“Die Lernform der Zukunft” – so wurde das E-Learning bei seiner Einführung in das universitäre Umfeld oft genannt. Tatsächlich bringt diese Art des Lernens einige Vorteile mit sich, die vor allem berufsbegleitende Studenten zu schätzen wissen. Die räumliche und zeitliche Flexibilität macht Fernstudiengänge beispielsweise erst wirklich praktikabel und ermöglicht Lerngruppen, deren Mitglieder hunderte von Kilometern voneinander entfernt sind. Bei allen Vorteilen stellt E-Learning jedoch auch neue Anforderungen an Lehrende und Studenten.

Die gewohnten Lernstrategien müssen beispielsweise auf die elektronischen und oft auch interaktiven Lerninhalte angepasst werden. Dabei spielen die Selbstorganisation und die Selbstdisziplin der Studenten eine zentrale Rolle. Zusammenfassungen lassen sich elektronisch beispielsweise mit wenigen Klicks erstellen – der Lerneffekt ist dabei jedoch gleich null. Daher müssen Studenten die technischen Möglichkeiten teilweise bewusst ignorieren und bestimmte Aufgaben manuell umsetzen. Das kostet zwar oft mehr Zeit, macht ein effektives Lernen jedoch erst möglich.

12 Lernstrategien für erfolgreiches E-Learning

  1. Texte querlesen – Trotz interaktiven Lerninhalten müssen auch im E-Learning lange Texte gelesen werden. Das Querlesen bietet hier einen guten Einstieg, lässt sich jedoch am besten mit ausgedruckten Dokumenten oder auf einem E-Reader bewerkstelligen. Der Kontrast von gedrucktem Text auf Papier oder einem E-Ink-Display macht das Lesen deutlich leichter als auf Bildschirmen mit Hintergrundbeleuchtung. Am Laptop dürfte querlesen den meisten Studenten schwer fallen.
  2. Mind Maps erstellen – Diese Visualisierungsmethode ist für die Aufbereitung von E-Learning-Inhalten ideal. Der Grund: In modular aufgebauten E-Learning-Kursen werden Inhalte nach und nach vermittelt. Eine elektronisch geführte Mind Map lässt sich problemlos erweitern und ergänzen. Durch die Netzstruktur können auch später dazugekommene Inhalte optimal verknüpft und eingeordnet werden werden.
  3. Vorlesen lassen – Moderne Betriebssysteme verfügen in der Regel über die Möglichkeit, am Bildschirm markierten Text vorlesen zu lassen. Manche E-Learning-Plattformen bieten diese Funktion von Haus aus an. Die Stimmen sind – bei allem technischen Fortschritt – zwar noch nicht so gut, wie ein menschlicher Vorleser, doch für auditiv lernende Menschen wird er Zugang zu langen Texten so deutlich vereinfacht. Die Sprachausgabe lässt sich zudem aufzeichnen, die Inhalte werden so auch unterwegs akustisch abrufbar.
  4. Offline lernen – Zugegeben, dieser Punkt mag beim E-Learning absurd klingen, hat jedoch seine Berechtigung. Dokumente lassen sich bei vielen Seminaren auch herunterladen. Nutzen Sie diese Option und bearbeiten Sie diese Inhalte offline und völlig ungestört. Brauchen Sie jedoch eine aktive Internetverbindung, gehen Sie zumindest weitgehend offline. Schließen Sie dazu Ihr E-Mail-Programm, schalten Sie alle Benachrichtigungen aus und lassen Sie wirklich nur das Browser-Fenster der E-Learning-Plattform geöffnet. Widerstehen Sie der Versuchung, “mal eben kurz” etwas nachzuschlagen. Das hat Zeit bis später.
  5. Videos nutzen – Viele E-Learning-Seminare setzen bei den eingesetzten Medien auch auf Videos. Doch deren Potenzial für das E-Learning geht weit über diese Anwendung hinaus, denn Videos lassen sich auch im Rahmen von Lern- und Diskussionsgruppen hervorragend nutzen. Erklären Sie Ihren Kommilitonen beispielsweise im Rahmen eines Google+-Hangouts oder eines Skype-Video-Calls ein Thema oder trainieren Sie so eine anstehende Präsentation. Auch das Teilen eines vorher aufgezeichneten Videos ist – Dropbox, Sky Drive und Co. sei Dank – kein Problem.
  6. Kollaborative Notizen – Manche Themen oder Texte sind so komplex, dass sich ein einzelner Student mit deren Aufarbeitung schwer tut. Traditionelle Lerngruppen sind jedoch nur bedingt hilfreich, denn hier wird das Thema oder der Text in der Regel in einzelne Abschnitte aufgeteilt. Die Erklärung der Kommilitonen mag hilfreich sein, ersetzt jedoch keine eigene Bearbeitung. Beim E-Learning können mit Hilfe von Wikis oder Google Docs jedoch die Notizen zu einem Thema gesammelt werden. Zwar bearbeitet jeder Student den Text vollständig, doch die Notizen und Anmerkungen der anderen Studenten können zum Verständnis beitragen und die Erarbeitung beschleunigen. Der Lerneffekt ist so relativ hoch und die Arbeit hält sich in Grenzen.
  7. Module nachbereiten – Ein Modul wird aufgerufen, nach der Einleitung folgen die Aufgaben und Lerninhalte und dann ein abschließender Test. So oder so ähnlich sieht der typische Ablauf vieler E-Learning-Module aus. Um den Lerneffekt zu maximieren, sollten sich Studenten jedoch die Zeit nehmen, während und nach dem Modul Notizen zu machen und diese als Nachbereitung zusammenzufassen. Das sollte unabhängig von den weiteren Unterlagen des Moduls geschehen und eine Ergänzung zu diesen darstellen. Nur so entfaltet die Methode ihre volle Wirkung.
  8. Handschriftliche Entwürfe – Der Anteil handschriftlicher Notizen und Entwürfe ist bei einem E-Learning basierten Studium naturgemäß eher gering. Das Schreiben mit Stift und Papier fördert jedoch die Kreativität und kann so manche Denk- und Schreibblockade lösen. Daher sollten es sich Studenten zur Gewohnheit machen, erste Entwürfe und die Rohfassung von Notizen handschriftlich anzufertigen und anschließend auf dem Computer weiter zu bearbeiten. Durch den Prozess der Übertragung werden die Inhalte nochmals vertieft.
  9. Hochphasen nutzen – Einer der großen Vorteile bei E-Learning basierten Studiengängen, ist die flexible Zeiteinteilung des Lernens. Diesen Vorteil sollten Studenten auch zu ihren Gunsten nutzen und anspruchsvolle Module idealerweise in einem Leistungshoch bearbeiten. Damit diese Strategie funktioniert, müssen Studenten natürlich ihre persönliche Leistungskurve im Tagesverlauf kennen.
  10. Reflektieren lassen – Hörsäle und Vorlesungen sind – zumindest an deutschen Hochschulen – in der Regel voll. Zeit für Rückfragen oder Reflexion durch Professoren bleibt da eher selten. Im E-Learning haben Studenten jedoch die Option, sich direkt mit ihren Dozenten abzustimmen. Um qualitatives Feedback zu erhalten, müssen Studenten dies jedoch mit eindeutig formulierten Fragen tun. Allgemeine Nachfragen nach dem Schema: “Wie mache ich XYZ?” werden meist in den Modulen beantwortet.
  11. Zusätzliche Quellen – Dieser Punkt mag selbstverständlich klingen, ist es jedoch ganz und gar nicht. Gerade im E-Learning tendieren viele Studenten dazu, sich rein auf das Lernen der angebotenen Module zu beschränken. Das reicht oft zwar aus, doch um Lerninhalte wirklich erfassen und Zusammenhänge mit bestehendem Wissen herstellen zu können, sind oft zusätzliche Quellen notwendig. Dabei darf es sich übrigens auch gerne um ganz traditionelle Papierbücher handeln.
  12. Regelmäßige Ortswechsel – Für das E-Learning brauchen Sie genau zwei technische Voraussetzungen: Einen halbwegs aktuellen Computer und eine aktive Internetverbindung. Wer über einen Laptop verfügt, kann daher auch außerhalb der eigenen Wohnung lernen. Cafés und andere belebte Plätze sind für das Schreiben hervorragend geeignet, die optimale Lernumgebung finden Studenten jedoch beispielsweise in Bibliotheken vor. Einerseits gibt es dort ein wenig Hintergrundgeräusche und andere Menschen sind anwesend, andererseits herrscht weitgehend Ruhe und Störquellen sind kaum vorhanden.