Fremdsprache lernen: Neben dem Vollzeitjob?
Fremdsprache lernen: Ist das neben dem Vollzeitjob überhaupt möglich? Klare Antwort: Ja, ist es. Aber es stellt Sie natürlich vor ein logistisches Problem, nebenher noch Ihr Mandarin oder Serbokroatisch voranzutreiben. Eine Fremdsprache lernen - das ist mühsam und ein Zeitfresser. Zum Glück verfügen wir aber im Jahr 2015 über viele exzellente Hilfsmittel. Die sich mit etwas Kreativität auch prima in den Arbeitsalltag integrieren lassen. Wir sagen Ihnen, wie Sie neben dem Job eine neue Sprache lernen.

Fremdsprache lernen in Teilzeit

Absolut jeder kann eine Fremdsprache lernen. Egal, wie alt Sie sind oder welchen beruflichen Hintergrund Sie haben - auch Sie können es schaffen, eine neue Sprache zu beherrschen.

Wie aber gelingt das am besten?

Heutzutage haben Sie - zum Glück - gleich mehrere Optionen zur Auswahl: Sie könnten nach Feierabend die Nase in Lehrbücher stecken, regelmäßig einen Kurs in der örtlichen Sprachakademie besuchen oder sogar eine mehrwöchige Sprachreise ins Ausland buchen, bei der Sie die Sprache vor Ort von Muttersprachlern und Einheimischen lernen... All das ist allerdings recht zeitintensiv und passt aller Wahrscheinlichkeit nach nicht besonders gut in Ihren ohnehin schon ausgelasteten Arbeitsalltag und Terminkalender.

Wenn Sie sich dann abends noch gestresst und erschöpft zum Lernen zwingen wollen, ist die Frustration praktisch schon programmiert.

Besser ist es, Sie nutzen unter der Woche vor allem Methoden, die nebenher oder während bislang ungenutzter Wartezeiten funktionieren und zu denen Sie sich locker selbst motivieren können.

An den Wochenenden zum Beispiel, wenn Sie sich gut erholt ans Lernen machen können, wäre dann Zeit für intensivere Einheiten. Im Internet finden Sie zudem viele nützliche Tools, die Ihnen dabei helfen können, das Sprachtraining zum festen Bestandteil Ihres Tagesablaufs zu machen.

Dass Sie Energie investieren müssen, um echte Fortschritte in Ihrer bevorzugten Fremdsprache zu machen, gilt natürlich trotzdem. Ohne Anstrengung und Disziplin geht es leider nicht. Diese drei Faktoren sind zudem wichtig, damit sich Ihre Zunge in der fremden Sprache nach und nach lockert...

3 Voraussetzungen für Sprachschüler

  1. Kontinuität: Üben Sie regelmäßig und wenden Sie das Gelernte wann immer möglich an - nur, wenn Sie dauerhaft am Ball bleiben und fortlaufend Kontakt mit der Sprache halten, werden Sie erfolgreich bleiben.
  2. Wiederholung: Schon zu Schulzeiten heiß es: wiederholen, wiederholen, wiederholen. Nur so schafft es das neu erworbene Sprachwissen ins Langzeitgedächtnis. Frischen Sie außerdem auch die älteren Lerninhalte von Zeit zu Zeit auf - was länger nicht abgerufen wurde, gerät allzu schnell in Vergessenheit.
  3. Intensität: Um sicher genug für Verhandlungen oder die geschäftliche Kommunikation zu werden, brauchen Sie ein angemessenes Lernpensum. Trotz Vollzeitjob sollten Sie versuchen, täglich etwas dafür zu tun. Legen Sie sich einen Plan zurecht, der zu Ihrem Alltag passt und Ihnen die Zeit freihält, die Sie persönlich zum Lernen benötigen.

Wichtig ist in jedem Fall, dass Sie die Fremdsprache kontinuierlich hören, lesen, schreiben und sprechen (und manches davon gleichzeitig), um sie zu erfassen. Möglichst häufig, möglichst täglich, möglichst mehrmals pro Tag.

Setzen Sie sich für den Anfang auch bitte realistische Ziele. Niemand erwartet von Ihnen, dass Sie nach kurzer Zeit muttersprachliches Niveau erreichen - und Sie selbst sollten das auch nicht.

Jetzt aber zu der Frage, wie Sie das Lernen der Fremdsprache im arbeitsintensiven Alltag umsetzen können. Hierzu ein paar praktische Tipps...

Fremdsprachen: Diese 10 sind bei Arbeitgebern gefragt

Fremdsprachenkenntnisse werden heute in vielen Stellenanzeigen vorausgesetzt. Doch welche sind die bei Arbeitgebern meistgesuchten Fremdsprachen?

Eine Studie wertete dazu mehr als 400.000 Stellenanzeigen aus, in rund 60.000 (17 Prozent) davon wurden Fremdsprachenkenntnisse explizit gefordert. Die Top10 der gefragtesten Sprachen liefert einige Überraschungen. An der Spitze rangiert erwartungsgemäß Englisch mit 75 Prozent der Nennungen, danach aber folgen einige Exoten...

  1. Englisch (75,01 Prozent)
  2. Französisch (5,67 Prozent)
  3. Japanisch (4,33 Prozent)
  4. Niederländisch (4,15 Prozent)
  5. Spanisch (2,09 Prozent)
  6. Italienisch (1,67 Prozent)
  7. Chinesisch (1,04 Prozent)
  8. Russisch (1,00 Prozent)
  9. Tschechisch (0,90 Prozent)
  10. Norwegisch (0,72 Prozent)

Bemerkenswert: Unter den Top5 sind vor allem europäische Sprachen - mit einer Ausnahme: Japanisch. Ein möglicher Grund: In Deutschland agieren bereits mehr als 1000 japanische Unternehmen, die Mehrheit davon hat ihren Sitz in Düsseldorf, Frankfurt und München. Entsprechend werden dort auch viele Fachkräfte mit japanischen Sprachkenntnissen gesucht.

Fremdsprache lernen im Job: Pauken nach Plan

Beim Lernen einer neuen Fremdsprache geht es hauptsächlich darum, Automatismen zu entwickeln und den alltäglichen Kontakt mit Ihrer Lieblingssprache zur Normalität zu machen.

Und die Zukunft des Lernens liegt im Netz: Machen Sie sich das zunutze! Es spart Zeit und Kosten.

Gerne können Sie auch die folgenden Anregungen auch mischen, kombinieren, Ihrem Umfeld anpassen. Und ja, Sie dürfen auch ganz konventionell mit einem Lern- und Wörterbuch beginnen und paukend am Küchentisch sitzen. Müssen Sie aber nicht - hier die Alternativen:

  • Am Wochenende

    Nehmen Sie sich am Samstag oder Sonntag zwei Stunden frei und platzieren sich zuhause vor dem Monitor. Über Online-Portale wie italki finden Sie Sprachlehrer für ein gutes Dutzend Fremdsprachen und können mit ihnen via Skype kommunizieren. Der Vorteil: Sie werden aktiv gefordert, erhalten direktes Feedback, können unmittelbar nachfragen. Wichtig dabei: Lassen Sie Fehler zu. Wer Angst hat, peinlich oder als Depp dazustehen, macht weitaus langsamere Fortschritte als mutige Ins-Kalte-Wasser-Springer.

    Konzentrieren Sie sich zu Beginn auf die wichtigsten Wörter einer Sprache. Nach dem Paretoprinzip benötigen wir für 80 Prozent einer Aufgabe nur 20 Prozent der Zeit - und umgekehrt. Die Paretoregel hat zwar Nachteile, in diesem Fall bringt sie Sie aber voran. Für Fremdsprachenlerner bedeutet das: Wenn Ihr Grundstock mit den, sagen wir, 100 wichtigsten Wörtern der Sprache gefüllt ist, kommen Sie im Alltag schon relativ weit. Das Lernprogramm Anki kann dabei helfen, wichtige Vokabeln in unterschiedlicher Reihenfolge abzufragen. Alternativ nehmen Sie einfach Stift und Papier, um Gelerntes aktiv zu wiederholen.

    Für Einsteiger oder als Ergänzung bieten sich auch Lernportale wie Babbel oder Duolingo an. Experimentieren Sie ruhig ein bisschen damit, um die richtigen Medien für sich herauszufiltern. Und: Nutzen Sie unbedingt Youtube als Weiterbildungsportal. Es gibt unzählige Tutorials für Sprachschüler, die Ihnen kostenlos (!) die Grundregeln und -begriffe näher bringen. Folgen Sie den richtigen Kanälen und schauen Sie sich auch einfach mal via Youtube die angesagtesten Videos im entsprechenden Land an.

  • Für Berufspendler

    Sicherheitshinweis vorweg: Als Pendler im Berufsverkehr gilt Ihr Hauptaugenmerk natürlich dem Geschehen auf der Straße. Aber: Es ist nichts dagegen einzuwenden, ein fremdsprachiges Hörbuch oder eine Lern-CD einzulegen. Je mehr Kontakt Sie mit der schwedischen Sprache haben, desto besser wird Ihr Schwedisch. Der Pkw ist außerdem ein wunderbarer Ort für Selbstgespräche (sofern Sie alleine drinsitzen). Stellen Sie sich also auf Spanisch kurz sich selbst vor, sagen Sie Vokabeln und Sätze laut auf, versuchen Sie das spanische Rrrr richtig zu rollen. Aber natürlich nur, ganz wichtig, wenn Sie das nicht vom Straßenverkehr ablenkt.

  • In der Mittagspause

    Halten Sie sich die Mittagspause frei (oder zumindest einen Teil davon), um sich im Netz einige Artikel in der jeweiligen Landessprache konzentriert durchzulesen. Versuchen Sie in jeder Mittagspause, wenigstens einen längeren Text zu lesen und zu verstehen. Vor allem Nachrichtenseiten bieten sich dafür an - und Inhalte, die Sie grundsätzlich interessieren oder beruflich tangieren. Sinnvoll: Öffnen Sie in einem zweiten Tab ein Online-Wörterbuch wie Leo, um vereinzelt Vokabeln nachzuschlagen. Ebenfalls sinnvoll: In einem weiteren Tab Ihres Browsers das Audio-Archiv forvo öffnen, um sich einzelne Begriffe korrekt vorlesen zu lassen (dafür brauchen Sie Kopfhörer, um die Kollegen nicht zu stören).

  • Während der Arbeit

    Wenn Sie mit Kopfhörern arbeiten können, dürfen und wollen, dann ist TuneIn eine gute Empfehlung. Mit dem Streaming-Dienst können Sie während der Arbeit Radiostationen aus aller Welt lauschen und werden so beständig mit Aussprache, häufigen Begriffen und Sprachklang konfrontiert - das hilft.

  • Nach Feierabend

    Nach einem anstrengenden Arbeitstag haben Sie wahrscheinlich keine Lust mehr auf Paukerei. Aber bestimmt auf einen guten Film oder diese neue Erfolgsserie aus den USA. Schauen Sie sich die Folge nach Möglichkeit im Original (bzw. in Ihrer Lernsprache) mit Untertiteln an. Übrigens flimmern über Satellit oder Kabel auch zahlreiche nicht-deutsche Programme über den Bildschirm. Sollte Ihre Sprache dabei sein, bitte reinschauen. Auch hier gilt wieder: Je mehr Berührungspunkte mit der Sprache, desto besser. Wenn Sie kontinuierlich zu Werke gehen und die Sprache mit einer gewissen Leichtigkeit in Ihren Alltag integrieren, dann machen Sie nicht nur schnell Fortschritte, sondern haben auch noch Spaß dabei.

  • Im Kurzurlaub

    Wenn alles Engagement nebenbei partout nicht fruchten will, bleibt noch die Option einen Kurzurlaub mit einem Sprachkurs zu kombinieren. Einige Sprachanbieter (wie zum Beispiel das Alpha Institut auf fremdsprache.de) versprechen 900 neue Vokabeln in drei bis sechs Tagen ins Kleinhirn pauken zu können. Möglich machen das lernpsychologisch optimierte Intensivkurse - die dafür allerdings auch nicht ganz billig sind. Urlaub ist das zwar dann nicht mehr, aber mitunter ganz praktisch. Dann zum Beispiel, wenn Sie kurzfristig Ihr Business Englisch auffrischen oder sich für eine Geschäftsreise Grundkenntnisse in Chinesisch aneignen müssen. Dann spart diese Methode viel Zeit, hat aber auch ihren Preis.

Heimatgefühle stören beim lernen von Fremdsprachen

Wenn Sie eine Fremdsprache lernen wollen, beseitigen Sie alles in Ihrer Umgebung, was Sie an Ihre Muttersprache erinnern könnte.

Denn wenn Sie beim Lernen an Ihre Muttersprache denken, werden Sie weniger Erfolg mit der neuen Sprache haben. Dies entdeckte der Sozialpsychologe Michael Morris von der Columbia Business School in New York. Und dabei half ihm der Zufall: Eine chinesische Studenten hatte sich in einem Referat verplappert und Chinesisch und Englisch aus Versehen gemixt, obwohl sie eigentlich längst fließend Englisch spricht. Der Auslöser: Sie hatte während des Referats lediglich ihren chinesischen Professor angeschaut. Oder wie Morris inzwischen sagen würde: Sie hatte etwas gesehen, das sie an ihre Heimat erinnerte.

Weitere Tests und Untersuchungen bestätigten die These: Dinge, Gegenstände, Fotos, ja sogar Menschen, die uns an unsere Heimat (und damit unsere Muttersprache) erinnern, können beim Lernen von Fremdsprachen äußerst störend sein.

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