Sie müssen jetzt sehr stark sein. Denn die folgende Nachricht liest und hört man nicht gerne. Trotzdem kennt vermutlich jeder im Bekanntenkreis Fälle, die das bestätigen: Es zahlt sich nicht aus im Job immer nett zu sein. Sprichwörtlich.

Laut einer Studie der Cornell Universität, die das Wall Street Journal ausgegraben hat, verdienen nette Mitarbeiter deutlich weniger als die weniger sympathischen. Besonders bei Männern ist das so. Da verdienen die weniger beliebten bis zu 18 Prozent über dem Durchschnitt, bei den (unbeliebten) Frauen sind es nur fünf Prozent.

Für die landesweite Untersuchung, an der neben Beth Livingston unter anderem auch Kollegen der Universitäten von Notre Dame und Western Ontario mitgewirkt haben, wurden insgesamt Datensätze von mehr als 10.000 Beschäftigten über einen Zeitraum von 20 Jahren ausgewertet. Zusätzlich wurden Experimente mit rund 460 Wirtschaftsstudenten gemacht. Am Ende zeigte sich: Wer auch immer Bestnoten in Beliebtheit erzielte, hatte zunächst deutlich schlechtere Karten überhaupt den Job zu bekommen – oder verdiente anschließend sehr viel weniger.

Aber warum ist das so?

Nun, so ganz eindeutig sagen (und wissen) das die Studienautoren auch nicht. Es scheint aber so zu sein, dass gerade von Männern stereotypisch maskulines Verhalten erwartet und honoriert wird – und das setzt eben weniger darauf Sympathiepunkte zu sammeln, sondern eher Dinge durchzuziehen und Erfolge zu erzielen. Dazu zählen freilich auch Gehaltsverhandlungen. Und da ist ja schon seit einiger Zeit bekannt, dass Frauen in solchen Gesprächen viel zu zurückhaltend, Konsens suchend und weniger fordernd auftreten.

Bevor Sie das aber falsch verstehen: Hier ist nicht die Rede von Soziopathen oder Kollegenschweinen. Das wäre zu einfach. Nur weil einer nicht gemocht wird, muss er andere noch nicht despektierlich behandeln oder schinden. Ein Chef, der eine unpopuläre Entscheidung trifft, macht sich auch nicht gerade beliebt, ist deswegen aber kein schlechter Chef.

Und womöglich liegt hierin auch ein weiterer Grund: Wer vorrangig danach trachtet, im Job gemocht zu werden, muss zwangsläufig immer einen für alle komfortablen Mittelweg finden. Und heraus kommt dabei eben auch meist nur Mittelmaß. Spitzenleistung, Entwicklung und Innovationen finden in der Regel aber eher am Rand der Komfortzonen und darüber hinaus statt. Eben da, wo es (anfangs) ein bisschen weh tut. Wie in der persönlichen Entwicklung auch.

Ich weiß, auch das ist keine bequeme Botschaft. Aber sie ist deswegen auch nicht weniger wahr.