Laut verschiedener Studien beziehen Mitarbeiter Informationen über ihren Arbeitgeber zu 63 Prozent (Mittelwert) via Flurfunk. Natürlich gibt es in den meisten Unternehmen auch einen offiziellen Kanal. Der inoffizielle funktioniert aber meist besser und schneller. Klatsch und Tratsch, Gerüchte, Spekulationen – egal, wie man es nennt: die Mundpropaganda im Büro informiert uns in der Regel recht zuverlässig über Personalien, die Unternehmensentwicklung, neue Projekte oder gar bisher heimliche Liebschaften. Fakt ist aber auch: Solches Gerede kann einem empfindlich schaden – sowohl als Täter wie als Opfer.

Falls Sie mitreden wollen, sollten Sie nie vergessen: Klatsch muss stets einen beiläufigen Charakter behalten. Nichts ist abstoßender als ein parasitärer Kollege, für den man lediglich Informationswirt ist. Wer andere immer nur anzapft, um anschließend als gut informierter Durchblicker dazustehen, gilt schnell als Windmaschine und verortete undichte Stelle. Den Aufstieg in die Beletage kann so jemand vergessen. Schließlich können sich die Kollegen nie sicher sein, ob er später auch deutlich sensiblere Informationen herausposaunt.

Umgekehrt, wer selbst Opfer von übler Nachrede wird und weiß, von wem sie stammt, hat zwei Optionen: Er kann den Urheber direkt darauf ansprechen und diesen mit Nachdruck bitten, das sofort einzustellen. Oder er spricht ihn indirekt darauf an: „Ich habe gehört, dass jemand dies und das über mich verbreitet. Haben Sie eine Ahnung, von wem das kommt? Dann werde ich demjenigen persönlich sagen, was ich davon halte …“ In den meisten Fällen verstehen Klatschbasen einen solchen Wink.

Verhindern lässt sich negativer Flurfunk allerdings nie: Tratsch ist Balsam für unser Hirn. Anfang 2006 untersuchte der Wissenschaftler Alex Mesoudi von der schottischen St. Andrews Universität dessen Wirkung und ließ dazu zehn Freiwillige vier kurze Texte lesen und anschließend aufschreiben, woran sie sich erinnerten. Dieses Exzerpt erhielten weitere Probanden, die diese Texte ihrerseits kondensierten. Nach vier Textgenerationen verglich der Forscher das Ergebnis mit dem Ursprung: Im Gedächtnis haften geblieben waren vor allem jene Passagen, die neben Personendaten auch pikante Details enthielten. Sie wurden genauer wiedergegeben und auch umfangreicher als jene Texte, die ausschließlich Fakten zu einer Person transportierten.

Wenn Sie also schon mitfunken, sollten Sie folgende Regeln beachten:

  • Lernen Sie, verlässliche Quellen von schädlichen zu unterscheiden: Wer schwätzt nur belangloses Zeug? Wer ist tatsächlich gut verdrahtet und frühzeitig informiert? Erstere sind zu meiden, Letztere mit guten eigenen Informationen zu versorgen. Denn solches Geben ermöglicht erst das spätere Nehmen.
  • Indentifizieren Sie die eifrigsten Flüsterüten im Betrieb und bringen Sie diese in eine Reihenfolge, sortiert nach Themen, Wahrheitsgehalt oder Durchlaufgeschwindigkeit. Der Vorteil dieses Sendersuchlaufs: Falls Sie selbst einmal Informationen streuen müssen, wissen Sie genau, welche Kanäle dafür die effektivsten sind.
  • Filtern Sie gute von schlechten Nachrichten und geben Sie möglichst nur die positiven weiter (weil sich das auf Ihren Ruf besser auswirkt). Bevor Sie aber überhaupt eine Information weitergeben, verifizieren Sie diese bitte! Sie könnten sonst selbst bald als schlechte Quelle und Falschmelder dastehen.
  • Reden ist nur Silber – erst recht bei Spekulationen über Ihren neuen Job. Falls Sie gerade befördert wurden, werden sich kurz darauf immer einige das Maul über die Hintergründe oder über Ihre Erfolgschancen zerreissen. Das ist nichts, was man kommentieren müsste. Lächeln Sie lieber souverän dazu und lassen Sie Taten sprechen.