Falscher Job: Was tun?
Salopp ausgedrückt könnte man sagen: Dumm gelaufen... Das Studium mit Bestnoten abgeschlossen, anschließend beworben, sofort den Job beim Wunschunternehmen bekommen, voller Elan und mit Siegerattitüde gestartet - und dann das: Die erste Anstellung ist völlig entzaubert. Das hatte ich mir anders vorgestellt, denken manche Berufseinsteiger frustriert. Aber was ist jetzt tun, wenn man sich im falschen Job befindet? Kündigen - nach vielleicht nur einigen Monaten? Gleich kommen die Zweifel und Sorgen, wie sich das wohl im Lebenslauf und bei anstehenden Bewerbungen machen würde. Und mit dem Chef lässt sich auch nur schwer darüber sprechen, nicht selten ist dieser immerhin auch Teil des Problems. Ein echtes Dilemma also, doch wer merkt, dass er im falschen Job ist, sollte auf jeden Fall etwas unternehmen...

Warum landet man überhaupt im falschen Job?

Die Aufgaben sind anders, als Sie es sich vorgestellt haben, die Arbeitsatmosphäre gleicht der Temperatur des Kühlschranks, der Chef entpuppt sich als klassischer Unsympath und sogar das Büro scheint Ihnen nicht zu gefallen.

Es gibt verschiedene Gründe, warum eine neue Beschäftigung bereits nach kurzer Zeit als falscher Job herausstellen kann. Bleibt die Frage: Warum ist das nicht aufgefallen, bevor der Arbeitsvertrag unterschrieben wurde und die ersten Tage bereits überstanden sind?

  • Sie waren unter Druck. Je länger die Jobsuche dauert, desto größer wird der Druck, dem Jobsuchende sich ausgesetzt sehen. Entweder soll die Arbeitslosigkeit möglichst schnell ein Ende haben oder man möchte einen alten Job endlich hinter sich lassen.

    So werden Bewerbungen auf alle möglichen Positionen verschickt in der Hoffnung, irgendwo genommen zu werden - was leider auch im falschen Job enden kann.
  • Sie waren schlecht informiert. Manchmal sieht man eben nur das, was man sehen will. Ein Arbeitgeber scheint vielversprechend zu sein und macht dann auch noch ein gutes Angebot? Da greifen viele zu, ohne weiter darüber nachzudenken oder zusätzliche Informationen einzuholen.

    Was alles nicht den eigenen Vorstellungen entspricht, wird dann erst im Joballtag festgestellt und führt zu Frust.
  • Sie haben nicht auf Ihr Gefühl vertraut. Ohne zu wissen warum, hat man bei einigen Jobs ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Da man dessen Ursache nicht kennt, wird es von vielen beiseite geschoben, was sich im Nachhinein als Fehler herausstellen kann.

    Nicht umsonst warnt unser Unterbewusstsein vor einigen Entscheidungen, da es kleine Dinge bemerkt hat, die unserer bewussten Wahrnehmung entgangen sind.

Zwar sitzen Frust und Enttäuschung über einen falschen Job gerade am Anfang tief, doch so schlimm es Ihnen auch vorkommen mag, gibt es einiges, das Sie aus der Situation lernen können.

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Lektionen, die Sie aus einem falschen Job lernen können

dotshock/shutterstock.comAuf lange Sicht ist es natürlich das Ziel, falsche Jobs zu vermeiden und eine Position bei einem Arbeitgeber zu finden, die Sie glücklich macht und beruflich ausfüllt. In den meisten Fällen handelt es sich dabei aber nicht um die erste Stelle, die man annimmt. Jobwechsel im Laufe der Zeit können zu Zwischenstopps führen, die nicht mit den eigenen Vorstellungen eines Traumjobs nichts gemeinsam haben.

Man kann diesen aber auch etwas abgewinnen, wenn man sich mit der Situation auseinandersetzt und sich auf die positiven Seiten konzentriert.

  1. Sie lernen, nicht das erstbeste Angebot anzunehmen

    Es ist allzu verständlich und zeugt von Ihrer Motivation und Leistungsbereitschaft, dass Sie schnellstmöglich einen neuen Job finden wollen. Leider bringt es nichts, wenn es sich dabei um den falschen handelt. Bevor Sie eine Zusage machen, sollten Sie sich deshalb fragen, ob es tatsächlich eine gute Wahl ist.

    Zwar kann die Situation es notwendig machen, zeitnah eine Anstellung zu finden, doch sollte Ihre Zufriedenheit nicht darunter leiden. Kurz gesagt: Was bringt ein Job und das zusätzliche Geld, wenn es Sie unglücklich oder im schlimmsten Fall sogar krank macht?

  2. Sie lernen, was Sie von einem Job erwarten

    Nicht jeder Arbeitnehmer ist sich bewusst, welche Anforderungen er überhaupt an seinen Arbeitsplatz stellt. Doch die Bezahlung allein reicht nicht aus, um andere Missstände zu überdecken. Ein falscher Job bietet hier die perfekte Gelegenheit, um sich bewusst zu machen, was ein Job mitbringen sollte, um Sie zufriedenzustellen.

    Was genau das ist, hängt von Ihrer Arbeitsweise und Persönlichkeit ab. Die meisten Menschen suchen nach einem guten Arbeitsumfeld mit freundlichen Kollegen, der Möglichkeit zur Weiterbildung oder flexibler Arbeitsgestaltung. Was fehlt im falschen Job, was Sie unbedingt brauchen?

  3. Sie lernen, dass es weiter geht

    Es ist keine Seltenheit, dass Arbeitnehmer auf ihrem beruflichen Weg irgendwann an einen Punkt geraten, an dem die Karriere ins Stocken gerät. Ein falscher Job gehört zu genau solch einer Erfahrung. Man hat das Gefühl, fest zu sitzen und sich in eine Sackgasse manövriert zu haben.

    Gerade der falsche Job kann Ihnen aber auch den Ausweg zeigen. Sie werden sehen, dass es sich auszahlt, weiterzumachen, einen anderen Job zu suchen und die damit verbundenen Risiken einzugehen. Die Überwindung, den nächsten Schritt zu gehen, wird Ihr Selbstbewusstsein steigern und Sie langfristig zufriedener machen.

Falscher Job: Gerade für Einsteiger eine schwierige Situation

Peter Bernik/shutterstock.comDen Berufseinstieg malen sich die meisten angehenden Arbeitskräfte in den schönsten Farben aus. Endlich mehr Verantwortung tragen als in der Ausbildung oder das theoretische Wissen aus dem Studium in der Praxis anwenden, die eigenen Ideen einbringen, wichtige Projekte begleiten - und dann kommt alles anders. Die lange angestrebte Position entpuppt sich als vollkommen falscher Job und man fragt sich, was man nur falsch gemacht haben könnte und wie es nun weiter gehen soll.

Damit ein missglückter Berufsstart nicht zum Stolperstein wird, sollte man als erstes den Druck rausnehmen und die eigenen Ansprüche und Erwartungen einem Realitätscheck unterziehen:

  1. Temporär oder systemimmanent?

    Zunächst einmal: Den perfekten Berufsstart gibt es nur selten. Irgendwas ist immer, nichts ist perfekt, das ist aber auch normal. Mit dem Beruf ist es wie in einer Beziehung: Wenn nach einiger Zeit die erste Verliebtheit weicht, entdeckt man plötzlich Makel, die zwar vorher auch schon da waren, aber durch die rosa Brille ausgefiltert wurden. Versuchen Sie realistisch einzuschätzen, ob dies nur ein temporäres Phänomen ist (Krisen gibt's in jedem Job) oder systemimmanent.

  2. Eindimensional oder mehrdimensional?

    Machen Sie sich ebenfalls klar: Sogenannte Kaminkarrieren gibt es heute nicht mehr. Die Berufslaufbahnen der Zukunft gleichen eher einem Flickenteppich: verschiedene Professionen, diverse Projekte, viele Arbeitgeber. Das ist vielleicht nicht immer bequem, macht aber unabhängiger und die Arbeit abwechslungsreicher. Das bedeutet aber auch: Ein missglückter Start ist kein Beinbruch. Gut, das Tempo ist etwas raus, aber es geht danach trotzdem weiter. Entscheidend ist lediglich, was Sie daraus machen.

  3. Bringschuld oder Holschuld?

    Analysieren Sie genau und vor allem ehrlich vor sich selbst, was Ihnen aktuell nicht gefällt und was davon womöglich auch an Ihnen selbst liegt. Mangelhafte Betreuung zum Beispiel ist zwar in erster Linie ein Versäumnis des Arbeitgebers, sie ist aber keine Bringschuld allein. Haben Sie zum Beispiel selber nachgefragt oder sich um einen Mentor gekümmert - oder nur abgewartet, dass einer auftaucht, wie Kai aus der Kiste? Persönliche Weiterentwicklung ist nichts, was einem verordnet werden kann, sie ist das Ergebnis von aktivem, entschiedenen Handeln, von Lernbereitschaft und dem Streben nach neuen Herausforderungen. Liest sich leicht, sicher, ist aber de facto bereits die erste Herausforderung - die einem aber niemand abnehmen kann.

Hinzu kommt, das Gras ist woanders auch nicht grüner. Gerade wer herausfindet, dass die Anfangsschwierigkeiten zum Teil auch hausgemacht sind, wird mit einem Jobwechsel nur vom Regen in die Traufe geraten.

Und Manches gehört zum Berufsbild vielleicht auch einfach dazu. Kein Beruf dieser Welt hat immer nur Sonnenseiten. Lange Abstimmungsschleifen, Durchhänger zwischen Projekten - das alles kann Teil des Jobs sein. In dem Fall hilft dann nur eines: Der Realität ins Auge blicken - und diese kleinen Fehler lieben lernen.

Auch das ist wie in einer Beziehung: Wer glaubt, sich seinen Partner solange verändern zu können, bis er oder sie so ist, wie man ihn gerne hätte, hat das mit der Liebe nicht verstanden. Angenommen, man hätte mit der Strategie tatsächlich Erfolg, so liebt man am Ende nicht den Menschen (so wie er oder sie ist), in den man sich sogar zuerst verliebt hat, sondern nur ein Idealbild, das man selbst entworfen und gestaltet hat - also im Grunde nur sein eigenes Geschöpf aber nicht bedingungslos einen anderen Menschen.

Falscher Job: Was tun, damit die Karriere wieder läuft?

wrangler/shutterstock.comDie kurze, aber womöglich unbequeme Antwort auf das obige Dilemma lautet: Ergreifen Sie die Initiative!

Sie merken ja gerade selbst bereits, dass irgendetwas nicht optimal läuft. Immerhin. Das ist ein guter Anfang. Manche spüren nicht einmal das, warten ab, werden noch frustrierter und bringen so eine Abwärtsspirale in Gang, die Ihnen am Ende noch mehr schadet.

Das Schlimmste, was Ihnen jetzt passieren kann, ist Resignation. Die führt nur dazu, dass Sie sich treiben lassen und Ihre Leistungen weiter abfallen. So entzaubern Sie sich allerdings nur noch selbst und beschädigen Ihren Ruf und Marktwert. Fatal! Deshalb, daher und darum:

  • Gespräch suchen.

    Nachdem Sie Ihren Realitätscheck abgeschlossen haben, sprechen Sie Ihren aktiv Chef an - aber diplomatisch. Sagen Sie ihm - vorwurfsfrei -, dass Sie sich unterfordert fühlen und konkret, was Sie gerne machen oder lernen möchten. Es ist entscheidend dabei, dass das nicht so klingt wie: "Ey Chef, der Job gefällt mir doch nicht, ich hab Leerlauf, mach was dagegen!", sondern dass Sie weiterhin Engagement, Zielstrebigkeit und Lösungskompetenz beweisen. Sie haben ein Problem erkannt - liefern aber auch gleich die Lösung dazu. Womöglich kommt am Ende etwas anderes raus, weil Ihr Chef noch eine andere Idee hat. Auch gut, Hauptsache, Sie beweisen Initiative.

  • Meilensteine definieren.

    Ergebnis Ihrer Analyse kann natürlich auch sein, dass Sie feststellen: Der Beruf ist es nicht, Sie haben sich falsch entschieden. Auch nicht schlimm, kommt vor. Um jetzt aber keine weitere Zeit zu verlieren, sollten Sie aus dem Fehler lernen und sich so neu orientieren: Was war es genau, das mir nicht gefallen hat? Was suche ich stattdessen? Was müsste der ideale Job bieten? Die Gefahr dieser Fragenkaskade ist, dass Sie am Ende nur noch nach dem ultimativ perfekten Job suchen. Den gibt es aber eben nicht. Überlegen Sie sich daher auch, wie Sie diesem Beruf schrittweise näher kommen. Kurz: Zerlegen Sie das Ziel in Einzelschritte und Meilensteine - und dann gehen Sie konsequent in diese (neue) Richtung.

  • Schritt begründen.

    Das kann beinhalten, dass Sie sogar im alten Job bleiben, aber nun genau wissen, wohin Sie sich entwickeln müssen, um ihn nach ein, zwei Jahren zu wechseln. Es kann aber auch dazu führen, dass Sie tatsächlich kündigen und sich einen neuen Arbeitgeber suchen. Ein Makel im Lebenslauf? Keineswegs! Denn dank dieser gründlichen Voranalyse können Sie genau begründen, warum Sie abgebrochen haben. Gut, Sie haben anfangs einen (naiven) Fehler gemacht. Aber nun sehen Sie umso klarer und sind entschlossener denn je. Welcher Arbeitgeber sollte Sie dafür ablehnen?

Sie kennen vielleicht das Bonmot Love it, leave it or change it. Auf den ersten Blick klingt das nach typischem Zen-Geschwurbel, nach einem Simplify-your-brain-Tipp aus dem Abreißkalender vom Donnerstag. Aber 1988. Doch es stimmt: Egal, was einem stinkt - im Beruf, im Privatleben - es bleiben nur diese drei Alternativen.

  • Ändern Sie die Ursachen (oder Sie sich selbst).
  • Lernen Sie die Sache zu lieben.
  • Oder ziehen Sie weiter.

So oder so: Treffen Sie eine Entscheidung!

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