abflugVon allen Mitteln und Methoden, die jungen Aufsteigern empfohlen werden, um einen möglichst optimalen Start als neue Führungskraft zu haben, sehe ich persönlich zwei als entscheidend an:

Erstens: Versuchen Sie Ihre Mitarbeiter zu gut wie möglich kennen zu lernen und merken Sie sich, wie der Einzelne tickt. Eine meiner Mentorinnen sagte mir mal: Jeder hat das Recht, individuell geführt zu werden. Das ist 100-prozentig wahr. Fragen Sie den Kollegen als sprichwörtlich ein Loch in den Bauch und hören Sie aufmerksam zu, was die Ihnen so erzählen – auch zwischen den Zeilen. Bekommen Sie heraus, was die Leute beschäftigt oder bedrückt. Wie ist das Klima in dem Laden? In der Abteilung? Gab es Mitbewerber um Ihre Position? Wer gilt als loyal? Wer als Leistungsträger? Jede Information kann helfen. Und dieser kleine Rundgang dokumentiert zugleich Ihre Wertschätzung für die Kollegen. Deshalb sollten Sie solche Runden auch später noch wiederholen.


Zweitens: Schaffen Sie sich Ihr eigenes Profil. Die wenigsten werden einen Job ohne Vorgeschichte antreten. Heißt: Es gab einen Vorgänger. Und der war eben besonders geachtet (weshalb ihn alle vermissen) oder besonders gefürchtet (weshalb viele mit Ihnen große Hoffnungen verbinden). Machen Sie sich klar: Egal, was Sie anstellen, Sie werden es nie allen recht machen können. Versuchen Sie es deshalb auch erst gar nicht. Viel wichtiger ist, dass die Mitarbeiter sehr schnell herausbekommen, wofür Sie – Sie ganz persönlich – stehen. Lassen Sie sie weder über Ihre Prinzipien im unklaren, noch lassen Sie schwerwiegende Entscheidungen unbegründet – insbesondere dann, wenn Sie die Dinge grundlegend anders anpacken als Ihr Vorgänger. Denn nur so gewinnen die Leute zu Ihnen Vertrauen und respektieren Sie – und das ist das Wichtigste. Denken Sie immer dran: Wenn Sie sich kein Profil zulegen, vor allem dann, wenn es kritisch wird, können Sie sicher sein, dass es jemand anderes für Sie tut.