Ein Gastbeitrag von dem Schüler Chris Wortmann

Dem Alltag begegnet jeder. Er ist allgegenwärtig und gefürchtet dazu. Jedenfalls wird einem oft ins Ohr getragen, dass „aus dem Alltag entfliehen“ ein positiv konnotierter Ausdruck sei. Aber wieso wird der Begriff Alltag eigentlich mehrfach mit negativen Gefühlen verbunden?

Meiner Meinung nach möchten Menschen spontan, ungebunden, frei sein. Ganz im Gegensatz zu den organisierten, strukturierten und festgeketteten Plänen des Alltags, was dann viele mit Eintönigkeit und Langeweile verbinden.

Ich habe allerdings gemerkt, dass der Alltag durchaus positive Seiten hat. Zwar möchten die Menschen ungebunden und so freiheitlich wie möglich ihr Leben führen, aber das zuverlässige Gefühl, an etwas festhalten zu können, das Tag für Tag gleich bleibt und das einem Halt und Bodenhaftung verleiht, bildet ebenso einen Rahmen, der genug Platz für Freiheiten lässt.

Aufstehen, anziehen, frühstücken, zur Arbeit oder zur Schule fahren, (denselben) Menschen begegnen, Pausen einlegen, Lieblingsaktivitäten nach getaner Arbeit ausführen. All diese Sachen – Abweichung sind natürlich individuell bedingt – bilden das Gerüst. In den Bereichen Pausen oder Freizeit bleibt aber genug Vielfalt, um jeden Tag anders zu gestalten: Entweder man isst in der Kantine mit den Kollegen oder gönnt sich mit neuen Bekanntschaften einen Besuch in dem neu eröffneten Thai Restaurant.

Aber auch kleine Veränderungen beim Frühstück (Ausprobieren eines neuen exotischen Aufstrichs, statt der üblichen Nuss-Nougat-Creme) oder bei der Wahl des Gefährts zur Arbeit können das scheinbar monotone Alltagsleben enorm differenzieren. Erst recht, wenn einem dabei Dinge ins Auge fallen, die einem vielleicht vorher im immer gleichen Ablauf bestens bekannt und nicht beachtenswert erschienen sind. Auf diese Weise wird jeder Tag anders als der vorherige, Eintönigkeit und Langeweile werden aus dem Bewusstsein verdrängt.

Alltägliche Unscheinbarkeit

Allerdings muss ich zugeben: Es ist nicht einfach, den Alltag mal nicht Alltag sein zu lassen. Wenn ich morgens mit dem Fahrrad zur Schule fahre, stelle ich oft fest, dass ich gedankenverloren automatisch die gleichen Wege und Straßen benutze. Ich spüre den Sog des Alltagsstrudels, der an mir zieht, mich mit gleichmäßiger und unscheinbarer Kraft festhält und nicht mehr hergeben will.

Abhilfe schafft hier nur die Neugier, gepaart mit einem ausgeprägten Bewusstsein, auch mal neue Wege zu beschreiten. Und das im wahrsten Sinne des Wortes!

Ein weiterer Weg, um der Alltäglichkeit zu entfliehen, führt über die Freundschaft. Allein die Freude, gemeinsam Aufregendes, Neues unternehmen zu können, reicht aus, um die Innovationsmaschine anzuwerfen, Aktionen zu planen und so dem Alltag die kalte Schulter zu zeigen. Und selbst wenn über dem eigenem Haupt mal keine glühende Birne aufleuchtet, hat vielleicht der Freund eine zündende Idee.

Carpe Diem!

Über den Autor:

Chris Wortmann, 17, absolvierte kürzlich die elfte Klasse des städtischen Gymnasiums in Stadtlohn. Nebenbei spielt er Klavier, Gitarre und Schlagzeug, Basketball und Fußball und verdient ein bisschen Geld als Zusteller bei der Deutschen Post. Durch Zufall ist er auf den Autorenwettbewerb gestoßen – es ist sein erster Beitrag, den er je irgendwo im Netz veröffentlicht hat.

Dieser Gastbeitrag nimmt am Autorenwettbewerb 2011 teil.