Tacheles-Sagen-Knebel
Schon oft haben wir darüber geschrieben, was Bewerber im Vorstellungsgespräch alles beachten sollten (siehe Kasten ganz unten). Denn leider kommt es regelmäßig vor, dass Kandidaten unvorbereitet zum Jobinterview erscheinen und weder durch Ihre Selbstpräsentation punkten, noch durch clevere Rückfragen. Umgekehrt sieht das aber nicht immer besser aus: Der Personaler kommt zu spät, kennt nicht mal den Lebenslauf und bombardiert den Kandidaten obendrein mit abgedroschenen Floskeln. Das hinterlässt nicht nur einen schlechten Eindruck, sondern auch den schalen Beigeschmack eines öden Arbeitgebers...

Personaler-Floskeln: Denken Sie an das Employer Branding!

Sicher, eine Floskel hier und da rutscht jedem mal über die Lippen. Das ist noch kein Beinbruch. Eine massive Häufung aber regt zu Rückschlüssen an, insbesondere wenn auch sonst im Umgang mit Bewerbern Wertschätzung und Respekt fehlen.

Deshalb, daher und darum: Es schadet nicht, sich ab und an selbstkritisch zu hinterfragen, ob man nicht nach zwoundtröflzighundert geführten Bewerbungsgesprächen so routiniert ist, dass man nur noch ein Phrasenprogramm abspult. Bewerber bemerken das durchaus - und tragen diese Erfahrungen womöglich ins Internet, wo sie Teil des Employer Brandings werden. Unnötig.

Weil Floskeln im Vorstellungsgespräch auch sonst die Atmosphäre mitprägen, hier ein paar Anregungen, welche vielleicht verzichtbar sein könnten und sollten...

19 fiese Floskeln, die Personaler im Vorstellungsgespräch vermeiden sollten

  1. Wie Sie bereits wissen... Warum fragen Sie nicht nach, ob der Bewerber sich informiert hat? Und wenn es Allgemeinwissen ist, warum fragen Sie dann indirekt nach?
  2. Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen... Was Sie aber vermutlich im nächsten Atemzug tun werden. Wenn Ihnen das klar ist, warum verzichten Sie dann nicht einfach darauf?
  3. Das ist jetzt nicht persönlich gemeint, aber... Doch, genau das ist es, sonst würde man es nicht so einleiten. Muss so etwas im Vorstellungsgespräch wirklich sein?
  4. Auch wenn die Frage vielleicht etwas zu weit geht... Vielleicht? Wenn Sie diese so einleiten, wissen Sie das doch. Dann sollte man die Frage aber auch nicht stellen.
  5. Ohne Ihren Lebenslauf zu kennen... Und worauf basiert das Bewerbungsgespräch dann? Es ist grob unhöflich und respektlos, sich selbst nicht vorzubereiten.
  6. Ich sehe gerade in Ihrer Bewerbung, das... Jetzt erst? Oha, da ist wohl jemand auf das Gespräch vorbereitet?!
  7. Ehrlich gesagt, bezweifle ich... Danke für Ihre Ehrlichkeit. Die Anmoderation nährt natürlich den Zweifel, ob das bisher Gesagte weniger ehrlich war.
  8. Offen gestanden... Endlich: Raus damit! Also war der Rest des Gespräch alles andere als offen? Schade, um die Zeit...
  9. Ich persönlich glaube ja... Gilt das auch für das Unternehmen oder ist das nur persönliche Meinung? Ist letztere für das Vorstellungsgespräch tatsächlich relevant oder nur Eitelkeit?
  10. Auch wenn es für Sie vermutlich kein Problem ist... Eine rein rhetorische Frage. Was, wenn es doch ein Problem ist? Höflicher wäre, danach zu fragen?
  11. Wer bei uns arbeiten will, muss natürlich... Klingt empathisch, ist es aber nicht. Denn dahinter steckt der Zweifel, ob der Bewerber bei Ihnen arbeiten will.
  12. Es versteht sich wohl von selbst, dass... Wenn es so ist, muss man es nicht betonen. Ansonsten ist das eine Belehrung - und damit kein Gespräch auf Augenhöhe.
  13. Sie wissen ja, wie das ist... Nein, weiß der Bewerber nicht. Er ist ja kein Personaler und kennt das Unternehmen auch noch nicht. Aber es wäre nett, wenn Sie ihm dazu alles erzählen.
  14. Unsere Geschäftsführung legt Wert darauf... Klingt ein bisschen nach Distanzierung und einer Das-ist-nicht-meine-Entscheidung-Haltung. Das wirft kein gutes Licht auf die Unternehmenskultur.
  15. Vielleicht können Sie sich vorstellen... Vielleicht - vielleicht auch nicht. Die Frage lässt sich doch auch ganz einfach stellen: Können Sie sich vorstellen...?
  16. Eigentlich passen Sie sehr gut zu uns... Und uneigentlich? Wo bleibt das große Aber?
  17. Persönlich kann ich Sie mir gut für die Stelle vorstellen... Klingt toll. Aber ist diese Meinung nun relevant oder nicht? Für sich genommen, ist das eine nutzlose Information.
  18. Wenn ich mir die Frage erlauben darf... Wenn Sie schon selbst Zweifel an deren Rechtmäßigkeit haben und um Erlaubnis bitten müssen, ist es vermutlich keine kluge Frage.
  19. Lassen Sie mich Ihnen zuerst sagen... So beginnt in der Regel eine sogenannte Sandwich-Kritik: Erst loben, dann kommt die Schelte. Kein guter Umgang.

Bullshit-Bingo: Tabu-Floskeln für Bewerber

Natürlich ist es auch so, dass Kandidaten in Stammeln geraten - und damit geht meist auch alle Eloquenz flöten. Heraus kommen ebenfalls Floskeln und Formulierungen wie aus Textbausteinen. Ein einziges Wörterlego vom Typ: "Achja, belastbar und teamfähig bin ich auch..."

Daher - und ebenfalls mit einer Prise Ironie - haben wir ein Bullshit-Bingo mit den schlimmsten Bewerber-Floskeln im Jobinterview zusammengestellt...

Bewerbungsgespräch-Bullshit-Bingo-Grafik

[Für Personaler haben wir das Bullshit-Bingo auch als PDF aufbereitet - zum Download, Ausdrucken und Ankreuzen im Bewerbungsgespräch...]

[Bildnachweis: Nomad_Soul by Shutterstock.com]