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Angenommen, Sie sollten eine Liste von Vokabeln lernen... Wie würden Sie vorgehen? Die Chance ist jedenfalls groß, dass Sie es falsch machen. Die meisten Menschen würden sich vermutlich die Vokabeln Stück für Stück ins Gedächtnis trümmern - mithilfe von Eselsbrücken oder Karteikarten - und zunehmend jene Begriffe aus der Liste streichen, die sie schon beherrschen. Kurzum, sie konzentrieren sich auf das, was Sie noch nicht gelernt haben und haken den Rest als Erfolg ab. Effizient, denken Sie? Fehler!

Lernen lernen: Stoff nicht einfach abhaken

Die beiden Wissenschaftler Jeffrey Karpicke und Henry Roediger von der Purdue Universität dachten auch einmal so. Dann untersuchten sie wie sich das Gedächtnis verbessern lässt wissenschaftlich - und mithilfe ihrer Studenten.

Die sollten dazu mehrere Englisch/Suaheli Vokabelpaare lernen. Allerdings ließen ihnen die Wissenschaftler dazu unterschiedliche Methoden zur Wahl:

  • Die erste Gruppe lernte so, wie oben beschrieben: Liste machen, und was schon im Gedächtnis sitzt von der Liste streichen.
  • Die zweite Gruppe wiederholte die Liste stur immer wieder - also auch jene Vokabeln, die sie schon aus dem Effeff beherrschte.

Nachdem alle ihre Wortpaare eine Woche lang gelernt hatten, gab es - wie zu erwarten - am Ende einen Vokabeltest. Das Ergebnis überraschte die Wissenschaftler allerdings dramatisch:

  • Jene, die jedoch vermeintlich effizient gelernt und gelernten Stoff für sich abgehakt hatten, erreichten nur 35 Prozent im Test.
  • Jene, die ihr Vokabeltraining aber immer wiederholt hatten, ohne bereits Gelerntes auszusparen, erinnerten rund 80 Prozent der Suaheli-Begriffe.

Ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Es scheint, als würde es unserem Erinnerungsvermögen überhaupt nicht gut tun, erste Lernerfolge innerlich als Erfolg abzuhaken, um sich anschließend nur noch auf die Defizite zu konzentrieren. Zwar können wir aufhören, gut sitzenden Stoff weiter zu lernen, aber wir sollten diesen immer wieder einem Selbsttest unterziehen.

Heißt: Gehen Sie solche Lernlisten immer wieder durch - aber eben inklusive des Stoffes, den Sie schon beherrschen. Auch wenn es dann ein bisschen länger dauert. Es tut dem Gedächtnis gut.

Gedächtnis verbessern: Wir neigen zum Selbstbetrug

Studieren-LernenMancher mag jetzt vielleicht denken: Wenn ich mir doch sicher bin, dass ich alles kann, kann ich mir den Kokolores auch sparen. Vielleicht. Allerdings neigen wir dabei auch gerne zum Selbstbetrug.

Das Forscher-Duo machte mit dem obigen Ergebnis noch nicht Schluss. Die beiden fragten Ihre Probanden, bevor die ihre Testergebnisse bekamen, nämlich auch, wie gut sie glauben würden, ihre Vokabeln gelernt zu haben.

Beide Gruppen antworteten im Schnitt: Fifty-Fifty.

Die Antwort dürfte wenig überraschen, die meisten würden wohl so antworten. Aber verglichen mit einem Testergebnis von 35 Prozent überschätzte sich die erste Gruppe damit erheblich.

[Bildnachweis: Mila Supinskaya, Sabphoto by Shutterstock.com]