Ein Gastbeitrag von Andreas Diendorfer, Softwareentwickler und Student

Social Media hier, Web 2.0 da. Man sitzt in der Straßenbahn, liest E-Mails, schaut auf Twitter nach, was sich in der Welt so tut oder erfährt auf Facebook, dass Christoph gerade wieder nichts zu tun. Web 2.0 ist zum Alltag vieler junger Menschen geworden und hat das Leben nachhaltig beeinflusst. Das Internet hat sich von einem „Ding das man in der Arbeit braucht und ab und zu mal zu Hause zum E-Mails checken“ zu einem wichtigen Bestandteil unseres Lebens gemausert: Noch nie war es so leicht mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Fotos, Geschichten oder Erkenntnisse mit anderen zu teilen oder sich selber genau den richtigen und interessanten Newsmix aus den Millionen verfügbaren RSS-Quellen zusammenzustellen.

Was aber viel wichtiger ist: Es eröffnet eine Fülle an Chancen.

Als Student arbeite ich neben meinem Studium als Freelancer im Bereich Software- und Webentwicklung.

Das heißt, ich bin immer auf der Suche nach neuen Kunden und muss immer ein Auge offen haben, wo sich interessante und lukrative Aufträge verstecken könnten. Vor einigen Jahren war das noch ein relativ eingeschränkter Prozess. Als junger Freelancer hat man nicht die Möglichkeiten und das Kapital, um mit Werbung auf sich aufmerksam zu machen. Man macht es also klassisch. Über Mundpropaganda: gute Arbeit abliefern und hoffen, dass man weiterempfohlen wird. Sofern Ersteres zutrifft, sollte Zweites auch kein Problem sein.

Allerdings entsteht dabei meist praktisch nebenbei eine fachliche Spezialisierung auf ein Branchensegment, die auf Dauer von Nachteil ist. Gerade in den üblichen Freelancer-Berufen, wie zum Beispiel kreative Berufe (Grafik, Fotografie) oder Programmierung, ist es besonders in den ersten Jahren wichtig, zuerst eine solide und breite Erfahrungsbasis aufzubauen – man will ja nicht sein Leben lang Webseiten für Frisörstudios erstellen. Erst danach ist die Spezialisierung durchaus sinnvoll. „T-shape skilled“ heißt das in der Fachsprache und lässt sich anhand der Buchstabenform leicht vorstellen: So jemand besitzt eine breite Basis UND eine besondere Spezialisierung, die dann umso mehr in die Tiefe geht. Die Kernkompetenzen sind also klar zu erkennen – man weiß, worin man am besten ist. Aber auch in den angrenzenden Gebieten fühlt man sich sicher im Sattel und kann dem Kunden das liefern, was er sich erhofft.

Ein gutes Beispiel dafür wäre der Grafiker, der nicht nur Ahnung von Printgrafiken hat, sondern bei Bedarf für Kunden auch eine Website erstellen oder bei der allgemeinen Umsetzung einer Werbekampagne helfen kann.

Um für sich selber ein Qualifikationsprofil im T-Format zulegen zu können, ist es besonders zu Beginn wichtig, an viele unterschiedliche Aufträge zu kommen. Und eben nicht nur auf Mundpropaganda zu setzen, die sich meistens auf ein Geschäftsfeld beschränkt. Wer würde auch die Idee kommen, seinen Gärtner an den Nachbarn weiter zu empfehlen, der sich die Terrasse neu fliesen lassen will?

Und genau da ist sie – die versteckte Chance für alle, die Social Media und die neuen Aktivitäten in ihr Arbeitsleben integrieren, die für ihre Arbeitswelt 1.0 schon das Update auf 2.0 gemacht haben. Plattformen wie Xing und Facebook sowie klassische Communities, Blogs, Twitter und eine eigene Website schaffen einen vielseitigen Raum zur Selbstdarstellung, der noch nie so einfach (und so billig) zu bekommen war. Klar war das auch schon vorher möglich – aber es war noch nie so einfach: Ein junger Musiker hält seine Fans über eine Facebookseite auf dem Laufenden, bietet Hörproben auf seiner Homepage an, twittert vor dem nächsten Gig, sammelt interessante Links auf Delicious und wenn er gerade mal keine Musik macht, schreibt er auf seinem Blog über den neuen Verstärker, den er sich gekauft hat. Mehr Werbefläche kann man sich kaum noch wünschen!

Über den Autor
Andreas Diendorfer ist freiberuflicher Softwareentwickler und Student aus Wien. Neben diversen Softwareprodukten für Communitysysteme entwickelt er Speziallösungen für Firmen, Anwendungen oder auch einmal ein Werbeplakat – passend zum neuen Internetauftritt.


Dieser Artikel wurde für den Autorenwettbewerb 2010 eingereicht. Am Ende der Veröffentlichungsphase entscheiden eine unabhängige Jury sowie die Leser darüber, welcher Gastbeitrag der beste ist.