Fortbildung
Fortbildungen gehören heute zu jedem Beruf und jeder Karriere. Notwendig macht das nicht nur das Diktat des lebenslangen Lernens, sondern vielmehr der schnelle technologische Fortschritt in der Wissensgesellschaft sowie der Arbeitsmarkt, um sich beispielsweise gegenüber Konkurrenten behaupten zu können und auch im höheren Alter noch attraktiv auf dem Arbeitsmarkt zu bleiben. Vor allem Online-Kurse und Webinare sind aktuell unter den Fortbildungen besonders beliebt. Doch beliebt bedeutet nicht automatisch gut. Daher haben wir uns die Fragen gestellt: Sind solche Webinare als Fortbildung sinnvoll? Und lohnen sich Fortbildungen überhaupt? Hier die Antworten...

Fortbildung fördert Karriere und Gehalt

Extra-Tipp-IconFortbildung lohnt sich. Sie fördert Karrierechancen - und erhöht die Aussicht auf eine Gehaltserhöhung. Das ist das Ergebnis der repräsentativen TNS-Infratest-Studie "Weiterbildungstrends in Deutschland 2016", an der 300 Personalverantwortliche beteiligt waren. 87 Prozent der Personaler sagten, Weiterbildung fördere definitiv den beruflichen Aufstieg, für 78 Prozent war sie Anlass für eine Gehaltssteigerung bei den Arbeitnehmern - allerdings mit einer Einschränkung: Entscheidend sei die Eigeninitiative des Mitarbeiters, sich beruflich weiterbilden zu wollen. Für 83 Prozent der Befragten war das ausschlaggebend. Geht es um die Einstellung neuer Mitarbeiter, schauen gar 77 Prozent auf diese Eigeninitiative.

Definition: Der Unterschied zwischen Fortbildung und Weiterbildung

Andrey_Popov/shutterstock.comOft werden die Begriffe Fortbildung und Weiterbildung synonym verwendet. Das ist nicht ganz falsch, dennoch gibt es - laut Definition - ein paar Unterschiede.

Bei der Fortbildung handelt es sich um eine besondere Form der beruflichen Weiterbildung. Diese Besonderheit ist im Berufsbildungsgesetz (BBiG) geregelt. Dort werden vier verschiedene Fortbildungsarten definiert und unterschieden:

  1. Anpassungsfortbildung

    Durch diese Fortbildungen werden die bestehende Ausbildung und der fachliche Stand an aktuelle und neue Gegebenheiten und Anforderungen angepasst.

  2. Erweiterungsfortbildung

    Durch diese Fortbildungsform wird die fachliche Basis und Qualifikation ausgebaut und teilweise in neuen Bereichen vertieft. Es können auch neue Themen erschlossen werden.

  3. Erhaltungsfortbildung

    Mit diesen Fortbildungen wird das vorhandene Wissen primär aufgefrischt und so eine gleichbleibende fachliche Qualifikation und Qualität gewährleistet.

  4. Aufstiegsfortbildung

    Diese Fortbildung stellt die Grundlage für den beruflichen Aufstieg (Beförderung) und die Übernahme neuer Aufgaben - meist mit mehr Verantwortung - dar.

Zudem können Fortbildungen eine echte Alternative zu einem berufsbegleitenden Studium sein. Denn sie...

  • sind oft deutlich kürzer - sechs bis zwölf Monate - als Studiengänge.
  • sind - wenn sie beispielsweise bei der IHK absolviert werden - ebenso anerkannt wie ein Studienabschluss.
  • vermitteln das Wissen oft praxisnaher als ein Studium.
  • sind in der Regel günstiger als ein vergleichbares Studium.

Eine Weiterbildung wiederum, die nicht unter den Begriff der Fortbildung fällt, kann auch eine einfache Zusatzqualifikation oder eine völlig neue Berufsausbildung sein.

Fortbildung: Lohnt sich das überhaupt?

Den oben genannten Chancen einer Fortbildung...

  • mehr Jobsicherheit
  • bessere Bewerbungschancen
  • aktuelles Fachwissen
  • höhere Spezialisierung

...stehen auf der anderen Seite der hohe Zeitaufwand und die Kosten gegenüber. Und nicht zuletzt gibt einem hernach auch keiner eine Garantie, dass man mit abgeschlossener Fortbildung auch mehr verdient oder beruflich aufsteigt. Daher stellt sich stets die Frage: Lohnt sich die Investition überhaupt?

Eine pauschale Antwort darauf kann es nicht geben, schließlich hängt das auch von der Qualität der Fortbildung und Weiterbildungsmöglichkeiten selbst ab. Aber es gibt eine persönliche Antwort. Eine, die nur Sie selbst finden können - und zwar mithilfe der folgenden Fragen:

  • Bringt mich die Fortbildung meinen persönlichen Zielen näher?
  • Passt die Fortbildung zu meinen beruflichen Interessen und Wünschen?
  • Bietet mir die Fortbildung erst mit dem Abschluss Vorteile oder schon während der Lernphase?
  • Kann ich die Kenntnisse direkt im Beruf anwenden?
  • Welche anderen Einsatzmöglichkeiten bietet die Fortbildung im Unternehmen?
  • Bringen mich die erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse auch außerhalb meines aktuellen Jobs weiter?
  • Erlaubt mir die Fortbildung auch einen späteren Job- oder gar Branchenwechsel?

Insbesondere bei langfristigen Fortbildungen oder gar berufsbegleitenden Studiengängen stellt sich eine weitere Frage:

  • Wird die durch die Fortbildung erworbene Qualifikation bei Abschluss für das Unternehmen noch relevant sein?

Fortbildungen, die mehrere Jahre dauern, können im Lauf der Zeit ihre Bedeutung verlieren. Der zu Beginn so wichtige Abschluss kann sich dann als weitgehende wertlos erweisen und nichts zu den erhofften Karrierechancen beitragen. Es ist also entscheidend, dass Sie ganz individuell die Ziele und den Nutzen der Fortbildungsmaßnahme im Vorfeld definieren und für sich bilanzieren, wie wahrscheinlich der Nutzen ist und ob sich der auch rechnet.


Fortbildung Fördermittel: Geld für Arbeitnehmer

Fortbildung Fördermittel FinanzierungKontinuierliches Lernen kostet nicht nur Zeit und Energie, sondern vor allem Geld. Je nach Fortbildungsinhalt und -format sogar viel Geld. Neben der Unterstützung durch den Arbeitgeber stehen Arbeitnehmern glücklicherweise auch einige Fördermittel für die Fortbildung zur Verfügung. Doch der Reihe nach...

Finanzierung durch den Arbeitgeber

Bevor Sie sich auf den Weg zu Behörden, öffentlichen Stellen oder Stiftungen machen, sollten Sie zuerst die Finanzierung der Fortbildung durch den Arbeitgeber prüfen. Ist das Verhältnis zum Vorgesetzten und Unternehmen gut und wollen Sie als Arbeitnehmer längere Zeit im Unternehmen bleiben, stehen die Chancen dafür sogar recht gut.

Die Finanzierung durch den Arbeitgeber sollte trotzdem gut überlegt sein, denn...

  • als Gegenleistung für die finanzielle Unterstützung müssen sich Arbeitnehmer oft vertraglich für mehrere Jahre an das Unternehmen binden und/oder auf einen Teil des Gehalts verzichten.
  • innerhalb des festgelegten Zeitfensters kann sich viel im Unternehmen ändern. Ein neuer Chef, neue Anforderungen oder ein verändertes Betriebsklima können die Arbeit erschweren.
  • die durch die Fortbildung geknüpften Kontakte können nicht zeitnah genutzt werden. Sollte sich beispielsweise ein attraktives Jobangebot auftun, sind Sie noch gebunden.
  • brechen Sie die Fortbildung aus wichtigen Gründen ab, kann Ihr Arbeitgeber möglicherweise einen Teil des Geldes zurückfordern. Je nach Zeitpunkt kommen dabei hohe Summen zusammen.

Trotz dieser Risiken kann die Finanzierung durch den Arbeitgeber der einfachste Weg zur Fortbildung sein.

Finanzierung durch Fördermittel - über den Arbeitgeber

Einige der umfangreichsten Fortbildungfördermittel können Arbeitnehmer nur indirekt über ihren Arbeitgeber beziehen. Das sogenannte WeGeBau-Programm der Bundesagentur für Arbeit dient zum Beispiel dazu, gering qualifizierte und ältere Arbeitnehmer so weiter zu qualifizieren, dass diese im Unternehmen bleiben können. Seit 2014 werden jedoch nur noch Teile der Kosten übernommen. Das bedeutet konkret:

  • Bei Beschäftigten, die älter als 45 Jahre sind, tragen die Agenturen für Arbeit bis zu 75 Prozent der Lehrgangskosten. Die verbleibenden Kosten sind vom Betrieb und/oder dem Arbeitnehmer zu tragen.
  • Bei jüngeren Beschäftigten ist eine Förderung nur möglich, wenn der Betrieb mindestens 50 Prozent der Lehrgangskosten übernimmt.

Arbeitnehmer erhalten bei diesen Leistungen einen Bildungsgutschein, mit dem sie zugelassene Angebote nutzen können. Arbeitgeber wiederum können Zuschüsse zum Gehalt erhalten. Wichtig für die Förderungen ist allerdings, dass die Zuschüsse vom Unternehmen über den Arbeitgeberservice beantragt werden. Arbeitnehmer können hier lediglich Informationen liefern, den Antrag jedoch nicht selber stellen.

Förderung der Fortbildung durch öffentliche Fördermittel

Arbeitnehmer selbst können - unabhängig vom Unternehmen - ebenfalls Zuschüsse, sogenannte Bildungsgutscheine, beantragen. Mit diesen können Fahrt- und Übernachtungskosten und zu einem gewissen Grad auch Fortbildungskosten von der Bundesagentur für Arbeit übernommen werden. Arbeitnehmer müssen sich dazu lediglich bei der Agentur für Arbeit melden.

Auch Berufsrückkehrer können finanzielle Hilfen für Fortbildungen im Rahmen der sogenannten Initiative zur Flankierung des Strukturwandels (IFaS) beantragen. Diese Bildungsgutscheine richten sich vor allem an Berufsrückkehrer aus mindestens vierjähriger Familienzeit und an Arbeitnehmer, die bereits arbeitslos oder akut von Arbeitslosigkeit bedroht sind und nicht über einen Berufsabschluss verfügen.

Überdies gibt es noch weitere Fördermittel:

  • Meister-BAföG

    Diese Förderungen nach dem AFBG (Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz) dient der Finanzierung von Aufstiegsfortbildungen. Details finden Sie hier.

  • Begabtenförderung

    Die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung bietet mit dem Weiterbildungs- und Ausstiegstipendium überdurchschnittlich guten Arbeitnehmern finanzielle Unterstützung. Details gibt es hier.

  • Bildungsprämie

    Mit der Bildungsprämie soll die Fort- und Weiterbildung aus Eigenengagement gefördert und unterstützt werden. Sie kann finanzielle Entlastung, jedoch keine vollständige Finanzierung bieten, wie Sie auf der offiziellen Webseite nachlesen können.

  • Berufliche Rehabilitation

    Wer nach längerer Krankheit oder anderen gesundheitlichen Problemen in den Beruf zurückkehrt, kann Leistungen der Bundesagentur für Arbeit für nötige Fort- und Weiterbildungen in Anspruch nehmen. Wer welche Kosten trägt, muss immer im Einzelfall entschieden werden.

Webinare und Online-Kurse als Fortbildungs-Alternative zu Präsenz-Kursen

Ähnlich wie bei Fernstudiengängen lassen sich heute viele klassische Fortbildungsangebote (auch) online und damit zeit- und ortsunabhängig durchführen. Findet ein solcher Online-Kurs bei einem anerkannten Träger - beispielsweise der Industrie- und Handelskammer oder einem in der Branche angesehenen Bildungsinstitut - statt, ist dagegen erst einmal nichts zu sagen - vorausgesetzt eben, das abschließende Zertifikat ist allgemein anerkannt.

Nutzen Sie jedoch die aktuell populären MOOCs - Massive Open Online Courses - um sich autodidaktisch weiterzubilden, ist der Wert einer solchen Fortbildung nicht garantiert. Zwar gibt es viele qualitativ hochwertige MOOCs, mit denen Sie Ihre Kompetenz und Ihr Wissen vertiefen und ausbauen können. Doch ob (potenzielle) Arbeitgeber die gewonnenen Kompetenzen anerkennen, ist fraglich und von der Branche und dem Unternehmen abhängig.

Hinzu kommt, dass Webinare nicht für jeden Arbeitnehmer gleichermaßen geeignet sind. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob die Fortbildungsart für Sie passt, beantworten Sie sich bitte die folgenden Fragen:

  • Brauchen Sie eine vorgegebene Struktur bei Fortbildungen?
  • Bevorzugen Sie eine zeitliche Vorgabe für den Lernstoff und die Lehrmodule?
  • Lernen Sie am besten im persönlichen Austausch mit Referenten?
  • Lassen Sie sich leicht von Umgebungsreizen ablenken?
  • Empfinden Sie das Lernen in der Gruppe als angenehm?

Wenn Sie zwei oder mehr der Fragen mit einem "Ja" beantworten konnten, wird eine Fortbildung in Form eines Online-Kurses für Sie höchstwahrscheinlich eine besondere Herausforderung werden.

Online-Fortbildung: Tipps für Unternehmen

Online-Kurse können für die Wissensvermittlung im Unternehmen ein hervorragendes Medium sein. Als ausschließlicher Weiterbildungskanal reichen sie zwar nicht aus - umfangreiche Unterlagen und offline Ansprechpartner sind nach wie vor nötig -, doch für den Einstieg in ein Thema, die Vermittlung von Grundlagen und die Begleitung von Präsenz-Kursen sind Online-Kurse ideal.

Welche Anforderungen effektive Online-Kurse im Unternehmen erfüllen und worauf Arbeitgeber bei der Einführung achten sollten, beschreiben die folgenden Anregungen:

  • Prüfen Sie genau, bei welchen Themen Online-Kurse sinnvoll einsetzbar sind. Manche Themen lassen sich am besten im persönlichen Gespräch oder Workshop vermitteln.
  • Erklären Sie bei der Einführung, welche Ziele Sie mit den Online-Kursen verfolgen und welche Vorteile sie den Mitarbeitern bieten.
  • Stellen Sie vor der offiziellen Einführung sicher, dass Sie über Material, Mitarbeiter und Ressourcen verfügen, um Online-Kurse dauerhaft im Unternehmen zu etablieren.
  • Erstellen Sie zu allen Online-Kursen umfangreiche Zusatzdokumente, die den Inhalt vertiefen und Ihren Mitarbeitern im Arbeitsalltag als Nachschlagewerke dienen können.
  • Führen Sie Online-Kurse zu neuen Themen erst ein, wenn alle Einheiten fertig konzipiert sind und Sie diese problemlos intern publizieren können.
  • Apropos Publikation: Stellen Sie auch sicher, dass Ihre technische Infrastruktur die Nutzung der Online-Kurse möglich macht und Inhalte leicht abgerufen werden können.
  • Holen Sie sich für die Konzeption der Online-Kurse Unterstützung Ihrer Ausbilder oder anderer, didaktisch geschulter und erfahrener Mitarbeiter.
  • Lassen Sie sich - zumindest zu Beginn - bei der Produktion und Erstellung von Online-Kursen von erfahrenen Anbietern beraten.
  • Schulen Sie die Mitarbeiter, die die Online-Kurse erstellen und durchführen sollen, ausgiebig.
  • Stellen Sie Ihren Mitarbeitern ausreichend Arbeitszeit zur Verfügung, damit sie an den Online-Kursen ohne Zeitdruck teilnehmen können.
  • Erläutern Sie zu Beginn auch das Konzept der Online-Kurse und bieten Sie Probeläufe und Tutorials an, bei denen sich Ihre Mitarbeiter an die neue Lernform gewöhnen können.
  • Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter dazu, sich im Nachhinein mit den Inhalten der Online-Kurse - auch im Team - zu beschäftigen und diese zu vertiefen.
  • Sammeln Sie regelmäßig (anonymisiertes) Feedback Ihrer Mitarbeiter zu den Online-Kursen ein.
  • Nutzen Sie diese Feedback als Grundlage für Verbesserungen und Anpassungen der Formate.
  • Bauen Sie in die Online-Kurse auch Wissenskontrollen durch anschließende Aufgaben und Fragerunden ein.
  • Integrieren Sie Online-Kurse auch in Fortbildungen, die aus Workshops und klassischen Seminaren bestehen.
  • Ersetzen Sie hier zunächst nur einzelne Einheiten durch Online-Kurse und bauen Sie den Anteil - wenn sinnvoll und nötig - langsam aus.
  • Legen Sie zu Beginn fest, wie viel finanzielle und zeitliche Ressourcen Sie für die Online-Kurse veranschlagen und einsetzen wollen-
  • Fördern Sie die Bildung von Lerngruppen unter Ihren Mitarbeitern und bieten Sie diesen Räumlichkeiten und - idealerweise - Zeitfenster fürs Lernen.
  • Scheuen Sie sich nicht davor, Online-Kurse bei einigen Themen wieder durch Workshops zu ersetzen, wenn das Medium dort nicht funktioniert.
  • Bauen Sie Ihr Weiterbildungsprogramm - auch bei den Online-Kursen - kontinuierlich aus.
  • Prüfen Sie, wie Sie Online-Kurse optimal mit anderen Lernformen und -möglichleiten verknüpfen können.
  • Experimentieren Sie immer wieder mit neuen Inhalten und Formaten, mit denen Sie Online-Kurse noch besser nutzen können.

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