe vorhanden ist, jene Menschen, die einst mit Kritik und Vorschlägen Verbesserungen von außen, zumal als Kunden, anregen wollten, auch offen aufzunehmen und zu integrieren.
Da Unternehmen in Deutschland heute aber eher dazu tendieren, ihr Heil Abgeschnitten von der Realität des Marktes in der Erfüllung des eigenen Plansolls zu suchen, ist es mehr als Unwahrscheinlich das die Mehrheit von Ihnen einen “externen Querulanten” als produktiven Mitarbeiter integrieren könnte und würde. Eher müssten diese Menschen fürchten noch in der Probezeit rausgemobbt zu werden – und sei es von dem Chef des Bereiches, der seine Position vor dem Kritiker schützen will – auch auf Kosten des Unternehmens. Derartiges Verhalten ist schon gegenüber kritischen und veränderungsfreudigen Mitarbeitern, auch solchen mit vielen Beschäftigungsjahren und nachweislichen Erfolgen, üblich. Meist schreitet Human Resources nicht sein, weil sie selbst den Vorgesetzten ausgewählt haben. Da wird dann „der Chef“ lieber zum Seminar „Soziale Kompetenz“ geschickt, als dass er zurückgestuft oder entlassen wird.
In so Fern ist es gut, wenn deutsche Unternehmen beim Social Recruting versagen und es bei Bewerberseiten und sinnentleertem Selbstdarstellungs Bla-Bla belassen. Von der sozialen Kompetenz für “Social Media Recruting” sind sie mehrheitlich Lichtjahre entfernt.
Schlimm dabei ist nur, dass dann eben jene Bewerberinnen und Bewerber, die über soziale Medien Kontakt aufnehmen automatisch als affin und kompetent für dieses Kommunikationsmedium bewertet werden, auch wenn sie vielleicht nicht mehr getan haben, als auf einen Suchtreffer bei Google zu klicken.
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