Bescheidenheit ist eine Zier – weiter kommt man ohne ihr. Besonders als Mann und im Bewerbungsgespräch. Es ist schon ein bisschen stereotyp, was Laurie Rudman von der Rutgers Universität in New Jersey herausgefunden hat: Insbesondere männliche Personalentscheider mögen an männlichen Bewerbern nicht, wenn diese zu moderat und bescheiden auftreten. Kurz gesagt: Es lässt sie weniger ambitioniert, schwächer und unsicherer erscheinen. Das gilt zwar bei weiblichen Jobaspiranten genauso. Männer aber kostet der bescheidene Auftritt ungleich mehr Sympathiepunkte.

Insgesamt 200 Probanden – Männer und Frauen – wurden dazu Videoaufnahmen von männlichen und weiblichen Bewerbern vorgespielt. Dabei handelte es sich allerdings um Schauspieler, die exakt demselben Skript zufolge agierten und in dem simulierten Vorstellungsgespräch in gleicher Weise unprätentiös und bescheiden über ihre bisherigen Herausforderungen und Erfolge sprachen. Danach sollten die Probanden die vermeintlichen Bewerber beurteilen – in Sachen Bescheidenheit ebenso wie in puncto Sympathie oder ob sie ihnen einen Job geben würden. Natürlich waren alle Schauspieler der Form nach auch gleich qualifiziert für die Stelle.

Dennoch hatten die Frauen durchweg die besseren Karten, eingestellt zu werden. Und das allein aufgrund ihrer eigentlich angenehmen Zurückhaltung.

Das Ergebnis deckt sich auch mit zwei artverwandten Untersuchungen:

So konnten US-Psychologen vor einiger Zeit zeigen, dass Männer, die im Job Ihren Ärger ausdrücken als kompetent beurteilt werden, Frauen hingegen nur als emotional. Für das Experiment zeigten die Wissenschaftler ihren Probanden ebenfalls Videos von Vorstellungsgesprächen, anschließend sollten Sie die Bewerber bewerten. In dem Film schilderten Schauspieler, ob sie eher traurig oder wütend reagieren, wenn ihnen ein Geschäftsabschluss misslingt. Die Crux: Zeigten die männlichen Bewerber Wut, wurden sie von den Probanden als kompetent und führungsstark beurteilt. Bei den Frauen war es genau umgekehrt: Sie galten daraufhin als emotional, wankelmütig und für Führungsaufgaben ungeeignet.

Die zweite Studie stammt von dem Sozialpsychologen Brad Bushman von der Iowa State Universität. Er fand heraus: Richtig dosiert, kann Wutschnauben kurzfristig die Chance erhöhen, im Ansehen den anderen zu steigen und von ihnen bewundert, unterstützt, gewählt oder gar befördert zu werden. Mehr noch: Wer ab und an ordentlich auf den Tisch haut, „bekommt meist was er will“, sagt Bushman. Die wohlüberlegte Wutprobe (PDF) beweise Energie, Durchsetzungswillen und -kraft. Und sie überrumpelt die anderen und zwingt sie so in die Defensive.