fristgerechte-kuendigung
Die Kündigung kann Schock oder Befreiungsschlag sein. Doch muss sie erst einmal wirksam sein. Denn bei einer ordentlichen Kündigung kann es durchaus zu Formfehlern oder Missverständnissen kommen. Wir zeigen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, worauf sie bei einer fristgerechten Kündigung unbedingt achten müssen, um keine böse Überraschung zu erleben.

Fristgerechte Kündigung: Was versteht man darunter?

Es gibt zunächst die fristlose Kündigung und die fristgerechte Kündigung. Bei einer fristlosen spricht man auch von einer außerordentlichen Kündigung. Die Kündigung ist dann sofort wirksam. In diesem Fall muss aber ein besonderer Kündigungsgrund vorliegen.

Bei einer fristgerechten handelt es sich dagegen um eine ordentliche Kündigung. Der Arbeitnehmer muss dafür keinen Grund vorlegen. Er kündigt ordentlich und scheidet damit fristgerecht aus dem Unternehmen aus (zu den Fristen später mehr).

Wie kündige ich meinen Arbeitsvertrag?

Ganz wichtig: Die fristgerechte Kündigung beziehungsweise das Kündigungsschreiben muss auf dem Schriftweg erfolgen. Sie setzen also ganz offiziell ein Schriftstück auf - zum Beispiel per Word - und übergeben oder übersenden es Ihrem Arbeitgeber. Und vergessen Sie nicht, die Kündigung handschriftlich zu unterzeichnen.

So sagt es das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB):

Die Beendigung von Arbeitsverhältnissen durch Kündigung oder Auflösungsvertrag bedürfen zu ihrer Wirksamkeit der Schriftform; die elektronische Form ist ausgeschlossen.

Es reicht also nicht, wenn Sie sich im Disput mit dem Arbeitgeber zu einer Kurzschlussreaktion hinreißen lassen und sagen: "Ich kündige!" In diesem Fälle wäre die Kündigung nicht wirksam.

Kann der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag jederderzeit kündigen?

Für den Arbeitgeber ist die ordentliche Kündigung deutlich schwieriger als für den Arbeitnehmer. Sofern das Kündigungsschutzgesetz Anwendung findet, muss der Arbeitgeber Gründe nachweisen, die eine Kündigung rechtfertigen. Dabei kann es sich um eine betriebsbedingte, personenbedingte oder verhaltensbedingte Kündigung handeln.

Das Kündigungsschutzgesetz findet allerdings nur dann Anwendung, wenn...

  • der Arbeitnehmer mindestens sechs Monate ohne Unterbrechung im Betrieb beschäftigt war.
  • der Betrieb mehr als zehn Mitarbeiter beschäftigt.

Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, kann der Arbeitgeber fristgerecht - und ohne Angabe von Gründen - kündigen. Ein klassisches Szenario ist die ordentliche Kündigung während der Probezeit, wenn der Kündigungsschutz noch nicht in Kraft getreten ist.

Fristgerechte Kündigung: Tipp für Arbeitgeber

Fristgerechte Kündigung: Tipp für ArbeitgeberVerschicken Sie Ihre fristgerechte Kündigung per Einschreiben mit Rückschein. So können Sie den Zugang beim Arbeitnehmer beweisen. Wenn Sie die Kündigung persönlich übergeben, könnten Sie - insbesondere bei potenziell problematischen Kandidaten - vorsichtshalber einen Zeugen mitnehmen.

Wie sind die Kündigungsfristen?

Als Arbeitnehmer können Sie ordentlich mit einer Kündigungsfrist von vier Wochen kündigen - zum 15. eines Monats oder zum Ende eines Kalendermonats. Vier Wochen entsprechen wohlgemerkt nicht einem Monat, sondern 28 Tagen.

In der Probezeit gilt eine andere Kündigungsfrist: Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber können mit einer Frist von zwei Wochen zu jedem beliebigen Zeitpunkt kündigen.

Kündigungsfristen für Arbeitnehmer in der Übersicht:

  • 0 bis 6 Monate (Probezeit): Kündigungsfrist von 2 Wochen zu einem beliebigen Tag
  • Ab dem 7. Monat: Kündigungsfrist von 4 Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats

Für den Arbeitgeber gelten nach Ende der Probezeit andere Kündigungsfristen. Vor allem die Betriebszugehörigkeit ist hier von Bedeutung.

Faustregel: Je länger der Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt ist, desto länger die Kündigungsfrist. Ein Mitarbeiter, der schon 20 Jahre im Betrieb arbeitet, kommt in den Genuss der maximalen Kündigungsfrist von sieben Monaten.

Kündigungsfristen für Arbeitgeber in der Übersicht:

  • 0 bis 6 Monate (Probezeit): Kündigungsfrist von 2 Wochen zu einem beliebigen Tag
  • 7 Monate bis 2 Jahre: 4 Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats
  • 2 Jahre: 1 Monat zum Ende eines Kalendermonats
  • 5 Jahre: 2 Monate zum Ende eines Kalendermonats
  • 8 Jahre: 3 Monate zum Ende eines Kalendermonats
  • 10 Jahre: 4 Monate zum Ende eines Kalendermonats
  • 12 Jahre: 5 Monate zum Ende eines Kalendermonats
  • 15 Jahre: 6 Monate zum Ende eines Kalendermonats
  • 20 Jahre: 7 Monate zum Ende eines Kalendermonats

Wichtig: Die Kündigung ist erst wirksam, wenn sie beim Empfänger eingegangen ist. Als zugestellt gilt sie aber auch, wenn der Briefträger sie in den Briefkasten geworfen hat. Als Arbeitnehmer können Sie die Kündigung nicht verhindern, indem Sie die Annahme des Kündigungsschreibens verweigern. Und sollten Sie die Kündigung trotz Benachrichtigungszettels nicht abholen, gilt die Kündigung trotzdem als zugestellt.

Fristgerechte Kündigung: Was muss rein?

Inhaltlich müssen Sie folgende Punkte zwingend in Ihrer Kündigung unterbringen:

  1. Ihr Name plus Anschrift
  2. Name des Arbeitgebers und Anschrift
  3. Angabe des Kündigungszeitpunkts
  4. Handschriftliche Unterschrift

Musterbeispiel: So könnte eine fristgerechte Kündigung aussehen.


Johann Johansson
Straße 10
10115 Berlin

TT.MM.JJJJ

Firma GmbH
Weg 123
21035 Hamburg

Kündigung des Arbeitsverhältnisses


Sehr geehrte Frau _____________,

hiermit kündige ich das mit der Firma GmbH bestehende Arbeitsverhältnis ordentlich und fristgerecht zum XX. Oktember 2017.

Bitte bestätigen Sie mir den Erhalt dieser Kündigung und das Beendigungsdatum schriftlich. Ich bedanke mich herzlich für die Zusammenarbeit.

Mit freundlichen Grüßen

Johann Johansson

Fristgerechte Kündigung: Gehe in Frieden!

fristgerechte Kündigung fair Die Kündigung - eine bessere Gelegenheit gibt es nicht, um mit dem Arbeitgeber abzurechnen. Könnte man meinen. Tipp: Tun Sie’s nicht! Bleiben Sie fair, höflich und friedfertig - auch, was die Formulierung Ihres Kündigungsschreibens betrifft.

Verzichten Sie darauf, Feindseligkeiten wie diese in Ihrem Kündigungsschreiben zu platzieren: Hiermit kündige ich mein Arbeitsverhältnis, weil das Vertrauensverhältnis nachhaltig zerstört ist. Oder eine Spitze wie diese: Ich kündige mein Arbeitsverhältnis zum nächstmöglichen Zeitpunkt und keine Sekunde später.

Wenn Sie wollen, können Sie einen neutralen Grund angeben (müssen sie aber nicht) wie etwa: Um eine neue Herausforderung anzunehmen. Auf alle Fälle empfehlenswert ist aber der Einbau einer Dankesformel. Beispiel: Ich bedanke mich recht herzlich für die gute Zusammenarbeit. Oder vielleicht sogar so: Ich möchte mich ganz herzlich für die schönen Jahre bedanken und wünsche Ihnen weiterhin alles Gute.

So hinterlassen Sie einen guten bleibenden Eindruck. Und auch falls Sie im Unfrieden gehen, sollte Ihre Devise lauten: Stay classy!

Kann ich vor dem Arbeitsantritt kündigen?

Szenario: Sie haben beim neuen Arbeitgeber unterschrieben, erhalten aber noch vor Arbeitsbeginn das besser dotierte Angebot eines anderen Unternehmens. Welches Sie gerne annehmen würden. Können Sie also noch vor Antritt der neuen Stelle kündigen?

Zunächst können Sie nicht vom unterschriebenen Arbeitsvertrag - wie bei einem Kaufvertrag - zurücktreten oder ihn widerrufen. Auch gibt es Arbeitsverträge, in denen die Klausel enthalten ist: Eine Kündigung vor Arbeitsantritt ist ausgeschlossen. In diesem Fall ist die Sache klar: Der Arbeitnehmer kann nicht vorzeitig kündigen, sondern muss den Arbeitsantritt abwarten, um in der Probezeit von der verkürzten Kündigungsfrist Gebrauch zu machen.

Existiert eine solche Klausel nicht, können Sie tatsächlich vorzeitig kündigen. Dafür gelten die gesetzlichen Kündigungsfristen. Die Kündigungsfrist beginnt dann mit der Erklärung Ihrer Kündigung. So kann es also unter Umständen dazu kommen, dass Ihr Arbeitsvertrag schon vor dem Antritt der Stelle wieder ausläuft. Aber Achtung: Ihr Arbeitgeber kann von dieser Möglichkeit - theoretisch - ebenfalls Gebrauch machen.

Kündigungsfrist: Das bitte beachten!

Bei der Berechnung der Kündigungsfrist lauern Fallen - vor allem für Arbeitgeber, die einem Mitarbeiter kündigen wollen. Was, wenn der Beendigungszeitpunkt falsch berechnet wurde: Ist die Kündigung dann unwirksam?

Antwort: Es kommt auf den Einzelfall an. Hier das Szenario für vier mögliche Formulierungen im Kündigungsschreiben:

  • Hiermit kündigen wir das Arbeitsverhältnis fristgerecht zum 31. August 2017.
    Wurde das Ende des Arbeitsverhältnisses falsch berechnet, wird es durch den Einschub fristgerecht wieder relativiert. Das entschied das Bundesarbeitsgericht in einem Urteil 2013. Kündigung wirksam.
  • Hiermit kündigen wir das Arbeitsverhältnis zum 31. August 2017, hilfsweise zum nächstmöglichen Termin.
    Hier gilt de facto das Gleiche. Trotz falscher Berechnung wäre die Kündigung wirksam.
  • Hiermit kündigen wir das Arbeitsverhältnis zum nächstmöglichen Termin.
    Bei dieser Formulierung fehlt ganz offensichtlich das Beendigungsdatum. Ein grober Schnitzer, der dazu führen kann, dass die Kündigung unwirksam ist.
  • Hiermit kündigen wir das Arbeitsverhältnis zum 31. August 2017.
    Ist das Datum falsch, sollte der Arbeitnehmer Kündigungsschutzklage einreichen, ansonsten könnte die Kündigung trotzdem wirksam sein.

Fristgerechte Kündigung: Mal anders erklärt

Ein Arbeitsrechtler, der auch als Comedian einsatzfähig wäre: Rechtsanwalt Philip Stühler-Walter aus Bonn erklärt, was Sie bei einer Kündigung beachten sollten. Sehenswert!

[Bildnachweis: number-one by Shutterstock.com]