Endlich Freizeit! Das schießt vermutlich vielen Arbeitnehmern durch den Kopf, wenn sie die Arbeit nach einem anstrengenden Arbeitstag beiseite legen können. Dass es einen Ausgleich zu anstrengenden Tätigkeiten geben muss, ist unbestritten. Weniger klar ist, was Freizeit eigentlich genau bedeutet: Ist das die Zeit nach der Arbeit? Zählt Hausarbeit dann auch mit dazu? Und wie sollten wir eigentlich unsere Freizeit am besten gestalten, und wie wird sie am häufigsten genutzt? Wir sind den Fragen nachgegangen...

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Freizeit Definition: Zeit für Muße

Freizeit Definition Soziologie WikipediaSchon Theodor Fontane wusste:

Ruhe, Stille, Sofa und eine Tasse Tee gehen über alles!

Und vermutlich viele, die eine mühevolle Woche hinter sich haben - vielleicht körperlich geschuftet haben oder viel unterwegs waren - finden sich in diesem Zitat wieder.

Nur: Entspricht das tatsächlich der Realität? Freizeit (englisch = spare time, leisure, leisure time) sind Wikipedia zufolge die "im Sinne von arbeitsfreier Zeit gelten Zeitphasen, über die der Einzelne frei verfügen kann und in denen er frei von bindenden Verpflichtungen ist."

Das klingt zunächst plausibel, aber die Soziologie spaltet sich in zwei Lager. Es gibt eine negative und eine positive Definition von Freizeit. Demnach wurde Freizeit in der negativen Definition häufig als der Rest verstanden, der übrig blieb, wenn die Arbeit geleistet wurde.

Arbeit und Freizeit stehen sich bei dieser Definition immer wie zwei gegensätzliche Pole gegenüber. Stellvertretend für diese Sichtweise steht Andries Sternheim: "Als Freizeit wird hier diejenige Zeit betrachtet, welche nach der normalen Arbeitsperiode übrig bleibt."

Kritiker halten entgegen, dass diese Definition die notwenigen Erledigungen in einen Topf mit der Zeit geworfen werden, die wirklich zur freien Verfügung übrig bliebe. Dazu kommt, dass sowohl die Arbeitswelt als auch das Freizeitverhalten sich im Laufe der letzten Jahrzehnte drastisch verändert haben und wenig gemein haben mit der Zeit der Industrialisierung.

Genau die ist aber in die Theorie der negativen Freizeitdefinition mit eingeflossen. Heutzutage gibt es allerdings so viele unterschiedliche Formen der Arbeit durch flexible Arbeitszeitmodelle, dass die ursprünglich gegensätzlichen Pole oftmals keine mehr sind - weshalb einige auch den Begriff Work-Life-Balance ablehnen.

Der renommierte Zukunftsforscher Horst Opaschowski vertritt eine positive Definition von Freizeit, in der er die Möglichkeit der Selbstbestimmung betont. Er lehnt eine Aufteilung in Arbeitswelt auf der einen und Freizeitwelt auf der anderen Seite ab, da hierbei wesentliche Bereiche wie Familie, Kultur, Schule und Öffentlichkeit ignoriert würden.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass eine Definition von Freizeit ausdrücklich alle Bevölkerungsteile miteinbeziehen muss, nicht nur die arbeitende Bevölkerung.

Wieso ist Freizeit so wichtig?

Wenn Arbeit als etwas begriffen wird, dem wir verpflichtet sind und bei dem Bestleistung erbracht wird, dann ist verständlich, dass nicht siebe Tage die Woche, 24 Stunden am Tag die gleiche Leistung möglich ist. Der Mensch braucht Regenerationsphasen, nicht nur in der Nacht.

Das ist ja letztlich auch der Gedanke, der der Krankschreibung zugrunde liegt: Der Arbeitnehmer hat sich zu erholen, anderenfalls ist ein erneuter Arbeitseinsatz nicht möglich. In entschärfter Fassung gilt das auch für die gesunde Zeit, nämlich vorbeugend.

Wer einen Ausgleich zu kräftezehrender, stressiger Arbeit hat, empfindet Lebensqualität, gewinnt neue Eindrücke. Und das schlägt sich unmittelbar positiv auf die Arbeit nieder - sei es, dass die Motivation eine andere ist, sei es, dass mit mehr Kreativität frisch ans Werk gegangen wird.

Vor allem bedeutet Freizeit unmittelbare Vorbeugung gegen alle die unangenehmen Begleiterscheinungen, die mit Überlastung einhergehen:

  • Ängste
  • Alkoholprobleme
  • Herz-Kreislauf-Probleme
  • Kopfschmerzen
  • Konzentrationsstörungen
  • Magen-Darm-Probleme
  • Nackenschmerzen
  • Ohrgeräusche
  • Rückenschmerzen
  • Sorgen

In der Summe kann ein Mangel an Freizeit zu Burnout und Depression führen, in jedem Fall treibt jemand Raubbau mit seinem Körper und vernachlässigt die sozialen Kontakte aufs Sträflichste.

Freizeit früher und heute

Im Zuge der um 1800 einsetzenden Industrialisierung stieg die Arbeitszeit deutlich. In Fabriken und Manufakturen arbeiteten die Angestellten bis zu 16 Stunden am Tag. Der Einsatz von künstlichen Lichtquellen, Uhren und Maschinen ermöglichte ausgedehnte Arbeitszeiten dort, wo zuvor mangels Licht und entsprechender Mittel die Arbeit natürlich begrenzt war.

Das führte zu einer Ausbeutung der menschlichen Ressourcen. Mitte des 19. Jahrhunderts waren es zunächst fürs Militär eingezogene Rekruten, deren schlechter gesundheitlicher Zustand Aufmerksamkeit erregte. Im Zuge technischer Neuerungen in der Produktion und einer erstarkenden Arbeiterbewegung nahm die Arbeitszeit langsam wieder ab.

Mit Freizeit verbinden viele Urlaub und dieser Gedanke kommt nicht von ungefähr: "erlauben" stammt tatsächlich auch von Urlaub und so bedeutete Urlaub ursprünglich einmal die Erlaubnis, sich (von der Arbeit) zu entfernen. In Deutschland entstanden die ersten Urlaubsregelungen erst Ende des 19. Jahrhunderts.

Diese berücksichtigten allerdings längst nicht die arbeitende Bevölkerung in ihrer Gesamtheit: sie galten nur für Beamte und Angestellte. Die Gleichstellung von Arbeitern mit Beamten und Angestellten hat in vielen Bereichen lange gebraucht, etwa auch beim Kündigungsschutz.

Es ist nicht pure Menschenliebe, dass Arbeitnehmer mittlerweile annähernd wieder so viel Freizeit wie vor der Industrialisierung haben. Es ist letztlich die Erkenntnis, dass überarbeitete Angestellte irgendwann nicht mehr leistungsfähig sind. Von der persönlichen Entfaltung und Entwicklung ganz zu schweigen, denn soziale Kontakte oder Fortbildungen bleiben ebenfalls auf der Strecke.

Freizeit: Zitate und Sprüche

  • Die schönste Seite der Freizeit ist der Müßiggang der Gedanken. Erwin Koch
  • Die meiste Freizeit hat, wer eine Arbeit hat, die Spaß macht. Paul Mommertz
  • Freizeit besteht nicht im Nichtstun, sondern in dem, was wir sonst nicht tun. Unbekannt
  • Gewähre Erholung; der Acker, der sich erholt, gibt reichlich, was er dir schuldet, zurück. Ovid
  • Mehr Freizeit bedeutet verstärkten Arbeitskampf gegen die Lebensleere. Elmar Kupke
  • Nirgends strapaziert sich der Mensch mehr als bei der Jagd nach Erholung. Laurence Sterne
  • Das köstlichste Gut, das ein vernünftiger Mensch besitzt, ist seine freie Zeit. Paul Ernst
  • Kann denn Freiheit in der Freizeit liegen? Michael Marie Jung

Freizeitaktivitäten: Das wird in der Freizeit gemacht

Quer durch alle Altersgruppen ist Untersuchungen zufolge das Fernsehen Freizeitaktivität Nummer eins, wenngleich Jugendliche und junge Erwachsene bereits deutlich stärker das Internet nutzen. Das hat bereits zu einem stärk veränderten Freizeitverhalten geführt und übt immer noch starken Einfluss aus, denn auch Ältere nutzen immer häufiger soziale Netzwerke.

Mit der Nutzung neuer Medien geht auch eine verkürzte Aufmerksamkeitsspanne einher: Wissenschaftler beobachten, dass die Benutzer häufiger von einer Aktivität zur nächsten springen. Das wirkt sich besonders auf Jugendliche schädlich aus: die haben immer weniger Lust, sich festzulegen, Verlässlichkeit nimmt ab.

Viele Arbeitnehmer empfinden immer häufiger Stress, so dass sich entsprechende Gegenbewegungen beobachten lassen, bewusst zu entschleunigen. Erkennbar ist dies an Freizeitaktivitäten wie Wandern, spirituelle Freizeiten oder aber auch dem Digital Detox: dem bewussten Verzicht auf elektronische Medien.

Die persönliche Freizeit kann sehr unterschiedlich gefüllt werden. Sei es, dass man sich einen gewissen Zeitraum wöchentlich oder monatlich freihält, um einer regelmäßigen Tätigkeit in Form eines Ehrenamts nachzugehen oder die zur Verfügung stehende Zeit mit wechselnden Aktivitäten verbringt.

Mit dem Mehr an Freizeit haben auch die Ansichten darüber zugenommen, wie eine sinnvolle Nutzung aussehen kann. Da gibt es die Verpflichtung, sich von Arbeit und Stress zu erholen, die mit dem Arbeitsvertrag beziehungsweise dem gesetzlichen Urlaubsanspruch einhergeht.

Manche interpretieren das so, dass sie alle Aktivitäten in Ihre Freizeit hineinpressen, was wiederum in Freizeitstress ausartet. Die Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung sind im Laufe der letzten Jahrzehnte immer mehr angestiegen.

Freizeit eignet sich mittlerweile hervorragend als Prestigeobjekt, denn sie ist stark an den Konsum geknüpft. Das führt zusätzlich dazu, dass Erholung und Regeneration eine zunehmend untergeordnete Rolle in der Freizeit spielen.

Freizeitgestaltung bei jedem Wetter

Wie bereits oben ausgeführt, gehören Fernsehen und Internet zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Sie haben den großen Vorteil, dass man sie weitgehend ortsunabhängig und wetterunabhängig nutzen kann. Allerdings haben sie einen großen Nachteil: Wer diese Medien benutzt, sitzt weitestgehend passiv davor, konsumiert und ist wenig interaktiv - jedenfalls deutlich anders als im "analogen Leben".

Gerade wenn das Wetter es im Sommer zulässt, sollten Freizeitaktivitäten draußen bevorzugt werden, zum Beispiel:

  • Schwimmen

    Egal ob im Freibad, in Talsperren oder im Badesee: Schwimmen gehört mit zu den gesündesten Sportarten und kühlt gerade bei hohen Temperaturen ab. Je nach Wahl (zum Beispiel das Panoramabad Rüngsdorf in Bonn) genießen Sie einen wundervollen Ausblick auf die Landschaft oder haben vielfältige Wassersportmöglichkeiten (Rursee in der Eifel).

  • Festivals

    Bis in den Spätsommer hinein finden verschiedene Festivals statt, die sowohl Musik, Tanz, Theater und Performance bieten - mal mitten in der Stadt, mal vor Industriekulisse. Beispielsweise das C/O Pop Festival in Köln vom 16. bis 20. August 2017, das mit über 80 Bands und Künstler auf diversen Bühnen und in Clubs stattfindet. Oder wer es lieber klassisch mag: Das Beethovenfest in Bonn vom 8. September bis 1. Oktober 2017.

  • Open-Air-Kino

    Wer doch lieber bei einem gemütlichen Film entspannen will, kann das zur Abwechslung vor neuer Kulisse tun. Häufig sind historische Gemäuer wie Schlösser Locations für Open-Air-Kino, beispielsweise das Münsteraner Schloss, bei dem Blockbuster, Arthouse- und Kultfilme gezeigt werden. Oder Sie wählen den Düsseldorfer Flughafen als Kulisse: Über Funkkopfhörer können Sie hier sogar Filme nach Wunsch im Originalton sehen.

Manchmal spielt aber auch im Sommer das Wetter nicht mit. Und für die übrigen drei Jahreszeiten gibt es auch viele Möglichkeiten, zum Beispiel:

  • Skydiving

    Wer schwindelfrei ist und schon immer mal Fallschirmspringen praktizieren wollte, kann dies auch in Bottrop machen. Und zwar ganz ohne in ein Flugzeug zu steigen. Hier können Sie dem Traum vom Fliegen in einem Windkanal nachgehen; geeignet ist das für Anfänger wie Profis gleichermaßen. www.indoor-skydiving.com

  • Lasertag

    Noch mehr Adrenalin wird ausgestoßen, wenn Sie in der Lasertag Arena in Düsseldorf durch einen Irrgarten rennen, der mit Schwarzlicht illuminiert ist. Sie versuchen dabei mit Ihrem Lasergerät Gegner zu treffen, ohne selbst getroffen zu werden. Ein Spiel dauert 15 Minuten, als Anfänger empfiehlt es sich im Team zu spielen. www.laserplex-duesseldorf.de

  • Kartbahn

    Einmal wie ein Weltmeister im Rennsport unterwegs sein - das können Sie in Kerpen auf der Indor-Kartstrecke. Hier können Anfänger wie Fortgeschrittene neue Geschwindigkeitsrekorde aufstellen. Bei schönem Wetter wird die 600 Meter lange Indoorbahn noch um weitere 710 Meter im Outdoorbereich erweitert. www.ms-kartcenter.de

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