Feelgood-Management

Ein Gastbeitrag von Anita Feuchtinger

Die Trends für das Jahr 2014 im Recruiting werden bereits heiß diskutiert: Active Sourcing, Mobile Recruiting oder auch Mitarbeiterempfehlungen stehen dabei hoch im Kurs. Alles schön, gut und wichtig, doch wo bleiben die Trends für die Personalbindung? Talent Management wird hier als ein Schlagwort genannt. Das ist sowohl für bestehende Mitarbeiter attraktiv, als auch für Interessenten eines Unternehmens. Wie wäre es also mit Feelgood-Management?

Wohlfühl-Programm für das Büro?

Feelgood... Das klingt schon nach Wellness, nach Ich-mach-mir-eine-schöne-Zeit-im-Büro. Doch Vorsicht! Was nach Wohlfühl-Programm für Arbeitnehmer klingt, ist ein ernstzunehmendes Thema. Feelgood-Manager sind

  • Vertrauenspersonen,
  • Eventorganisatoren,
  • Vermittler

und Vieles mehr in einer Person. Im Zuge des so oft zitierten demografischen Wandels, durch welchen in bestimmten Branchen heute bereits eine Menge Fachkräfte fehlen, müssen die Unternehmen umdenken. Nicht nur bei IT-lern, Erzieher/innen oder etwa Krankenschwestern/Krankenpfleger mangelt es, nein, auch bei Elektroingenieuren und Drehern.

Die aktuell veröffentlichte Studie "Karriereziele 2014" der ManpowerGroup Deutschland macht es deutlich: Ein Umdenken ist in deutschen Firmen erforderlich. Die Befragten Nachwuchskräfte wollen sich 2014 zum Einen mehr für ihren Job engagieren, zeitgleich verlangen sie finanzielle Würdigung ihres Engagements. Jeder vierte Befragte sucht einen Job, der zu ihm, seinen Fähigkeiten und Interessen besser passt.

Hier tut sich zugleich eine Tür für Arbeitgeber auf: Das intensive Gespräch mit dem Mitarbeiter lohnt sich. So finden sich vielleicht neue Einsatzmöglichkeiten im eigenen Unternehmen, statt das Know-how an einen Wettbewerber zu verlieren.

Vertrauensperson für Neuankömmlinge

An der Stelle kommt das Feelgood-Management ins Spiel. Eine Reihe von Startups nutzt das Jobprofil des Feel-Good-Managers bereits. Sogar Ausbildungen werden für dieses neue Berufsbild angeboten.

Dabei geht es eben nicht - wie der Name denken lässt - um eine reine Bespaßung während der Arbeitszeit, sondern um etwas Wichtigeres: die Bedürfnisse und Belange der Mitarbeiter wahrzunehmen, ernst zu nehmen und etwas dafür beziehungsweise nicht länger dagegen zu tun.

Entscheidend für die Unternehmen ist, dabei dennoch authentisch zu bleiben: Die Maßnahmen müssen zur Unternehmenskultur passen.

Und dafür eine Vertrauensperson im Unternehmen zu haben, kann hilfreich sein. Nicht nur für langjährige Angestellte, sondern gerade auch für die Neuankömmlinge. Wenn diese beispielsweise keinen Paten für die Anfangszeit zur Seite stehen haben, springt eben die Feelgood-Managerin oder der Feelgood-Manager ein. Das erleichtert das Ankommen und verhindert unter Umständen einen vorzeitigen Ausstieg aus vermeidbarem Frust.

Was zeichnet Feelgood-Management aus?

Und Menschen können wahnsinnig kreativ sein – wenn sie denn nur gefragt werden. Daran scheitert es leider häufig. Fragen Sie doch mal Ihre Mitarbeiter, was die sich wünschen. Vielleicht ergibt sich so schon ein eigenes Feelgood-Management-Programm, das nicht einmal viel kosten muss.

Die wesentlichen Schritte dazu:

  1. Vertrauen aufbauen. Nur wenn die Basis stimmt, lassen sich Prozesse oder Abläufe auch verbessern. Gibt es einen Feelgood-Manager, so müssen die Arbeitnehmer auch das entsprechende Vertrauen haben, um diese Instanz zu nutzen.
  2. Kollegen zuhören. Es reicht nicht nur jemanden damit zu beauftragen, sich die Themen anzuhören. Die Person sollte auch in der Lage sein, die wichtigen Informationen herauszufiltern und Dahinterstehendes zu deuten - und dann zu wissen, was daraus zu machen ist.
  3. Stimmungen nutzen. Feine Antennen für das vorherrschende Klima helfen, Stimmungen aufzunehmen. Insbesondere bei viel Frust und kritischen Stimmen sollte kurzfristig, aber nicht unüberlegt gehandelt werden.
  4. Konflikte angehen. Wer Konflikte unter den Tisch kehrt, schafft Demotivation und verschenkt Geld durch fehlenden Arbeitseinsatz bei den Betroffenen. Feelgood-Management versucht genau hier zu vermitteln und sich als Mediator zwischen den Beteiligten einzusetzen.
  5. Kosten tragen. Es muss aber nicht immer viel kosten, aber manche Maßnahmen kosten Geld. Wer hier spart, knausert oft am falschen Ende. Geiz ist dabei gar nicht geil - das sehen schließlich auch die Mitarbeiter, was sie ihrem Arbeitgeber letztlich wert sind. Wer aber den Ideenreichtum seiner Leute geschickt nutzt, kann unter Umständen auch recht günstig davon kommen.
  6. Anregungen aufnehmen. Verbesserungsvorschläge gibt es meist zur Genüge. Nur weiß die Belegschaft oft nicht, wohin damit. Folge: Viel Potenzial bleibt ungenutzt. Feelgood-Manager sind jedoch eine personifizierte Anlaufstelle für solche Ideen. Und davon profitieren beide Seiten: Ideengeber und Arbeitgeber.
  7. Strategisch einsetzen. Damit Feelgood-Management Erfolg hat, muss die Unternehmensleitung dahinter stehen. Es darf also keine Alibifunktion für eine ansonsten mangelhafte Führungskultur sein, sondern hat eine strategische Aufgabe. Das heißt zugleich: Die einzelnen Maßnahmen müssen zur Unternehmenskultur passen. Unglaubwürdiger Aktionismus indes schadet dem Image des Unternehmens nachhaltig - nach innen wie außen.

Der HR-Trend für 2014 heißt für mich daher: Feelgood-Management - in seinen sämtlichen Ausprägungen. Entscheidend ist, dass der Mensch dabei im Fokus steht und spürt, dass sie oder er seinem Arbeitgeber wichtig ist und dass dieser sich für sie oder ihn interessiert.

Über die Autorin

Anita_FeuchtingerAnita Feuchtinger ist Beraterin, Mediatorin und Moderatorin. Sie berät damit schwerpunktmäßig zum Thema Mitarbeiterbindung. Als ehemalige Mitarbeiterin der Personalabteilung verfügt sie über langjährige Erfahrung in diesem Bereich.

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