Für viele Arbeitnehmer ist es ein wichtiger Schritt in der persönlichen Karriereplanung: das berufsbegleitende Studium. Für den einen ist es die Ergänzung zu seiner Ausbildung und Berufserfahrung, während der andere seine bestehenden Kenntnisse dadurch vertief oder sich auf einen neuen Fachbereich spezialisiert. Alle berufsbegleitenden Studenten haben jedoch eines gemeinsam: Sie bewältigen ein enorm hohes Arbeits- und Lernpensum. Denn selbst wenn der Arbeitgeber das Studium unterstützt, ist die Doppelbelastung deutlich spürbar. Das Privatleben leidet in vielen Fällen – leider – unter diesem Arbeitsumfang. Das ist nicht nur bedauerlich, sondern mittelfristig auch gefährlich. Doch mit den richtigen Strategien stellen Sie die Balance wieder her.

Lesen Sie den letzten Satz bitte noch mal: Die Worte “einfach” oder “schnell” habe ich dort ganz bewusst nicht verwendet. Denn der Ausgleich zwischen Privatleben, berufsbegleitendem Studium und Job ist weder das eine noch das andere. Da stellt sich manchem Leser vielleicht die Frage: Ist ein aktiver Ausgleich überhaupt nötig? Warum sollte es gefährlich sein, sich nicht bewusst darum zu kümmern?

Die Antwort besteht in einem einzigen – vielleicht schon etwas überstrapaziertem – Wort: Burnout. Wenn Sie sich Wochen und Monate lang nur auf Job und Studium konzentrieren, wird Ihr Privatleben darunter unweigerlich leiden. Damit schaden Sie erstens den Ihnen nahestehenden Menschen und zweitens sich selbst. In meiner Arbeit als Coach von Studenten – einige davon in berufsbegleitenden Studiengängen – erlebe ich immer wieder, wie Beziehung und Sozialleben massiv unter einer zu starken Fokussierung auf das Studium und die Arbeit leiden. Und damit beginnt oft ein Teufelskreis: Die Betroffenen meiden die privaten Probleme und vergraben sich immer tiefer in Studium und Arbeit. Durch die weiter steigende Arbeitsbelastung steigt auch der Stress, der sich in kurzer Zeit negativ auf den Körper auswirkt. Diese Spirale schraubt sich immer weiter nach oben, bis sie im Burnout mündet.

Werden Sie aktiv

Das oben beschriebene Szenario ist natürlich der schlimmste Fall, so weit kann, muss es aber nicht kommen. Werden Sie rechtzeitig aktiv, können Sie diesen Zustand komplett vermeiden und sowohl Studium und Job als auch Ihr Privatleben genießen. Wichtig ist dabei allerdings, dass Sie möglichst frühzeitig damit beginnen. Denn wenn Sie zu lange warten, müssen Sie aktiv werden, weil der Druck zu groß wird. Genau das sollten Sie vermeiden. So lange Sie von sich aus etwas tun, können Sie sich die notwendige Zeit dafür nehmen und die entsprechenden Gewohnheiten aufbauen.

Um um Gewohnheiten geht es. Da die Balance zwischen Job, berufsbegleitendem Studium und Privatleben kein dauerhafter Zustand ist, müssen Sie kontinuierlich daran arbeiten. Das gelingt am einfachsten, wenn Sie die grundlegenden Verhaltensweisen zur Gewohnheit werden lassen und einige Routinen etablieren. Im Folgenden habe ich die wichtigsten für Sie zusammengefasst:

  • Ziele setzen und überprüfen – Der erste und grundlegendste Schritt: Machen Sie sich klar, warum Sie das berufsbegleitende Studium überhaupt absolvieren und was Sie damit für sich erreichen wollen. Setzen Sie dieses Ziel dann bitte in Relation zu Ihrem Privatleben, Ihrer Beziehung, Familie, Freunden und ähnlichem. Nehmen Sie sich mindestens einmal im Monat Zeit und wiederholen Sie diesen Vorgang. So machen Sie sich die Bedeutung des Studiums – vor allem im Verhältnis zu den anderen wichtigen Dingen und Menschen in Ihrem Leben – immer wieder bewusst.
  • Beziehen Sie Ihr Umfeld ein – Ohne Ihre Familie, Ihren Partner, Freunde und alle anderen Menschen, die in Ihrem Leben eine wichtige Rolle spielen, werden Sie Studium und Arbeit nicht gleichzeitig schaffen. Punkt. Dabei müssen – und werden – Sie natürlich nicht von allen aktiv unterstützt werden. Doch die wichtigsten Menschen müssen Ihr berufsbegleitendes Studium mittragen. Nehmen Sie sich dazu bitte vor Beginn des Studiums die Zeit, die möglichen Auswirkungen dieses Projektes mit den Ihnen nahestehenden Menschen detailliert durchzugehen. Nur wenn alle wichtigen Personen wissen, worauf sie sich einlassen, wird die Unterstützung nachhaltig sein.
  • Budget planen – Berufsbegleitende Studiengänge sind vieles, doch günstig sind sie ganz sicher nicht. Berechnen und planen Sie im Vorfeld das notwendige Budget und klären Sie, wie Sie das Studium finanzieren werden. Was das mit Ihrem Privatleben zu tun hat? Zur Planung gehören auch die Einschränkungen, die Ihr Privatleben und Ihre Familie auf Grund der Studien-Kosten hinnehmen müssen. Diese sollten vor Beginn des Studiums klar sein.
  • Fester Arbeitsplatz und -zeiten – Da der größte Teil der berufsbegleitenden Studiengänge als Fernstudium angeboten werden, dominiert E-Learning als Lernmethode das Bild. Für Sie als Student bedeutet das, dass Sie den größten Teil der Zeit zu Hause, also im Home Office, arbeiten werden. Den Begriff Home Office verwende ich hier ganz bewusst, denn Sie sollten das Studium genau so behandeln, wie die Arbeit zu Hause. Einerseits ist das Studium in der Regel ebenso wichtig wie Ihr Job, andererseits müssen Sie sich dann einen festen Home Office Arbeitsplatz suchen. Genau wie bei der Heimarbeit findet auch Ihr Studium nur an diesem Arbeitsplatz statt. Und genau wie im Home Office sollten Sie auch für das Studium und die Lerneinheiten feste Zeiten und Zeiträume festlegen und als Termine in Ihren Kalender eintragen. So verhindern Sie, dass das Studium zu viel Zeit von Ihrem Privatleben in Anspruch nimmt.
  • Bewusst Urlaub machen – Auch wenn ein Studium für viele Arbeitnehmer erst mal stressfrei klingt: Das ist es definitiv nicht. Ein Studium ist – wenn Sie es ernst nehmen – mindestens genau so viel Arbeit, wie Ihr Job. Sicher, die Art der Arbeit mag eine ganz andere sein, doch anstrengend ist das Studium auch. Zu Beginn ist es oft ungewohnt, wieder längere Zeit am Stück zu lernen. Später steigen dafür die Lernumfänge spürbar an und Studienarbeiten müssen geschrieben werden. Um diesen Stress bewältigen zu können und sich die Freude am Studium zu erhalten, sollten Sie ganz bewusst Urlaub vom Studium machen. Das Studienmaterial wird dann weggepackt und auch das Thema nicht angeschnitten. Dann sind Sie ganz im Freizeitmodus. Das müssen Sie zu Beginn wahrscheinlich üben, doch im Lauf der Zeit können Sie immer besser abschalten.

Das sind die grundlegenden Gewohnheiten und Strategien, mit denen Sie die Balance zwischen Job, berufsbegleitendem Studium und Ihrem Privatleben schaffen. Das Wichtigste ist jedoch: Genießen Ihren Job, das Studium und Ihr Privatleben. Vergessen Sie nie: Auch wenn es manchmal stressig ist, ein berufsbegleitendes Studium ist ein Privileg, um das Sie viele andere Arbeitnehmer beneiden.