Es gibt Kollegen, die sind so faul, dass sie sich am liebsten noch künstlich beatmen ließen. Geschweige denn einen ganzen Satz zu Ende… Diese Minderleister (Fachjargon: Low Performer) sind Meister der Ausrede, Gralshüter des Minimax-Prinzips, kommen stets zu spät, sind häufig krank (wegen Lappalien), äußern ab und an Ideen, die sie aber nie umsetzen und reihen sich demonstrativ ein, wenn das Team einen Erfolg zu verbuchen hat. Kurzum: Solche Kollegen sind die Parasiten des Büros und ruhen sich aus auf dem Lorbeer, den andere erarbeiten.
Keine Frage, berufsmäßige Faulancer sind ein personifizierter Betriebsunfall, ein perpetuum scandalum – ein fortwährendes Ärgernis. Sie machen den Job für Sie nicht besser, lassen Sie aber kräftig dafür buckeln. Natürlich völlig gewissenlos und tiefenentspannt.
Jetzt können Sie versuchen, den notorischen Müßiggänger anzuschwärzen und loszuwerden. Oder Sie wechseln die Perspektive! Denn wo Schatten ist, muss es auch Licht geben. Und tatsächlich, man kann diesen Faulpelzen durchaus einige gute Seiten abgewinnen. Auf Anhieb fallen mir gleich sieben davon ein…
Die positiven Seiten fauler Kollegen
- Low Performer lassen Sie selbst besser aussehen. Alles ist relativ. Das gilt nicht nur für Einstein’sche Theorien, sondern auch für Leistung. Neben einem Faulpelz sieht selbst jemand, der Dienst nach Vorschrift tut, noch übereifrig und fleißig aus. Tunichtgute sind die Blinden unter den Einäugigen im Büro. Und Sie können dank deren passiver Mithilfe gar zum König aufsteigen: Je mehr Nichtstuer Sie umgeben, desto mehr werden Sie Ihrem Boss als echtes Arbeitstier auffallen.
- Low Performer beschleunigen Ihren Aufstieg. Low Performer und Nichtsnutze werden Ihnen zahlreiche Gelegenheiten schenken, deren Fehler auszubügeln, ein Projekt zu retten und dabei erste Führungsaufgaben wahrzunehmen. Andere müssen um erste Verantwortung kämpfen, Sie dagegen erhalten einen Trainingsplatz. Frei Haus. Ihr Chef wird es genauso sehen.
- Low Performer dienen als warnendes Beispiel. Vielleicht war der Kollege nicht immer so faul. Erst Routine, Langeweile und Phlegma formten aus ihm den tumben Taugenichts, der er heute ist. Wollen Sie auch so werden? Falls nicht, dann nehmen Sie seine Attitüde als heilsame Abschreckung. Und bekämpfen Sie den Alltagstrott.
- Low Performer sind keine Konkurrenz. Eine derartige Drohne würde eine Chance nicht einmal erkennen, wenn sie ihm die Hand schütteln würde. Geschweige denn ergreifen – zu viel Arbeit! Umso besser für Sie: So warten alle Gelegenheiten auf Sie ganz alleine.
- Low Performer reduzieren den Druck. In besonders arbeitsscheuen Teams heißt es irgendwann: „Langsam, junger Kollege! Du bringst die ganze Schicht aus dem Trott.“ Sie müssen sich von solchen Pflastertretern zwar nicht gleich ausbremsen lassen, aber Sie brauchen sich auch nicht gerade verausgaben, um positiv aufzufallen – etwa in Nebenprojekten.
- Low Performer sind gute Informanten. Wenn es eine Sache gibt, die der Faulpelz beherrscht, dann ist es Auskundschaften. Etwa Wege, wie man noch mehr Arbeit vermeidet. Oder welche Rechte Arbeitnehmer haben. Oder was gerade so im Betrieb passiert. Alles hilfreiche Informationen, die faule Kollegen bereitwillig teilen: Zu irgendwas wollen schließlich auch sie nützlich sein – und womöglich schaffen sie sich so einen Verbündeten.
- Low Performer sind gute Multiplikatoren. Umgekehrt: Wenn es Eines gibt, was Faulpelze hassen, dann Aufsteiger. Die lassen sie noch träger und leistungsschwächer aussehen. Sollten Sie also in den Genuss einer Beförderung kommen, erzählen Sie das beiläufig Ihrem faulen Kollegen. Der mag Sie dann zwar nicht mehr, sorgt aber dafür, dass Ihr Aufstieg schnell die Runde macht.
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felix
Die wahren Lowperformer sind diejenigen, die sich Highperformer nennen. Highperformer arbeiten extrem unkollegial. Sie schnappen sich alle Arbeiten, die einfach und schnell gehen, die sich sofort beenden lassen. Alles was schwer geht, kompliziert ist, Rückfragen bei anderen Abteilungen bedarf oder sich eben nicht in einem Schritt lösen lässt, ggfs. an eine Spezialabteilung weitergeleitet werden muss, das lassen die sogenannten Highperformer einfach liegen. Die übrigen Kollegen dürfen sich dann mit dem komplizierten Kram herumärgern und werden dann “Lowperformer” geschimpft.
In 20 Jahren Berufserfahrung habe ich gelernt, dass sogenannte Highperformer nur eines können: Einschleimen, Chefzäpfchen spielen und klüngeln. Sie verstehen sich darauf, gut mit Vorgesetzten zu können, lassen sich ohne Umwege einfache Vorgänge und Projekte mit schnellen Erfolgserlebnissen direkt von Vorgesetzten zuschanzen, die die übrigen Kollegen garnicht zu Gesicht bekommen. Kommt es zu Rückläufern, dann kümmern sie sich natürlich NICHT darum. Sondern Rückläufer, die zeitaufwändige Nacharbeit bedürfen werden vom Vorgesetzten dann einem anderen Kollegen aufs Auge gedrückt. Der sogenannte Highperformer braucht natürlich nicht den Mist mit aufgebrachten Auftraggebern auslöffeln, den er eingebrockt hat, sondern das sollen die Kollegen tun. Denn wenn der Highperformer seinen eigenen Bockmist auslöffeln müßte, dann wäre er kein Highperformer mehr.
So sieht es in der Praxis aus. Jeder, der irgendwo “Highperferformer” genannt wird ist in Wahrheit ein Schmarotzer, der sich nur darauf versteht mit Vorgesetzten gut zu können, Kollegen seinen Bockmist ausbügeln lässt und dafür noch Rückendeckung vom Chef bekommt.
Highperformer kann es nur geben, wenn Kollegen bewußt ausgebremst und behindert werden. Das ist die Wahrheit.
20 Jahre Berufserfahrung haben mich gelehrt, dass Leistung im Beruf nie wahrhaft erbrachte Leistung, sondern lediglich dargestellte und erklüngelte Leistung ist.
Zu allem Verdruss steigen genau diese Leute noch auf der Karriereleiter auf. Wen wundert es da, wenn die deutsche Wirtschaft auf der ganzen Länge zum Rohrkrepierer wird: Flughafen Berlin, Stuttgart 21, einstürzende Häuser durch fehlgeplante U-Bahn-Röhren-Bauten usw. Die Leute, wie wirklich was können und wahrhaftig performen, sind damit beschäftigt den Bockmist von den Flaschen auszubügeln, die sich Highperformer nennen.
Jochen Mai
Hallo Felix, das ist aber eine traurig Bilanz, klingt verbittert. Ich kann das aus meinen 20 Jahren Berufserfahrung auch so nicht bestätigen. Was ist aber beobachtet habe: Chefs, die sich lieber mit Chefzäpfchen als mit Highperfomern umgeben mit dem Effekt, dass die Leistungsträger irgendwann alle abwandern und der Laden den Bach runter geht.
Florian
Hallo Felix,
“Flughafen Berlin, Stuttgart 21, einstürzende Häuser durch fehlgeplante U-Bahn-Röhren-Bauten usw.” sind alles staatliche Projekte die mit der freien Wirtschaft nur bedingt zu tun haben.
Gegenbeispiele: VW, Bayer, Fresenius, Münchner Rück etc. und hunderte erfolgreiche Maschinenbauer.
Denke deswegen, dass Du mit Deiner Einschätzung der deutschen Wirtschaft etwas daneben liegst. (unabhängig von High- und Lowperformern. Von generellen Labels halte ich sowieso nichts)
Viele Grüße
Florian