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Im Job läuft nicht immer alles nach Plan und auch nicht in jedem Fall so, wie es den Vorschriften entsprochen hätte. Man selbst oder auch die Kollegen machen Fehler oder fallen durch noch deutlich schwerwiegendere Fehlverhalten am Arbeitsplatz auf. Die Frage ist: Wie geht man mit dieser Situation um? Immerhin kann das Fehlverhalten kann von einem kleinen Patzer bis hin zu einer ausgewachsenen Straftat reichen. Wir zeigen, welche Fehlverhalten im Job häufig vorkommen, welche Strafen die Betroffenen erwarten und wie Sie Ihrem Chef am besten beichten, dass Sie einen Fehler gemacht haben...

Fehlverhalten am Arbeitsplatz: Was im Job nicht erlaubt ist

Im Beruf gelten - wie auch in jeder anderen Situation - bestimmte Regeln, an die sich die Arbeitnehmer zu halten haben. Diese werden durch den Arbeitsvertrag geregelt, sind in der Unternehmenskultur verankert oder werden auch durch staatliche Gesetze vorgegeben.

Doch wird immer wieder gegen eben diese Regeln verstoßen, was für Mitarbeiter ernste Konsequenzen bedeuten kann. So landen regelmäßig die verschiedensten Streitigkeiten vor den deutschen Arbeitsgerichten, um dort nach einer Lösung zu suchen. Vier der häufigsten Fehlverhalten im Job sind dabei...

  • Diebstahl. Egal ob es sich dabei um den Firmenlaptop oder Arbeitsmaterialien handelt: Wer ohne Erlaubnis auf der Arbeit etwas entwendet, verhält sich nicht nur im Job falsch, sondern begeht eine Straftat. Hierbei richtet sich die Schwere des Vergehens nicht nach dem Wert des gestohlenen Gegenstands.
  • Beleidigung. Leider kommt es immer wieder vor, dass einem Mitarbeiter der Kragen platzt und wüste Beschimpfungen folgen. Dass ein solcher Umgangston ein Fehlverhalten darstellt, sollte selbstverständlich sein.
  • private Internetnutzung. Viele Arbeitnehmer sind für die Ausübung ihrer Tätigkeit auf das Internet angewiesen. Dieses wird dann aber auch gerne einmal privat genutzt. Gestattet der Arbeitgeber dies nicht ausdrücklich, verstößt der Mitarbeiter gegen seinen Arbeitsvertrag.
  • Mobbing. Ausgrenzung, absichtliche Fehlinformationen oder üble Nachrede - Mobbing hat viele Facetten. Die Folgen für das Opfer sind oft weitreichend, warum Unternehmen sehr streng gegen Mobbing vorgehen.

Welche Konsequenzen drohen den Betroffenen?

Hierbei muss unterschieden werden, ob das Fehlverhalten arbeitsrechtliche oder auch strafrechtliche Folgen für den Betroffenen haben kann. So führt das durch einen Diebstahl zerstörte Vertrauensverhältnis zu einer fristlosen Kündigung, die Straftat wird aber noch eine Anzeige nach sich ziehen, durch die weitere Folgen zu erwarten sind.

Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen variieren je nach Fehlverhalten zwischen einer Abmahnung und einer fristlosen Kündigung. Wer das Firmeninternet trotz Verbot für die eigenen E-Mails nutzt, erhält in der Regel höchstens eine Abmahnung. Wer jedoch illegale Dateien auf den Firmencomputer lädt, steht vor einer fristlosen Kündigung.

Diese Fehlverhalten will kein Chef sehen

Nicht jedes Fehlverhalten muss direkt arbeitsrechtliche Konsequenzen haben. Einige sind einfach unprofessionell, werfen ein schlechtes Licht auf Sie und bringen den Chef zur Verzweiflung, weil das Auftreten sich gegen seine Vorgaben und seinen Führungsstil richtet. Diese zehn Fehlverhalten will kein Chef im Job sehen:

  1. Anhaltende Unpünktlichkeit

    Am Morgen ein paar Minuten zu spät kommen, weil die Bahn Verspätung hatte, ist noch lange kein Beinbruch und auch Ihr Chef wird sich nicht groß daran stören, solange es eine Ausnahme war und Sie diese erklären können. Wird Unpünktlichkeit hingegen zu einer schlechten Angewohnheit, spricht dies nicht nur für mangelnde Motivation, sondern zeigt auch, dass Ihr Chef sich nicht auf Sie verlassen kann.

  2. Fehlende Entwicklungsbereitschaft

    Chefs und auch Unternehmen allgemein wollen Mitarbeiter fördern und entwickeln. So können aus Talenten vielleicht irgendwann einmal Führungskräfte werden, die bereits mit dem Unternehmen verbunden sind und alle Abläufe kennen. Manch ein Mitarbeiter zeigt jedoch kein Interesse daran, sich persönlich weiterzuentwickeln, was einige Chefs als Anlass nehmen, über eine Neubesetzung des Postens nachzudenken.

  3. Ausgeprägte Faulheit

    Wer im Job fehlende Motivation und sogar Faulheit an den Tag legt, wird vom Chef vermutlich wenig positives Feedback erhalten. Vorgesetzte sind auf der Suche nach Engagement und dem Willen, Ziele zu erreichen. Ist dieser Antrieb im Verhalten eines Mitarbeiters nicht zu erkennen, scheint dieser weder am eigenen, noch am Erfolg des gesamten Unternehmens interessiert zu sein.

  4. Ständiges Gemecker

    Als Arbeitnehmer ist es Ihr gutes Recht, auf Probleme oder Missstände aufmerksam zu machen - und von diesem sollten Sie auch Gebrauch machen. Weniger gut kommt es an, wenn aus dem konstruktiven Feedback ständiges Gemecker über alles wird. Es bringt nichts - außer den Ärger des Chefs - wenn Sie Ihrer Unzufriedenheit über andere Dinge durch Gemecker im Job ausgleichen.

  5. Unnötige Fehler

    Fehler passieren und gehören zum Berufsalltag dazu. Egal ob Berufsanfänger, langjähriger Mitarbeiter oder der Chef selbst - jeder macht Fehler und grundsätzlich ist daran auch nichts verkehrt, denn man kann daraus lernen. Anders sieht es bei unnötigen Fehlern aus, etwa wenn etwas bereits mehrmals erklärt wurde oder der gleiche Fehler bereits zwei Mal gemacht und nun wiederholt wurde.

  6. Nicht genug Eigeninitiative

    Aufgaben zu erledigen ist die eine Sache, Eigeninitiative zu zeigen eine andere. Manchmal reicht es nicht aus, nur Dienst nach Vorschrift zu machen und die übertragenen Aufgaben nach Schema F abzuarbeiten. Ein wenig eigenständiges Gedankengut muss es schon sein, um den Chef zu überzeugen.

  7. Übertriebene Angeberei

    Es ist wichtig, stolz auf die eigenen Leistungen zu sein - gerade wenn es sich um einen Erfolg handelt - um sich auch beim nächsten Mal wieder motivieren zu können, sein Bestes zu geben. Auf der anderen Seite will es kein Chef sehen, wie Sie ständig damit angeben und sich in den Vordergrund spielen. Die besten Leistungen sprechen ohnehin für sich selbst, ganz ohne Angeberei, die dem Betriebsklima schadet.

  8. Nervige Lästerei

    Der Flurfunk ist häufig der schnellste Kommunikationskanal im Unternehmen. Sobald irgendetwas passiert ist, weiß es noch im selben Moment das halbe Büro und meist dauert es nur einige Minuten, bis auch der Letzte es mitbekommen hat. Chefs treibt die nervige Lästerei hingegen zur Verzweiflung, weil mehr Energie in Gerüchte und deren Verbreitung investiert wird, als in die eigentliche Arbeit. Hinzu kommt, dass meist ohnehin nur Falschmeldungen weitergereicht werden.

  9. Kein Verantwortungsbewusstsein

    Wenn etwas schief geht, haben Sie als Mitarbeiter zwei Möglichkeiten: Sie kehren es unter den Teppich und hoffen, dass es keiner bemerkt - oder Sie übernehmen die Verantwortung, stehen für den Fehler gerade und haben im besten Fall gleich eine Lösung parat, was auch Chefs zu schätzen wissen. Sich vor der Verantwortung zu drücken, kann auch ein Vertrauensverhältnis in die Brüche gehen lassen.

  10. Kaum Konzentration

    Ein Mindestmaß an Konzentration sollten Chefs schon erwarten dürfen. Das gilt besonders bei Aufgaben, die große Aufmerksamkeit erfordern, aber auch bei Meetings, wo sich viele Mitarbeiter gerne einmal ablenken lassen. Fällt dem Chef auf, dass Sie nicht über einen längeren Zeitraum konzentriert bleiben können, wird er Sie möglicherweise für einige Aufgaben nicht mehr in Betracht ziehen - oder sogar meinen, dass Sie nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit bei der Sache sind.

Fehlverhalten beichten: So sagen Sie es dem Chef

GaudiLab/shutterstock.comNach einem Fehlverhalten kommt man nicht drum herum, dem Chef dieses zu beichten. Allerdings ist dies nicht immer ganz leicht. Man schämt sich für das eigene Verhalten oder den begangenen Fehler. Dennoch ist der Schritt unverzichtbar, um die Situation zu klären. Damit Sie nicht wie versteinert vor der Bürotür Ihres Chefs stehen und nicht wissen, was nun zu tun ist, haben wir einige Tipps zusammengestellt, wie Sie nach einem Fehlverhalten vorgehen können.

  1. Denken Sie über das Ausmaß des Fehlers nach

    Verschaffen Sie sich einen Überblick über die Situation. Was genau ist passiert? Wo ist der Fehler? Auf wen hat Ihr fehlerhaftes Handeln Auswirkungen? Welche Folgen könnte Ihr Fehler für das Unternehmen haben? Versuchen Sie, so gut wie möglich, diese Fragen zu beantworten, damit Sie Ihrem Chef ausführlich Bericht erstatten können.

  2. Reagieren Sie sofort

    Sobald Sie einigermaßen ruhig sind und wissen, was schief gelaufen ist, sollten Sie umgehend Ihren Chef aufsuchen. Warten Sie nicht zulange mit diesem Schritt, denn Ihr Chef muss so früh wie möglich von dem Fehler erfahren, damit er selbst in Aktion treten kann, um den Schaden zu begrenzen. Ihr Chef wird wahrscheinlich genervt und verärgert reagieren, denn ein Fehler von Ihnen bedeutet zusätzliche Arbeit für ihn. Seine Aufgabe ist es, den Fehler glatt zu bügel und ihn an höherer Stelle zu rechtfertigen.

  3. Beichten Sie Ihren Fehler ohne Umschweife

    Reden Sie nicht um den heißen Brei herum. Entschuldigen Sie sich und schildern Sie Ihrem Chef klar und direkt die Lage. Suchen Sie keine Ausreden, wie zum Beispiel, dass Sie einen schlechten Tag hatten oder nicht ausgeschlafen sind. Das wirkt verantwortungslos. Stattdessen sollte es Ihr Ziel sein, Ihrem Chef seine jetzige Aufgabe leichter zu machen. Er muss genau darüber informiert werden, was wann passiert ist, wo der Fehler lag und wie beispielsweise der Kunde reagiert hat. Nur, wenn er die aktuelle Lage kennt, kann auch er den möglichen Schaden kalkulieren und entsprechende Maßnahmen in die Wege leiten.

  4. Halten Sie Ihre Kollegen außen vor

    Wenn der Fehler auf Ihren Mist gewachsen ist, sollten Sie das auch zugeben. Es ist nicht fair und dazu noch verantwortungslos, die Schuld auf Kollegen abzuwälzen. Stehen Sie zu Ihrem Fehlverhalten und beweisen Sie Rückgrat. Mit der Beschuldigung von Kollegen bringen Sie diese in eine unangenehme Situation und missbrauchen ihr Vertrauen. Dadurch wird die Kollegenbeziehung nachhaltig beschädigt.

  5. Überlegen Sie sich eine Lösung

    Überlegen Sie sich einen Lösungsvorschlag. Sie haben etwas falsch gemacht und das Beste, was Sie tun können, ist es, diesen Fehler selbst wieder auszubügeln. Damit zeigen Sie, dass Sie die Kontrolle über die aktuelle Situation noch nicht gänzlich verloren haben. Zusätzlich erleichtern Sie Ihrem Chef die Lösung des Problems. Erläutern Sie, wie Sie sich in der aktuellen Situation verhalten würden und was Ihre nächsten Schritte wären. Sie signalisieren Ihrem Chef damit, dass er in seiner Entscheidung, Ihnen Verantwortung zu übertragen, nicht falsch lag und dass Sie sich Gedanken gemacht haben. Sitzen Sie nicht bloß da und erwarten, dass Ihr Chef Ihnen die Lösung auf einem Silbertablett präsentiert.

  6. Seien Sie nicht zu hart zu sich selbst

    Es ist gut und wichtig, dass Ihnen bewusst ist, dass Sie einen Fehler gemacht haben. Doch sollte es sich nicht um eine Straftat handeln, sollten Sie mit sich selbst nicht zu hart sein. Fehler passieren - nicht nur Ihnen, sondern jedem. Entscheidend ist, wie Sie damit umgehen und ob Sie daraus lernen. Fehler tragen zu Ihrer Weiterentwicklung bei.

Was können Sie tun, wenn Sie ein Fehlverhalten bei Kollegen bemerken?

Ollyy/shutterstock.comEs ist gut, sich zunächst an die eigene Nase zu fassen und das eigene Fehlverhalten zu betrachten. Doch wie können Sie sich verhalten, wenn Sie das Fehlverhalten eines Kollegen bemerken? Verständlicherweise möchte niemand als Verräter oder Petze gesehen werden. Aber denken Sie daran: Sie sind nicht mehr in der Schule und wollen dem Lehrer sagen, dass ein Mitschüler in der Klassenarbeit schummelt. Es geht um ernsthafte Pflichtverletzungen, die möglicherweise dem Wohl anderer Kollegen oder des Unternehmens schaden. Schauen Sie daher nicht weg, wenn beispielsweise ein Kollege gemobbt wird, sondern unternehmen Sie etwas. Wenn Sie am Arbeitsplatz ein Fehlverhalten bemerken, können diese Schritte Ihnen helfen, richtig damit umzugehen.

  1. Klären Sie die Situation auf.

    Zuerst ist es in einem solchen Fall angebracht, nicht voreilig zu handeln. Nimmt der Kollege wichtige Arbeitsmaterialien mit nach Hause oder verlässt in letzter Zeit regelmäßig vorzeitig das Büro, finden Sie zunächst heraus, ob es sich dabei wirklich um ein Fehlverhalten handelt oder ob der Kollege eine Vereinbarung mit dem Vorgesetzten getroffen hat. Möglicherweise arbeitet dieser nun einen Teil der Arbeitszeit im Home Office und benötigt deswegen die Unterlagen und geht bereits früher nach Hause. Erst wenn Sie sicher sind, dass es sich tatsächlich um ein Fehlverhalten handelt, können Sie die nächsten Schritte angehen.

  2. Sprechen Sie den Betroffenen an.

    Gerade bei kleineren Vergehen, wie dem Lesen der privaten E-Mails während der Arbeitszeit, kann es helfen, den Kollegen darauf anzusprechen. Zeigen Sie, dass Sie nur helfen wollen und erläutern Sie dabei auch die möglichen Konsequenzen, wenn der Arbeitgeber von den Verstößen gegen die Regeln erfährt. Bei anderen Fehlverhalten kann es auch helfen, sich Unterstützung durch einen anderen Kollegen zu holen. Natürlich wollen die Betroffenen Ihr Fehlverhalten am liebsten geheim halten. Merken diese aber, dass bereits mehrere Kollegen davon in Kenntnis sind, erhöht dies die Chancen auf Besserung des Verhaltens.

  3. Sammeln Sie Informationen.

    Hilft ein persönliches Gespräch nicht, sollten Sie dazu übergehen, genauere Informationen zu sammeln. Das können andere Kollegen sein, die ebenfalls das Fehlverhalten miterlebt haben oder aber auch die Zeiten, in denen Sie die Fehltritte beobachten konnten. Oft erweist es sich im Nachhinein als schwierig, bestimmte Verhalten nachzuweisen. Je genauer Ihre Informationen also sind, insbesondere durch die Bestätigung anderer Mitarbeiter, desto größer sind die Chancen, das ein Regelbrecher auch wirklich bestraft werden kann.

  4. Informieren Sie Ihren Vorgesetzten.

    Jetzt ist es an der Zeit, Ihren Vorgesetzten, die Personalleitung oder den Abteilungsleiter zu informieren, soweit diese bisher noch nichts vom Fehlverhalten mitbekommen haben. Denn am Ende kann nur von diesen Stellen eine entsprechende Reaktion auf das Verhalten des Kollegen gegeben werden. Bringen Sie dazu alle Informationen, die Sie gesammelt haben, zur Sprache und erklären Sie gegebenenfalls, wie das Verhalten das Arbeitsergebnis oder die Arbeitsatmosphäre belastet hat. Welche Konsequenzen Ihr Arbeitgeber daraus zieht und für welches Vorgehen er sich entscheidet, liegt anschließend nicht mehr in Ihrer Zuständigkeit.

  5. Behalten Sie es für sich.

    Auch wenn sich über den Flurfunk viele Geschichten sehr schnell rumsprechen und auch andere sicherlich das Fehlverhalten bereits vorher bemerkt haben, sollten Sie es anschließend nicht an die große Glocke hängen. Sie haben zu Recht etwas gegen das falsche Verhalten unternommen, doch nun sollten Sie es darauf beruhen lassen. Möglicherweise erhält der Übeltäter nun eine Abmahnung und kann seine zweite Chance besser nutzen. Verbreiten Sie jedoch im gesamten Unternehmen die Geschichten seiner Fehler, gehen Sie einen Schritt zu weit.

[Bildnachweis: William Perugini, GaudiLab, Ollyy by Shutterstock.com]