Für viele Arbeitnehmer ist es die Horrorvorstellung schlechthin: Eine fristlose Kündigung. Von einem Tag auf den anderen steht man auf der Straße, ist arbeitslos und muss sehen, wie es jetzt weiter geht. Gleichzeitig zur Verzweiflung und manchmal auch zur Wut gesellen sich eine ganze Menge Fragen. Wie finde ich eine neue Stelle? Wie komme ich mit meinem Geld über die Runden? Ein besonders wichtiges Fragezeichen bleibt aber noch offen: War die fristlose Kündigung überhaupt rechtens? Schließlich lässt sich ein Arbeitsverhältnis nicht einfach von jetzt auf gleich einseitig beenden, wenn es an den nötigen Gründen mangelt. Die gute Nachricht für Arbeitnehmer: Eine fristlose Kündigung darf nur in besonderen Ausnahmefällen ausgesprochen werden. Wir zeigen, was Sie verbockt haben müssen, dass eine solche Regelung tatsächlich erlaubt ist...

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Fristlose Kündigung: Nur als letztes Mittel möglich

Das plötzliche Ende eines Arbeitsverhältnisses ist oft das Schlimmste, was Beschäftigte sich vorstellen können. Die Angst, die anfallenden Kosten nicht mehr bezahlen zu können, keine neue Anstellung zu finden und auch in der sozialen Umwelt ausgeschlossen zu werden, wiegen schwer auf den Schultern. In der Regel brauchen Sie sich darüber allerdings nicht den Kopf zerbrechen, denn eine fristlose Kündigung ist das absolut letzte Mittel, zu dem ein Arbeitgeber greifen kann.

Hinzu kommt, dass fast immer zunächst eine Abmahnung ausgesprochen werden muss, die den Arbeitnehmer auf sein Fehlverhalten hinweist und ihn ermahnt, dass weitere Verstöße Konsequenzen haben werden und auch eine Kündigung nach sich ziehen können.

Zusätzlich zur Abmahnung muss der Arbeitgeber auch noch andere Optionen in Betracht ziehen. So kann der betroffene Mitarbeiter vielleicht in eine andere Abteilung versetzt werden oder es wird eine Kündigung ausgesprochen, bei der die fällige Kündigungsfrist eingehalten wird.

Verschiedene Gründe für eine Kündigung

Verschiedene Gründe für eine KündigungBeim Thema Kündigung schwirrt oft sofort die fristlose Variante im Kopf herum. Wie aber bereits erwähnt, ist diese nur eine Ausnahme. Fällt eine Beschäftigung unter das Kündigungsschutzgesetz, brauch der Arbeitgeber auch für eine fristgerecht Kündigung einen Grund, um das Ende des Arbeitsverhältnisses zu bewirken. Wir zeigen, welche drei Gründe möglich sind und wann eine solche Kündigung ausgesprochen werden könnte:

  • Betriebsbedingte Kündigung. Nicht immer liegt der Gründ für eine Kündigung beim Arbeitnehmer. Muss beispielsweise eine Abteilung oder ein ganzer Standort geschlossen werden, kann es zu betriebsbedingten Kündigungen kommen.
  • Personenbedingte Kündigung. Eine personenbedingte Kündigung kann erfolgen, wenn der Arbeitnehmer, aus Gründen die in seiner Person liegen, seinen im Arbeitsvertrag geregelten Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Diese Gründe können zum Beispiel die Gesundheit des Arbeitnehmers betreffen.
  • Verhaltensbedingte Kündigung. Hat der Arbeitnehmer gegen seine Pflichten verstoßen, indem er beispielsweise schlechte oder gar keine Leistungen erbracht hat, kann er verhaltensbedingt gekündigt werden. Allerdings muss dieses Verhalten absichtlich oder zumindest fahrlässig gewesen sein, um eine Kündigung zu rechtfertigen und in der Regel bedarf es zunächst einer Abmahnung.

Fristlose Kündigung: In diesen Fällen ist sie erlaubt

Kuendigungsgespraech Kuendigung ArbeitsrechtTrotzdem gibt es einige Verstöße, die in der Tat eine fristlose Kündigung zur Folge haben können. Dazu sollte aber gesagt werden, dass Sie in Ihrem Verhalten schon schwer daneben greifen müssen, um diese wirklich zu rechtfertigen. Für Arbeitnehmer ist es daher nahezu immer ratsam, eine fristlose Kündigung von einem Anwalt auf Rechtmäßigkeit überprüfen zu lassen. Gerade bei fristlosen Kündigungen müssen Arbeitgeber einiges beachten und machen immer wieder Fehler. Damit Sie wissen, wann Sie mit einer - rechtmäßigen - fristlosen Kündigung rechnen müssen, haben wir einige Fälle gesammelt, in denen sie erlaubt ist.

  1. Diebstahl

    Wer seinen Arbeitgeber beklaut, muss mit einer fristlosen Kündigung rechnen. Dabei kommt es allerdings nicht auf den Wert der gestohlenen Gegenstände an. Entscheidend ist fehlende Vertrauen, wodurch es dem Arbeitgeber unzumutbar ist, die Beschäftigung über die Dauer der Kündigungsfrist aufrecht zu erhalten. Dennoch ist auch in diesen Fällen abzuwägen, ob die fristlose Kündigung das richtige Mittel war. Handelt es sich beispielsweise um den ersten Verstoß in einer sehr langen Beschäftigung, sehen Gerichte eine fristlose Kündigung meist als zu harte Strafe an.

  2. Beleidigung

    Wenn die Stimmung am Arbeitsplatz auf dem Tiefpunkt ist, träumen viele Arbeitnehmer davon, dem Mensch einmal so richtig die Meinung zu geigen. Allerdings sollten Sie die Konsequenzen bedenken, denn auch in diesem Fall kann eine fristlose Kündigung erlaubt sein. Dies liegt vor allem an der Störung des Betriebsfriedens, was allerdings erst gegeben ist, wenn die Beleidigung grob genug ist, um einen wichtigen Grund darzustellen. Am besten fahren Sie aber, wenn Sie auf jegliche böse Bemerkung verzichten.

  3. Sexuelle Belästigung

    Genau wie eine Beleidigung stört auch sexuelle Belästigung den Betriebsfrieden und kann mit einer fristlosen Kündigung bestraft werden. Darüberhinaus handelt es sich um eine Straftat, die weitere Konsequenzen haben wird. Wird Ihr Flirt am Arbeitsplatz erwidert, ist erst einmal nichts dagegen einzuwenden. In allen anderen Fällen sollten Sie die Privatsphäre Ihrer Kollegen respektieren und den nötigen Abstand einhalten.

  4. Rufschädigung

    Vor einiger Zeit kam der Fall eines Auszubildenden zu zweifelhafter Berühmtheit. Er hinterließ auf Facebook einen abstoßenden Kommentar zum Thema Flüchtlinge. Sein Arbeitgeber reagierte prompt und kündigte zurecht fristlos. Solche Aussagen sind nicht nur strafrechtlich relevant, sondern können auch nachhaltig den Ruf des Arbeitgebers schädigen. Dieser muss sich das Verhalten aber nicht gefallen lassen. Grundlage ist die Treuepflicht aus § 241 II BGB. Hier ist geregelt, dass der Arbeitnehmer ruf- und kreditschädigende Aussagen zu unterlassen hat.

  5. Betriebsspionage

    Arbeitnehmer sind verpflichtet, Betriebsgeheimnisse zu wahren. Dazu zählt natürlich ganz besonders, dass diese nicht an die Konkurrenz weitergegeben werden. Wird ein Mitarbeiter dennoch bei der Betriebsspionage erwischt, droht die fristlose Kündigung. Auch hier ist das Vertrauensverhältnis nachhaltig beschädigt, wodurch es unzumutbar wäre, den Arbeitnehmer weiterhin zu beschäftigen. Auch hier können möglicherweise weitere strafrechtliche Konsequenzen ins Haus stehen, da die Weitergabe von Betriebsgeheimnissen in schweren Fällen sogar mit Freiheitsstrafe geahndet werden kann.

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