Gefälschtes Zeugnis: Diese Strafen drohen
Um die eigene Karriere in Schwung zu bringen, greift mancher tief in die Trickkiste. Zum Beispiel beschäftigt das Fälschen oder Schönen von Dokumenten immer wieder die deutschen Arbeitsgerichte. Insbesondere gefälschte Zeugnisse sind in der Berufswelt weiter verbreitet, als mancher glauben mag. Fliegt der Schwindel auf, drohen ernste Strafen und Konsequenzen. Immerhin handelt es sich um Urkundenfälschung in Reinform...

Auf diese 5 Punkte achten Personaler besonders im Zeugnis

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Gefälschtes Zeugnis: Urkundenfälschung ist strafbar

Wer jemals erwogen hat, Hand an seine Dokumente zu legen, sollte diesen Gedanken ganz schnell wieder aus seinem Kopf streichen. Hierzulande ist jede noch so kleine Änderung an Zeugnissen strafbar und wird in schlimmen Fällen sogar mit dem Entzug der Freiheit geahndet.

Ganz davon abgesehen, hat der Betrug für die Karriere ernsthafte Konsequenzen. Genau genommen eigentlich nur eine, dafür aber eine umso gravierendere: Wer sein Zeugnis fälscht und ertappt wird, hat hinterher keine Karriere mehr. Denn sowohl aus juristischer als auch aus Sicht der Arbeitgeber handelt es sich bei vorsätzlicher Urkundenfälschung um einen schweren Straftatbestand.

Dass deutsche Arbeitsgerichte bei einem gefälschten Zeugnis keinen Spaß verstehen, hat vor ein paar Jahren auch ein 40-jähriger Dortmunder am eigenen Leib erfahren. Dieser musste tief in die Tasche greifen, nachdem er sich für seine Bewerbung in einem Autohaus ein falsches Zeugnis am Computer gebastelt hatte. Die 2700 Euro Strafe, die er seinerzeit zu zahlen hatte, dürften jedoch das geringere Problem gewesen sein. Denn der Verurteilte gilt seitdem als vorbestraft. Und wer beschäftigt noch einen vorbestraften Autoverkäufer?

Gefälschtes Zeugnis: Wenn der Betrug auffliegt

Ollyy/shutterstock.comDer Hintergrund: Für gerade einmal vier Monate hatte der 40-Jährige als kaufmännischer Angestellter in einem großen Autohaus gearbeitet und hernach ein Zeugnis in die Hand gedrückt bekommen, das ihm schlicht einwandfreies Verhalten bescheinigte. Sprich: Er hat nicht geklaut, hat sich nicht auffällig verhalten, das war’s dann aber auch schon.

In dem Zeugnis, das er seiner nächsten Bewerbung beilegte, war hiervon jedoch nichts mehr zu lesen. Demnach hatte er fünf Jahre lang als "verantwortlicher Verkäufer" gearbeitet, war zudem "mit allen Facetten des Autohauses vertraut", und hat "alle Aktionen zur vollsten Zufriedenheit" begleitet.

Der Zeugnisfälscher setzte mit dem Abschlusssatz noch einen drauf: "Wir bedauern das Ausscheiden aus privaten Gründen außerordentlich", war hier zu lesen. Doch der Personalchef, dem das gefälschte Zeugnis vorlag, roch Lunte, erkundigte sich auf kurzem Dienstweg beim vorherigen Arbeitgeber und der Betrug flog auf.

In seinem Urteil erwies sich der zuständige Richter sogar noch vergleichsweise milde. Denn der Straftatbestand der Urkundenfälschung ist alles andere als ein Kavaliersdelikt.

Definition Urkundenfälschung

Urkundenfälschung ist die Herstellung unechter Urkunden, die Verfälschung echter Urkunden, und der Gebrauch unechter oder verfälschter Urkunden in der Absicht, im Rechtsverkehr zu täuschen. Das Produkt einer Urkundenfälschung wird als Fälschung oder Falsifikat bezeichnet. Die Urkundenfälschung ist im deutschen Recht nach § 267 StGB strafbar.

Schon der Versuch, Zeugnisse oder anderweitige Urkunden zu fälschen, ist strafbar. Die Urkundenfälschung kann mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft werden. In besonders schweren Fällen reicht der Strafrahmen sogar von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt dann vor, wenn der Täter...

  • mit den gefälschten Dokumenten Geld verdient.
  • Mitglied einer Bande ist.
  • einen großen Vermögensverlust von mehr als 50.000 Euro herbeiführt.
  • die Sicherheit des Rechtsverkehrs durch eine große Anzahl unechter oder verfälschter Urkunden gefährdet.
  • ein ihm übertragenes Amt missbraucht.

Gefälschtes Zeugnis: Was passiert mit der Karriere?

Dem betrogenen Arbeitgeber räumt das Arbeitsrecht einen durchaus großen Spielraum ein. Selbst wenn er den Schwindel erst nach einiger Zeit oder Jahren entdeckt, ist er ohne Wenn und Aber berechtigt, eine außerordentliche fristlose Kündigung auszusprechen.

Definition außerordentliche Kündigung

Eine außerordentliche Kündigung ist eine Kündigung, bei der die für eine ordentliche Kündigung vorgeschriebene Kündigungsfrist nicht oder nicht vollständig eingehalten wird oder bei der ein Arbeitsverhältnis gekündigt wird, das eigentlich nicht kündbar ist.

Eine außerordentliche Kündigung kommt beispielsweise in Betracht, wenn der Arbeitnehmer grob gegen seine Pflichten verstoßen hat. Letztes ist im Falle einer Urkundenfälschung absolut gegeben.

Kündigung kann auch nach Jahren noch ausgesprochen werden

Don_Orion/shutterstock.comDie deutschen Gerichte haben bezüglich der Fälschung von Arbeitszeugnissen oder anderweitigen beruflichen Dokumenten so manches einschlägige Urteil gefällt. In einem Fall zog ein außerordentlich Gekündigter vor Gericht, der acht Jahre lang für seinen Arbeitgeber gearbeitet hatte – Grundlage seiner Einstellung war seinerzeit ein gefälschtes Zeugnis gewesen.

Die Klage des ehemaligen Arbeitnehmers, die auf dem Argument fußte, dass die bis hierin erfolgreiche Zusammenarbeit ein größeres Gewicht habe als das seinerzeit gefälschte Zeugnis, wurde vom Gericht jedoch abgeschmettert.

Die Begründung liest sich wie folgt: Auch nach acht Jahren der erfolgreichen Beschäftigung kann der Arbeitgeber nicht daran gehindert werden, den Arbeitsvertrag anzufechten, hat er doch ein schutzwürdiges Interesse daran, dass die im Bewerbungsprozess vorgelegten Zeugnisse der Wahrheit entsprechen (LAG Baden-Württemberg, Az 5 Sa 25).

Arbeitnehmer, die also beim Thema Urkundenfälschung auf Zeit spielen, wiegen sich in falscher Sicherheit.

Gefälschtes Zeugnis: Arbeitgeber kann Schadenersatz verlangen

Der Arbeitgeber kann sogar Schadenersatz verlangen. Immerhin muss dieser nach der Kündigung einen neuen Mitarbeiter suchen, was erhebliche Kosten verursacht. Also: Finger weg von solchen Täuschungsversuchen – die Konsequenzen sind für den Arbeitnehmer nicht kalkulierbar und kosten im Zweifel die Existenz.

Stattdessen empfiehlt es sich, Geld in die Hand zu nehmen und seine Bewerbung durch einen Karrierecoach optimieren zu lassen, falls Zweifel bestehen, dass der gewünschte Job auf eigene Faust an Land gezogen werden kann. Hier lassen sich auf legalem Weg die richtigen Weichen stellen.

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