Um es gleich ganz klar zu sagen: Die Familienplanung ist Privatsache - nichts, was den Arbeitgeber in irgendeiner Form angeht. Auch die Frage danach ist im Vorstellungsgespräch unzulässig und darf sowohl zurückgewiesen oder mit einer Lüge beantwortet werden. Es gibt aber durchaus Situationen, in denen es sinnvoll sein kann, den Arbeitgeber in spe im Rahmen der Bewerbung beziehungsweise des Bewerbungsverfahrens auf die Familienplanung hinzuweisen - erst recht, wer hierbei mit offenen Karten spielen möchte. Vorsicht sollten Sie aber dennoch walten lassen...

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Familienplanung: Ansprechen oder schweigen?

Auf das Thema aufmerksam geworden, sind wir durch eine entsprechende Frage zur Familienplanung auf unserem Schwesterportal Karrierefragen.de. Dort schrieb eine Leserin:

Ich bin Technische Offizierin zur See. Bei uns ist es üblich, bis zu vier Monate auf einem Schiff zu sein. Nun möchte ich mich bewerben und direkt mit hinein schreiben, dass ich auch einen Job an Land, aufgrund der Familienplanung, bevorzuge. Ohne für den Arbeitgeber unattraktiv für einen Job zu werden. Wie formuliere ich dies am besten?

Wie gesagt: Grundsätzlich sind Sie als Bewerber nicht verpflichtet, den Arbeitgeber (in spe) über die eigene Familienplanung aufzuklären. Nicht selten sind damit ja auch veritable Nachteile verbunden, die die Chancen auf den Job auf Null senken können: Welcher Arbeitgeber stellt schon einen Bewerber oder eine Bewerberin ein, der/die gleich wieder ausfällt und in Elternzeit geht?

Aus dem Grund ist ja auch die Frage nach einer Schwangerschaft unzulässig.

Hier ist der Fall aber etwas anders gelagert. Die berufliche Veränderung ist mit der Familienplanung nur schwer vereinbar. Das Jobprofil nicht wirklich familienfreundlich und die Einsatzfähigkeit eingeschränkt. Zudem haben Schwangere Anspruch auf besonderen Schutz - was der Arbeitgeber ab einem bestimmten Zeitpunkt einfach auch wissen muss.

Entsprechend kann es also sinnvoll sein, die Familienplanung als Bewerber aktiv anzusprechen. Zum Beispiel, wenn...

  • Sie eine intensive Reisetätigkeit im Job vermeiden wollen (oder müssen).
  • Sie schon schwanger sind und Sie beim Stellenantritt bereits unter Mutterschutz stehen, also bestimmte Arbeiten gar nicht mehr machen dürfen.
  • Sie ein langfristiges Projekt übernehmen oder leiten sollen und Sie die neuen Kollegen nicht mittendrin hängen lassen wollen.

Sicher, auch beim letzten Punkt lässt sich natürlich argumentieren, dass das nunmal das Risiko des Arbeitgebers ist und nicht in Ihre Verantwortung fällt, ihn frühzeitig darauf hinzuweisen. Fair ist die Haltung aber auch nicht. Und wer vor hat, noch lange in dem Unternehmen zu arbeiten, sollte vielleicht auch das Vertrauensverhältnis im Auge behalten, das nicht selten über die weitere Karriere entscheidet. Solche Türen schwingen immer nach beiden Seiten...

Elternzeit: Risiko für Arbeitnehmer?

Elternzeit: Risiko und Chance für ArbeitnehmerModerne Arbeitgeber bemühen sich heute alle um die sogenannte Familienfreundlichkeit. Die gesetzlich geregelte Elternzeit verpflichtet sie natürlich auch zum Großteil dazu. Allerdings gibt es hierbei immer noch Unterschiede.

In manchen Unternehmen wird es zum Beispiel nach wie vor ungern gesehen, wenn Führungskräfte (kurz nach der Beförderung) für ein bis drei Jahre ausfallen und in Elternzeit gehen. Ebenso gibt es ein Gefälle bei Männern und Frauen. Während es bei den Frauen die Elternzeit mehrheitlich akzeptiert ist, erleben Männer, die ihr gutes Recht ebenfalls beanspruchen, häufig noch einen spürbaren Karriereknick. Familienfreundliche Unternehmen sind eben nicht automatisch auch väterfreundliche Unternehmen.

Falls Sie also schon konkrete Familienpläne haben, kann es sinnvoll sein, diese Punkte bei der Arbeitgeberwahl verstärkt zu recherchieren oder auch im Vorstellungsgespräch anzusprechen. Das kann zwar die Chancen auf den Job minimieren, es minimiert aber auch den Frust und Ärger, den Sie sonst womöglich später erleben. Zwar ist auch ein Jobwechsel nach der Elternzeit möglich. Besser aber man findet gleich auf Anhieb den passenden Arbeitgeber.

Familienplanung in der Bewerbung: Argumentieren Sie konstruktiv

Wer etwas zu bieten hat und seinen Marktwert kennt, darf bei der Bewerbung und im Vorstellungsgespräch durchaus Selbstbewusstsein zeigen - auch wenn Sie die Familiengründung noch vor sich haben.

Natürlich muss keiner von sich aus das "Tabu-Thema" ansprechen. Falls Sie aber darauf angesprochen werden oder es gar von sich aus thematisieren wollen, ist entscheidend, Verständnis für die Perspektive des Unternehmens zu zeigen und konstruktiv zu argumentieren. Das bildet in der Regel auch ein solide Basis für das spätere Beschäftigungs- und Vertrauensverhältnis.

Statt also einen bestehenden Kinderwunsch von sich weisen oder bei der Familienplanung zu flunkern, sollten Sie aufzeigen, wie und dass dem Unternehmen dadurch keine Nachteile entstehen.

Oder anders formuliert: Statt dies vom Arbeitgeber zu fordern, machen Sie aktiv Vorschläge für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. So mancher Arbeitgeber wird den offenen Umgang mit dem sensiblen Thema zu schätzen wissen und als Zeichen von Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit werten.

Formulierungen und Beispiele für die Familienplanung

Eine Formulierung, mit der Sie die Familienplanung in der Bewerbung ansprechen können, könnte zum Beispiel so aussehen:

Da ich mit meinem Partner/meiner Partnerin in den nächsten drei Jahren eine Familie gründen möchte, sind Home-Office- und flexible Arbeitszeitmodelle für mich interessant. Der Vorteil ist, dass sich so auch die spätere Elternzeit - zum Beispiel durch Teilzeitarbeit - deutlich verkürzen ließe.

Geht es Ihnen hingegen eher darum, eine mögliche Reisetätigkeit oder Auslandsaufenthalte zu reduzieren, können Sie dies ebenfalls ansprechen - etwa so:

Längere Dienstreisen und Auslandsaufenthalte stellen für mich aktuell kein Problem dar. Aufgrund meiner Familienplanung in den kommenden zwei Jahren, ist es mir aber wichtig, auf Telearbeit sowie flexible Arbeitsmodelle zurückgreifen zu können.

Beide Formulierungen transportieren zugleich wichtige Subbotschaften:

  1. Sie machen deutlich, dass Sie mithilfe von Home-Office-Regelungen oder flexiblen Arbeitszeitmodellen auch während der Familienphase für das Unternehmen weiter arbeiten wollen.
  2. Sie zeigen, dass Sie perspektivisch denken (in den nächsten Jahren) und sich langfristig an das Unternehmen binden wollen.
  3. Sie signalisieren, dass Sie bereit sind, Kompromisse einzugehen und auch sensible Themen mit Ihrem Arbeitgeber offen besprechen und abstimmen wollen.

Welche Punkte Sie in der Bewerbung ansprechen, hängt natürlich letztlich vom Arbeitgeber ab:

  • Was berichten Mitarbeiter des Unternehmens in Fachforen oder Bewertungsplattformen?
  • Was schreibt das Unternehmen auf seiner Karriereseite Vereinbarkeit oder Elternzeit?
  • Welche Regelungen und Angebote werden vom Unternehmen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gemacht?

Die Fragen lassen sich nur durch eine gründliche Recherche im Vorfeld und Umfeld des Arbeitgebers beantworten. Da diese Recherche vor einer Bewerbung jedoch ohnehin ratsam ist, hält sich der Zusatzaufwand im Rahmen.

Bewerbung nach abgeschlossener Familienplanung

Bewerbung nach abgeschlossener FamilienplanungEben weil immer noch einige Personaler Angst vor der Babypause bei Neueinstellungen haben, lässt sich umgekehrt daraus auch ein Vorteil gewinnen - nämlich dann, wenn Sie die Familienplanung bereits hinter sich und abgeschlossen haben. Sprich: Sie haben schon Kinder, wollen keine mehr und müssen sich auch nicht mehr groß um diese kümmern, weil diese nahezu erwachsen sind...

In dem Fall empfiehlt es sich, im Anschreiben zum Beispiel folgende Formulierung unterzubringen:

Nach abgeschlossener Familienplanung möchte ich wieder in meinen gelernten Beruf zurückkehren.

Es muss natürlich nicht der "gelernte Beruf" sein, eine berufliche Neuorientierung kann es genauso sein. Entscheidend ist lediglich das subtile Signal: Ich werde so schnell nicht ausfallen, sondern kann und will mich in den nächsten Jahren voll auf den Beruf konzentrieren. Und das ist ein Pluspunkt für jeden Arbeitgeber.

[Bildnachweis: Branislav Nenin by Shutterstock.com]

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