Angenommen, Sie sitzen in einem Taxi und wollen, sagen wir, zum Flughafen gebracht werden. Doch auf einmal stellen Sie fest, dass der Taxifahrer nicht den kürzesten Weg nimmt. Ja, Sie haben gar den Eindruck, er fährt extra einen Umweg. Wie reagieren Sie?

Die meisten Menschen sind erst einmal stinksauer. Sie fühlen sich betrogen und übervorteilt. Vielleicht fahren sie einfach weiter, bezahlen mürrisch, aber geben dem Taxifahrer kein Trinkgeld. Andere schnauzen ihn direkt an, drohen mit Beschwerde oder gar Anzeige…

Doch halt! Ist der Ärger an der Stelle schon angemessen?

Schauen wir uns die Situation genauer an. Es gibt noch andere, alternative Erklärungen für die eingeschlagene Route:

  1. Der Umweg ist der einzige Weg, den der Taxifahrer kennt.
  2. Der Taxifahrer kennt eine neue Baustelle oder aktuellen Stau auf der kürzesten Route.
  3. Die Strecke, die Sie kennen, entspricht zwar der kürzesten Entfernung – es ist aber nicht der schnellste Weg um diese Zeit.

Sie erkennen schon an diesen Beispielen, dass die Situation eine ganz andere sein kann, wenn man sie aus einer anderen Perspektive betrachtet. Entsprechend ließen sich zunächst einmal Fragen oder Aussagen formulieren, bevor man unter der Taxidecke kreist und dem Fahrer eine neue Fönfrisur verpasst.

    Im ersten Fall könnte man sagen: “Ich glaube, ich kenne einen schnelleren Weg…”
    Im zweiten: “Gibt es auf der anderen Route eine neue Baustelle?”
    Im dritten: “Diesen Weg kenne ich noch gar nicht. Ist der schneller?”
    Überdies könnten Sie sich auch einfach zurücklehnen und sich darüber freuen, die Stadt mal aus einer ganz anderen Perspektive kennenzulernen.

Vielleicht ahnen Sie schon, worauf ich eigentlich hinaus will. Das Taxibeispiel ist nur eine Metapher für eine Wahrheit, die wir objektiv nie (sofort) erkennen und die uns – je nachdem welche Perspektive wir wählen – enorm ärgern kann, amüsieren oder auch inspirieren. Häufig treffen wir vorschnell unser Urteil und merken nicht, dass das unsere Lage nicht klarer oder komfortabler macht, sondern uns nur limitiert.

Ich glaube, das ist zugleich das oder eines der Geheimnisse des Glücklichseins. Und ich muss an der Stelle noch eine andere Metapher bemühen, auch wenn die schon reichlich abgegriffen ist: Je nachdem, ob wir das Glas halb voll oder halb leer wahrnehmen, sehen wir die Welt in einem ganz anderen Licht.

Glücklich zu sein, erfolgreich zu sein, gelassen zu bleiben – all das ist häufig und vor allem eine Frage der eigenen Attitüde, der Perspektive. Und ich schreibe bewusst nicht, der richtigen Perspektive, weil es die hierbei nicht gibt. Jedenfalls gibt es nicht nur eine. Und je mehr man davon wahrnimmt, desto mehr Chancen gibt es zu entdecken.