Wirklich verbessert hat sich die Stimmung in den Unternehmen nicht gerade. Zwar sind neun von zehn Angestellten (92 Prozent) mit der Arbeit, die sie machen grundsätzlich zufrieden. Auch die Bezahlung findet die Mehrheit von 58 Prozent fair und angemessen. Trotzdem spult eine noch größere Mehrheit von 63 Prozent tagsüber nur eine Standardprozedur ab und schiebt Dienst nach Vorschrift. Eine hohe emotionale Bindung an das Unternehmen verspüren nur 14 Prozent. Knapp doppelt so viele – 23 Prozent – haben indes innerlich gekündigt. Das ist das Ergebnis der jährlich wiederkehrenden Umfrage des Gallup-Instituts, dem sogenannten Engagement-Index.
Die Betroffen schleppen sich meist schon am Montag mit der Frage ins Büro: Wann ist endlich wieder Wochenende? Und das liegt laut der Studie (PDF, 1323 Befragte, Zufallsauswahl) vor allem am Chef: Lob und Anerkennung vom Chef sowie offene Ohren für die Belange der Mitarbeiter – das vermissen diese am meisten. Nur vier Prozent der Befragten konnten sagen: “Ich habe in den vergangenen Tagen für gute Arbeit Anerkennung und Lob bekommen.”
Ob es jemanden im Unternehmen gibt, der sie beruflich fördert, wollten die Meinungsforscher ebenfalls wissen. Darauf konnte gar nur ein Prozent mit einen “Ja” antworten. Und nur drei Prozent stimmten zu, dass sie glauben Ihre Meinungen und Ansichten hätten im Unternehmen Gewicht.
Nun kann man freilich nicht immer alles Verantwortung dem Chef aufbürden. Und ich glaube, an der Stelle wird die Studie der tatsächlichen Situation in den Unternehmen auch nicht gerecht. Da gibt es einfach auch viele Frustrierte, die nach der Möhre vor der Nase verlangen, damit sie überhaupt mal lostraben. Und wenn dem Chef irgendwann das Zuckerbrot ausgeht und nur noch die Peitsche wirkt, dann klagen sie erst recht und gehen in den innere Ruhestand. Solche Mitarbeiter suchen in allen anderen die Ursache und delegieren Verantwortung weit von sich.
Aber: Es gibt eben auch die anderen. Jene, die einmal hochmotiviert angefangen haben und dann von ihren minderbegabten Führungskräften ausgebremst und demotiviert werden: Dabei geht es ganz leicht: loben, anerkennen, wertschätzen – das sollte nun wirklich keine Herausforderung für einen Vorgesetzten und Manager sein.
Merke: Das Klopfen auf die Schulter liegt zwar nur ein paar Rückenwirbel über dem Tritt in den Steiß – in Sachen Effizienz ist es diesem aber deutlich überlegen.
Gallup-Index im Jahresvergleich
| JAHR | Geringe Bindung | Innerlich gekündigt | Loyal |
| 2011 | 63 | 23 | 14 |
| 2010 | 66 | 21 | 13 |
| 2009 | 66 | 23 | 11 |
| 2008 | 67 | 20 | 13 |
| 2007 | 68 | 20 | 12 |
| 2006 | 68 | 19 | 13 |
| 2005 | 69 | 18 | 13 |
| 2004 | 69 | 18 | 13 |
| 2003 | 70 | 18 | 12 |
| 2002 | 69 | 16 | 15 |
| 2001 | 69 | 15 | 16 |
Quelle: Gallup
Bewerbungstipps: Die perfekte Bewerbung
Bewerbungsvorlagen: 16 kostenlose Muster zum Download
Denksport: 50 Brainteaser für Jobinterviews
Smalltalk-Tipps:



Bewerbungs-Dossiers zu Mappe, Anschreiben, Lebenslauf, Bewerbungsfoto und Zeugnissen.
Die besten Tipps und Dossiers für das Vorstellungsgespräch: So überzeugen Sie jeden Personaler.

Hans
“People don’t leave companies, the leave bosses!” – So fasst der ehemalige Gallup-Berater Marcus Buckingham seine Untersuchungs-Ergebnisse über die Zufriedenheit von Arbeitnehmern zusammen. Miese Chefs und Zickenkrieg sind die Hauptgründe für Frust am Arbeitsplatz.
Wenn Sie zu den vier von zehn genervten gehören, wie ich seinerzeit, suchen Sie auf Amazon nach Büchern von Marcus Buckingham oder Richard Bolles. Tun Sie’s wirklich. Lesen Sie. Und suchen Sie sich in aller Ruhe Ihren nächsten Job.
Bewerbungstipps finden Sie in (auf?) der Karrierebibel.
Jetzt sind Sie dran…
-Hans Steup, Berlin
Hans
PS: Danke für das Wort “minderbegabt”. Ich verwende es ab sofort anstelle von “inkompetent” :)
Gudrun Happich
Lieber Herr Mai, vielen Dank für diesen wirklich guten Artikel. Schön, dass Sie sich die Mühe gemacht haben einen 10-Jahres Vergleich zu erstellen. Grundsätzlich stimme ich Ihnen zu: die Verhältnisse sind mehr oder weniger gleich geblieben. Doch: ist es “Zufall”, das die Zahl der innerlich gekündigten denn doch mehr oder weniger kontinuierlich steigt?
viele Grüße und viel Spaß beim Diskutieren
Gudrun Happich
Hans
PS2: Die ftd widmet sich heute auch dem Thema und schreibt: ” Nichtlobende Chefs schaden Unternehmen”
Auszug:
“Doch ein guter Chef allein bringe keine glücklichen und motivierten Mitarbeiter, meint der Deutsche Gewerkschaftsbund. Nach dessen “Gute-Arbeit-Index” ist die Führungsqualität in Deutschland zwar nur mittelmäßig. Einkommen und Aufstiegsmöglichkeiten ließen aber noch mehr zu wünschen übrig.”
Pingback: Lesetipps für den 22. März | Netzpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0
Michael Erben
Erneut ein Beweis dafür, dass Führungskräfte interaktiv an die Hand genommen werden sollten, sich mit dem Thema Vertrauenskultur und Ermutigung als Helfer für wirtschaftlichen Erfolg auseinanderzusetzen – am besten in einer aktiven Brainstorming Session mit Rückopplungseffekt. Etwas, was man bspw. in den Niederlanden recht aktiv tut.
Hans
… manchmal hilft auch das, was der Deutsche Ring getan hat: Führungsebenen auf drei reduzieren und nur die guten Mitarbeiter behalten :) Ich persönlich halte schon wenig davon, Mitarbeiter “an die Hand zu nehmen”. Wer sogar seine Führungskräfte an die Hand nehmen muss, hat mehr als nur ein Problem.
Pingback: Meine Gedanken zum Engagement Index von Gallup › einfach produktiv - Das Anti-Zeitmanagement