Kein Chef verschenkt Geld - man muss es einfordern. Wer also das eigene Gehalt verhandeln möchte, muss Gehaltsforderungen stellen - faire, realistische, aber auch keine untertriebenen. Gerade unerfahrene Berufseinsteiger oder Jobwechsler tun sich hierbei schwer. Sie können oft den Wert ihrer Fähigkeiten (und Erfahrungen) nicht richtig einschätzen. Dabei kann man das Formulieren von Gehaltsforderungen gar nicht früh genug lernen: Die Frage nach dem passenden Gehalt begleitet einen schließlich das ganze Berufsleben hindurch. Auch nach einem Jobwechsel oder bei einer Beförderung kommt es darauf an, sich richtig verkaufen zu können. So holen Sie mehr bei Ihren Forderungen raus...

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Wonach richtet sich das Gehalt?

Es fließen verschiedene Faktoren in das Gehalt. Auf fachlicher Seite sind es die harten Qualifikationen (hard skills) - die Ausbildung oder das Studium, daran anschließend die berufliche Erfahrung inklusive Praktika und Referenzen.

Uni- und Master-Diplome machen im Vergleich zu FH- und Bachelor-Abschlüssen oftmals einen Unterschied von zehn Prozent in der Gehaltsabrechnung. Diese Differenz schwindet allerdings mit den Berufsjahren immer mehr, sodass entweder nicht mehr unterschieden wird oder die schnelleren FH-Absolventen sogar leicht besser vergütet werden.

500 bis 600 Euro mehr pro Monat können hingegen Bewerber mit Doktortitel oder MBA erwarten, sofern das für die Stelle von Belang ist. Überall dort, wo solche Abschlüsse dem Arbeitgeber keinen Mehrwert bringen, werden sie gehaltsmäßig nicht berücksichtigt.

Viele Unternehmen betrachten Praktika bei Studierenden als Grundvorrausetzung. Praktika bieten Studierenden Einblick in die berufliche Seite ihres Faches und signalisieren dem potenziellen Arbeitgeber Engagement neben dem Studium. Gleichzeitig geben sie dem Berufsanfänger eine Basis für die spätere Gehaltsverhandlung.

Neben den jeweiligen Voraussetzungen – je nachdem, ob Berufsanfänger oder Berufserfahrener – zählt das persönliche Verhandlungsgeschick.

Die Rechnung "Wenn ich mein Gehalt niedrig genug ansetze, werde ich bestimmt genommen" funktioniert indes oft nicht. Viel wahrscheinlicher ist, dass so etwas beim potenziellen Arbeitgeber Skepsis hervorruft: Der Bewerber ist vielleicht doch nicht so qualifiziert wie angenommen - oder aber er hat seine Hausaufgaben nicht gemacht.

Die Logik dahinter ist: Wenn jemand sich so unter Wert verkauft, muss etwas faul sein. Eine andere Befürchtung von Arbeitgeberseite ist, dass der potenzielle Mitarbeiter nicht besonders loyal sein wird und sofort den Arbeitsplatz wechselt, sobald sich ihm eine bessere Chance mit höherem Gehalt bietet.

Unterschiede im Gehalt gibt es allerdings auch leistungsunabhängig zwischen Nord und Süd, Ost und West. Der Westen und der Süden Deutschlands schneiden aktuell besser ab. Das heißt, die Gehälter sind dort gegenüber dem Norden und dem Osten höher.

Am besten sieht es in Hessen aus; hier liegen die Gehälter zehn Prozent über dem Branchendurchschnitt. Aber auch die Betriebsgröße spielt eine Rolle: Je größer ein Unternehmen, desto größer die Spielräume bei Gehältern: Ab 500 Mitarbeitern ist ein Mehrgehalt von bis zu 50 Prozent zu erreichen.

Letztlich wird Ihr Marktwert von verschiedenen Faktoren beeinflusst: Neben der Qualifikation und Berufserfahrung zählen etwa...

  • Die Region

    Wie schon angesprochen, gibt es in Deutschland ein starkes Nord-Süd- beziehungsweise West-Ost-Gefälle. Diese Angabe ist allerdings auch nur grob. Oft entscheidender ist, ob Ihr Arbeitgeber seinen Sitz in einer wirtschaftlich starken Region hat oder eher in einer konjunkturschwachen Gegend beheimatet ist. Hier liegen die Lebenshaltungskosten in der Regel niedriger - die Löhne allerdings auch.

  • Die Branche

    Traditionell gilt die Pharmabranche als diejenige mit den höchsten Gehältern; im Sozialwesen wird dagegen am schlechtesten bezahlt. Das bedeutet: Selbst mit gleicher Position und vergleichbarer Ausbildung können die Gehälter hier um mehrere 1000 Euro im Monat variieren.

  • Die Unternehmensgröße

    Als Faustregel lässt sich merken: Kleine Handwerksbetriebe nur wenigen Angestellten zahlen natürlich weniger als Konzerne mit 50.000 oder mehr Beschäftigten. Entscheidend ist allerdings auch die Position und wie viel Verantwortung Sie in Ihrem Job tragen. Je größer diese ist, desto mehr Geld können Sie auch verlangen.

  • Die Wirtschaftslage

    Klar, geht es Ihrem Arbeitgeber gut und stehen die Zeichen auf Wachstum, werden auch die Gehaltsverhandlungen leichter, als wenn das Unternehmen Verluste macht. Bevor Sie also Ihre Gehaltsforderungen stellen, prüfen Sie immer auch die wirtschaftliche Situation des Arbeitgebers - etwa über Presseberichte oder Börseninfos.

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Sonderfall: Verjährungsfrist bei Gehaltsforderungen

Extra-Tipp-IconDieser Fall tritt ein, wenn Sie noch Gehalt bei Ihrem Arbeitgeber ausstehen haben. Als Erstes empfiehlt es sich, den Arbeitsvertrag genau zu lesen: Enthält er Ausschlussklauseln, ist Eile geboten. Diese Zusatzbestimmungen enthalten verkürzte Fristen und können dazu führen, dass Ihre Ansprüche innerhalb von drei bis sechs Monaten verfallen.

Gibt es diese Klauseln nicht, verjähren Gehaltsforderungen regulär gemäß § 195 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) nach drei Jahren. Die Frist von drei Jahren beginnt zum Ende des Jahres, in dem der Gehaltsanspruch entstanden ist und Sie davon erfahren haben oder davon hätten erfahren müssen. Wenn es beispielsweise um eine Gehaltsforderung aus dem Jahr 2015 geht, beginnt die Frist am 31.12.2015 zu laufen. Verjährt ist der Anspruch dann am 31. Dezember 2018 um 24 Uhr.

Was tun, wenn der Chef nicht zahlt?

Mehr Informationen lesen Sie hier:

Gehaltsforderungen im Bewerbungsprozess

Es fängt häufig schon beim Anschreiben an: Wie formuliere ich Gehaltswünsche? Gibt es keine konkrete Forderung dazu im Stellenangebot des Arbeitgebers, kann sich der Kandidat vor dieser Aufgabe drücken.

Die Überlegung wird so nach hinten geschoben auf einen Zeitpunkt, bis zu dem man hoffentlich eine Erleuchtung hat. Das ist insofern gut, als dass der Bewerber nicht Gefahr läuft, sich durch unrealistische Gehaltsforderungen selbst ins Abseits zu katapultieren.

Anders sieht es aus, wenn der potenzielle Arbeitgeber um die vollständigen Bewerbungsunterlagen bittet oder gar ausformuliert wissen lässt, dass Gehaltswünsche angegeben werden sollen. Da hilft kein Drücken und Prokrastinieren mehr - jetzt ist es an der Zeit zu gucken, woher sich diese Information beschaffen lässt.

Wenn Sie realistisch das Anfangsgehalt ermitteln, haben Sie die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Gehaltsforderung geschaffen. Dieses sollte allerdings erst dann auf den Tisch kommen, wenn der Bewerbungsprozess weit fortgeschritten ist. Wenn Sie gleich zu Beginn zu hohe Forderungen formulieren, werden Sie womöglich erst gar nicht eingeladen.

Sofern das Thema nicht explizit im Vorstellungsgespräch angesprochen wird, sollten Sie sich in Zurückhaltung üben – auch Fragen nach Urlaub und ähnlicher Vergütung bieten sich nicht an. Besser ist es, wenn Sie im Bewerbungsprozess bis zur zweiten Vorstellungsrunde abwarten und dann Entscheidungsträgern gegenüber stehen.

Gehaltsforderungen bei Jobwechsel

Gehaltsforderungen Jobwechsel TippsWoanders neu zu starten, bietet Chancen für Gehaltsforderungen. Eine neue Tätigkeit, ein neues Umfeld und die Gelegenheit, Dinge zu ändern, die sich in der Vergangenheit nicht ändern ließen.

Nicht umsonst beklagen einige Menschen, dass sie der "ewige Azubi" seien: Manche Unternehmen tun sich offenbar schwer damit anzuerkennen, dass ihre Mitarbeiter sich weiterentwickeln wollen, wenn sie bereits ihre Ausbildung im selben Unternehmen gemacht haben.

Deshalb zählt bei einem Jobwechsel oftmals nicht nur ein höheres Gehalt, sondern auch die Perspektive, beruflich weiterzukommen – sei es durch eine andere Position oder Weiterbildungsmöglichkeiten. Wenn ein Jobwechsel mit einer gestiegenen Verantwortung einhergeht, ist das ein entscheidendes Argument für eine höhere Gehaltsforderung beim Arbeitgeber.

Aber auch hier sind Ihre Möglichkeiten natürlich vom Markt abhängig. Wenn Sie geschickt verhandeln, können Sie bei einem Jobwechsel mit fünf bis 15 Prozent mehr Gehalt rechnen. Für höhere Steigerungen muss der Bewerber sehr gefragtes Nischenwissen vorweisen können. Orientierungsmarke ist hier Ihr derzeitiges Gehalt.

Das sollten Sie nach Möglichkeit allerdings nicht sofort offenlegen. Vielleicht ist der Arbeitgeber bereit mehr zu zahlen, als Sie sich überlegt haben? Daher kommt das erste Angebot idealerweise vom Unternehmen selbst, so dass Sie die Chance auf ein höheres Gehalt vergeben würden, wenn Sie mit einer Gehaltsforderung vorpreschen.

Extreme Pole bei Spitzenkräften

Extreme Pole bei SpitzenkräftenEinen entscheidenden Unterschied in den Gehältern lässt sich beim Jobwechsel von Spitzenkräften beobachten. Hier sind zwei Extreme zu verzeichnen.

  • Bei den Einen sind - je nach Branche - Gehaltssprünge von bis zu 30 Prozent drin. Dies gilt etwa für Bereiche, in denen die Nachfrage deutlich höher als das Angebot ist. Dazu zählen im Qualitätswesen Ingenieure, die dringend gesucht werden. Hier ist eine Steigerung des Gehalts von bis zu 15.000 Euro möglich.
  • Anders sieht es bei hochqualifizierten Führungskräften aus. Ihr Einstiegsgehalt lag nach dem Studium beispielsweise bei 45.000 Euro. Durch Betriebswechsel und Aufstieg haben viele einige Jahre später ein Einkommen von 100.000 Euro überschritten. Bei einer Position als Bereichsleiter oder CEO liegt der Verdienst solcher Spitzenkräfte zwischen 200.000 und 250.000 Euro. Diese Spitzengehälter steigen durch Jobwechsel allerdings kaum noch.

Grob vereinfacht kann man sagen: Je höher das Gehalt, desto größer die Gefahr, durch einem Jobwechsel kaum noch Steigerungen zu realisieren. Ab einem Jahreseinkommen von 85.000 Euro lässt sich beobachten, dass die Gehaltserhöhungen eher nur noch bei fünf Prozent liegen.

Aber letztlich sollte ein höheres Gehalt nie das Primärziel eines Wechsels sein. Aspekte, wie eine neue Unternehmenskultur oder Jobzufriedenheit, können wesentlich wichtiger sein - und die Gehaltsansprüche sinken lassen.

Gehaltsforderungen bei Beförderung

Bei einer Beförderung sieht es gehaltlich wiederum anders aus. Der Arbeitnehmer hat sich schon geraume Zeit im Unternehmen bewährt und signalisiert Leistungsbereitschaft. Hier sind sogar größere Gehaltssprünge möglich. Von Gehaltssprung ist dann die Rede, wenn das Gehalt durch eine einmalige Erhöhung deutlich über den jährlichen Anhebungen liegt.

Üblicherweise geht man dabei von 20 oder 30 Prozent aus. In besonderen Situationen sind auch Gehaltssprünge von bis zu 50 Prozent möglich.

Solche starken Anstiege gehen aber meist mit mehr Verantwortung einher. So beispielsweise bei einem Sachbearbeiter ohne Personalverantwortung, der nun Führungskraft wird. Allerdings sollten sich potenzielle Anwärter auch darüber im Klaren sein, dass mit einer geänderten Position andere Arbeitszeiten verknüpft sind.

Von einer Führungskraft wird man eine deutliche Bereitschaft zu Überstunden erwarten. Gleichzeitig ist eine Vergütung von Mehrarbeit in der Position nicht üblich, sondern wird durch das gestiegene Gehalt abgegolten.

Daher ist es wichtig, sich im Vorfeld über einen möglichen finanziellen Nachteil im Klaren zu sein, wenn beispielsweise diese Überstunden-Vergütung wegfällt.

Andererseits eröffnet eine Führungsposition häufig die Möglichkeit, einen Dienstwagen zu nutzen. Schielen Sie also nicht nur aufs Geld. Geldwerte Vorteile sind neben einer Forderung nach mehr Geld ein anderer Weg, Leistung entsprechend zu honorieren und können unterm Strich für Sie sogar günstiger sein. Diese Zusatzleistungen können sich in Zuschüssen fürs Mittagessen oder den Kindergarten, Fort- und Weiterbildungen, aber auch in Sachleistungen wie Laptops und Handys niederschlagen.

Zwei Tricks bei den Gehaltsforderungen können Sie außerdem anwenden, die Wirtschaftspsychologen herausgefunden haben:

  1. Gehaltsforderung-Trick: Legen Sie ein konkretes Angebot vor. Der sogenannte Ankereffekt führt häufig zu einem besseren Ergebnis. Grund dafür ist, dass die zuerst genannte Zahl sich wie ein Anker im Gedächtnis des Chefs verhakt. Wenn der Arbeitgeber keinen Vergleichswert findet, bleibt die zuerst genannte Zahl haften. Sie unterfüttern das Ganze mit plausiblen Gründen und im besten Fall greift Ihr Chef auf dieselbe Zahl zurück, da er keine andere errechnet hat.
  2. Gehaltsforderung-Trick: Nennen Sie eine krumme Gehaltssumme. Also beispielsweise 39.950 Euro statt 40.000 Euro. Ihr Gegenüber bekommt mit dieser Zahl das Gefühl, dass Sie sich intensiv mit Ihrer Gehaltsforderung auseinander gesetzt haben. Das führt laut Psychologen dazu, dass das mögliche Gegenangebot besser ausfällt. Gerade Summen hingegen bewirken, dass das Gehalt um 1.000 Euro niedriger ausfällt, während bei einer krummen Zahl zumeist in Hunderterschritten verhandelt wird. Allerdings nicht empfehlenswert sind zu krumme Zahlen – im Euro- und Centbereich wird nicht verhandelt.

Lassen Sie sich nicht abspeisen!

Sie tragen sich schon länger mit dem Gedanken, Ihrem Chef eine Gehaltsforderung zu unterbreiten? Dann ist eine gute Vorbereitung das A und O.

Stellen Sie sich das aber nicht zu einfach vor: Die wenigsten Vorgesetzten verteilen einfach so eine Gehaltserhöhung. Versetzen Sie sich deshalb vorab immer in die Lage Ihres Vorgesetzten: Welche Gegenargumente könnte Ihr Chef haben?

So wappnen Sie sich gegen mögliche Zurückweisungen:

  1. Weigerung: Ihr Chef vergleicht Äpfel mit Birnen

    • Methode: Zum einen betreibt er Gleichmacherei, indem er auf die identischen Gehälter aller Angestellten in der Hierarchie verweist. Zum anderen verweist er auf die Verhältnismäßigkeit, indem er Ihre Leistungen und die Stellenanforderung vergleicht.
    • Wirkung: Erneut werden Aussagen ohne Belege getroffen, damit Sie Ihre Forderungen fallen lassen. Das geschieht anhand von schwammigen Vergleichen, ohne dass die Kriterien dafür ersichtlich wären.
    • Gegenargumente: Lassen Sie sich die Kriterien erläutern. Beharren Sie darauf, Ihre Kriterien zu besprechen und erklären Sie, welche Bezahlung Ihnen demzufolge zustehen müsste. Machen Sie deutlich, dass es für Sie nicht um eine Extrawurst geht, sondern dass Sie finden, dass außerordentliche Leistung und Engagement auch entsprechend entlohnt werden müssen – sei es durch eine Gehaltserhöhung oder geldwerte Vorteile.
  2. Weigerung: Ihr Chef bezeichnet seine Ansicht als Fakt

    • Methode: Er erzählt etwas über angebliche wirtschaftliche Gegebenheiten (die natürlich extrem schlecht sind) und die dem Unternehmen einen Sparkurs auferlegen.
    • Wirkung: Er drückt auf die Tränendrüse. Mit Blick auf die schlechten konjunkturellen Entwicklungen kann er das Gespräch von Ihren Gehaltsforderungen ablenken. Stattdessen macht er Druck und wirbt um Verständnis, am besten für einen Verzicht.
    • Gegenargumente: Hören Sie genau auf Formulierungen und Signalwörter, die angeblich unumstößliche Wahrheiten signalisieren sollen. Solche wie exakt, meine Sorge, absolut, zweifelsfrei, zweifelsohne, ich weiß sicher, mit absoluter Gewissheit... Verlangen Sie Belege für diese Behauptungen, fragen Sie nach exakten Zahlen, worauf sich Ihr Vorgesetzter bezieht. Noch besser ist natürlich, wenn Sie derart vorbereitet sind, dass Sie solche Erwiderungen direkt als Behauptungen entlarven und entsprechend parieren können. Davon abgesehen schmälert die aktuelle Lage nicht Ihre Leistungen.
  3. Weigerung: Ihr Chef verweist auf andere Experten

    • Methode: Ihnen wird von anderen Personen auf derselben Hierarchieebene wie der Ihres Chefs erzählt. Die sind allesamt mit ihm einer Meinung, dass Ihre Gehaltsforderungen völlig abwegig sind. Gekrönt wird seine Weigerung damit, dass Ihnen dies auch von der Personal- und Geschäftsleitung bestätigt werden könnte.
    • Wirkung: Experten sollen seine Aussagen untermauern, damit er glaubwürdiger wird. Gleichzeitig steht Ihre Gehaltsforderung erneut absurd da, denn wer wird schon die Expertise von solchen Kapazitäten anzweifeln wollen?
    • Gegenargumente: Auch wenn es verführerisch ist: Bleiben Sie sachlich. Halten Sie ihm keineswegs vor, dass er sich lediglich auf andere beruft. Hinterfragen Sie stattdessen und beharren auf konkrete Namen und Veröffentlichungen, die seine These untermauern. Drängen Sie auf Zahlen und Fakten und überlegen Sie, ob eine Vergleichbarkeit zwischen Ihren Forderungen jetzt und den zitierten Unternehmen überhaupt gegeben ist.
  4. Weigerung: Ihnen werden überzogene Forderungen unterstellt

    • Methode: Ihr Vorgesetzter arbeitet mit Übertreibungen, sieht die eigene Firma bereits in der Insolvenz aufgrund Ihrer Gehaltsforderung.
    • Wirkung: Sie werden fachlich und persönlich infrage gestellt, das Horrorszenario soll einschüchternd wirken.
    • Gegenargumente: Sie betonen Ihren Wert für das Unternehmen. Demonstrieren Sie anhand von Beispielen, welchen konkreten Nutzen Ihr Arbeitgeber durch Sie hat. Belegen Sie gegebenenfalls durch vorherige Betriebsversammlungen oder Presseberichte den derzeitigen Stand des Unternehmens in der Arbeitswelt.
    • Achtung: Ein Trick ist, die von Ihnen angebrachten Zahlen und Fakten schlichtweg zu bestreiten. Da hilft nur eins: Auf dem aktuellsten Stand sein. Präsentieren Sie beispielsweise aktuelle Veröffentlichungen von Branchendurchschnittsgehältern, wenn er die Höhe Ihrer Forderung für unangemessen hält.
  5. Weigerung: Ihr Chef macht negative Anspielungen

    • Methode: Er suggeriert, dass Ihre Eigenwahrnehmung Ihrer Kenntnisse und Leistungen überhaupt nicht der Wahrnehmung des Unternehmens entspricht und Ihre Kollegen Sie anders einstufen würden.
    • Wirkung: Es sollen Selbstzweifel geweckt werden, indem Sie an sich und der Akzeptanz durch Ihre Kollegen zweifeln.
    • Gegenargumente: Das beste Gegenargument ist auch hier, die Aussage schlicht und ergreifend in Zweifel zu ziehen. Haken Sie nach: Schätzen Ihre Kollegen Sie und Ihre Qualitäten tatsächlich so gering ein? Aufgrund welcher Informationen kommt Ihr Chef zu so einer Aussage?

Gehaltsforderungen: Diese Fehler bitte vermeiden

Gehaltsforderung formulieren GehaltsverhandlungEs gibt immer noch einiges, was Sie Ihre berechtigte Erhöhung kosten kann. Maßstab und Voraussetzung Ihrer Gehaltsforderung sollte immer Ihre eigene Leistung sein. Negativbeispiele für eine Gehaltsforderung wären:

  • Der Wunsch nach mehr Gehalt, weil die Lebenshaltungskosten gestiegen sind. Oder Ihr Partner arbeitslos wurde. Das alles ist für Sie persönlich bedauerlich, aber Ihr Arbeitgeber ist kein Wohlfahrtsverein. Schlimmstenfalls vermutet er noch, dass Sie nicht mit Geld umgehen können.
  • Ihre Kollegen verdienen mehr als Sie. Sie heben das Thema damit auf die persönliche Ebene, sollten aber sachlich mit Ihren Leistungen argumentieren.
  • Sie wählen den falschen Zeitpunkt. Die Ausgangsbasis ist denkbar schlecht, wenn ein Unternehmen in der Krise steckt. Außerdem sollten Sie für das Gespräch mindestens 30 Minuten Zeit einplanen, das heißt in Stresssituationen bietet sich ebenfalls kein Gespräch an.

Wie Sie weitere Fehler vermeiden können, lesen Sie hier. Wichtig ist bei allen Ihren Gehaltsforderungen folgendes:

  • Seien Sie perfekt vorbereitet, nehmen Sie sich Zeit für eine umfassende Recherche vorab.
  • Bleiben Sie immer sachlich, aber auch beharrlich. Rufen Sie sich Signalwörter in den Sinn, damit Sie mögliche Tricks aufdecken können.

Mit diesem Trick verdienen Sie 10 Prozent mehr

gehaltstrick-10-prozent-mehr-verdienenWenn Sie das nächste Mal über Ihr Gehalt oder eine Gehaltserhöhung verhandeln, machen Sie zuerst einen Witz über Ihr aktuelles Gehalt. Nicht, weil das vielleicht wirklich ein Witz ist, sondern vielmehr, weil Sie so einen psychologischen Trick nutzen - den sogenannten Ankereffekt. Studien an der Universität von Idaho konnten jetzt einen enorm positiven Effekt auf das erzielte Gehalt nachweisen.

Der Gehaltswitz ist natürlich nur eine von vielen Varianten, wie Sie ein Gehaltsgespräch eröffnen können. Die Masche ist allerdings auch bemerkenswert effektiv. Psychologische Studien um Todd J. Thorsteinson von der Universität von Idaho bestätigen den positiven Effekt des witzigen Auftakts.

Im konkreten Experiment eröffneten die Probanden (allesamt mit einem fiktiven Jahresgehalt von 29.000 Dollar ausgestattet) die Gehaltsverhandlungen mit zwei unterschiedlichen Sätzen:

  • "Ich würde diesen Job auch für 100.000 Dollar machen - aber ganz ehrlich: Natürlich suchen wir beide nach einer fairen Lösung."
  • "Ich würde diesen Job auch für einen Dollar machen - aber ganz ehrlich: Natürlich suchen wir beide nach einer fairen Lösung."

Der Unterschied ist mehr als offensichtlich: Einmal extrem hochstapeln, einmal extrem tiefstapeln. Die Effekte sind jedoch mehr als bemerkenswert:

  • Während die Teilnehmer der ersten Gruppe im Durchschnitt ein Jahresgehalt von 35.385 Dollar heraushandeln konnten,
  • erzielten die Probanden der zweiten Gruppe im Schnitt nur 32.463 Dollar.

Oder anders formuliert: Ein zwar unrealistischer und überdimensionierter Witz über die eigenen Gehaltsvorstellungen, mag auf den ersten Blick sinnlos erscheinen - er bringt aber im Schnitt rund 3000 Dollar mehr im Jahr.

[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]