Fehler machen
Irrtum, Malheur, Patzer, Fehltritt, Missgeschick, Lapsus oder auch Fauxpas - die Möglichkeiten, einen Fehler zu benennen, sind zahlreich. Sie alle haben jedoch eine Gemeinsamkeit: Niemand will etwas mit ihnen zu tun haben. Fehler sind verpönt, gelten als Zeichen der Schwäche und werden als Stigma der Persönlichkeit betrachtet. Wer Fehler macht, ist nicht gut in dem, was er tut. Der größte Fehler, den die meisten Menschen begehen, ist es eben diese Behauptungen über Fehler zu glauben, aus denen nur negative Folgen resultieren, allen voran Unsicherheit und Stress. Darum der ausdrückliche Appell: Erlauben Sie sich selbst die Freiheit, Fehler zu begehen...

Angst prägt den Umgang mit Fehlern

PathDoc/shutterstock.comFehler gehören zum Leben dazu und zwar in jedem Bereich. Egal ob beruflich oder privat, jeder greift im Laufe der Zeit viele Male daneben. Wie mit dieser Situation umgegangen wird, ist nicht nur ein Zeichen der Persönlichkeit, sondern auch Ausdruck der Fehlerkultur, mit der sich die Person konfrontiert sieht.

Genau an diesem Punkt gibt es noch eine Menge Luft nach oben, denn die Fehlerkultur - nicht nur im privaten Umfeld oder beim Arbeitgeber, sondern in der gesamten Gesellschaft - befindet sich in einem zweifelhaften Zustand.

Anders ausgedrückt: Der oft angepriesene offene Umgang mit Fehlern, die Wertschätzung des Nicht-Perfekten, bleibt in den meisten Fällen graue Theorie.

In der Praxis weckt jeder Fehler die Angst vor möglichen Konsequenzen und wird so gut wie möglich unter den Teppich gekehrt, welcher anschließend noch im Keller verstaut wird, um zu garantieren, dass der Fehltritt für immer unentdeckt bleibt.

Der falsche Umgang mit Fehlern trägt jedoch nicht dazu bei, die Situation zu entschärfen. Ganz im Gegenteil. Der Druck durch Fehler wird zusätzlich erhöht und durch den Stress, diese um jeden Preis vermeiden zu wollen, nur noch weiter verstärkt.

Die Reaktion auf einen Fehler ist entscheidend

Was denken Sie in dem Moment, in dem Ihnen ein eigener Fehler auffällt? Die natürliche Reaktion besteht aus Ärger, Wut und Enttäuschung. Das ist zwar nachvollziehbar, bringt jedoch keinen Schritt weiter, weder beruflich noch privat. Gleiches gilt für die Reaktion des Umfeld, von Familie, Freunden, Chef und auch den Kollegen. Wenn etwas wirklich schief gegangen ist, folgen meist Vorwürfe oder Beschuldigungen und es werden Rechtfertigungen gefordert.

Eine solch impulsive Reaktion ist aber alles andere als langfristig gedacht. Denn fast immer weiß der Betroffene sehr genau, wo sein Fehler lag und welche Konsequenzen dieser mitbringt. Vielleicht kann er den Ärger des Umfelds sogar nachvollziehen, doch all das ändert nichts daran, dass eine wütende Reaktion auf einen Fehler nur eins nach sich zieht: Weitere Fehler!

In einer Studie konnte Kristi M. Lewis an der California School of Professional Psychology zeigen, dass sich negative Emotionen von Führungskräften negativ auf die Mitarbeiter auswirken. Soll heißen: Hat ein Chef sich nach einem Fehler zu negativen Emotionen - wie eben Wut, Frust oder Ärger über die Situation - hinreißen lassen und diese gegenüber dem Mitarbeiter gezeigt, sank in der Folge die Risikobereitschaft der Angestellten, es wurde eine geringere Kreativität festgestellt und auch das Engagement ließ nach, wodurch in der Folge weitere Fehler gemacht wurden.

Gerade Vorgesetzte sollten sich diese Erkenntnis zu Herzen nehmen und lernen, die Fehler der Mitarbeiter als das zu erkennen, was sie wirklich sind: Chancen, um etwas Neues zu lernen, sich weiterzuentwickeln und daran zu wachsen.

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4 Gute Gründe, mehr Fehler zu machen

Kris Tan/shutterstock.comAber auch jeder einzelne sollte versuchen, seinen Umgang mit Fehlern zu überdenken und zu verbessern. Die Sache von der anderen Seite betrachten, sich nicht über einen gemachten Fehler ärgern, sondern die Chancen dahinter erkennen. Was so schön klingt, ist zugegeben nicht ganz so leicht, wie es vielleicht den Anschein macht, denn die Angst sitzt nach den Jahren, in denen man versucht hat, vor seinen Fehlern die Augen zu verschließen, besonders tief. Doch es lohnt sich, diese zu überwinden und Ihre innere Fehlerkultur umzukrempeln und langfristig neu zu gestalten. Diese vier guten Gründe sprechen dafür, dass Sie in Zukunft mehr Fehler machen sollten, ohne sich dafür zu schämen oder Angst zu empfinden.

  1. Sie lernen etwas dazu

    Fehlerfreies Handeln wird gerne als Optimum deklariert. Was dabei außer Acht gelassen wird, ist die Möglichkeit der Entwicklung. Zwar mag es gerade im beruflichen Kontext wichtig sein, in bestimmten Situationen keinen Fehler zu machen, der ein Ergebnis verschlechtern könnte, doch nur an solchen Fehler können Fähigkeiten wachsen.

    Wer alles immer scheinbar richtig macht, muss sich nie hinterfragen, nie dazu lernen oder sein Handeln erklären. Er vergibt schlichtweg die Chance, seine Stärken noch weiter zu verbessern oder an bisher unerkannten Schwächen zu arbeiten.

  2. Sie stärken Ihre Persönlichkeit

    Eine gefestigte Persönlichkeit kann sich nur dann entwickeln, wenn sie sich auch mit den eigenen Fehlern auseinandersetzen muss. Eine positivere Einstellung gegenüber Fehlern und der feste Glaube, dass man nach einem Rückschlag wieder aufstehen kann, entsteht nur, wenn man mit diesen konfrontiert wurde und gelernt hat, dass es weitergeht.

    Fehler selbst können also dafür sorgen, in Zukunft weniger Angst vor Fehlern zu haben. Je häufiger Sie diese Erfahrung gemacht haben, desto mehr verinnerlichen Sie, dass Fehler nichts sind, vor dem man sich fürchten sollte.

  3. Sie werden effizienter arbeiten

    Auf den ersten Blick eine paradoxe These, doch wenn Sie sich selbst erlauben, Fehler zu begehen, wird Ihre Arbeitsweise davon profitieren und die Effizienz steigern. Kaum etwas bremst uns so stark aus wie Perfektionismus, da alles bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und am besten mehrfach geprüft werden soll.

    Akzeptieren Sie, dass Perfektion nahezu unerreichbar und für gute Leistungen nicht zwingend erforderlich ist, können Sie sich auf das Wesentliche konzentrieren, Aufgaben schneller und trotzdem in guter Qualität bearbeiten.

  4. Sie steigern Ihre Erfolgschancen

    Fehler machen erfolgreicher? Ja, in der Tat, denn nun wissen Sie, was nicht funktioniert, wo eventuell Potenzial besteht oder welche Ideen noch einmal überdacht werden sollten. Mit anderen Worten: Mit jedem Fehler nähern Sie sich Ihrem Erfolg weiter an und schließen Alternativen, die nicht funktioniert haben, aus.

    Fehler tragen so zur Selbstreflexion bei und schärfen das eigene Selbstbild auf eine Weise, die Erfolg nicht bieten kann. Gleichzeitig ist es eine Frage des Selbstvertrauens und des Durchhaltevermögens, es immer wieder zu versuchen.

Mit diesen Fragen machen Sie Chancen aus Ihren Fehlern

Wenn die Einstellung stimmt, bleibt noch die Frage, wie es gelingt, aus einem Fehler eine Chance zu machen. Diese fünf Fragen können Ihnen dabei helfen:

  • Was genau war der Fehler?
  • Wie konnte der Fehler passieren?
  • Kann ein ähnlicher Fehler erneut vorkommen?
  • Welche Lehre sollte man daraus ziehen?
  • Welche konkreten Handlungen und Veränderungen sind notwendig?

Stellen Sie sich diese Frage nach einem Fehler und schaffen es, ehrliche Antworten zu finden, analysieren Sie nicht nur die Situation, sondern entwickeln daraus auch weitere Schritte, die nötig sind, um aus dem Fehler zu lernen und es in Zukunft besser zu machen.

7 Fehler, die Kluge kein zweites Mal begehen

Borysevych.com/shutterstock.comFehler sind deutlich besser als ihr Ruf, doch gibt es Fehler, die eine einmalige Sache bleiben sollten. Wer immer wieder in die gleichen Fettnäpfchen tritt, macht sich nicht nur selbst das Leben schwer, sondern erweckt auch schnell den Eindruck, er wäre absolut lern- und entwicklungsresistent. Wir haben sieben Fehler zusammengestellt, die Sie kein zweites Mal begehen sollten, um die eigene Reputation nicht zu ruinieren und sich selbst schaden zuzufügen.

  1. Rat ignorieren

    Hätte Kronprinz Albert damals nicht auf den Rat seiner Frau Elisabeth gehört, dann wäre er wohl nie über die Türschwelle von Lionel Logue getreten. Hätten Stolz und Eitelkeit gesiegt, dann wäre er vielleicht der unsichere Stotterer geblieben, der sich regelmäßig vor der ganzen Nation zum Gespött machte. So aber ließ sich Albert vom unkonventionellen Sprachtherapeuten Logue das Stottern austreiben, wurde Widerstandskönig George VI und posthum Filmheld in The King's Speech. Die Moral von der Geschicht ist natürlich nicht, jeden erstbesten Ratschlag bedenkenlos anzunehmen. Aber das Feedback intelligenter Menschen sollte man nicht in den Wind schießen, vor allem dann nicht, wenn sie sich mit den Gegebenheiten im Unternehmen oder in der Branche auskennen. Klug: Rat annehmen und ihn in die eigenen Überlegungen einfließen lassen - und nicht immer alles besser wissen.

  2. Strahlemännern auf den Leim gehen

    Sie haben sich den Staubsauger von diesem Verkaufsgenie an der Haustür andrehen lassen und das blöde Ding gibt nach zwei Monaten seinen Geist auf. Konsequenz: Sie kaufen sich davon keinen zweiten. Oder etwa doch? Manchmal wollen wir uns geradezu für dumm verkaufen lassen. Wer am lautesten schreit, wer am kräftigsten trommelt, hat die größten Erfolgsaussichten. Deshalb Obacht: Fallen Sie kein zweites Mal auf den Charmeur herein, der Sie von Produkt A oder Auftrag B überzeugen will, ohne harte Fakten zu liefern. Er muss zwar kein Scharlatan sein, aber eine Portion Skepsis bewahrt Sie vor bösen Überraschungen - und ist einfach cleverer als blindes Vertrauen.

  3. Das Gleiche tun und ein anderes Ergebnis erwarten

    Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. Hat angeblich Einstein gesagt. Das muss nicht immer stimmen, Beispiel Jobsuche: Die identische Bewerbung kann bei Unternehmen A miserabel, bei Unternehmen B aber richtig gut ankommen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Sie damit bei beiden abblitzen. Mehr noch: Die Misserfolge, die man so aneinanderreiht, frustrieren zusehends. Smarter: Die Bewerbung feintunen, individuell auf die jeweilige Stelle abstimmen - und so die eigenen Fähigkeiten weiterentwickeln. Das gilt natürlich auch für alle anderen Bereiche: Begehen Sie nicht den Fehler, die eigenen Leistungen nicht zu hinterfragen und für unverbesserlich zu halten.

  4. Den Bestimmer spielen

    Jeder möchte einmal Macht ausüben, sich als Bestimmer aufspielen, die Fäden in der Hand halten und das Sagen haben. Der Drang nach Macht steckt in uns. Geben Sie sich aber nicht der Illusion hin, dass man Macht erzwingen könnte. Eigene Prinzipien verfolgen, andere von sich überzeugen wollen - ja. Künstlich den großen Macker im Büro spielen - nein. Wenn Sie eine Führungsposition anstreben, wäre smarter: Nicht wie wild mit dem Presslufthammer draufkloppen, sondern durch steten Tropfen den Stein höhlen. Durch gute Argumente, kontinuierliche Überzeugungsarbeit und Erfahrung zum Beispiel.

  5. Sofortige Belohnung erwarten

    Memo an alle Glücksritter da draußen: Erfolg kommt nicht über Nacht, Reichtum erst recht nicht. Jeder Euro, jedes Lob will dem Tag in mühseliger Kleinarbeit abgerungen werden. Und auch mit harter Plackerei kommen längst nicht alle zu Ansehen und Wohlstand. Dennoch: Nur Idioten erwarten eine sofortige Belohnung für gute Leistungen. Erwarten nach einem guten Monat, dass der Chef sie auf die Stirn küsst und die Kohle nur so sprudelt. Glauben, Sie hätten dadurch Anspruch auf eine sofortige Beförderung. Für Menschen ohne Weitblick, die auf der Stelle reich werden wollen, gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: im Lotto gewinnen oder den Weg in die Kriminalität einschlagen. Unser Rat: Lassen Sie's lieber...

  6. Anderen die Schuld geben

    Es gibt durchaus Momente, in denen Sie für Ihre missliche Lage gar nichts können, weil ihnen ein anderer in die Suppe gespuckt hat. Aber: In den meisten Fällen ist das nicht der Fall. Schuldzuweisungen bringen Sie selten weiter, Eigenverantwortung schon. Darüber hinaus versetzt sie einen in das schöne Gefühl, alles in der eigenen Hand zu haben, Kontrolle zu haben. Und im Umkehrschluss bedeutet das auch: Für Ihre Erfolge sind Sie ebenfalls hauptverantwortlich, nicht der Rest der Welt. Daher der Klassiker: Die Schuld für das eigene Versagen nicht dem Teamleiter, dem Wetter oder anderen Umständen in die Schuhe schieben. Sondern in erster Linie sich selbst.

  7. Everybody’s darling sein wollen

    Es allen recht machen zu wollen - das ist ein Zeichen von Schwäche, das von den anderen registriert wird. Denn auch das ist wahr: Hinter jeder Ecke lauert jemand, der Sie ausnutzen will und würde, wenn sich die Gelegenheit bietet. Daher smarter: Fair und freundlich bleiben - aber nicht in die Beliebtheits-Falle tappen. Um diese zu umgehen, ist es notwendig, Aufgaben abzulehnen, Gefälligkeiten mal NICHT zu übernehmen und den Gefallen mal ausfallen zu lassen, wenn es sein muss. Kurzum: Einfach mal Nein sagen. Die anderen werden Sie trotzdem mögen ...

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