Eine Umfrage der Universität St. Gallen unter Schweizer Ingenieuren kommt zu dem Ergebnis: 76 Prozent der Befragten bekommen ihre Geistesblitze nicht am Arbeitsplatz, sondern im Urlaub, beim Zähneputzen oder Spazierengehen. Der Trick ist: Seine Gedanken nicht linear in eine Art Gedankentunnel zu zwingen, sondern ihnen frei Lauf zu lassen, zu assoziieren – womöglich aber auch seine linke Gehirnhälfte mit Laufen oder Putzen zu beschäftigen, damit die kreative rechte spinnen kann.

In der ZEIT steht heute ein kleiner Artikel zum Ideenmanagement. Danach bringt die gezielte Förderung von Geistesblitzen in der Belegschaft etwa dem Automobilhersteller Audi einen finanziellen Vorteil von rund 50 Millionen Euro im Jahr. Hier wird dann auch gleich die Kreativität in einer sogenannten Ideen-Agentur gefördert. Wer gute und verwertbare Ideen liefert, erhält dafür nicht nur eine Prämie (deren Effekt nutzt sich irgendwann ab), sondern auch Einladungen zu Events oder speziellen Workshops, die man so nicht kaufen kann.

Das ist eine feine Sache, aber nur die halbe Miete. Denn, wie die ZEIT schreibt: Der Einfall ist ein Störfall. Er bricht mit Traditionen und verlangt Anpassung. Das mögen die wenigsten. Deshalb braucht es immer auch eine Kultur, die Andersdenken respektiert und Anregungen zulässt, statt sie zu zensieren. Das schließt ebenso mit ein, dass der gute Gedanke aus einer anderen Abteilung kommen darf oder eben nicht vom Chef, sondern von einem Untergebenen, einem kleinen Rädchen im Getriebe – dass dafür aber ganz nahe am praktischen Problem ist.

Es bedeutet aber auch, dass sich Kreativität nicht in einem Team verorten oder gar verordnen lässt. Den “kreativen Imperativ”, wie in Bundeskanzlerin Angela Merkel mal erfunden hat, also den Blitz auf Befehl, gibt es nicht. Besser ist, Mitarbeiter einen Teil ihrer Arbeitszeit vom Schreibtisch zu verbannen, auf Reisen, Messen, Seminare, Kongresse zu schicken und damit auf andere Gedanken zu bringen. So wie bei Google, wo Angestellte 20 Prozent ihrer Arbeitszeit in eigene Projekte investieren dürfen. Und der Sache natürlich Zeit zu geben. Innovation entsteht nicht beim Brüten, sondern ähnelt in seinem Wesen einem Gärungsprozess: Man nehme ein paar Anregungen, spreche mit anderen Menschen darüber und lässt die (gemeinsamen) Gedanken köcheln, blubbern und sich entfalten. So leicht ist das – und oft so schwer.