Ein Gastbeitrag von Studienberater Milan Klesper

Fernstudium versus PräsenzstudiumDas berufsbegleitende Studieren boomt. Mehr als 100.000 Fernstudenten gibt es schon in Deutschland, dazu kommen viele tausend nebenberufliche Präsenzstudenten. Bereits hier zeigt sich ein gravierender Unterschied: Warum studieren so viele Berufstätige aus der Ferne statt in einem Studienzentrum? Ein Grund dafür ist – neben der zeitlichen und örtlichen Felxibilität -, dass der Begriff „Fernstudium“ oft als Synonym für ein berufsbegleitendes Studium verwendet wird. Dass sich auch in einem nebenberuflichen Präsenzstudium ein akademischer Abschluss erreichen lässt, kommt vielen Weiterbildungswilligen nicht direkt in den Sinn. Dabei kann das durchaus Vorteile haben, denn nicht jeder ist der richtige Lerntyp für ein Fernstudium.

Was ist überhaupt ein Fernstudium? Dazu zählen zunächst alle Studiengänge, für die ein überwiegender Teil der Leistung im Selbststudium erbracht werden muss. Also allein und von zu Hause aus. Zum berufsbegleitenden Präsenzstudium indes zählen das klassische Abendstudium, was zum Beispiel an zwei Werktagen abends von 18 bis 22 Uhr sowie samstags ganztägig stattfindet. Oder Wochenendstudiengänge sowie Angebote, die alle drei Monate zwei Wochen Blockunterricht verlangen. In einem solchen Präsenzstudium kann es genauso erforderlich sein, in Eigenregie zu lernen. Allerdings liegt hier der Schwerpunkt auf der Vermittlung des Lehrstoffs in Seminaren, in denen oft mehrere dutzend Kommilitonen anwesend sind.

Welches Studium passt zu Ihnen?

StudiumWelche Studienform für Sie letztlich die richtige ist, hängt entscheidend davon ab, welcher Lerntyp Sie sind. Natürlich gibt es auch äußere Zwänge: Wer etwa als Berufstätiger oft im Ausland unterwegs ist oder Schichtdienst hat, kann die Bedingungen eines Präsenz oder Abendstudiums wohl kaum erfüllen. Hier wäre von vornherein ein Fernstudium die beste Wahl. Wer aber diesbezüglich in der Wahl frei ist und zwischen einem Fernstudium und einem in der Nähe stattfindenden berufsbegleitenden Präsenzstudium wählen kann, sollte sich mehr mit seinem Lerntypus beschäftigen.

In der Wissenschaft finden sich dazu zahlreiche Theorien. Die aber vielleicht einprägsamste und griffigste ist die der Uni Siegen, eine Art Typisierung anhand für Lernende sichtbarer und wichtiger Merkmale:

  • Visuell: Gerade Sitzhaltung, Distanz zum Vortragenden, Augenbewegungen nach oben in Denkpausen, ergebnisorientiertes Handeln, benötigt Überblick zum Lernen, erinnert sich an Gesehenes, hat eine lebendige Vorstellungskraft, handelt nach langfristigen Plänen.
  • Auditiv: Rhythmische Bewegungen, seitliche Augenbewegungen in Denkpausen, diskutiert gerne alternative Handlungen durch, denkt und speichert in (zeitlichen) Sequenzen, kann Gehörtes leicht wiederholen – oft wörtlich, sozialer Kontakt durch Reden.
  • Kinästhetisch: Viel Gestik und körperliche Nähe, Augenbewegungen nach oben in Denkpausen, lernt durch Ausprobieren und Tun, erinnert sich an Gesamteindrücke und (körperliche) Erinnerungen, vernachlässigt Details, ist intuitiv und kreativ.

Was bedeutet das für Ihre berufsbegleitende Studienwahl?

Visuelle Lerntypen sind durch ihre Vorstellungskraft und das ergebnisorientierte Handeln sicher eher für ein Fernstudium geeignet, da sie beispielsweise den Überblick über das zu Lernende auf einem ordentlichen Schreibtisch brauchen, weniger die Tafel an der Wand. Ein Präsenzstudium ist hingegen für den auditiven Typ die bessere Wahl. Durch die kommunikative Vermittlung kann er die Lehrinhalte besser erfassen und speichern und erzielt so einen höheren Lernerfolg.

Aber Achtung: Versuchen Sie sich jetzt bitte nicht einer der drei Kategorien zuzuordnen. Die meisten Menschen sind Mischtypen aus allen drei Lerntypen. Allerdings wird meist ein Sinnessystem beim Wahrnehmen und Speichern und eines bei der Wiedergabe von Daten bevorzugt. Und um diesen Schwerpunkt geht es. Den sollten Sie für sich persönlich ausmachen – und zwar vor dem Studium.

Und: Welcher Lerntyp sind Sie?

Zugegeben, die oben genannten Lerntypen sind etwas abstrakt, schematisch. Dennoch sind sie gerade für den Einstieg hilfreich. Um die Typisierung aber noch zu verfeinern, sollten Sie sich noch ein paar weitere Fragen stellen und – wichtig! – ehrlich beantworten:

  • Kann ich mich selbst über einen langen Zeitraum motivieren, zu lernen, auch wenn andere Interessen „rufen“?
  • Bin ich in der Lage, ohne mündliche Erklärungen und Beispiele aus schriftlichen Unterlagen zu lernen und den Inhalt auch zu verstehen?
  • Welchen Ort bevorzuge ich zum Lernen und wie sollte die Lernsituation geschaffen sein? (z.B. eher mit Schulkameraden in einer Lerngruppe oder allein zu Hause?)
  • Mit welchen Hilfsmitteln und Lernmethoden habe ich bisher am erfolgreichsten gelernt?
  • Bevorzuge ich eine systematische Präsentation der Lehrinhalte und möchte ich mich selbstständig mit den Lernproblemen auseinanderzusetzen?

Ich denke, mit jeder Antwort darauf, werden Sie klarer sehen, was zu Ihnen passt. Und falls nicht, gibt es noch eine praxisnahe Methode, das richtige Studienmodell zu finden: reinschnuppern.

Wer nicht weiß, zu welchem Lerntyp er zählt, sollte die Möglichkeit eines Probe-Fernstudiums wahrnehmen. Nahezu alle großen Fernstudium-Anbieter offerieren diese Option (oftmals für vier Wochen), damit Studieninteressente sich vor der Immatrikulation ein realistisches Bild verschaffen können. Und für ein Präsenzstudium lässt sich dieser Eindruck meist durch eine zeitlich befristete Gasthörerschaft verschaffen.

Darüber hinaus gibt es im Internet noch einige kostenlose Tests dazu…

Online-Tests zum Fernstudium

Auch die folgenden Online-Tests können helfen, den individuellen Lerntyp zu bestimmen:

Über den Autor

Milan Klesper ist Studienberater und Betreiber des Info-Portals Studieren-Berufsbegleitend. Dort gibt er unter anderem Anhaltspunkte für die richtige Studienwahl anhand unterschiedlicher Lerntypen.