Fehler im Job: Richtig beichten
Ich habe Mist gebaut. Wie sage ich das meinem Chef? - Fragen wie diese werden immer wieder auf unserem Schwesterportal Karrierefragen gestellt. Gerade beim Thema Fehler im Job herrscht unter Arbeitnehmer oft große Unsicherheit bis hin zur Ratlosigkeit. Niemand möchte dem Chef die eigenen Patzer präsentieren und sich damit selbst zur Zielscheibe machen. Schweigen und hoffen, dass niemand den Fehler bemerkt, ist jedoch nicht nur feige, sondern verschlimmert die Situation sogar noch. Fehler im Job passieren nun mal und als Mitarbeiter sollte man diese richtig beichten...

Fehler im Job: Keine Angst vor einer Kündigung

Fehler im Job beichtenIch habe einen Fehler gemacht ist zugegebenermaßen eine recht allgemeine Aussage. Fehler im Job können von einem vergessenen Termin über eine falsch verschickte E-Mail bis hin zu ernsthaften Schäden - mit im Zweifelsfall hohen Kosten - reichen.

Für Mitarbeiter schrillen bei fast jedem Fehler erst einmal die Alarmglocken. Das riesige Fragezeichen des Was soll ich jetzt nur tun? steht im Raum und scheint jeden anderen Gedanken zu verdrängen. Zurück bleiben erst einmal nur Angst und Fluchtinstinkt, um nicht beim Fehler erwischt zu werden.

Unabhängig vom Umfang und der Schwere des Fehlers sollte die erste Reaktion von Arbeitnehmern aber dem ersten Impuls widersprechen. Das bedeutet:

  • Bleiben Sie ruhig und atmen Sie einige Male tief durch.
  • Versuchen Sie aufkommende Panik und Hektik zu unterdrücken, da diese Ihnen nicht helfen werden.
  • Betrachten Sie Ihren Fehler und die möglichen Konsequenzen möglichst nüchtern und ehrlich.

Im zweiten Schritt steht dann eine Frage an: Müssen Sie Ihren Chef über den Fehler informieren? Dabei geht es nicht darum, den Fehler zu vertuschen, diesen Gedanken sollten Arbeitnehmer schon beim ersten Aufkommen verbannen. Unehrlichkeit zahlt sich keinesfalls aus.

Doch wenn es sich um kleinere Fehler handelt, die Sie selbst allein oder mit einem Kollegen problemlos ausbügeln können und die keine spürbaren Konsequenzen haben werden, muss Ihr Chef nicht davon erfahren. In diesem Fall machen Sie schlicht Ihre Arbeit, korrigieren den Fehler und weiter geht's. Hier ist der kleine Patzer später maximal noch eine kleine Randnotiz im Gespräch mit dem Chef im Sinne von Es gab kleinere Schwierigkeiten, die wir aber lösen konnten.

Hat Ihr Fehler jedoch deutliche finanzielle Auswirkungen, wird dadurch der Arbeitsablauf gestört oder wirkt er sich auf Kunden aus, müssen Sie Ihrem Chef davon berichten. Wichtig: Vor diesem Schritt brauchen Sie keine Angst haben. Machen Sie sich klar, dass selbst gravierende Fehler, wenn sie nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig passiert sind, im schlimmsten Fall eine Abmahnung zur Folge haben.

Selbst wenn es sich im ersten Augenblick nach dem Ende der Welt oder Ihres Jobs anfühlen mag, ist es das in der Regel nicht. Vorgesetzte machen bei großen Fehlern sicherlich keine Freundensprünge, aber eine Kündigung steht dabei dennoch nicht im Raum.

Bevor Sie sich jedoch auf dem Weg zum Gespräch machen - und ja, das persönliche Gespräch ist die erste Wahl in diesem Fall - gilt es, drei Punkte zu beachten:

  1. Analysieren Sie den Fehler und stellen Sie sicher, dass Sie ihn im Gespräch präzise beschreiben können. Die zwei Kernfragen sind: Was ist passiert? Warum ist es passiert?
  2. Rechtfertigen Sie sich nicht, beschreiben Sie nur möglichst sachlich, wie der Fehler passiert ist und welche Auswirkungen er bereits hat.
  3. Bringen Sie nicht nur den Fehler, sondern auch erste Lösungsansätze mit. Formulieren Sie diese jedoch als Vorschläge und Möglichkeiten, nicht als fixe Vorgaben.

Ist der Fehler real?

Bevor Sie als Arbeitnehmer mit einem scheinbaren Fehler auf Ihren Chef zugehen, kann es sinnvoll sein, sich eine Frage zu stellen: Handelt es sich wirklich um einen Fehler?

Die Frage mag seltsam klingen, doch manchmal entpuppen sich scheinbare Fehler schlicht als neue Ansätze und Abweichungen von der Norm, die jedoch nicht unbedingt schlecht sein müssen. Sind Sie sich selbst nicht sicher, ob es sich um einen Fehler handelt oder welche Konsequenzen dieser haben könnte, kann der Rat eines vertrauenswürdigen Kollegen helfen.

Erst wenn er Ihnen bestätigt, dass es sich um einen Fehler handelt, steht der Gang zum Chef an.

Fehler im Job: So beichten Sie es dem Chef

Fehler beichtenDer Weg zum Büro des Chefs ist wahrlich kein leichter, wenn Sie dort einen Fehler beichten müssen. Im Kopf werden bereits die schlimmsten Möglichkeiten ausgemalt und jedes denkbare Worst-Case-Szenario durchgespielt. Diese reichen von einer lautstarken Standpauke, über das infrage stellen der Fähigkeiten bis hin zur fristlosen Kündigung.

Selbst Arbeitnehmer mit guten Chefs neigen dazu, von einer heftigen Reaktion ihres Vorgesetzten auszugehen. Gut, diese kann auch erfolgen und ehrlicherweise kann es keine Garantie geben, dass es sich bei Ihrem Chef nicht um einen Choleriker handelt, doch meist fällt die Reaktion sehr viel milder aus, als befürchtet.

Arbeitnehmer sollten sich das unbedingt vor dem Gespräch bewusst machen. Denn wenn Sie sich innerlich auf eine heftige Reaktion und Vorwürfe einstellen, gehen Sie mit einer spürbaren Abwehrhaltung in das Gespräch, die nicht unbedingt zur Lösungsfindung beiträgt.

Doch wie sollte der Fehler im Job richtig gebeichtet werden? Sie wollen den Fehltritt schließlich weder runterspielen, noch größer machen, als er ist - und selbstverständlich geht es auch darum, die Folgen des Fehlers und die Kritik an der eigenen Person möglichst gering zu halten. Mit diesem Tipps gelingt der richtige Umgang mit Fehlern im Job:

  1. Verlieren Sie keine Zeit

    Sobald feststeht, dass Sie einen Fehler gemacht haben, den Sie Ihrem Chef beichten müssen, sollten Sie dies auch tun. Es mag verlockend sein, sich erst einmal vor der unliebsamen Aufgabe zu drücken und abzuwarten, ob die Dinge sich nicht von alleine Regeln, doch dabei geht wertvolle Zeit verloren.

    Je früher Ihr Chef von dem Fehltritt erfährt, desto mehr Zeit bleibt ihm, um darauf zu reagieren und die nötigen Schritte einzuleiten, um das Schlimmste abzuwenden oder den Fehler noch auszubügeln. Einzige Ausnahme ist die Zeit, die Sie investiert haben, um selbst nach einer Lösung des Problems zu suchen. Dies führt auch gleich zum zweiten Punkt.

  2. Bringen Sie gleich Vorschläge mit

    Anstatt nur mit Problemen und Fehlern zum Chef zu kommen, ist es immer ratsam, wenn Sie sich bereits einige Gedanken über mögliche Lösungen gemacht haben und somit gleich Vorschläge präsentieren können, um das Malheur wieder zu korrigieren. So zeigen Sie dem Chef nicht nur, dass Sie bestrebt sind, Ihren Fehler wieder gut zu machen, sondern demonstrieren auch gleich die nötige Eigeninitiative.

  3. Bleiben Sie ehrlich

    Verständlicherweise wollen Sie sich dem Chef gegenüber weiterhin so gut wie möglich präsentieren und hoffen, dass dieser nun kein falsches Bild von Ihrer ansonsten guten Arbeitsweise bekommt. Dennoch ist es Ehrlichkeit bei Fehlern im Job eine wichtige Tugend. Schieben Sie die Schuld nicht auf irgendwelche Umstände und beschönigen Sie nicht, was passiert ist.

    Wer ehrlich zu seinen Fehlern steht, beweist wahre Größe und übernimmt die Verantwortung für das eigene Handeln. Ausreden vorzubringen und sich aus der Affäre zu ziehen ist leicht, zu sagen Ich hab uns die Suppe eingebrockt, jetzt löffele ich sie auch wieder aus zeugt hingegen von Charakterstärke und wird auch dem Chef positiv auffallen.

  4. Sparen Sie sich unzählige Entschuldigungen

    Bei einem Fehler im Job neigen Mitarbeiter dazu, sich immer und immer wieder zu entschuldigen und zu beteuern, wie leid es ihnen tut. Dies ist zwar gut gemeint, allerdings auch übertrieben und verfehlt gänzlich die Wirkung, die eigentlich erzielt werden soll.

    Überhäufen Sie den Chef nicht mit Entschuldigungen, sondern machen Sie es einmal - ehrlich, ausführlich und nachdrücklich. Diese erzielt eine deutlich größere Wirkung und Sie erinnern den Chef nicht andauernd daran, dass Sie vor einiger Zeit etwas falsch gemacht haben.

Fehler im Job: So lernen Sie aus Ihren Fehltritten

Ein Fehler im Job ist in der Regel kein Weltuntergang und die Konsequenzen sind meist überschaubar oder lassen sich durch frühzeitiges Handeln in den Griff bekommen. Neben dem direkten Umgang kommt es aber auch auf einen zweiten wichtigen Schritt an: Lernen Sie aus Ihren Fehlern.

Fehler sind zwar unvermeidlich, doch ist dies keine Einladung oder Entschuldigung, um einen Fehler mehrmals zu wiederholen. Wir haben einige Tipps zusammengestellt, die Ihnen helfen, aus Ihren Fehlern im Job zu lernen:

  1. Gestehen Sie den Fehler ein

    Der erste und unausweichliche Schritt, um aus Fehlern zu lernen, ist es diesen einzugestehen - sowohl sich selbst als auch anderen gegenüber. Die Beichte gegenüber dem Chef ist der erste Schritt, doch sollten Sie auch Kollegen und Kunden gegenüber ehrlich sein. Versuchen Sie nicht es zu verschweigen oder zu hoffen, dass niemand bemerkt hat, dass Sie einen Fehler gemacht haben.

    Es erfordert Mut, einen Fehler öffentlich einzugestehen, doch stärkt es auch enorm den Charakter und fördert das Selbstvertrauen.

  2. Suchen Sie nicht nach Ausreden

    Ich konnte eigentlich nichts dafür... Bei Fehlern sind die meisten leider nicht um eine Ausrede verlegen, die einzig dem Zweck dient, das eigene positive Selbstbild aufrecht zu erhalten. Man fühlt sich kurzfristig vielleicht besser, wenn man die Schuld bei den Umständen oder bei jemand anderem suchen kann, doch kann man so auch nicht aus seinen Fehlern lernen.

    Übernehmen Sie die Verantwortung für das, was Sie getan haben und tragen Sie auch die Konsequenzen. Das ist nicht immer angenehm, gehört jedoch zu einem Fehler dazu und verstärkt den Lerneffekt.

  3. Finden Sie eine Lösung

    Die ersten wichtigen Schritte, um aus einem Fehler zu lernen, haben Sie bereits getan. Nun geht es darum, herauszufinden, was der richtige Weg gewesen wäre. Indem Sie selbst eine Lösung finden, zeigen Sie nicht nur, dass Sie sich weiterhin Gedanken gemacht haben, sondern lernen auch für das nächste Mal, wie Sie es besser machen.

    Entscheidend, um aus Ihren Fehlern zu lernen, ist, dass Sie alleine den richtigen Weg finden. Es bringt Sie nicht weiter, wenn jemand anderes sich für Sie darum kümmert. Dadurch würde jeglicher Anreiz verloren gehen, dazuzulernen, weil sich bestimmt auch beim nächsten Mal jemand findet, der sich darum kümmert.

  4. Machen Sie weiter

    Es wäre falsch, sich von Fehlern und Rückschlägen so sehr einschüchtern zu lassen, dass Sie erst gar nicht weiter versuchen, Ihre Ziele zu erreichen. Auch wenn es schmerzt, dass etwas nicht so funktioniert hat, wie Sie es sich erhofft haben, müssen Sie es erneut versuchen, um wirklich eine Lektion aus Ihrem ersten Versuch ziehen zu können.

    Manchmal kann es helfen, ein wenig Zeit verstreichen zu lassen. Diese können Sie nutzen, um genau zu überlegen, was Sie aus dem Fehler gelernt haben, wie Sie dieses Wissen beim nächsten Mal anwenden wollen und was Sie ändern müssen, um beim zweiten Versuch erfolgreicher zu sein.

  5. Entwickeln Sie einen Plan zur Vorbeugung

    Aus Fehlern zu lernen bedeutet, den gleichen Fehler nicht noch einmal zu machen. Dies gelingt besonders gut, indem Sie sich einen konkreten Plan machen. Legen Sie beispielsweise fest, ab jetzt frühzeitig um Hilfe zu bitten, wenn Sie sich eine Frage nicht selbst beantworten können oder bei Unklarheiten in der Aufgabenstellung von vornherein nachzufragen.

    Es dauert meist eine Weile, bis sich diese Abläufe automatisch ins eigene Handeln übertragen haben, doch genau dieser Prozess zeigt, dass Sie etwas aus Ihren Fehlern gelernt haben.

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