Frauen in Führungspositionen: Auswirkungen für Unternehmen
Sie bringen einen anderen Führungsstil ein, machen das Management sozialer, sorgen gleichzeitig für mehr Verantwortung und ein besseres Betriebsklima. Kurz gesagt: Frauen in Führungspositionen entwickeln einen weiblichen Führungsstil, der oftmals als positiv betrachtet wird. Aber wie wirken sich Frauen im Management wirklich auf Unternehmen aus und stimmen die Annahmen des weiblichen Führungsstils? Eine Studie liefert darauf eine Antwort...

Frauen in Führungspositionen: Wird das Management weiblicher?

dotshock/shutterstock.comManagerinnen sind weiterhin eine Ausnahme. Zwar finden sich in den Führungsetagen großer Unternehmen und Konzerne zunehmend weibliche Führungskräfte, doch bleibt das Management ein von Männern dominiertes Terrain. Dennoch finden sich regelmäßig Erklärungen und Begründungen, warum es mehr Frauen an die Spitze von Unternehmen schaffen sollten.

Der Tenor ist dabei oft ähnlich: Frauen bringen einen anderen Blickwinkel ein, legen mehr Wert auf Menschlichkeit, soziales Verhalten und auch Fairness. Übertragen auf die Ebene eines gesamten Unternehmens - so der Konsens - führt dieser gern als weiblicher Führungsstil betitelte Managementansatz zu größeren und vor allem langfristigeren Erfolg.

Eine These, die sich durchaus an Beispielen von erfolgreichen Managerinnen belegen lässt, doch bleibt die Frage der Kausalität unbeantwortet: Liegt es wirklich an jenem weiblichen Führungsstil oder noch weiter gefasst gibt es einen solchen überhaupt? Mit genau dieser Frage beschäftigte sich die Studie der Personalberatung Russell Reynolds Associates und kam dabei auf eine recht unerwartete Antwort.

Zwar lässt sich ein Unterschied im Führungsverhalten zwischen Männern und Frauen feststellen, aber nur so lange, wie die Frauenquote im Management eines Unternehmens gering ist. Das bedingt die - noch interessantere - zweite Erkenntnis: Steigt der Anteil der Frauen in Führungspositionen an (laut dem Ergebnis der Studie ab einem Anteil von 22 Prozent), wandelt sich die vorher weibliche Führung ins Gegenteil und passt sich an männliche Vorbilder an.

  • Der Fokus wird mehr auf die eigene Karriere und den eigenen Erfolg gelegt.
  • Die Managerinnen entwickeln größere Durchsetzungskraft.
  • Soziale Faktoren fallen weniger stark ins Gewicht.

Die Auswertung der Studie geht davon aus, dass dies auch ein Grund für den Erfolg von Unternehmen ist, in denen Frauen vermehrt in Führungspositionen zu finden sind. Es ist weniger die weibliche Führung, sondern die veränderten Rahmenbedingungen und die damit verbundene Konkurrenz zwischen Männern und Frauen, die den Erfolg bewirken kann.

Machen Frauen in Führungspositionen Männer nach?

Charlotte Purdy/shutterstock.comWorin liegt die Ursache, dass Frauen sich in höheren Positionen dem Verhalten der männlichen Kollegen annähern? Man könnte vermuten, dass weibliche Führungskräfte versuchen würden, Männern nachzueifern, deren Strategie, Führungsverhalten und Erfolg zu kopieren und so den eigenen Werdegang positiv zu beeinflussen.

Eine solche Unterstellung würde den Frauen jedoch Unrecht tun. Vielmehr liegt es darin, dass die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Führungskräften in erster Linie in den Köpfen der Menschen liegen. Rein sachlich betrachtet unterscheiden Managerinnen sich in den meisten Fällen kaum von männlichen Kollegen.

  1. Anforderungen an Männer und Frauen sind gleich

    Soll eine Führungsposition besetzt werden - und das erfolgreich - sind Männer und Frauen direkte Konkurrenten, was bedeutet, dass sie sich den gleichen Anforderungen gegenüber sehen. Welche das sind, kann von Unternehmen zu Unternehmen variieren, aber im Idealfall werden diese auf beide Geschlechter gleichermaßen angewendet, um den besten Kandidaten für eine Führungsposition zu wählen.

  2. Führungsqualitäten sind nicht geschlechterspezifisch

    Manche Fähigkeiten sind für Führungspositionen - gänzlich unabhängig vom Geschlecht - unerlässlich. Die Fähigkeit schnelle und schwere Entscheidungen zu treffen, die Mitarbeiter zu motivieren und zu begeistern, sicheres Auftreten in Verhandlungen und natürlich ein fundiertes Fachwissen. Führungsqualitäten sind unabhängig vom Geschlecht eine Grundvoraussetzung für erfolgreiches Management.

Dennoch ist das Bild von Frauen in Führungspositionen weithin ein vollkommen anderes und auch die Eigenschaften werden anders bewertet. Wo Männer ehrgeizig sind und ihre Ziele verfolgen, gelten Frauen als verbissen und egoistisch. Männer wissen sich durchzusetzen, Frauen sind zickig oder intrigant. Es ist ein veraltetes Rollenbild, gegen das ehrgeizige und erfolgreiche Frauen verstoßen, doch ist es in vielen Köpfen noch immer präsent und sorgt für Konfliktpotenzial.

[Bildnachweis: Pressmaster, dotshock, Charlotte Purdy by Shutterstock.com]