twittertippsIn der Blogosphäre gab es früher so eine (Un)Sitte, dass man Leute nur dann auf seine Blogrolle setzte, wenn die das auch taten. Bis heute gibt es diese Linktausch-Anfragen, die ich allerdings kategorisch verneine. Mit der zunehmenden Popularität von Twitter und damit auch der Verlinkung untereinander entsteht dort – jedenfalls meine ich das dort zu beobachten – ein ähnliche Phänomen: Die Nutzer folgen sich aus unterschiedlichen Gründen. Zum Einen, weil sie sich kennen und mögen. Zum Anderen, weil sie denjenigen folgen, die ihnen auch folgen.

Ich will das überhaupt nicht bewerten, schließlich ist das auch eine Frage der Motivation, warum und wie man Twitter nutzt. Angeregt durch diesen Beitrag habe ich mich allerdings gefragt, nach welchen Kriterien ich eigentlich auswähle, wem ich folge und wem nicht. Das wären meine Punkte (Apropos: Was sind Ihre Kriterien? Kommentare frei…):

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  • Ich kenne und mag die Person. Ein sehr konservativer Grund. So hat Twitter einmal begonnen: Freunde und gute Bekannte, die sich auch im echten Leben kennen, verfolgen, was der oder die andere gerade so macht und ob es ihm oder ihr gut geht. Entsprechend folge ich gerne denenigen, die ich persönlich kenne, schätze und deren Leben mich interessiert. Eigentlich selbstverständlich. Deshalb auch der erste Punkt.

  • Ich schätze, was die Person macht oder twittert. Falls ich jemanden nicht kenne, schaue ich mir stets zuerst an, worüber der- oder diejenige bisher getwittert hat. Die angegebenen Links sind hierbei noch zweitrangig. Mich interessiert vielmehr zuerst die Sprache desjenigen und wie er oder sie mit anderen Twitterern kommuniziert. Finde ich dort Parallelen und Ähnlichkeiten, ist das ein Plus – denn die sind ein starkes Indiz für spätere Sympathie. Verlinkte Seiten allerdings auch…
  • Die Links sind nützlich. Unter Bloggern ist das Thema hinlänglich beschrieben worden: Mit dem Boom von Twitter hat die Verlinkung innerhalb der Blogosphäre deutlich abgenommen. Ein Grund: Die Leute bloggen weniger über interessante Fundstellen, sondern twittern sie einfach mal schnell weg. 140 Zeichen inklusive Tiny-URL sind dafür schließlich das perfekte Maß. Damit ich jemandem folge, müssen diese Links (nicht alle, aber doch einige) mir aber weiterhelfen – sei es, dass ich dort etwas Interessantes erfahre, etwas Neues oder etwas Amüsantes. Trifft keines dieser Kriterien zu, haben die Links eher den Charakter von Spam. Ich sage bewusst nicht: Sie sind Spam. Aber für mich enthalten sie zu wenig Mehrwert.
  • Die Tweets enthalten nicht nur Eigenwerbung. Ich habe überhaupt nichts gegen Selbst-PR. Gerade bei Bloggern oder Corporate-Twitterern gehört das Klappern zum Geschäft. Und wenn mich das Blog oder die dazugehörige Webseite ohnehin interessiert, kann mich derjenige gerne auch auf diesem Kanal über seine Aktualisierungen informieren. Aber bis auf wenige Ausnahmen (wie reine News- oder RSS-Chanels) ist mir das auf Dauer zu wenig. Damit aus dem zunächst rein virtuellen Kontakt vielleicht auch mal ein Dialog entstehen kann, sind persönliche Kommentare sowie externe Fundstellen essenziell. Schließlich will ich denjenigen mit der Zeit ja auch etwas besser kennenlernen, wenn ich ihm oder ihr schon folge.
  • Die Tweets enthalten nicht nur Befindlichkeitsblabla. Dasselbe gilt für den umgekehrten Fall: Nichts gegen persönliche Bekenntnisse. Aber andauerndes “Guten Morgen zusammen!”, “Mann, hab ich nen Hunger”, “Puh, brummt mir der Schädel heute…” ist mir zu dünn. Zumal von Leuten, die ich noch überhaupt nicht kenne.
  • Das Verhältnis von Folgen und Verfolgern stimmt. Soweit ich das sehe, gibt es auf Twitter zwei Religionen. Die einen sagen: Wer dreimal so viele (oder noch mehr) Follower hat als selber anderen folgt, der sucht keine echten Konversationen, sondern Ruhm. Er nimmt an einem selbstinszenierten Popularitätswettbewerb teil. Kurz: Er oder sie sucht Fans. Die anderen sagen: Wer allen folgt, die ihm folgen (oder noch mehr), der hat das Prinzip des Netzwerkens nicht verstanden und nimmt genauso an einem Popularitätswettbewerb teil – nur dass ihn die Sorge plagt, die anderen könnten ihn nicht mehr mögen, wenn er ihnen nicht zurückfolgt. Ich bekenne, ich gehöre der zweiten Glaubensrichtung an. Eine zeitlang bin ich 400 Menschen gefolgt – es war die Hölle. Ständig frische Tweets und das Meiste verpasst man. Eine echte Konversation ist so garantiert nicht mehr möglich.
  • Es gibt schon einen Austausch. Auch wenn ich nicht jedem folge, entstehen manchmal über den @-Befehl ein paar persönliche Dialoge mit anderen Twitterern. Auch dabei lernt man andere Menschen besser kennen – und schätzen. Und von da sind es nur noch zwei Klicks, bis man ihnen folgt.
  • Der Account ist echt. Gemeint sind in diesem Fall vor allem Fake-Accounts von irgendwelchen Zelebritäten. Gewiss, sind die Accounts echt, kann das sehr spannend sein, Prominenten zu folgen. Kann. Stecken dahinter aber nur Spaßvögel oder – schlimmer – ihr PR-Büro, ist mir meine Aufmerksamkeit dafür zu schade. Dasselbe gilt übrigens für Twitterer, die nie auf eine persönliche Nachricht antworten.
  • Das Profil ist ansprechend. Ich gebe zu, das ist überhaupt kein rationaler Grund. Aber selbst wenn das Obige nicht zutrifft, folge ich manchen Leuten trotzdem. Und zwar schlicht, weil mich ihr Twitter-Design oder das Profil-Bild anspricht. Das ist dann wie eine Art Kredit: Wer ein so vielversprechendes Design gewählt hat, kein kein gänzlich uninteressanter Mensch sein. Und einmal hat er mich ja schon inspiriert… Ich will das nicht verallgemeinern, aber ich halte das dennoch für ein starkes Argument für ein ansprechendes Twitter-Design.

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