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Irgendwann möchte ich auch einmal zum Chef befördert werden... Ein Gedanke, den viele Mitarbeiter haben. Mehr Verantwortung, mehr Gehalt, mehr Ansehen. Klingt nach einem sinnvollen Wunsch, doch wird dabei oftmals nicht bedacht, ob man selbst überhaupt das Zeug zur Führungskraft hat. Schließlich sind mit diesem Schritt vollkommen andere Aufgabenfelder verbunden, es werden andere Anforderungen an Sie gestellt und auch der Druck wächst. Wir haben einen Selbsttest erstellt, der Ihnen helfen kann herauszufinden, ob Sie das Zeug zur erfolgreichen Führungskraft haben...

Traumjob Führungskraft: Sind Sie sich sicher?

Klar, Anforderungen bringt jeder Job und jede Position mit sich, das ist keine Überraschung. Da scheinen die Vorzüge, die eine Führungskraft genießt, ein angemessener Ausgleich zu sein. Haben Sie sich aber schon einmal eine wichtige Frage gestellt: Würden Sie mit Ihrem Chef tauschen? Diese Frage bringt so manchen Arbeitnehmer ins Grübeln...

Oft ist die Antwort ein klares Nein, aber es folgen auch viele Erklärungen: Man selbst würde natürlich ohnehin alles ganz anders und definitiv besser machen, als der jetzige Chef. Aber würden Sie das wirklich? Auch wenn es unbestreitbar schlechte Führungskräfte gibt, geben sich die meisten doch alle Mühe und versuchen nach besten Kräften, einen guten Job zu machen.

Doch neben der eigenen Haltung gibt es einige Faktoren, die auf Führungskräfte einwirken. Dazu gehören unter anderem:

  • Erwartungen und Vorgaben der Geschäftsführung
  • Unternehmens-, Quartal- und Projektziele
  • Erwartungen und Bedürfnisse der unterstellen Mitarbeiter
  • Kundenwünsche und -erwartungen

Führungskräfte: Was die besten Chefs tun

Bei den Führungskräften verhält es sich genauso wie bei den Kollegen oder im Freundeskreis: Es gibt solche und solche. Die oben genannten Eigenschaften bilden in vielen Fällen das Grundgerüst einer guten Führungskraft. Es sind die Eigenschaften, die eine gute Führungskraft erst auszeichnen. Die besten Chefs zeichnen sich aber auch dadurch aus, wie sie diese Eigenschaften in der täglichen Arbeit einsetzen und wie sie sich ihrem Team gegenüber präsentieren. Drei Dinge, die die besten Chefs tun.

  1. Sie hören nicht auf zu lernen

    Die besten Führungskräfte verstehen, dass es immer neue Dinge zu lernen gibt. Kann etwas einfacher oder schneller erledigt werden? Kann man aus einem Fehler Rückschlüsse ziehen? Wie zufrieden sind die Mitarbeiter mit der Situation und was kann daran geändert werden? Hat ein Chef sich erst einmal mit einer Situation abgefunden und strebt nicht mehr nach Verbesserungen, wird es für die Mitarbeiter häufig zum Problem.

  2. Sie zeigen Loyalität

    Für Vorgesetzte hat Loyalität gleich mehrere Dimensionen. Einerseits besteht Loyalität gegenüber dem Unternehmen und Arbeitgeber, dessen Vorgaben und Richtlinien umgesetzt und eingehalten werden. Gleichzeitig stehen sie ihrem Team loyal zur Seite und stehen für dessen Belange und Wünsche ein. Den besten Führungskräften gelingt ein Spagat zwischen diesen beiden Extremen, der am Ende für Zufriedenheit auf allen Seiten sorgt.

  3. Sie leben Selbstdisziplin vor

    Als Chef ist es auch wichtig, seine eigene Vorbildfunktion zu erkennen und diese auch auszufüllen. Wer von seinen Mitarbeiter diszipliniertes und motiviertes Arbeiten erwartet, sollte diese auch selbst zelebrieren und mit Selbstdisziplin voran gehen. Oder anders ausgedrückt: Wie soll ein Team geführt werden, wenn die eigenen Vorstellungen nicht einmal selbst umgesetzt werden?

Selbsttest: Haben Sie, was es zur Führungskraft braucht?

Der Selbsttest ist einfach konzipiert: Er besteht aus 13 Fragen, für deren Antwortmöglichkeiten jeweils ein oder kein Punkt vergeben wird. Bitte addieren Sie die Punkte zusammen, die Sie für die Antworten erhalten, für die Sie sich entschieden haben. Am Ende gelangen Sie anhand Ihrer Punktzahl zur Auswertung.

Wie immer an dieser Stelle unser Hinweis und die Bitte: Versuchen Sie die Fragen möglichst ehrlich zu beantworten und wählen Sie die Alternativen aus, die tatsächlich auf Sie und Ihre Situation zutreffen. Ziel ist es, eine möglichst realistische Einschätzung der eigenen Person zu bekommen und nicht so viele Punkte wie möglich zu erzielen.

  1. Können Sie auch schwierige Entscheidungen treffen und vertreten?

    • Ja, es ist eine meiner Stärken, verschiedene Argumente gegeneinander abzuwägen und so hoffentlich die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Im Anschluss habe ich genügend Selbstbewusstsein, um meine Wahl zu begründen und auch gegen andere Meinungen zu verteidigen. (1 P.)
    • In einigen Situationen bin ich eher unentschlossen und warte lieber ab, ob sich die Entscheidung von selbst erledigt. Auch fallen mir nicht immer die passenden Argumente ein, um meinen Standpunkt deutlich zu machen. (0 P.)
  2. Gelingt es Ihnen, andere zu motivieren?

    • Es gelingt mir nicht immer, aus mir herauszugehen und andere davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, für eine Sache zu kämpfen. (0 P.)
    • Ich habe eine mitreißende Persönlichkeit und wenn ich selbst für eine Sache brenne, kann ich auch andere mit meiner Leidenschaft anstecken und dazu motivieren, ihr Bestes zu geben. (1 P.)
  3. Wie schwer fällt es Ihnen, Aufgaben zu delegieren?

    • Am liebsten erledige ich die meisten Aufgaben alleine, dann weiß ich wenigstens, dass sie vernünftig bearbeitet wurden und sich keine Fehler finden. (0 P.)
    • Ich weiß um die individuellen Stärken eines jeden einzelnen und weiß auch, dass andere für manche Projekte besser qualifiziert sind als ich selbst. (1 P.)
  4. Was halten Sie von Risiko?

    • Ich würde mich nicht direkt als risikofreudig bezeichnen, doch wenn ich eine Chance sehe, bin ich bereit, dafür ein gewisses Risiko einzugehen, wenn dieses nicht zu groß ist und am Ende eine entsprechende Belohnung wartet. (1 P.)
    • Ich bin sehr vorsichtig und bleibe lieber auf der sicheren Seite. Auf diese Weise kann ich die Situation besser kontrollieren und setze mich nicht der Gefahr einer unerwarteten Entwicklung aus. (0 P.)
  5. Können Sie Ziele - auch für andere - setzen und erreichen?

    • Ich habe zwar Ziele, verliere diese im Alltag jedoch immer wieder aus den Augen und konzentriere mich stattdessen auf andere Dinge, die anfallen. (0 P.)
    • Ich setze mir selbst regelmäßig größere und kleinere Ziele, auf die ich stetig hinarbeite. Wenn ich etwas erreicht habe, feiere ich diese Leistung, um mich für das nächste Ziel zu motivieren. (1 P.)
  6. Wie gehen Sie mit Rückschlägen um?

    • Niederlagen und Rückschläge gehören zum Leben dazu, auch wenn es manchmal sehr schmerzhaft ist. Am Endeffekt kann man immer etwas daraus lernen und es für die nächsten Versuche nutzen. (1 P.)
    • Wenn etwas nicht so klappt, wie ich es mir vorgestellt habe, trifft es mich meist sehr. An diesem Gefühl habe ich dann einige Zeit zu kämpfen, bis ich darüber hinweg komme. (0 P.)
  7. Verfügen Sie über eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit?

    • Gerade in Führungspositionen ist Kommunikation ein unerlässlicher Erfolgsfaktor und ich glaube, dass ich über die nötigen Fähigkeiten verfüge. Ich kann klare Ansagen machen, Missverständnisse vermeiden und allen klar machen, was ich von ihnen erwarte. (1 P.)
    • Leider muss ich an meiner Kommunikationsfähigkeit noch arbeiten. Manchmal halte ich Sachen für selbstverständlich, anstatt sie mit anderen zu kommunizieren. (0 P.)
  8. Können Sie Verantwortung übernehmen?

    • Wenn ich etwas getan habe, stehe ich auch dazu - das zählt sowohl für gute Leistungen als auch für mögliche Fehler. Am liebsten würde ich noch mehr Verantwortung für größere Projekte tragen. (1 P.)
    • Manchmal finde ich es ganz angenehm, in einem Team untertauchen zu können, wo die einzelnen Beiträge weniger auffallen. (0 P.)
  9. Sind Sie bereit, besonders hart zu arbeiten?

    • Normalerweise bin ich mit meinen eigenen Aufgaben bereits so sehr ausgelastet, dass ich mir nicht vorstellen kann, noch darüber hinaus mehr zu arbeiten. (0 P.)
    • Ist es für den Erfolg des Teams oder eines Projekts erforderlich, übernehme ich gerne auch zusätzliche Aufgaben von Kollegen, um den gemeinsamen Erfolg zu garantieren. (1 P.)
  10. Wie gut sind Sie darin, Probleme zu lösen?

    • In meiner Karriere habe ich bereits oft Probleme erlebt, die kurzfristig gelöst werden mussten. Ich kann in dieser Situation einen kühlen Kopf bewahren und komme so meist recht schnell zu einem guten Ergebnis. (1 P.)
    • Mir fehlt in dieser Situation manchmal der zündende Gedanke. Ich konzentriere mich auf das Problem und dessen mögliche Folgen, komme der Lösung dabei aber nicht näher. (0 P.)
  11. Wie gehen Sie mit Stress um?

    • Stress macht mir am Arbeitsplatz sehr zu schaffen, was ich auch gesundheitlich zu spüren bekomme. Oft fehlt mir der Ausgleich in meiner Freizeit und ich bin sehr erschöpft. (0 P.)
    • Solange der Stress nicht zu einem Dauerzustand wird, kann ich im Beruf gut damit umgehen. Ich versuche auch in stressigen Phasen den Überblick zu behalten, Prioritäten zu setzen und wichtige Aufgaben zuerst zu erledigen. (1 P.)
  12. Können Sie sich in andere hineinversetzen?

    • Ich kann gut nachvollziehen, wie andere sich in ihrer Situation fühlen und würde mich selbst als empathisch beschreiben. Daher versuche ich auch, die Gefühle anderer nicht zu verletzen. (1 P.)
    • Empathie ist keine meiner Stärken. Mein Umfeld bezeichnet mich deshalb manchmal auch als sehr direkt oder sogar unsensibel. (0 P.)
  13. Sind Sie Kritikfähig?

    • Kritik nehme ich sehr persönlich und fühle mich schnell angegriffen. Ich mag es nicht, wenn jemand meine Leistungen beurteilt. (0 P.)
    • Ich empfinde Feedback als wichtige Möglichkeit, die eigenen Leistungen und Fähigkeiten zu reflektieren. Daher versuche ich auch anderen konstruktive Rückmeldungen zu geben. (1 P.)

Selbsttest: Die Auflösung

Zunächst: Natürlich hat dieser Selbsttest keinen wissenschaftlichen Anspruch und es gibt auch keine Garantie, dass jeder, der eine hohe Punktzahl erzielt hat, automatisch eine gute Führungskraft wird. Trotzdem lässt sich auf diese Weise ein erster Einblick gewinnen, ob der Job einer Führungskraft der richtige für Sie ist - oder ob Sie in Ihrer aktuellen Position vielleicht besser aufgehoben sind.

Haben Sie im Selbsttest 9 oder mehr Punkte erreicht, bringen Sie bereits sehr gute Voraussetzungen mit und werden voraussichtlich als Führungskraft gute Leistungen erbringen. Lagen Sie im Test zwischen 6 und 8 Punkten, sind Sie bereits auf einem guten Weg, sollten aber noch an der ein oder anderen Fähigkeit arbeiten, bevor Sie in die Rolle der Führungskraft schlüpfen. Liegt Ihr Ergebnis bei 0 bis 5 Punkten, sollten Sie sich noch einmal überlegen, ob Sie tatsächlich auf dem Chefsessel sitzen wollen, da Sie möglicherweise immer wieder in Situationen kommen, die Ihnen nicht liegen werden.

4 Tipps für angehende Führungskräfte

Sie haben den Entschluss gefasst, auf eine Karriere als Führungskraft hinzuarbeiten, wissen aber noch nicht genau, worauf es dabei ankommt, was Ihnen die Arbeit erleichtert und womit Sie bei Mitarbeitern punkten können? Dann können diese vier Tipps Ihnen helfen:

  1. Reflektieren

    Ärzten wird oft mangelndes Einfühlungsvermögen vorgeworfen. 33 junge Assistenzärzte hatte daher die Tufts University in Boston gebeten, im Laufe eines Jahres eine Art „offene Reflexion“ zu verfassen, über ihren Austausch mit den Patienten. Herausgekommen sind Aussagen wie diese: "Die Patientin (im Teenager-Alter) hätte mehr Vertrauen und Anteilnahme gebraucht. Ich habe mich gefragt, wie ich einen besseren Zugang zu ihr hätte finden können." Eine andere: "Ich habe ihm gesagt, dass diese Vorfälle auf Demenz hindeuten können. Er sah mich verständnislos an und sagte 'Vorfälle?' Ich realisierte, dass ich sowohl Fachsprache als auch zweideutige Sprache vermeiden musste." Und: "Ich bin an dem Punkt angelangt, wo ich Reflexion als langfristiges Ziel erachte."

    Reflexion kann Ärzten also im Umgang mit Patienten helfen, kann sie besser verstehen lassen, was Worte und Verhalten bewirken. Es ist offensichtlich, dass Mediziner nicht die einzigen Profiteure sind: Reflexion führt zu besseren, durchdachteren Entscheidungen - sehr oft zumindest. Nun bietet der Arbeitsalltag nicht immer die Gelegenheit, sich in die stille Kammer zurückzuziehen und ein Tagebuch zu führen. Eine andere Option wäre die Meditation. Am Freitag eine halbe Stunde meditieren, die Arbeitswoche Revue passieren lassen, hin und her überlegen. Eine (für viele) große Hilfe bei der Entscheidungsfindung.

  2. Delegieren

    „Wer seiner Führungsrolle gerecht werden will, muss genug Vernunft besitzen, um die Aufgaben den richtigen Leuten zu übertragen, und genügend Selbstdisziplin, um ihnen nicht ins Handwerk zu pfuschen.“ Das hat Theodore Roosevelt gesagt. Und er hat es immerhin in das Pantheon der US-Präsidenten geschafft, sein Abbild thront hoch oben am Mount Rushmore neben Washington, Jefferson und Lincoln.

    Ein Zeitgenosse von ihm, Stahltycoon Andrew Carnegie, sagte: "Niemand, der alles alleine machen oder den gesamten Ruhm dafür bekommen will, wird jemals ein großer Leader werden." Als Unternehmer mögen Sie noch so genial sein: Ohne Hilfe schaffen Sie es nicht.

  3. Ausklinken

    "Ohne Innovation wird Ihr Unternehmen untergehen." Ein Satz, den nahezu jeder Unternehmer schon einmal gehört haben dürfte. Um aber innovativ zu werden, ist es hilfreich, das eigene Unternehmen regelmäßig zu verlassen. Die einen legen sich in die Badewanne, um neue Ideen zu generieren.

    Andere gehen joggen, so wie die kanadische Bloggerin und Gründerin des Frauen-Netzwerks theli.st, Rachel Sklar. Fast Company sagte sie: "Wenn mein Gehirn ohne Ablenkung rotieren kann, kommen viele tolle Sachen dabei heraus. Duschen, Joggen, Walken sind meine besten Inspirationsquellen." Die beste Idee sei ihr in der Tat bei einem Spaziergang durch ihr Viertel in Downtown Manhattan gekommen. Wichtig ist nur, sich ständig mit Notebook oder Smartphone zu bewaffnen, um jede noch so kleine Eingebung festhalten zu können. Auch im Theater, beim Rafting, in der Schiffschaukel auf der Kirmes - einfach immer und überall.

  4. Teilen

    Die berühmt-berüchtigte Sheryl Sandberg von Facebook sagte vor einigen Jahren bei einem Event: "Ein großer Leader lobt alle anderen, wenn die Dinge gut laufen." Der entscheidene Einschub aber kam erst hinterher: "Und wenn nicht, dann fragt er: Wie kann ich es in Ordnung bringen?" Das ist die Theorie, die Praxis aber sieht so aus: Nur 37 Prozent der Arbeitnehmer in deutschen Unternehmen sind der Meinung, ausreichend Feedback von ihren Vorgesetzten zu erhalten. Das hat eine Umfrage des Beratungsunternehmens Rundstedt im letzten Jahr ergeben. Und: Nur jeder fünfte Befragte gab an, dass sich Vorgesetzte umgekehrt Feedback zu ihren Leistungen und ihrem Führungsstil bei ihnen einholen. Kein Zeichen von übermäßiger Wertschätzung.

    Generell: Wer die eigenen Mitarbeiter lobt, bricht sich erstens keinen Zacken aus dem Krönchen - und verpasst ihnen zudem eine kräftige Dopamin-Spritze. Was sie selbstbewusster, glücklicher, motivierter macht. Ein einfaches und wirksames Mittel, das aber ebenfalls nur selten Anwendung findet. Vier von zehn Arbeitnehmern würden sich mehr Lob von ihrem Chef wünschen.

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