Job verloren. Gefeuert. Aus Gründen. Kann ja mal passieren. Nicht schlimm. Davon geht die Welt nicht unter. Aber es wird schwieriger, sich einen neuen Job zu suchen. Denn irgendwie sieht das gar nicht gut aus im Lebenslauf: Gekündigt. Keine Ahnung, wie sich solche hässlichen Knitterfalten in der Vita wieder ausbügeln lassen… Kein Problem: Wir hätten da ein paar Empfehlungen, wie Sie diesen Malus etwas aufhübschen können und bei der Bewerbung optimal verkaufen.
Nur – das sagen wir lieber gleich – ganz leicht wird das nicht. Denn lügen sollten Sie dabei auf keinen Fall! Das wird immer zum Bumerang: Fällt das schon in der Bewerbungsphase auf, ist Ihr Ruf endgültig ruiniert; kommt man Ihnen erst später im Job auf die Schliche, ist das ein handfester Grund für eine fristlose Kündigung. Bewusst falsche Angaben im Lebenslauf sind ein schwerer Täuschungsversuch, der das Vertrauen des Arbeitgebers irreperabel zerstört. So jedenfalls sehen es die Arbeitsrichter. Und wenn der Arbeitgeber mal etwas gegen Sie sucht, hat er hier auch noch nach Jahren einen triftigen Grund, Sie rauszuschmeißen. Und dann wären Sie schon zwei Mal gefeuert worden. Ganz schlecht!
Da Personaler allerdings stets lückenlose Lebensläufe einfordern sowie einen geübten Blick für kaschierte Lücken haben, wird es ohnehin schwer, die Kündigung zu verschleiern. Deshalb unterscheiden Sie zunächst einmal, warum Sie gefeuert wurden:
- Unverschuldet. Wurde Ihre Abteilung dicht gemacht, etwa infolge einer Firmenfusion oder Umstrukturierung? Baute das Unternehmen im großen Stil stellen ab, etwa weil es in eine wirtschaftliche Schieflage geriet? Hat Ihr Ex-Arbeitgeber gar Konkurs gemacht? Glück im Pech: In diesem Fall können Sie Ihre Entlassung erhobenen Hauptes erwähnen und der Bewerbung womöglich gar einen Pressebericht beilegen. Im Lebenslauf reicht dann die Formulierung: 10/2005 bis 11/2007 – Abteilungsleiter bei der Flop AG (Kündigung wegen Insolvenz). Es ist schließlich nicht Ihre Schuld gewesen, dass Sie den Job verloren haben.
- Selbstverschuldet. Das ist ärgerlich. Und ob aus Antipathie, Dummheit oder mangelnder Leistung spielt dabei keine Rolle. Sie wurden entlassen, wegen eigenen Versagens. Punkt. Ein Lebenslauf beschränkt sich nunmal auf die Fakten. Jede noch so gewundene Beteuerung oder Begründung beweist nur: Sie haben ein schlechtes Gewissen und machen sich deswegen Sorgen (vermutlich sogar zurecht). Dann lieber bei den Fakten bleiben. Sie können aber zumindest etwas Schadensbegrenzung leisten…
So verkaufen Sie die Kündigung im Lebenslauf
Aber wie? Folgende Handgriffe können Ihnen dabei helfen, den Fleck auf der sonst hoffentlich weißen Weste zumindest etwas aufzupolieren:
- Layout. Es gibt zwei Varianten, wie Lebensläufe heute aufgebaut werden können: chronologisch – oder mit der aktuellen Position zuerst. Da beides erlaubt ist, sollten Sie die Reihenfolge so wählen, dass Ihre bisherigen (guten) Leistung dort als Erstes auftauchen und die Sache mit der Kündigung möglichst erst auf der zweiten Seite. Beginnen Sie also stattdessen etwa mit besonderen Leistungen, bisher herausragenden Erfolgen – notfalls auch mit Ihren Interessen oder dem sozialen Engagement. Und den früheren Jobs, die Sie selbst beendet haben.
- Formulierung. Erwähnen Sie die Kündigung. Und mehr nicht. Hüten Sie sich vor Erklärungen oder Rechtfertigungsversuchen! Die haben im Lebenslauf nichts verloren und wirken immer (!) negativ. Erst recht, wenn Sie versuchen, die Schuld dabei auf einen miesen Chef, mobbende Kollegen oder generelle Antipathien zu schieben. Auch wenn es stimmt – verlieren Sie darüber kein Wort. Auch nicht im Vorstellungsgespräch. Sie können dabei nur verlieren und sehen wir ein Jammerlappen aus, der keine Verantwortung übernehmen kann. Ihr Arbeitsverhältnis endete dann und dann. Punkt.
- Wortwahl. Falls Ihre Arbeitslosigkeit immer noch aktuell ist, dann bezeichnen Sie sich bitte nicht als arbeitslos, sondern besser als arbeitssuchend – das klingt aktiver! Noch besser ist, wenn Sie Ihr persönliches Dilemma ins Positive drehen, also etwa: 4/2008 bis 6/2008 – Berufliche Neuorientierung mit dem Ziel einer neuen Position im Bereich Vertriebsleitung. Das wirkt sofort selbstbewusster, engagierter und zeigt obendrein Ihre Zielorientierung (bei gleichzeitig vorhandener Reue).
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Sven
Zitat:
Wortwahl. Falls Ihre Arbeitslosigkeit immer noch aktuell ist, dann bezeichnen Sie sich bitte nicht als arbeitslos, sondern besser als arbeitssuchend – das klingt aktiver! Noch besser ist, wenn Sie Ihr persönliches Dilemma ins Positive drehen, also etwa: 4/2008 bis 6/2008 – Berufliche Neuorientierung mit dem Ziel einer neuen Position im Bereich Vertriebsleitung. Das wirkt sofort selbstbewusster, engagierter und zeigt obendrein Ihre Zielorientierung (bei gleichzeitig vorhandener Reue).
Zitat Ende.
Ob man das pauschal so sagen kann, mag ich in Frage stellen.
Wenn ich einen Lebenslauf von einem Bewerber durchlese und Worte wie “Neuorientierung” lese, gibt das von mir schon eher Minuspunkte. Meiner Meinung nach darf man ruhig ehrlich und gerade aus in seinen Lebenslauf schreiben, was Sache ist/war. Und besonders wenn man sich auf eine ähnliche Stelle bewirbt, kann hier von Neuorientierung keine Rede sein.
“Arbeitssuchend” kann man noch geltend lassen, auch wenn ich der Meinung bin, dass es selbstveständlich ist, sich um Arbeitsbeschaffung zu kümmern, wenn man zur Zeit ohne Arbeit ist. Oder würden Sie in eine Bewerbung schreiben, dass Sie immer pünktlich und nüchtern zur Arbeit erscheinen? ;-)
Schöner finde ich persönlich es, wenn jemand in der Phase der Arbeitslosigkeit das Absolvieren einiger Praktikas oder Weiterbildungen vorweisen kann.
Jochen Mai
Hallo Sven, also wenn bei dir ein Bewerber schon Minuspunkte kassiert, nur weil er sich neu orientiert, dann frage ich mich: Stellst du Klone ein oder im Windkanal optimierte Kaminkarrieristen?
Sven
Hallo Jochen, vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt. Ich will damit sagen, dass das Wort “Neuorientierung” mittlerweile routinemäßig als Ersatz für Arbeitslosigkeit genutzt wird (und diese Vorgehensweise empfohlen wird) und damit allgemein bei Personalern auf Unmut stößt und somit den gegenteiligen Effekt bewirken kann. Natürlich habe ich nichts gegen eine Umorientierung, schließlich sollte jeder den beruflichen Weg gehen, den er sich als passend vorstellt :)
alice
Toller Artikel. Der letzte Satz ist super und wird gleich mal umgesetzt!