Fußballer-Karriere: Hängt vom Geburtsdatum ab
Traumberuf Fußball-Profi: Haben Sie sich schon immer gefragt, warum es mit der ganz großen Kicker-Karriere bei Real Madrid nicht geklappt hat? Ja, nicht mal mit einer beim SC Paderborn? Das Talent hat Ihnen vielleicht gefehlt, oder ein guter Trainer, oder die richtige Einstellung. Das mag alles sein. Doch die Antwort ist viel einfacher: Sie wurden vermutlich einfach im falschen Monat geboren ...

Fußballer-Karriere: Süßer Traum

„Was willst du werden, wenn du einmal groß bist?“ Jungs antworten darauf gerne Polizist, Pilot oder Feuerwehrmann. Der unangefochtene Spitzenplatz der Popularitäts-Tabelle aber geht an den Fußball-Profi. 17,3 Prozent der 6- bis 12-Jährigen Jungen gaben in einer Umfrage des Marktfoschungsinstituts Iconkids & Youth den Fußballer als liebsten Berufswunsch an.

Die wenigsten schaffen das. Um irgendwann einmal die große Bundesliga-Bühne zu betreten, braucht es schließlich ...

  • Talent
  • Ehrgeiz
  • jahrelanges Training
  • Durchhaltevermögen
  • mentale Stärke
  • familiären Rückhalt

Um nur einige Erfolgsfaktoren zu nennen. Mal angenommen, Ihr Sohn erfüllt all diese Voraussetzungen. Er ist talentiert, hat schon mit fünf Jahren in der G-Jugend angefangen und trainiert wie ein Berserker. Eine Sache aber, und da kommen Sie von alleine nie drauf, die könnte ihm einen fetten Strich durch die Rechnung machen. Er wird es höchstwahrscheinlich nicht zum Fußball-Profi schaffen, wenn er im Dezember geboren wurde.

Albtraum für Herbstkinder: Relativer Alterseffekt

Das Phänomen nennt sich „relativer Alterseffekt“ und ist auch wissenschaftlich bereits erforscht. Hintergrund: Der DFB hat den Stichtag auf den 1. Januar festgelegt, in den Jugendteams spielen also stets die Jungs aus dem gleichen Jahrgang miteinander. Ein 14-Jähriger, der im Januar 2001 geboren wurde, ist damit fast ein Jahr älter als sein im Dezember geborener Mitspieler, die Wahrscheinlichkeit damit höher, dass er ihm körperlich und kognitiv voraus ist. Vor allem in der Pubertät ist dieser Altersunterschied ein enormer Vorteil. Folge: Die schon weiter entwickelten älteren, stärkeren Kinder werden von kleinauf besser gefördert, ihre Chancen auf sportlichen Erfolg steigen.

Denn der Rückstand wird keineswegs mit zunehmendem Alter wieder aufgeholt. Auch in den Bundesligateams sind Spieler, die im ersten Quartal des Jahres geboren wurden, in der Überzahl, die Herbstkinder dagegen in der Minderheit. Dieses Phänomen ist länderübergreifend zu beobachten (Beispiel Schweiz) und keineswegs auf den Fußball beschränkt.

Fußballer-Karriere: Auf den Geburtsmonat kommt's an

Wir haben uns die Mühe gemacht und selbst nachgerechnet. In welchen Monaten wurden die aktuellen deutschen Nationalspieler geboren - vom A-Team runter bis zu den U15-Junioren? Dabei haben wir alle Spieler des jeweils aktuellen erweiterten Kaders berücksichtigt (Stand: 8. Juli 2015). Und siehe da: In den DFB-Teams dominieren tatsächlich die Spieler, die im ersten Jahresquartal oder zumindest in der ersten Jahreshälfte das Licht der Welt erblickten.

Und ihre Dominanz ist geradezu erdrückend. In den acht erfassten Teams gab es insgesamt lediglich neun Oktober-, sechs November- und sechs Dezemberkinder. Zum Vergleich: Wir haben 47 (!) Januar-, 35 Februar und 29 Märzkinder gezählt (siehe Tabellen unten).

Und noch eine Annahme bestätigte sich: Je jünger die Mannschaft, desto größer der Effekt. Im Alter von 15, 16 oder 17 sind die altersbedingten Vorteile schlicht am größten. Wichtig ist in dem Zusammenhang: Natürlich sind auch die Geburten grundsätzlich nicht gleichmäßig über das Jahr verteilt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im Jahr 2010 die meisten Kinder im Sommer geboren: Mit 61.918 Babys lag der Juli vorne, gefolgt vom September (61.125), August (59.845) und Oktober (58.816). Der Februar liegt sogar auf dem letzten Platz, mit nur 50.314 Kindern. Die Geburtenverteilung scheidet als Grund also aus.

Was lehrt uns das? Vielleicht, dass es manchmal doch höhere Mächte sind, die uns die Traumkarriere vermiesen. Und dass Sie Ihrem im Dezember geborenen Sohn vielleicht von einer Fußballer-Karriere dezent abraten sollten. Andererseits: Wenn sonst alles passt, kann er natürlich trotzdem Weltmeister werden. So wie Mats Hummels. Der wurde am 16. Dezember geboren.

Die Verteilung

Geburtsmonate: A-Nationalmannschaft

Monat Anzahl Spieler
Januar
Februar ✪✪✪✪✪
März ✪✪✪✪
April ✪✪
Mai ✪✪✪
Juni ✪✪
Juli
August ✪✪
September ✪✪
Oktober ✪✪
November
Dezember


Geburtsmonate: U21

Monat Anzahl Spieler
Januar ✪✪
Februar ✪✪✪
März ✪✪✪
April ✪✪
Mai ✪✪✪
Juni
Juli ✪✪✪
August ✪✪✪
September ✪✪
Oktober
November
Dezember ✪✪


Geburtsmonate: Junioren U20-U18

Monat U20-Spieler U19-Spieler U18-Spieler
Januar ✪✪✪✪✪✪✪ ✪✪✪✪✪ ✪✪✪✪✪
Februar ✪✪✪ ✪✪✪ ✪✪✪✪✪✪✪
März ✪✪✪✪✪✪ ✪✪✪
April ✪✪✪✪ ✪✪ ✪✪✪
Mai ✪✪ ✪✪✪✪ ✪✪
Juni ✪✪✪✪✪
Juli ✪✪
August ✪✪ ✪✪✪
September ✪✪ ✪✪
Oktober ✪✪ ✪✪✪
November ✪✪
Dezember ✪✪✪


Geburtsmonate: Junioren U17-U15

Monat U17-Spieler U16-Spieler U15-Spieler
Januar ✪✪✪ ✪✪✪✪✪✪✪✪✪✪✪✪ ✪✪✪✪✪✪✪✪✪✪✪✪
Februar ✪✪ ✪✪✪✪✪ ✪✪✪✪✪✪✪
März ✪✪✪✪ ✪✪✪ ✪✪✪✪✪✪
April ✪✪✪ ✪✪✪
Mai ✪✪✪✪✪✪✪ ✪✪✪✪✪✪
Juni ✪✪✪✪✪ ✪✪✪✪
Juli ✪✪✪
August ✪✪
September
Oktober ✪✪ ✪✪
November
Dezember
[Quelle: DFB, Bildnachweis: prochasson frederic by Shutterstock.com]